Besetzung
Abahachi – Jens Janke
Ranger – Claus Biechele
Winnetouch – Veit Schäfermeier
Santa Maria – Ingo Brosch
Hombre – Ulrich Wiggers
Falscher Hase – Thomas Klotz
Listiger Lurch – Eric Minsk
Uschi – Michelle Spietelhof
Dimitri – Detlef Leistenschneider
Damen-Ensemble: Natacza Soozie Boon, Sarah Elizabeth Bowden, Linda Geider, Schirin Kazemi
Herren-Ensemble: Haldor Laegreid, Paul Stampehl, Christian Kerkhoff, Shane Dickson, Alexander Bellinkx
Ich wusste gar nicht, dass es im TdwW keine ausliegenden Besetzungslisten gibt^^ Aber na ja, so lange einen niemand schief anguckt, weil man vor dem Bildschirm steht und die Besetzungsliste abschreibt

Ich war zum 1. Mal in Berlin und folglich auch zum 1. Mal in diesem Theater und fand es richtig schön. Ziemlich klein im Vergleich zum Palladium, aber richtig schön nostalgisch. Das Orchester spielte für das Publikum sichtbar oberhalb der Bühne (es gibt ja keinen Orchestergraben), ich dachte erst, das würde vielleicht stören, tat es aber überhaupt nicht

Der Vorhang war ein ganz normaler roter schwerer Stoffvorhang mit Goldverzierungen, also nichts indianermäßiges, dafür hingen an beiden Seiten der Bühne ein paar „alte“ Fotografien und ein Büffelkopf und so Sachen^^
Ich saß Reihe 3 Platz 1 rechts und hatte eine grandiose Sicht, da die Sitze ja wirklich kaum ansteigen, hätte ich auch echt nicht weiter hinten sitzen wollen^^
Zu den Darstellern …
Sowohl bei Jens als auch auch bei Claus hatte ich das Gefühl, dass sie sich erst ein bisschen warm spielen mussten. Der Anfang war irgendwie noch ziemlich lasch, und die beiden haben erst so ca. nach dem zweiten Lied so richtig angefangen, aus sich rauszugehen und sich in ihren Rollen auszutoben. Das Zusammenspiel zwischen den beiden war auf jeden Fall klasse!
Was mir bei Jens am besten gefallen hat, war sein ausgeprägtes Zusammenspiel mit so ziemlich jeder Person und jeder Requisite auf der Bühne^^ Als er beispielsweise auf der Puder-Rosa-Ranch einen Cocktail schlürfen durfte, hat er den Genuss dieses Getränks absolut herrlich überzogen dargestellt, und mit dem Prärieviech oder was auch immer es ist bei „Wieder mal am Marterpfahl“ hat er auch rumgeflirtet

Zu Claus muss ich sagen, dass er leider nicht so schön jodelt wie Mark auf der CD und auch sein bayrischer Ranger-Slang nicht unbedingt an den von Mark rankommt. Schauspielerisch fand ich ihn nicht überragend, aber okay. Gesanglich muss er sich aber nicht hinter Mark verstecken, „Wieder mal am Marterpfahl“ von ihm klang super und z.B. bei „Wünsche werden wahr“ hat er wunderschön mit den anderen harmoniert.
An Veits Winnetouch hat mir gefallen, dass er nicht die Filmversion kopiert hat, sondern die Rolle ziemlich anders spielt. Und meiner Meinung nach hat das sehr gut funktioniert. Genial fand ich seine Schreie, die klangen so was von feminin! Und es war großartig, wie er sich immer an Ranger rangemacht hat, und auch die Erweiterung der Beziehung zwischen Hombre und Winnetouch im Musical hat super gepasst!
Ingo hat mich seeehr an Sky Dumont erinnert, er ist auch so der sexy-coole Typ, und war ein überzeugender arroganter Bösewicht

Das einzige, was ich an Ulrichs Hombre vermisst habe, war diese prägnante raue, brüchige Stimme von Peter Kaempfe auf der CD. Abgesehen davon war er sehr gut und hat den Wandel von Santas Aschenbecher zu Winnetouchs Freund überzeugend rübergebracht.
Die Überraschung des Abends war für mich Thomas – ich hätte nicht erwartet, dass man aus so einer kleinen Rolle eine solche Show machen kann! Eindeutig die genialste und witzigste Sterbeszene, die ich je gesehen habe. Ich hab auch noch nie erlebt, dass es gleich zweimal mitten in einer Szene Szenenapplaus gibt, was hier der Fall war, einmal direkt nach seinem Song und dann nochmal nach dem „kurzen“ Tod. Er hat ihn aber auch sehr verdient


Zum Eric als „lästigen“ Lurch kann ich jetzt gar nicht sooo viel sagen, er ist weder groß rausgestochen noch negativ aufgefallen

