Beitragvon Nörri » 13.06.2008, 07:55:08
Hallo,
es war Premierentag in Bad Hersfeld. Super Freilichtbühne mit einer unglaublichen Athmosphäre, aber auch ganz schön kalt am späten Abend. (Wolldecken und warme Kleidung ist für die vorderen Reihen absolut empfehlenswert)
Leider lag die Besetzungsliste nirgens aus (ich habe sie jedenfalls nicht gefunden), so daß ich nur Jan Ammann dem Jekyll&Hyde zuordnen kann. Wir waren gespannt, ob es dem Regiesseur gelungen war, dieses komplizierte Stück auf eine Freilichtbühnen zubringen und wie würde sich Jan Ammann als Jekyll & Hyde präsentieren. Das Stück lief knapp 2 1/2 Stunden (wie immer ohne Pause), nachdem es am Vortag bei der Vorpremiere noch 3 Stunden gedauert hatte und mit 20 min Verspätung angefangen hatte. Maaike Schuurmans war erkrannt und die Zweitbesetzung mußte noch eingeführt werden.
Licht und Schatten lagen dicht beieinander. Das Bühnenbild war schlecht, da hätte man mehr draus machen können, der Regiesseur hat dies aber total verfehlt und zudem Jan in seiner Rolle als Jekyll & hyde sträflich allein gelassen. Das Stück wurde gekürzt, was nicht weiter schlimm ist, womit ich auch gerechnet habe, dass aber wichtige Szenen rausgenommen wurden, die unteranderem einem das Verständnis nehmen, warum Dr. Jekyll sich das Elexier spritzt, wurde nicht gezeigt. Die Maske für Hyde war leider ein Witz, ein langen dunkler Ledermantel mit einer Melone (Hutart). Die Szene in der roten Ratte wurde fabelhaft gelöst, die Bühne wurde umgebaut und viele Darsteller versammelten sich unten beim Orchester und beobachteten Lucy. Sie war mit der einzige Lichtblick an diesem Abend. Enttäuschend war auch das Gefähliche Spiel zwischen Lucy und Hyde. Konnte man in Köln die Erotik zwischen beiden knistern hören, war in Bad Hersfeld nichts davon zu spüren. Überhaupt ist Jan Ammann mit dieser Rolle überfordert. Teilweise konnten man nicht den Unterschied zwischen Jekyll und Hyde heraushören. Nur wer das Stück kannte, mußte welcher Part gesungen wurde. Das Labor war ein Witz, denn eigentlich gab es kein richtiges Labor. Auf der Bühne waren drei Gerüste, davon eins, welches fahrbar war, hier wurde in einem unteren Bereich das Labor eingerichtet. Dieses fahrbare Gerüst wurde sehr oft, für meinen Geschmack viel zu oft hin und her gefahren, gedreht und wieder festgestellt. Von den Pausen, die dadurch entstanden, mal ganz abgesehen. Es gab leider Phasen, da passierte nix, weder Aktionen, noch spielte die Musik. Das Stück "Die Welt ist völlig irr" wurde auch hier weggelassen, wobei dies machbar gewesen wäre.
Das Orchester war an diesem Abend sensationel, super gespielt, immer wieder auf den Punkt gebracht.
Der Schlußapplaus fiel in meinen Augen viel zu gut aus, es gab Standing Ovations vor allem für Jan. Wir sind sitzengeblieben und wurden von unseren Nachbar schief angeguckt, aber ich kann beim besten Willen keine Begeisterung zeigen, wenn ich diese nicht habe.
Als Fazit würde ich sagen:
wer Jekyll&Hyde schon mal in Bremen oder Köln gesehen hat, wird enttäuscht sein
wer dieses Stück zum ersten Mal gesehen hat, wird begeistert sein, denn ihm fehlt das Hintergrundwissen
Ich bin gespannt, ob sich Jan weiter entwickeln wird und besser in die Rolle des Hyde schlüpfen wird, wir werden es erfahren, denn wir werden beim Dernier wieder dabei sein.
bis dahin und sorry für den doch negativen Bericht
Gruß Nörri