
Die Besetzung:
Magrid Arnaud: Sabrina Weckerlin
Marie Antoinette: Maricel
Giuseppe Balsamo alias Cagliostro: Marc Clear
Graf Axel von Fersen: Patrick Stanke
Louis XVI.: Tim Reichwein
Herzog von Orléans: Thomas Christ
Agnés Duchamps: Maike Switzer
Rose Bertin: Sarah Schütz
Léonard: Oliver Heim
Charles Boehmer: Fernand Delosch
Madame Juliette Lapin: Bettina Meske
Dr. Joseoh Ignance Guillotin: Daniele Nonnis
Kardinal de Rohna-Guémemé: Hans Neblung
Maximilien de Robesspierre: Markus Maria Düllmann
Madame Laballe: Susanna Panzer
Pierre A. Caron de Beaumarchais: Udo Eickelmann
Madame de Polignac: Sonja Tieschky
Kammerdiener: Martin Bacher, Oliver Nöldler
Turgot: Gerd Achilles
Wachsoldat, Wärter: Stefan Reil, Ulrich Talle
Escorte Damen des Hotel d`Orléans: Miriam Dusza, Mona Graw, Anika Lehmann, Patrizia Margagliotta, Petra Weidenbach
Madame La Motte: Mona Graw
Jacques René Hérbert: Stefan Reil
Offizier, Staatsanwalt: Till Schubert
In weiteren Rollen: Fredrik Anderson, Miriam Dusza, Marion Furtner, Lisette Groot, Marc Liebisch, Stefan Reil, Katie Schauer, Petra Weidenbach
Noble, Bettler, Bürger, Wäscherinnen, Volk: Ensemble
Kinder
Mathieu, armes Kind und Louis Charles, Dauphin: Frederik Dybvik-Nielsen
Rosalie, armes Kind und Therese, Tochter Marie Antoinettes: Lena Dybvik-Nielsen
Dirigent: Bernd Steixner
Sabrina Weckerlin als Margrid Arnaud:
Zunächst einmal einige Informationen für diejenigen, die sich vielleicht noch nicht detailliert mit „Marie Antoinette“ befasst haben: Margrid Arnaud ist eine fiktive Figur, die aus dem japanischen Roman stammt, der die Grundlage für das dramatische Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze darstellt. Margrid trägt nicht zufällig die gleichen Initialien wie die Königin Frankreichs, es werden im Laufe des Stückes noch weitere Gemeinsamkeiten aufgedeckt. Ja, es wird sogar angedeutet, dass die beiden unterschiedlichen Frauen Halbschwestern seien könnten, da sie sich nicht nur ähnlich sehen, sondern die Zahlungen, mit denen Margrids Ausbildung im Kloster bis zu ihrem 11. Lebensjahr finanziert wurden, mit dem Tod des österreichischen Kaisers schlagartig beendet waren.
Margrid wird so zur Bettlerin und muss sich als Veilchenverkäuferin durchschlagen.
Margrid stellt die „heimliche“ Hauptrolle dar und während sie zur Revolutionärin und am Ende sogar zur Spionin der Jakobiner aufsteigt, fällt ihre verhasste österreichische Rivalin Marie Antoinette.
Ich muss sagen, dass ich eigentlich kein Fan von Sabrina Weckerlin bin. Sie interpretiert die Margrid Arnaud mit starker Stimme und Bühnenpräsenz, die zeitweise sogar das Ensemble in ihrem kämpferischen Songs übertönen muss. Leider klingt sie immer wieder so, als hätte sie einen Akzent, so dass so manche gesungene Passage nur schwer verständlich war. Dennoch hat man ihr die Wandlung größtenteils abgenommen. Obwohl Margrid ihrer einstigen Rivalin am Ende sogar half, konnte sie deren Hinrichtung nicht verhindern.
Maricel als Marie Antoinette:
Über Maricel habe ich mich natürlich sehr gefreut. Endlich hatte ich auch einmal Glück mit den Angaben eines Spielplanes. Ich mag zwar sowohl Roberta Valentini als auch Maricel, aber man kann ja schlecht beide Darstellerinnen gleichzeitig sehen, wenn man nur einmal nach Bremen fährt. Obwohl Margrids Schicksal oftmals in den Vordergrund gerückt ist, hat Maricel keine Mühe damit gehabt, ihrer Rolle Leben einzuhauchen. Anfangs war sie herrlich naiv. Ich gebe zu, dass ich schon ein wenig grinsen musste, als sie quengelnd auf dem Sofa lag, weil ihr der Schatzminister Turgot Verschwendung vorgeworfen hatte. Daraufhin verlangte sie von ihrem Mann, dass er ihn entlassen solle und machte dabei ein Theater wie ein kleines Kind, dem man seinen Willen nicht gibt. Die verschwenderische, hochmütige und arrogante Art der jungen Königin hat Maricel mehr als überzeugend dargestellt, aber auch die Gefühle zu ihrem schwedischen Geliebten Graf Axel von Fersen kamen gut zur Geltung. Stimmlich hat sie die Songs auch sehr gut gemeistert, obwohl es zunächst etwas ungewohnt war, die Songs von Roberta Valentini auf der CD einmal anders interpretiert zu hören. Bei „Erst im Leid bin ich ganz ich“, als man ihr kurz vor der Hinrichtung auch die Kinder nimmt, hatte ich das Gefühl, dass ihre Augen verdächtig feucht waren. Abschließend kann ich nur noch sagen, dass sie für mich eine geniale Marie Antoinette gewesen ist.
