Gold von den Sternen

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Ariliana
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Beitragvon Ariliana » 14.03.2008, 13:31:20

Dann bin ich ja beruhigt! Hurra! Schriftliche Sprache funktioniert doch ! :D :D

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ChristineDaae
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Beitragvon ChristineDaae » 25.04.2008, 16:19:17

Vielen Dank :) Hier eine Fortsetzung – ich bin endlich über 13000 Wörter :D
Viel Spaß, falls man das hier wünschen kann...



18. Kapitel – Ich falle und nichts, was mich hält

Vier Wochen lang ging mein Leben weiter wie bisher. Ich traute der Ruhe nicht – bei meinem üblichen Glück musste das die Ruhe vor dem Sturm sein.
Ich bin im Nachhinein froh, dass ich nicht wusste, wie stark der Sturm werden würde, denn sonst hätte ich diese letzten ruhigen Wochen nicht so fröhlich verlebt.
Ich traf mich oft mit Mike, um das Duett zu üben – wir hatten uns jetzt tatsächlich für Sweeney Todd entschieden und mein Sinn für schwarzen Humor stieg mit jeder Probe –, ich ging mit Anna shoppen und ich lernte, lernte, lernte. Und es half: Ich wurde immer besser; vor allem im Tanzen, was schon immer meine schwache Seite gewesen war, machte ich Fortschritte.
Die Lehrer lobten mich fast nie; aber die Fortschritte erkannte ich daran, dass meine Mitstudenten lobten und die Lehrer zumindest auf Kritik verzichteten.
Aber ich merkte, dass das viele Üben mich anstrengte. Ich hatte ständig Kopfschmerzen und oft wurde mir schon morgens schlecht, sobald ich etwas gegessen hatte. Aber ich machte trotzdem weiter und tanzte auch noch nach Ende der Unterrichtsstunden, um besser zu werden.
Schließlich würde ich bald gleichzeitig mit der Ausbildung in einer Produktion beschäftigt sein und überhaupt keine zusätzliche Zeit mehr zur Verfügung haben – da lohnte sich jetzt jeder noch so kleine Vorsprung, denn ich würde die Übung brauchen können.
Aber Anna machte sich Sorgen.
»Du bist blass wie ein Gespenst«, sagte sie eines Morgens, als wir uns vor der ersten Stunde trafen. »Du solltest dich krank schreiben lassen und mal ein bisschen Pause machen.«
»Bist du verrückt?«, entgegnete ich sofort. »In zwei Wochen fangen die Proben für die Musketiere an, da kann ich nicht einfach „Pause machen“.« Ich traf genau ihren Tonfall. »Und außerdem kann ich ein kleines Polster gut gebrauchen, was das Können betrifft. Wenn ich spiele, habe ich nebenher keine Zeit mehr, um zu lernen.«
»Ja, du hast ja Recht.« Anna trat von einem Fuß auf den anderen. »Aber trotzdem, denk zumindest drüber nach. Du siehst im Moment wirklich nicht gut aus.«
Ich verdrehte die Augen.
»Und außerdem wirst du noch viel zu dünn, wenn du so viel Sport treibst«, fügte sie halb im Scherz hinzu.
»Blödsinn«, murmelte ich, »ich hab in den letzten Woche ja sogar zugenommen. Und außerdem – ich und zu dünn? Da musst du mir schon die Schokolade wegnehmen.«
»Die du in letzter Zeit sofort wieder auskotzt«, konterte Anna, ohne auf meine nicht ganz ernst gemeinte Antwort einzugehen. »Ich mein es ernst, Rike. Pass auf.«
»Ich meine es auch ernst«, antwortete ich. »Ich weiß, dass du es gut meinst, aber man kann es auch übertreiben. Es geht mir bestens – ich habe einfach nur viel zu tun in letzter Zeit. Aber das schaffe ich schon, keine Sorge.« Ich lächelte zuversichtlich. »Also, gehen wir? In fünf Minuten geht´s los.«
Anna sah einen Moment lang aus, als wollte sie noch etwas sagen, schwieg dann aber doch und folgte mir zum Tanzsaal.

