Shockheaded Peter, 27.03.09, Ingolstadt

Wie gefiel euch eine Vorstellung und was würdet ihr kritisieren?

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Shockheaded Peter, 27.03.09, Ingolstadt

Beitragvon Piano » 28.03.2009, 12:48:37

Mal wieder in meinem Lieblingstheater, diesmal bei einer Junk-Opera.
Wer das Stück nicht kennt: Es ist eine Collage aus den berühmten Struwwelpeter-Geschichten des frankfurter Kinderarztes Heinrich Hoffmann. Die makabren Storys kennt wohl jeder, das muss ich nicht näher erläutern. Jedenfalls gab es gestern in dem Stck 5 Darsteller, die alle Rollen übernommen haben.

Theaterdirektor: Richard Putzinger
Sängerin: Peter Reisser
Der Vater: Ulrich Kielhorn
Die Mutter: Katrin Wunderlich
Das Kind: Renate Knollmann

Musiker: Andreas Dziuk, Gary Todd, Margit Wöhrle

Vier der Darsteller hab ich ja schon in früheren, drei von denen in Musicals gesehen.
Gespielt wurde diesmal im "Kleinen Haus", wo ich zuletzt vor drei Jahren war, als ich beim Stück "der grüne Kakadu" da gespielt habe. Die haben das in den Jahren richtig schön renoviert. Das Foyer und die Toiletten zumindest, die Bühne ist unverändert, aber die war damals auch schon schön. Sehr schön fand ich, dass ich in der ersten Reihe saß und da die Leute da ebenerdig spielen, war ich richtig nah am Geschehen.
Richard Putzinger war der böse Theaterdirektor, der aussah wie ne Mischung aus Quasimodo und dem Joker aus Batman. Er hat die Geschichten immer angekündigt, wie ein Zirkusdirektor. Außerdem hat er von den Musikern ne große Holzkiste reinziehen lassen, in der dann Peter Reisser in weißem Kleidchen, Lippenstift und langen Haaren steckte (nachdem ich den in eher coolen Rollen wie Jesus bei "Jesus Christ Superstar", Ché bei "Evita" oder Schweizer bei "The Räuber" gesehen hab, war die Rolle echt noch komischer :lol:). War auch cool, dass er mindestens zwei Oktaven über seiner normale Tonlage singen musste. Hat sich lustig angehört.
Die anderen drei Darsteller haben die restlichen Rollen gespielt. Das Kind war meistens Renate Knollmann. Sie hat echt die bösen Mistgören klasse rübergebracht.
Eigentlich waren, wie immer in Ingolstadt, alle Darsteller mehr als hervorragend! Und gesanglich wie immer klasse!

Besonders gut hat mir die Inszenierung gefallen, weil es nicht grausam rüberkam, sondern einfach dunkelschwarzer Humor war. Die Musik ist schräg, aber genial. Sie haben auch viele eigene Gags eigebaut:
- Während dem Lied vom Paulinchen (die mit dem Streichhölzern spielt und verbrennt) zündet sich der Theaterdirektor eine (unechte) Zigarette an und drückt die nach dem Lied böse lachend in der Hand der Sängerin aus, die daraufhin beleidigt von der Bühne rauscht. Als er/sie (weiß nicht, wie ich das definieren soll ^^) nachher singen soll geht sie vor's Mikro, bringt keinen Ton raus und geht jammernd wieder ab. Danach sitzt sie dann beleidigt auf der Holzkiste vom Anfang, bis sich der Direktor entschuldigt.
- Die Mutter und der Vater wünschen sich unbedigt ein Kind. Der Vater stellt sich vor's Publikum und erklärt wie ein Einsatzleiter der Bundeswehr, dass man den Klapperstorch in sein Haus leiten soll, wenn man ihn sieht. Man hört dann Flügelgeflatter und der Theaterdirktor schaut nach oben und will den Storch runterwinken. Der reagiert aber offensichtlich nicht, woraufhin der Direktor eine Pistole zieht und in die Luft schießt. Vor oben fallen dann ein Bündel mit einen Baby und viele weiße Federn runter.
- Die Geschichte vom Zappel-Philipp: Die Darsteller stellen fest, dass sie keinen Tisch auf der Bühne haben. Daraufhin schaut der Direktor wieder die Sängerin böse an, die nur "nä" meint und an einer Leiter auf der Seite hochklettern will. Der Direktor zieht sie aber runter, gibt ihr ein Brett in die Hand, sie muss sich auf die Bühne sitzen und die Eltern werfen ein Tischtuch drüber und decken den Tisch halt ein. Als sie sich umdrehen erhebt sich der Tisch und will durch den Zuschauerraum abhauen, wird aber schnell wieder zurückgebracht. Während der folgenden Szene hört man den Tisch dann ständig laut fluchen.

Das sind nur einige der guten Szenen. Das Stück hat nur 70 Minuten gedauert, war aber keine Sekunde langweilig. Hat mich auch echt gefreut, drei meiner Lieblings-Ensemble-Mitglieder zu sehen und zu hören, und diesmal auch echt nah!
Leider war mir ja kurz vor der Vorstellung irre schlecht geworden und ich hab echt zweitweise gedacht, dass ich besser nicht ins Stück sollte. Hab mich aber dann in die erste Reihe neben den Eingang gesetzt (war freihe Platzwahl und der Zuschauerraum besteht aus der ansteigenden Tribüne) und hatte zwischendurch auch richitge Magenkrämpfe. Aber es war einfach zu lustig und ich hätte es bereuht, wenn ich nicht reingegangen wäre. Hab mir aber vorgenommen, mir das Stück nächte Saison (wo es im dritten Jahr läuft) nochmal gesund anzuschauen, damit ich auch laut mitlachen kann, ohne dass mit schlecht wird.

Die Links für Musikbeispiele liefere ich die nächsten Tage mal nach. Es gibt welche auf der Homepage von Peter Reisser, aber der aktualiesiert die Musik-Abteilung gerade.

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Re: Shockheaded Peter, 27.03.09, Ingolstadt

Beitragvon Elphaba » 31.03.2009, 01:18:37

Vielen Dank für deinen schönen Bericht Piano! :)

Klingt wirklich interessant das Stück! :D

Als ich vor einigen Jahren mal in London war, lief da auch gerade "Shockheaded Peter". Ist es möglich, dass es das gleiche Stück war? Oder gibt es da mehrere Produktionen?


Über die Musikbeispiele würd ich mich sehr freuen. :)
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Re: Shockheaded Peter, 27.03.09, Ingolstadt

Beitragvon Piano » 31.03.2009, 17:01:10

Es gibt meines Wissens nur ein Stück mit dem Namen. Aber ich denke, dass da jedes Theater ganz eigene Sachen mit reinbringt. Weiß auch nicht, ob da im Urtext steht, dass da ein Mann die Sängerin spielt ;-) War aber auf jeden Fall zum Schreien komisch ^^
Also, das in Ingolstadt ist jetzt auf Deutsch.

Den Link zu den Hörbeispielen gibts hoffentlich bald. Die sind auf der Webseite von "Sängerin" Peter Reisser hochgeladen, aber er aktualisiert offenbar gerade.


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