Marc Clear als Cagliostro:
Leider habe ich ihn als Athos verpasst, aber seine bemerkenswerte Stimme und Bühnenpräsenz haben mich immer schon neugierig gemacht. Für mich kam es gestern völlig überraschend, ihn endlich live erleben zu dürfen, nachdem ich weder auf seiner Fanpage noch auf seiner Homepage einen genauen Spielplan gefunden hatte. Der Magier und Alchimist Cagliostro ist in „Marie Antoinette“ eine Art Erzähler, der aber auch die Handlung beeinflusst und im ersten Song bereits Vorausdeutungen macht. Marc war tatsächlich genau so gut, wie ich es aus Berichten kannte. Besonders interessant war es, als man während der Verurteilung Marie Antoinettes nur seine Stimme gehört, ihn aber nicht gesehen hat. Vielleicht weiß ja jemand von euch, wie das gemacht wurde. Kann ja auch sein, dass ich ihn nur nicht gefunden habe.

Patrick Stanke als Graf Axel von Fersen:
Auch Patrick gehört nicht unbedingt zu den Darstellern, die ich gern auf der Bühne sehe. Trotzdem hat er die Rolle des sanften und gerechten Geliebten der Königin gut ausgefüllt. Bis auf den einen oder anderen Ton, der sich für mich nicht harmonisch angehört hat, schien er an diesem Abend gut in Form gewesen zu sein.
Tim Reichwein als König:
Tims Stimme ist ziemlich markant und trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber schauspielerisch fand ich ihn unheimlich präsent. Wie auch in der Rezension des Musicalclubs zu lesen ist, lacht man anfangs über die ungeschickte, weltfremde Art des Königs, der seine Frau mit zwei verschiedenen Schuhen besucht und später berührt sein Schicksal sehr. Auch sein Song „Warum muss ich sein, was ich nicht bin“, in dem er gesteht, dass er lieber ein einfacher Mann statt ein König wäre und sich die Schuld an der Misere gibt, war gut interpretiert.
Herzog: Thomas Christ
Sein Solo „Weil ich besser bin“ habe ich auf der CD oft übersprungen, aber live war er, wie hier schon öfter erwähnt, viel besser. Den machtgierigen, arroganten Feind und Verwandten des Königs hat man ihm sofort geglaubt.
Maike Switzer als Agnés Duchamps:
Ihr schöner, heller Sopran ist mir bereits in den ersten Videos zu „Marie Antoinette“ und später natürlich auch auf der CD aufgefallen. Maike spielt die warmherzige Nonne und ehemalige Lehrerin Margrids sehr überzeugend und singt auch live unheimlich schön. Ihr Solo „Gott sieht uns zu“ ist eines meiner Lieblingslieder. Dabei habe ich festgestellt, dass ich sie gern einmal als Christine im „Phantom der Oper“ gesehen hätte.
Das Ensemble in vielen größeren und kleineren Rollen fand ich stimmlich und darstellerisch sehr ausdrucksstark. Zudem habe ich mich gefreut, meinen damaligen Porthos Till Schubert wiedersehen zu dürfen, der u.a. als Staatsanwalt zu sehen war. Schade, dass er kein Cover hat und auch sonst nur wenig solo singen darf. Ich könnte ihn mir auch ganz gut als König vorstellen. Dann wäre noch Bettina Meske zu erwähnen, die Margrid von der Straße in ihr Bordell holt und dort mit sehr starker und rockiger Stimme „Gib ihnen alles, was sie wollen“ interpretiert. Auch Maximilien de Robespierre (Markus Maria Düllmann) ist mir positiv aufgefallen. Er hat ebenfalls eine sehr starke Bühnenpräsenz, die für den Anführer der Jakobiner natürlich besonders gut gepasst hat.
Ich hoffe wirklich, dass bald eine Gesamtaufnahme mit möglichst vielen Songs auf den Markt kommen wird, da man einige Passagen beim ersten Hören nicht versteht. Dass die Highlightsaufnahme bereits so wenig großzügig ausgestattet ist, ist ein Grund mehr. Dagegen fand ich es schade, dass Marie Antoinettes Solo „Die Frau, die er liebt“, das auf der CD als Bonustrack von Maricel gesungen wird, so kurz geraten ist. Aus dem Song hätte man bestimmt mehr machen können.
Alles in allem lässt sich sagen, dass es sich trotz der zum großen Teil negativen Kritiken, die ich vor meinem Besuch in Bremen gelesen habe, gelohnt hat, das ergreifende Drama „Marie Antoinette“ zu sehen. Es wäre wirklich toll, wenn es zunächst eine Gesamtaufnahme und später eine Tour durch verschiedene Städte geben würde.