Auch Mike sah mich besorgt an, als wir uns fertig umgezogen und aufgewärmt im Saal trafen.
»Rike, alles klar? Du siehst echt krank aus...«
»Danke«, erwiderte ich ironisch.
»Nein, Moment, so war das doch nicht gemeint... Ich finde nur, du schaust nicht gut... Ich meine, du siehst aus, als würdest du gleich umkippen.«
Ich verdrehte die Augen und seufzte. »Mike, es geht mir super. Kein Grund zur Sorge.«
Mike wollte widersprechen, aber in diesem Moment ging die Stunde los und er hatte keine Chance mehr dazu.

Mir fiel die Stunde im Vergleich zu den früheren schwer. Wir machten heute in den ersten beiden Stunden Stepptanz, was ich noch nie sehr gut gekonnt hatte. Heute aber hatte ich besondere Schwierigkeiten, die richtigen Schritte zu finden.
Nach den beiden Stunden hatten wir eine kurze Pause und ich stürmte davon, um etwas zu trinken – ich wollte Annas und Mikes besorgten Blicken endlich entgehen, die mir schon die ganze Stunde folgten.
Es folgten zwei weitere Stunden Tanz; diesmal Paartanz mit Hebefiguren. Ich bekam Mike als Partner zugeteilt – was mir nicht sehr Recht war, aber wir durften nicht die Partner tauschen.
Ich merkte zunehmend, wie sich meine Kopfschmerzen verstärkten. In den schnellen Drehungen wurde mir schwindelig und ich hatte kaum genug Spannung, damit Mike mich hochheben konnte, aber ich wollte mich auf keinen Fall befreien lassen.
Mitte der zweiten Stunde Paartanz brach unser Professor ab und rief, wir sollten jetzt paarweise den anderen vortanzen.
Er stellte die Musik wieder an – „Carpe Noctem“ aus Tanz der Vampire – und rief Anna und einen jungen Mann namens Fabian als erstes Paar nach vorne.
Die beiden tanzten sehr gut, aber ich war kaum in der Lage, dem Tanz zu folgen. Die schnellen Passagen des Stückes dröhnten in meinen Ohren und ich schloss ausgelaugt die Augen, um mich mit dem Kopf an die kühle Säule zu lehnen, neben der ich saß.
Die Stimme des Professors rief mich aus meinen Träumen und Mike zog mich hoch – wir waren die nächsten.
Die Musik begann erneut von vorne und ich bemühte mich, die richtigen Schritte zu finden.
»Achten Sie auf ihren Gesichtsausdruck!«, ermahnte der Professor mich und ich versuchte, die entsprechende Miene aufzusetzen. Meine Kopfschmerzen waren inzwischen so stark, dass ich mich fühlte, als hätte ich einen Presslufthammer im Kopf und in einer schnellen Drehung auf Mike zu wurde mir so schwindlig, dass ich stürzte. Er konnte mich gerade noch auffangen.
»Tut mir Leid«, murmelte ich und versuchte aufzustehen, aber sofort drehte sich wieder alles und ich fiel zurück.
»Rike, du bist leichenblass«, sagte Mike nervös. Ich schloss die Augen; zu erschöpft für eine Antwort.
Die anderen Studenten redeten besorgt und aufgeregt durcheinander, aber sie wurden immer leiser und schließlich war endlich alles still.
Zuletzt geändert von ChristineDaae am 25.04.2008, 16:45:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Kitti » 25.04.2008, 16:29:47

Oh schön, dass es endlich weitergeht. Du hast das Ganze wieder einmal sehr schön beschrieben. Das mit Rike hört sich gar nicht gut an... Ob sie am Ende ohnmächtig geworden ist? Spannend, dass du genau an dieser Stelle aufgehört hast. Ein kleiner Tippfehler hat sich jedoch eingeschlichen:
Er stellte die Musik wieder an – „Carpe Noctem“ aus Tanz der Vampire – und rief Anna und einen jungen Mann namens Fabian als ersten Paar nach vorne.
Als erstes Paar wäre sicher besser. ;) Nur weiter so!
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Beitragvon Gaefa » 25.04.2008, 16:30:36

