Romantische Operette in 3 Akten von Franz Lehár
nach Victor Léon
Text von Ludwig Herzer und Fritz Löhner
Musik von Franz Lehár
Dialogfassung von Kay Link
Musikalische Leitung: Christoph Heil
Inszenierung: Kay Link
Bühne und Kostüme: Marlit Mosler
Licht: Martin Stevens
Ferdinand Lichtenfels / Tschang (Sou-Chongs Onkel): Matthias Degen
Lisa, seine Tochter: Katharina E. Leitgeb
Gustav Graf Pottenstein: Michael Berner
Lore Radegg, seine Tante, Lichtenfels' Cousine: Ruth Müller
Sou-Chong: Jung-Hwan Choi
Mi, seine Schwester: Julia Amos
Fu-Li, Tschangs rechte Hand: Philipp Eckelmann
Obereunuch: Christian Schossig
G. Adé, Vorstandskollege von Lichtenfels: Thomas Brinkel
Fini, Franzi, Vally: Andrea Mink, Teresa Sobotka-Anastasow, Myriam Chavez de Kühner
Erst mal zu der Location: Vom Parkhaus kommt man direkt ins Untergeschoss des Theaters, wo sich die Gaderobe befindet. Das Foyer wirkt einladend. Das Theater war viel kleiner, als ich es mir vorgestellt hatte! Machte aber gar nichts! Wir saßen im 3. Rang, etwas links, und hatten Karten für 30 €. Meine Schwester und ich bekamen eine Ermäßigung für Schüler/Studenten von 30 %. Die Sicht war erstaunlich gut, was daran lag, dass das Theater doch recht kompakt ist. Meine Schwester meinte, es war eine ziemliche "Draufschau", das störte mich aber nicht. Man sah die gesamte Breite der Bühne, nur den oberen hinteren Teil des Bühnenbildes könnte man nicht sehen, was aber nicht sonderlich wichtig war. Das Haus war ziemlich voll und die Leute waren alle so elegant gekleidet! Mann, ich war wirklich ziemlich underdressed... Es war aber auch eine Überaschung von meiner Familie, und man hat mir nicht gesagt, wie ich mich anziehen soll...
Zur Inszenierung:Die Ouvertüre ist sehr schön und macht neugierig auf das folgende Geschehen. Hier kommt auch schon die Melodie der berühmten Arie "Dein ist mein ganzes Herz" vor.
Der erste Akt spielt sich in der Villa der Familie Lichtenfels in Wien ab. Das Bühnenbild stellt einen Raum dar, der relativ modern wirkt. Links und hinten in der Mitte war jeweils eine Tür. Im vorderen Bereich ein Sofa mit Tisch und rechts eine Art Bar mit Tresen und Barhockern.
Es folgte eine Pause, die über eine halbe Stunde dauerte und fast schon zu lang war (dafür gab ist nach dem 2. Akt keine Pause).
Der zweite Akt spielt im "Land des Lächelns", hier ein Chinarestaurant. Ich weiß ja nicht, was das Land des Lächelns im Original für eine Location darstellt. Ich fand das mit dem Restaurant etwas befremdlich, aber OK.
Hier kommen viele klischeehafte asiatische Klänge in der Musik vor, v.a. ein häufiger Gong, was mich ingesamt doch überrascht hatte, das hätte ich nicht vermutet. Man stellt sich ja alles immer so europäisch-klassisch vor.

Der Boss kommt manchmal von der Seite am Tisch sitzend hereingefahren, was einen komischen Effekt hatte.
Nach dem 2. Akt kam direkt im Anschluss ein Intermezzo und es ging dann gleich mit dem 3. Akt weiter. Er spielte in den Schlafgemächern, eigentlich im Gang, was recht simpel gestaltet war.
Am Anfang sieht man eine Küche, die später versenkt wird, was mir gut gefiel, da ich solch mechanischen Bühnentechnikschnickschnack liebe.

Ich finde, es war eine sehr qualitative Aufführung, ich sag immer, dass es faszinierend ist, dass einem auch in der Provinz solch gute Unterhaltung geboten wird.