Dann Michelle als einzige weibliche Hauptdarstellerin – schauspielerisch fand ich sie gut, wenn sie auch nicht ganz die Raffinesse von Marie Bäumer im Film hatte. Und ihre Stimme finde ich einfach wunderschön!
Last but not least: Detlef als Dimitri, hat mich auch seeehr an Rick Kavanian erinnert. Sein griechischer Akzent war fantastisch, und er hat es perfekt geschafft, sämtliche Substantive zu verdrehen (Vogellock, Kindfindel, Eselmaul …)! Und er hat eine Unmenge guter Laune auf der Bühne versprüht

Was mir insgesamt, sowohl beim Ensemble als auch bei den Hauptdarstellern, aufgefallen ist, war die sicht- und spürbare Spielfreude. Es war richtig toll denen dabei zuzusehen, was für einen Heidenspaß sie in ihren Rollen hatten!
Zum Stück …
Ich bin ein großer Fan des Films und habe ihn eigentlich schon viel zu oft gesehen^^ Vielleicht hat mir deswegen das Musical so gut gefallen: Es hat den Geist und das Feeling des Films perfekt übernommen, hat aber auch viele ganz neue und andere Elemente drin, sodass man auch, wenn man den Film gut kennt, vom Musical noch überrascht werden kann.
Ich fand die Musik übrigens sehr gut, es gibt wirklich schöne Nummern (Ich kann nicht mit dir gehn, Wieder mal am Marterpfahl, Wünsche werden wahr) und mitreißende, lustige Songs (Wo die Schoschonen schön wohnen, Ich trinke Ouzo, Superperforator), und dazu lauter Topstimmen und kein einziger Song, bei dem es langweilig wurde. Die Umsetzung der Filmvorlage in ein Bühnenstück fand ich ausgesprochen gut gelungen, die eingeblendeten Hintergründe, die Laufbänder für die Reitszenen, die Pferde, die Puppenkojoten und dieses Prärieviech, das hat einfach wahnsinnig gut gepasst und hat sich alles super auf der Bühne gemacht. Die Veränderungen der Filmvorlage sind allesamt tolle Ideen, z.B. bekommt Winnetouch keinen Indianer-Crashkurs wie im Film, sondern der Geist des verstorbenen Indianeropas Grauer Star wird wiederauferweckt und bringt Winnetouch mit der echt coolen Nummer „Glaub an dich“ auf den richtigen Pfad zum Indianer

Ich würde sagen, beim „Schuh des Manitu“ stimmt einfach das Gesamtbild: Du hast eine lustige bewährte Story, gute Musik, sehr detailreiche, fantasievolle Kostüme, eine großartige und ideenreiche Bühnenadaption des Stoffes und – in meinen Augen das wichtigste – ein hervorragendes, spielfreudiges Darstellerensemble.
Zuletzt noch ein paar Worte zu Publikum und Auslastung …
Ich hab überall gehört, dass „Schuh“ nicht gut liefe. Da hat es mich nun aber doch gewundert, dass ich in einer Dienstagsvorstellung war (also generell die vermutlich schlechtbesuchteste Vorstellung der Woche, bei Wicked waren da letztes Jahr schon oft beide Ränge geschlossen und der Saal nur halb voll) und das Parkett war vollbesetzt, im ersten Rang waren nur die hinteren Sitzreihen leer, und auch im zweiten Rang saßen so einige Zuschauer. Keine Ahnung, wo die Auslastungsprobleme herkommen, meine Show war auf jeden Fall sehr gut besucht. Und zum Publikum: Es war spürbar begeistert und ging sehr mit. Schon ab dem ersten Song gab es eine ganze Menge Applaus und sehr viele Lacher, bis jetzt habe ich es öfters erlebt, dass ein Publikum erst im Verlauf des 1. Akts langsam warm wird, aber hier waren sofort alle voll mit dabei. Die Frage vom Falschen Hasen ans Publikum „Wollt ihr den kurzen oder den langen Tod?“ hat wunderbar funktioniert, es kamen sofort etliche „Lang!“-Rufe zurück, und als die Ensembleleute auf der Bühne mit einem ungnädigen „Kurz!“ konterten, kamen erneut einige lautstarke „Lang!“’s aus dem Publikum zurück

Bei den richtigen Songs wurde auch kräftig mitgeklatscht, aber niemals so, dass es in Festzeltstimmung ausartete, worüber ich froh war. Szenenapplaus gab es generell ziemlich viel, wobei sich das Marterpfahl-Prärietierchen besonderer Beliebtheit erfreute, ich glaube, es taucht im zweiten Akt nochmal kurz auf, und wurde dafür gleich mit lautem Applaus belohnt. Beim Schlussapplaus hat Veit es dann zum Verbeugen mit auf die Bühne gebracht

Zum Schlussapplaus gab’s auch noch ein kleines Schoschonen-Ouzo-Leben ist schön-Medley und es gab ziemlich viel Beifall, wobei es Standing Ovations erst zum letzten Vorhang gab, aber immerhin^^
Was soll ich abschließend sagen? Es hat sich gelohnt

In diesem Sinne – servus