Schöner neuer Teil! Du machst es echt spannend und ich würd zu gerne wissen, ob meine Vermutung richtig ist, aber mal abwarten, was du weiter draus machst!
Wirklich toll beschrieben wie es Rike geht, man kann sich sehr gut in die hineinversetzen. Und ich will verdammt noch mal wissen wie es weiter geht, also ganz ganz schnell weiter tippseln!!
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Beitragvon ChristineDaae » 25.04.2008, 16:44:37

Danke :)

@Kitti: Ups, danke, das hatte ich nicht bemerkt... :oops: Ich anders noch ;)
@Gaefa: Du kannst mir deine Vermutung ja mal per PN schicken, ich bin gespannt, was du denkst :)
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Beitragvon armandine » 25.04.2008, 17:45:07

Ich schicke dir auch mal eine PM mit meiner Vermutung, wenn es recht ist?

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Beitragvon ChristineDaae » 25.04.2008, 18:25:25

Ja, gern :)
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Beitragvon Marie Antoinette » 25.04.2008, 20:54:56

Endlich wieder einen neue Fortsetzung :D

Gefällt mir wieder sehr gut... aber die Stelle an der du aufgehört hast war ja mal wieder total gemein... möcht wissen wies weitergeht... schnell weiter!

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Beitragvon ChristineDaae » 26.04.2008, 16:54:07

Danke :) Ich lass euch nicht zu lange warten, ich war grade so kreativ ;)



