Völlig geschmacklos fand ich hingegen das Bühnenbild bei „Sinn für Stil“ und, dass bei der Modenschau, gleiche Szene, Amneris plötzlich in einem viel zu überladenen „Kleid“ mit sechs männlichen Darstellern an der Leine, die als „Hunde“ mit Maske, kurzen Röckchen verkleidet waren, auf die Bühne gekommen ist. Sorry, aber warum hat man sie nicht gleich in Lack und Leder rauskommen lassen

Nervend fand ich auch das ständige Mischmasch von deutsch und englisch bei den Songs. Die Idee, die Ägypter auf Deutsch singen zu lassen und die Nubier auf Englisch, fand ich im Grunde recht interessant. Aber natürlich stellt sich dann die Frage: Was soll man tun, wenn Aida und Radames z.B. ein Duett singen sollen. Wenn beide in ihren Sprachen weiter gesungen hätten, hätte man bestimmt nichts mehr verstanden, aber so begann ein ständiges hin und her zwischen den Sprachen und die klare Linie, die man eig hätte einhalten müssen, hat sich total verloren. Unerklärlich war für mich dann auch, warum Radames plötzlich in „Durch das Dunkel“ anfängt auf Englisch zu singen oder seinen gesamten Brief, den ich auf deutsch sowieso viel schöner finde, komplett auf Englisch gesungen hat. Klar könnte man das mit „sich näher kommen“ zwischen Aida und Radames erklären, aber so hat sich dann der ganze Faden i-wie verloren…
Cast:
Ava Brennan als Aida fand ich vom stimmlichen her wirklich klasse! Schauspielerisch fand ich sie an den meisten Stellen auch überzeugend, aber sie wirkte durch die fremde Sprache, ein wenig unsicher, sie hat sich auch ziemlich oft verhaspelt bei den Dialogen, was man ihr aber schnell verzeiht, weil sie die Aida mit einer solchen Leidenschaft darstellt. Besonders gefallen hat sie mir bei den Szenen mit den Nubiern, wie „Dance of the robe“ und „The gods love Nubia“. Weitere Höhepunkte von ihr waren „Easy as life“ und die Reprise von „Elaborate lives“.
Mathias Edenborn als Radames hat mir ebenfalls gut in seiner Rolle gefallen. Hört sich jetzt vll ein bisschen komisch an, aber es fiel mir zuerst ein wenig schwer, einen anderen Darsteller in der Rolle des Radames „zu akzeptieren“, wo ich doch nur Mark Seibert, meinen absoluten Lieblingsdarsteller in dieser Rolle gesehen habe… Aber Mathias hat es mir leicht gemacht ihn ebenfalls in dieser Rolle zu mögen, da er die Rolle auf eine ganz andere Weise interpretiert hat, als Mark: Sein Radames war weniger hart am Anfang, eher lustig angelegt, was beim Publikum sehr gut angekommen ist ^^ Gesanglich hat er keine Probleme gehabt, obwohl ich manchmal die leisen Stellen, v.a. bei „Durch das Dunkel“ vermisst habe.