Schön, dass die Beteiligten auch am 1. Weihnachtsfeiertag mit soviel Elan dabeiwaren.
Aufwändige Bühnenbildwechsel wie im Musical gab es nicht, aber so war das Stück auch nicht konzipiert. Es ist ein 3-Akter, jeder Akt spielt in nur einer Location.
Man hat deutlich gemerkt, ohne das Original zu kennen, dass man es hier mit einer sehr eigenwilligen und stark modernisierten Fassung zu tun hatte, was ich aber letztendlich gut fand und für das Genre Operette auch passend. In der Oper mag ich diese modernen Elemente überhaupt nicht.
Die Dialogfassung stammt vom Regisseur Kay Link. Inwieweit sie vom Original abweicht, weiß ich nicht, aber es waren einige, deutliche Eigenkreationen dabei, v.a. die Figur "Obereunuch" betreffend.
Beispiele: (Gustav gibt ihm Geld) "Hier hast du ein paar Kröten!" und er antwortet mit "chinesischem r": "Klöten!" (er ist ja Eunuch).
Desweiteren erzählt er davon, dass er gerne reisen möchte - nach Palis, Lom, Notle Dame,
Legensbulg! 
War echt witzig.
Außerdem war eine Mikrowelle zu sehen, es gab eine Billa-Tüte und es war von einem Parkschein die Rede, der noch 1 Stunde gültig war... Ich weiß ja nicht, ob es sowas in den 20er-Jahren, in denen das Stück ursprünglich spielt, schon gab... Bestimmt gab es noch einige weitere moderne Elemente.
Zum Stück allgemein: Es ist sehr kurzweilig und enthält viele, teilweise lange Dialoge zwischen den Musiknummern, was dem Stück einen leichten Charakter verleiht und dafür sorgt, dass man viel von der Handlung versteht (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Musik ist sehr schön, leider hab ich mir nicht viel merken könne, weil ich mich zusehr auf den Text konzentrierte als auf die Melodien.
Die berühmte Arie "Dein ist mein ganzes Herz" ist wirklich sehr schön, romantisch, aber auch dramatisch und eingängig. Die Melodie wird auch in der Ouvertüre zitiert und taucht später nochmal in der Reprise "Dein war mein ganzes Herz" auf.
Das Stück ist sehr lustig, hat aber auch Tiefgang und einen tragischen Schluss. Der Gegensatz zwischen der europäischen und der asiatischen Kultur ist sehr interessant. Die Handlung ist sehr einfach, aber mitreißend.
Die Darsteller:Lisa, seine Tochter: Katharina E. Leitgeb
Sou-Chong: Jung-Hwan Choi
Die beiden Hauptdarsteller Katharina E. Leitgeb (Lisa) und Jung-Hwan Choi (Sou) haben sehr gut gespielt und haben wunderschöne, stark klassische Singstimmen. Leider hat man die beiden aber auch am wenigsten verstanden, was ich doch sehr bedauere. Leitgeb hat einen astreinen Sopran und eine starke Höhe. Sie hatte kein blondes, sondern rot-braunes Haar. Im Text kam etwas von "blond" vor, was mir aber nicht aufgefallen wär, wenn es meine Schwester nicht gesagt hätte. War nicht schlimm, aber blondes Haar ist symbolisch natürlich in dem Fall sehr wertvoll. Die Erstbesetzung hat jedoch blondes Haar.
Choi hat eine eher sanfte Stimme mit potenzieller Kraft. In den Tiefen war er etwas schwach, dafür in den Höhen umso stärker. Er hatte einen mittleren Akzent, was aber bei den Sprechszenen nicht störte und eigentlich recht authentisch war. Er ist Koreaner, und auch wenn Koreaner und Chinese nicht das gleiche ist, hat er doch sehr gut in die Rolle gepasst und ich war froh, dass er ein Asiate ist, denn oft wird diese Rolle auch mit Europäern besetzt.
Michael Berner hat einen sehr liebenswürdigen Gustav Graf Pottenstein gespielt, und als Buffo war er gut zu verstehen. Matthias Degen als Tschang war auch sehr gut und hatte die nötige Reife für diese Rolle. Julia Amos hat eine total liebe und witzige Mi gespielt und war trotz ihres sehr klassischen Soprans gut zu verstehen. Christian Schossig spielte einen verrückten und witzigen Ober-Eunuch, auch wenn er nicht wirklich asiatisch aussah.
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Das Orchester: Das Orchester hat wirklich fabelhaft gespielt. Ich war wieder mal begeistert, dass es auch in einer eher kleineren Stadt so gute Musiker gibt. Das Orchester spielte dynamisch, hatte einen vollen Klang und sorgte für einen dichten Klangteppich, der vor allem durch die guten Streicher entstand.
Das Programmheft gefällt mir auch recht gut. Es hat ungefähr das Format eines üblichen Flyers und enthält ausreichend Informationen über das Stück im allgemeinen und über die Inszenierung speziell. Es sind einige Schwarzweißbilder der Aufführung zu sehen.
Noch ein Fazit: Ich werde mit Sicherheit wieder mal eine Operette in Regensburg ansehen, weil die Darsteller und das Orchester wirklich gut sind. Die etwas kleinere Bühne trübt den Genuss nicht und ist für dieses Genre meiner Meinung nach groß genug. Das Genre generell hat mich überzeugt, weil es teilweise modern ist und nicht viel Geduld erfordert. Meiner Schwester hat es auch gut gefallen, obwohl sie nicht so viel für Klassik und Oper übrig hat. Meiner Meinung nach ist Operette das ideale Bindeglied zwischen Musical und Oper.