19. Kapitel: So viele Träume starben...

Als ich erwachte, lag ich in einem seltsamen Raum. Die Kopfschmerzen beeinflussten immer noch mein Denkvermögen, aber langsam wurde mir klar, dass es sich um ein Krankenhaus handeln musste. Ich lag in einem schmalen, unbequemen Bett mit schneeweißen Laken. Auch die Wände waren strahlend weiß und die Fensterbänke waren kahl und leer – keine Blumen, keine Vorhänge. Die einzigen Möbel waren einige Plastikstühle an einem kleinen, weißen Tisch und ein – natürlich ebenfalls weißer – schmaler Schrank in einer Ecke.
Außerdem stand direkt neben meinem Bett ein riesiger Kasten voller Kabel und Knöpfe und einem Monitor, der Diagramme aufzeichnete; vermutlich meinen Herzschlag und meine Atmung, wie ich es in einigen Krankenhaus-Serien im Fernsehen gesehen hatte.
Irgendetwas an diesem Ding gab ständig ein anstrengendes Piepen von sich, sodass ich schon nach wenigen Minuten vollkommen genervt war.
Ich sah mich weiter in dem kleinen Zimmer um.
Es war bis auf die wenigen Möbel leer; ich war allein.
Ich verzog das Gesicht. Bisher war ich nie in einem Krankenhaus gewesen – außer, um Leute zu besuchen –, aber nach allem, was ich so kannte, müssten eigentlich Dutzende besorgte Leute um mein Bett sitzen und sich freuen, dass ich endlich wieder wach wurde.
Fehlanzeige.
So beliebt war ich wohl nicht... Ich versuchte, mich zu erinnern, was passiert war, aber ich konnte mich an nichts erinnern, seit mir im Tanzsaal schwindlig geworden war.
Ich sah aus dem Fenster und setzte mich mit einem Schlag auf. Die Sonne stand ziemlich tief. Im Tanzsaal war es fast Mittag gewesen...
Ich wusste nicht, ob mein Zimmer nach Osten oder nach Westen zeigte, aber ich konnte davon ausgehen, mindestens ein paar Stunden bewusstlos gewesen zu sein.
Ich hoffte inständig, dass es nicht morgens war. In diesem Moment öffnete sich die Zimmertür und ich ließ mich beinahe reflexartig auf das Bett zurückfallen.
Skurrilerweise erinnerte mich das an früher, als ich mit acht oder neun Jahren noch heimlich im Bett meine Kopfhörer angeschaltet und dann versucht hatte, quasi Playback-singend meine Mimik in verschiedenen Musicalsongs zu perfektionieren.
Vom Schauspielerischen her hatte mir das damals viel gebracht, aber ich hörte stundenlang Musik und war am nächsten Tag oft so müde, dass meine Schulleistungen schwer darunter zu leiden hatten.
Später wurde es besser – ich legte diese Angewohnheit zwar bis ich 16 oder 17 war, nicht ab, aber ich lernte, mit weniger Schlaf auszukommen.
Ich hatte immer versucht, sofort so zu tun, als würde ich schlafen, wenn meine Mutter die Zimmertür öffnete, aber meistens hatte sie mich ertappt. Das lag, wie sie erklärte, nicht an der Lautstärke meiner Kopfhörer, sondern daran, dass ich für ein schlafendes Kind zu selbstbewusst, frech oder traurig aussah – je nach Lied.
Jetzt öffnete sich auch eine Tür, während ich im Bett lag, aber ich schloss die Augen nicht; schließlich wollte ich wissen, wer es war.
»Rike!«
Anna kreischte es beinahe, rannte quer durch den Raum zu mir und warf die Arme um mich, sobald ich mich wieder halb aufgesetzt hatte. »Endlich bist du wieder wach, ich hab mir solche Sorgen gemacht. Du sahst beinahe aus wie tot, wie du im Saal lagst, so blass und bewegungslos... Ich habe ja gesagt, du sollst dich befreien lassen und zu einem Arzt gehen. Warum hast du nur nicht auf mich gehört?«, sprudelte es aus ihr heraus.
»Immer mit der Ruhe, Anna«, unterbrach ich sie schließlich besänftigend. »Es geht mir gut – na ja, abgesehen von den Kopfschmerzen und der Tatsache, dass du mir die Luft abdrückst«, fügte ich leicht lächelnd hinzu und sie ließ mich sofort schuldbewusst los.
»Tut mir Leid. Ich hatte nur solche Angst um dich. Du bist einfach nicht aufgewacht – all die Tage... Du kannst dir nicht vorstellen, wie es war, zum Unterricht zu gehen, als wäre nichts gewesen, und dein Platz war leer... Wir haben uns alle um dich gesorgt und haben gehofft, dass du wieder aufwachst...«
»All die Tage??«, unterbrach ich sie entsetzt. »Wie lange war ich denn...?«
»Fast eine Woche.«
»Oh Gott«, murmelte ich tonlos. »So lang?«
»Es war schrecklich«, erwiderte Anna. »ich bin so froh, dass du wieder wach bist... Ich darf dich eigentlich nicht sehen, weil ich keine Familienangehörige bin, und du warst immer bewusstlos. Aber ich habe mich einfach reingeschlichen, schließlich wusste ich deine Zimmernummer und –«
»Woher denn?«, unterbrach ich sie erstaunt. Sie lachte verlegen. »Na ja, also, ich hab versucht, mit dem Typ am Empfang ein bisschen zu flirten... Hat ganz gut geklappt und er hat mir die Nummer verraten. Und seitdem gehe ich einfach immer hier rein, wenn ich sehe, dass der Arzt gerade da war und wohl so schneller nicht wieder–« Sie unterbrach sich, als sich die Türklinke herunterdrückte. »Scheiße«, flüsterte Anna und stellte sich auf die andere Seite meines Bettes, um sich hinter dem riesigen Kontrollkasten zu verstecken.
Sie schaffte es gerade noch rechtzeitig, bevor der Arzt ins Zimmer trat, mir einen guten Tag wünschte und sich vorstellte. »Guten Tag. Ich sehe, Sie sind wieder wach? Das ist gut. Ich bin Dr. Olbricht, ich werde Sie in der Zeit, die Sie hier sind, behandeln.«
Ich erwiderte seinen Händedruck, wenn auch etwas schwach.
»Für die Zeit, die ich hier bin?«,wiederholte ich. »Wie lange muss ich denn dableiben?«
»Sie bleiben einige Tage zur Beobachtung. Sie sind nicht sehr krank, nur überanstrengt; Sie haben sich in letzter Zeit zu stark verausgabt. Und außerdem – Wer sind Sie denn?«
Dr. Olbricht sah Anna verwundert an. Sie hatte gerade versucht, sich hinter seinem Rücken nach draußen zu schleichen, aber kurz vor der Tür hatte der Arzt sie bemerkt.
»Wer, ich?« Anna lachte etwas gekünstelt. »Ich, ich bin... Ihre Cousine. Ich hatte sie gerade besucht.«
»Ich habe sie gar nicht bemerkt«, erwiderte Dr. Olbricht stirnrunzelnd.
»Ich saß auf den Stühlen da... Nun ja, aber bei Ihrer Untersuchung will ich natürlich nicht stören. Auf Wiedersehen, Herr Doktor...«
Und schon war sie verschwunden. Ich verkniff mir ein Grinsen. Diese Ausrede war typisch Anna!
Dr. Olbricht seufzte und wandte sich mir zu. »Entschuldigen Sie bitte. Wo war ich noch gleich?«
»Sie wollten mir sagen, was mir fehlt«, erinnerte ich ihn.
»Ja, richtig. Nun, zunächst, wie gesagt, haben Sie sich stark überanstrengt. Sie hatten einigen Schlafmangel und haben viel gearbeitet; durch das viele Tanzen auch körperlich. Außerdem haben Sie die letzten Wochen wenig gegessen, sodass Ihrem Körper einige Nährstoffe gefehlt haben, vor allem Vitamine. Das ist nicht gut für Sie gewesen... Ihr Körper hat sich quasi selbst eine Ruhepause verordnet«, erklärte der Arzt. »Sie werden jetzt hier bleiben, bis sich alles wieder normalisiert hat. Wir müssen Sie eine Weile beobachten – vor allem in Ihrem Zustand ist so eine Überanstrengung möglicherweise schädlich.«
»In meinem Zustand?« Ich hob die Augenbrauen. »Was für ein Zustand? Ich hatte die letzten Wochen nur viel Stress, sonst geht es mir bestens.«
Sie wussten das noch gar nicht?«, fragte Dr. Olbricht entgeistert.
»Was denn?«
Langsam ärgerte ich mich, dem Arzt jedes Wort aus der Nase ziehen zu müssen.
»Frau Müller, Sie bekommen ein Kind.«
Zuletzt geändert von ChristineDaae am 27.04.2008, 18:52:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Kitti » 26.04.2008, 22:17:11