Nazide Aylin als Amneris hat mir gesanglich sehr gut gefallen. Aber ehrlich gesagt: Schauspielerisch hat sie mich überhaupt nicht angesprochen. Wahrscheinlich kann sie nichts dafür, sondern eher Kim Duddy, aber Amneris ist in dieser Inszenierung so richtig langweilig… Ich hab nicht einmal über sie gelacht, genauso wie die Meisten im Publikum. Angefangen hat sie mit einem starken Auftritt: Ihr „Jede Geschichte handelt von der Liebe“ und „Dies ist die Story“ hat mir ziemlich gut gefallen, sie hat eine starke Stimme, die zu den Songs der Amneris perfekt gepasst hätte. Doch dann kam die Szene in den „Bädern“ von Amneris, bestehend aus drei Couchen und einem Fitnessfahrrad. Überall sah man nur noch Zebra und Gepardenmuster. Während dem Anfang der Szene lag Amneris nur auf ihrer Couch rum (die übrigens sehr gemütlich aussah, also passte der Satz: „Was glaubt er denn, wie lange ich diese Haltung noch einnehmen kann“ nicht wirklich dazu…) und hat ihren Text runtergeleiert… Normalerweise ist das ja eine der lustigen Szenen des ganzen Stücks - hier hat das Publikum nicht einmal gelacht… Finde das seeehr schade, dass man Amneris grade dieses „tussig-sein“ genommen hat, denn das gehört einfach zur Rolle und verleiht ihr noch mehr tiefe, wie ich finde… So war nicht mal die Bettkammerszene witzig... Somit ist die Wandlung von dem Modepüppchen zur starken Frau (von der ich bei Nazide auch nicht wirklich was gemerkt habe) nicht wirklich groß ausgefallen und ich hatte nicht mal Tränen bei „Die Wahrheit“ in den Augen, was bei mir eig vorprogrammiert ist. Ich würde sie auf alle Fälle gerne nochmal auf der Bühne sehen, denn sie hat wirklich eine klasse Stimme und ich denke schauspielerisch hat sie sicherlich noch mehr aufm Kasten, nur da hat sie mir in diesem Bereich wirklich nicht gefallen.
Paul Vaes als Zoser war sicher ein Glücksgriff für diese Produktion: Mit toller Stimme und Ausstrahlung hat er „Eine Pyramide mehr“ und „Wie Vater so Sohn“ zum Besten gegeben. Kasse Zoser, der bestimmt bei einem Kristian Vetter mithalten kann!
Pehton Quirante als Mereb war für mich, unter den Darstellern eindeutig der, mit der meisten Austrahlung und der absolute Publikumsliebling (hat nach Ava am meisten Applaus bekommen ^^) an diesem Abend. Durch seine Natürlichkeit auf der Bühne hat er schon bei seinem ersten Auftritt das ganze Publikum verzaubert. Seine Stimme ist sowieso der Hammer (wovon ich mich schon bei „Hair“ letztes Jahr überzeugen konnte) und „I know you“ war für mich einer der Höhepunkte an diesem Abend, obwohl ich dieses Lied eig nicht soo leiden kann…
Walter Reynolds als Amonasro hatte ja nicht wirklich viel auf der Bühne zu tun, punktete aber durch seine gute Aussprache bei seinem Dialog mit Aida im Gefängnis. Außerdem fand ich die Idee, Amonasro bei „The gods love Nubia“ ebenfalls auf der Bühne in einem Käfig erscheinen zu lassen, sehr gut, er hat dann auch beim Song mitgesungen.
Michael Flöth als Pharao hat mir nicht ganz so gut gefallen wie sein Bruder damals in München *gg* Er gab eig einen noch sehr agilen Pharao, dem man die Krankheit i-wie nicht wirklich anerkannt hat. Dafür ist er bei der Zugabe „The gods love Nubia“ so richtig mitgegangen, was ihn mir i-wie sympathisch gemacht hat ^^
Nyassa Alberta als Nehebka hat eine solide Leistung erbracht, mehr kann ich zu ihr eig nicht sagen…
Das Ensemble konnte in diesem Musical mal wieder bei mir punkten durch die vielen Tanzszenen, die, glaube ich, v. a. den ägyptischen Beamten alles abverlangt hat. Schön choreographiert und getanzt war auch der Manteltanz, eines meiner Lieblingsstücke in „Aida“
Hier nochmal das Ensemble aufgelistet:
David Anthony Cutler
Lorna Dawson
Simon Eichenberger
Laura Fernandez
Daniella Foligno
Daniel Ioannou
Alan Kelly
Deborah Powell – Valentino
Peggy Sandaal
Andras Simonffy
Marcus Tesch
José Wanderson Wanderley
Conchita Zandbergen
Fazit: Die Reise hat sich schon alleine wegen diesem klasse Musical gelohnt und ich würde jederzeit nochmal hinfahren, obwohl die Inszenierung manchmal zu wünschen übrig lässt....