Oh, so schnell eine Fortsetzung, das freut mich! :D Wieder einmal sehr gut geschrieben. Wirst du langsam auch eine Drama-Queen? Dass sie schwanger ist, hätte ich ja absolut nicht erwartet! Sehr gute Idee, da lässt sich viel draus machen. Bin sehr gespannt, wie sie darauf reagieren wird, schließlich kann das ihre Ausbildung beenden...
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Beitragvon Gaefa » 27.04.2008, 11:51:34

Ich habs gewusst! Nein, eigentlich nur geahnt, aber dein letzter Teil lief eigentlich schon darauf hinaus und ich hab den ganzen neuen Teil lang darauf gewartet, dass der Arzt diese letzten Worte endlich ausspuckt! Sehr schön und spannend geschrieben!!
Schön, dass die Fortsetzung so schnell gekommen ist, trotzdem die Zeichen nicht vergessen ;) Lies noch mal drüber, ein paar Anführungszeichen fehlen zwischendurch, sonst wieder ein sehr sehr schöner Teil!
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Beitragvon ChristineDaae » 27.04.2008, 18:50:24

Vielen Dank, ihr zwei :)
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Beitragvon armandine » 27.04.2008, 21:44:50

Hatte ich also doch recht :lol: . Irgendwie amüsiert es mich immer, wenn Schwangerschaft immer mit Übelkeit, Schwindel und Ohnmachtsanfällen assoziiert wird :lol:

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Beitragvon ChristineDaae » 28.04.2008, 17:21:43

armandine hat geschrieben:Hatte ich also doch recht :lol: . Irgendwie amüsiert es mich immer, wenn Schwangerschaft immer mit Übelkeit, Schwindel und Ohnmachtsanfällen assoziiert wird :lol:


Warum, ist doch so ;) Naja, zumindest was die Übelkeit angeht...^^
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Beitragvon Marie Antoinette » 28.04.2008, 19:05:20

Ja, mit der Übelkeit hast du recht, ich kann da auch ein paar Leute ^^

Ein sehr schöner Teil ist das wieder geworden... :) bin jetzt echt mal gespannt darauf was die Schwangerschaft für Folgen für Rikes Ausbildung hat...

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Beitragvon armandine » 28.04.2008, 19:34:43

@Christine: Ich habe zwei Kinder und mir war nicht ein einziges Mal übel. Meine Frauenärztin meinte damals, das mit der Übelkeit hätten nur ca. 30 % der Frauen, aber es halt so ein typisches Klischee, dass es einem in jedem Buch und jedem Film begegnet. Deswegen musste ich schmunzeln, war nicht böse gemeint.

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Beitragvon ChristineDaae » 29.04.2008, 16:20:07

armandine hat geschrieben:@Christine: Ich habe zwei Kinder und mir war nicht ein einziges Mal übel. Meine Frauenärztin meinte damals, das mit der Übelkeit hätten nur ca. 30 % der Frauen, aber es halt so ein typisches Klischee, dass es einem in jedem Buch und jedem Film begegnet. Deswegen musste ich schmunzeln, war nicht böse gemeint.


Ich weiß, dass es nicht böse gemeint war :) Aber ich wollte halt schon irgendwie drauf hinweisen und da war Übelkeit gut geeignet ;)
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Beitragvon ChristineDaae » 01.05.2008, 13:07:33

So, hier die Fortsetzung :) Viel Spaß, wenn man das hier wünschen kann...


20. Kapitel: Gott, warum?


Seit drei Tagen war ich aus der Klinik entlassen, aber ich ging noch nicht wieder zum Unterricht. Im Moment wusste ich genau genommen nicht einmal, ob ich jemals wieder gehen würde.
Die Zeit verging schnell; viel zu schnell. Die Proben für die Produktion rückten immer näher und ich wusste, dass ich der Firma spätestens heute sagen musste, dass ich nicht teilnehmen konnte. Aber ich schob es immer wieder hinaus – ich suchte noch die richtigen Worte.
Ich kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich sowieso etwas anderes sagen würde, als ich es mir vorher überlegte, aber ich wollte zumindest ein Konzept haben.
Auch Anna musste ich noch sagen, was los war. Ich hatte nicht mit ihr gesprochen, seit ich entlassen worden war, und bei ihren Besuchen war ich ihren Fragen immer ausgewichen. Worte zu finden, um es ihr zu erklären, fiel mir wesentlich schwerer, als mir eine Formulierung für die Musicalproduktionsfirma zu überlegen; aber am schlimmsten war es immer noch, Mike davon zu erzählen.
Der Arzt hatte mir gesagt, das Kind würde Ende September geboren werden. Ich war nie gut in Mathe gewesen, aber ich hatte Mitte November des letzten Jahres mit Marco Schluss gemacht. Ich konnte mir an einer Hand abzählen, wann es passiert sein musste.
Ich ärgerte mich unsäglich über mich selbst. Ich wusste natürlich Bescheid über alle möglichen Verhütungsmittel und war trotzdem so leichtsinnig gewesen. Das hier konnte meine Karriere auf einen Schlag beenden, bevor sie überhaupt angefangen hatte.
»Wie konnte ich nur?«, murmelte ich immer wieder vor mich hin, stützte den Kopf in die Hände und seufzte. Ich aß schon den ganzen Tag Schokolade. Mich störte es nicht, dass mir schlecht wurde; ich wusste ja jetzt, woran es lag. Und es machte mich ganz krank.
Ich hasste es, dass ich einen Gedanken nicht verdrängen konnte: Ich konnte schließlich jederzeit abtreiben und mein Problem wäre gelöst. Ich war erst Anfang des zweiten Monats; noch war es also nicht zu spät...
Aber andererseits graute mir vor dem Gedanken, mein eigenes Kind zu töten. Ich wusste, dass ich das nicht fertigbringen würde.
Aber ich hatte schreckliche Angst.

Ich hob kaum den Kopf, als die Türklingel schrillte. Ich hielt mir lediglich die Ohren zu und dachte, ich müsste einen sanfteren Ton einbauen.
Nicht, dass ich eine Ahnung gehabt hätte, wie so etwas funktionierte oder ob das überhaupt ging.
Ich stöhnte genervt, als die Klingel erneut schrillte; diesmal wesentlich länger und nachdrücklicher.
Mit einem Seufzen stand ich auf und öffnete.
»Rike, was ist los?« Anna stand draußen, die Hände in die Hüften gestemmt.
»Wieso?«, fragte ich ausweichend.
»Wieso?«, wiederholte Anna ironisch. »Du redest seit drei Tagen nicht mehr mit mir und du siehst wirklich elend aus. Im Krankenhaus bist du meinen Fragen auch immer ausgewichen. Was ist los?«
»Ich bin einfach noch nicht ganz fit«, murmelte ich undeutlich. »Kaffee?«
»Nein, danke.« Anna setzte sich neben mich aufs Sofa. »Rike, was ist passiert? Komm, mir kannst du doch alles sagen...« Sie brach ab und seufzte. »Jetzt klinge ich schon wie deine Mutter. Los, sags mir, bevor ich betteln muss.«
»Das will ich aber sehen«, erwiderte ich mit einem halbherzigen Lächeln. Ich hoffte, es würde sie überzeugen, dass alles in Ordnung war – aber das tat es nicht. Natürlich nicht.
»Komm schon, Rike. Ich sehe dir an, dass was nicht stimmt. Was ist los? Du bist doch wieder gesund, bald gehen die Musicalproben los und du wirst ein Star. Freu dich!« Sie lachte mich an. Ich antwortete nicht.
»Oder...?« Sie schien langsam zu begreifen, dass meine Zukunft nicht mehr so aussah, auch wenn sie nicht wusste, warum. »Oder nicht?«
Ich schüttelte den Kopf, antwortete aber immer noch nicht, weil ich Angst hatte, in Tränen auszubrechen.
»Sag schon, was ist?«
»Ich bin schwanger«, flüsterte ich kaum hörbar. Aber sie verstand mich. »Du bist...« Sie hielt die Luft an. »Wie kann das sein? Dass du es so lange nicht gemerkt hast, meine ich? Du müsstest doch...«, sie rechnete schnell nach, »schon im dritten oder vierten Monat sein, oder?«
»Im zweiten«, murmelte ich. Ich hoffte, sie würde nicht weiter nachfragen und hoffen, das Kind sei von irgendeinem ihr unbekannten One Night Stand. Aber da kannte ich Anna schlecht.
»Im Zweiten?« Sie runzelte die Stirn. »Das kann doch nicht sein. Wir haben Mitte Februar, und mit Marco war doch schon im November Schluss. Von wem ist denn dein Kind dann?«
Ich starrte auf den Tisch vor mir und antwortete nicht.
Einige Minuten herrschte Schweigen.
»Moment mal«, flüsterte sie dann und klang verletzt. »Anfang Januar... Diese komische Wette zwischen Mike und dir...« Sie machte eine Pause. »Rike, bitte sag, dass das nicht wahr ist«, fügte sie flehend hinzu, aber ich musste nichts mehr sagen. Sie wusste bescheid.
Ich konnte nicht verhindern, dass mir jetzt doch die Tränen kamen.
»Es tut mir Leid«, flüsterte ich, aber sie hörte mir nicht zu.
»Wie konntest du nur?« Sie war ganz ruhig, aber ich konnte spüren wie enttäuscht und verletzt sie war.
»Das frage ich mich, seit es passiert ist. Anna, bitte hör mir –« Weiter kam ich nicht, bevor sie aufsprang und hinauslief.
Die Tür schlug zu und die Stille schwieg mich anklagend an.
Freue dich, wenn es regnet – wenn du dich nicht freust, regnet es auch.
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Beitragvon Gaefa » 01.05.2008, 13:42:53

Wieder ein sehr toller, trauriger Teil.
Es war ja abzusehen, dass Anna es auf lang oder kurz rauskriegen würde. Ich bin gespannt, ob sie es Mike erzählt und vor allem, was er dazu sagen wird, schnell weiter!
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Beitragvon Kitti » 01.05.2008, 14:16:30

Oh, schön, dass es diesmal so schnell weitergeht... Ich bin ebenfalls sehr gespannt, wie Mike reagieren wird und ob Rike sich nicht doch zu einer Abtreibung entscheidet. Vielleicht lässt du dir aber auch etwas ganz Anderes einfallen... Der letzte Satz ist besonders gut gelungen. :)
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