Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Wie gefiel euch eine Vorstellung und was würdet ihr kritisieren?

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Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon clickcat » 13.07.2008, 11:38:47

Tutanchamun – Das Musical | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Musik: Gerald Gratzer
Buch & Lyrics: Sissi Gruber, Birgit Nawrata, Niki Neuspiel
Inszenierung: Dean Welterlen
Choreographie: Cedric Lee Bradley
Bühnenbild: Edi Neversal
Kostüme: Uschi Heinzl

Tutanchamun: Jesper Tydén
Anchesenamun: Sabine Mayer
Haremhab: Rob Fowler
Eje: André Bauer
Ofir: Harald Tauber
Teje / Saamiya: Kerstin Ibald
Tutanchamun als Kind / Straßenkind: Karoline Vetter
Anchesenamun als Kind / Straßenkind: Leonie Grimps-Kowarz
Kebi / Tochter des Bettlers: Larissa Hois
Sedje / Kashta: André Wright
Udimo: Dave Moskin
Meba: Bas Timmers
Taharka: Markus Simader
Erzieherin: Ariane Swoboda
Wadjet: Raphaela Pekovsek

Mundschenke: Carla Weissmann, André Wright
Amun-Hohepriester: Alexander Riff
Aton-Hohepriester: Markus Simader
Aton-Priesterin: Sabrina Schruf
Klagemänner/-weiber: Kerstin Löcker, Daniela Nitsch, Raphaela Pekovsek, Nina Tatzber, Carla Weissmann, Robert Schmelcher, Bas Timmers
Dämonen: Kerstin Löcker, Daniela Nitsch, Ariane Swoboda, Nina Tatzber, Carla Weissmann
Schreiber/innen: Kerstin Löcker, Raphaela Pekovsek, Ariane Swoboda, Nina Tatzber, Carla Weissmann, Alexander Riff, Robert Schmelcher, Markus Simader, Bas Timmers
Priester/innen: Kerstin Löcker, Daniela Nitsch, Raphaela Pekovsek, Ariane Swoboda, Nina Tatzber, Carla Weissmann, André Wright, Hovannes Bakoyan
Haremsdamen: Kerstin Löcker, Daniela Nitsch, Raphaela Pekovsek, Nina Tatzber,
Händler/innen: Daniela Nitsch, Alexander Riff, Markus Simader, André Wright, Stefanie Beisteiner, Lotte Gleissner, Reinhilde Preissl, Sabrina Schruf
Bettler: Dave Moskin, Bas Timmers
Bauer: Dave Moskin, Robert Schmelcher, André Wright
Militär: Robert Schmelcher, Bas Timmers, Hovannes Bakoyan
Nubier: Dave Moskin, Alexander Riff, Robert Schmelcher, Markus Simader, Bas Timmers, Hovannes Bakoyan
Hofstaat: Stefanie Beisteiner, Lotte Gleissner, Reinhilde Preissl, Sabrina Schruf


Gutenstein ist ein kleiner, idyllisch gelegener Luftkurort im Piestingtal. Im Theaterzelt vor Schloss Hoyos wurden im Rahmen der Sommerfestspiele bisher ausschließlich Dramen von Ferdinand Raimund aufgeführt, in diesem Jahr mit „Tutanchamun“ erstmals ein Musical und dazu noch ein bis dato völlig unbekanntes. Das war sicher ein Wagnis, dürfte sich für den Ort im Nachhinein allerdings auszahlen. Das Theaterzelt ist sehr groß und bietet Platz für mehrere hundert Leute. Die Bühne ist dementsprechend mindestens doppelt so breit wie in einem gewöhnlichen Stadttheater. Links und rechts am Rand stehen Sphinxen, die ägyptisches Flair vermitteln. Im Foyer des Theaters kann man sich an einem Stand über Ägyptenreisen informieren und diverse Fanartikel zum Musical kaufen: CD (19 Euro), T-Shirt (12 Euro), Basecap (9 Euro), Programmheft (3,50 Euro), außerdem Souvenirs zu Tutanchamun an sich, die es auch bei der gleichnamigen Ausstellung in Wien zu kaufen gibt (Tut-Bär, Magneten etc.). Rechts daneben befindet sich die Tageskasse. Wo man auch hinschaut, sieht man goldene Säulen, Stellwände mit Hieroglyphen und weitere orientalisch anmutende Dekorationen. Vom Theaterzelt führt ein überdachter Gang zu einem weiteren Zelt, wo Speisen und Getränke verkauft werden. Bei gutem Wetter kann man dort in der Pause oder nach der Vorstellung auch draußen auf einer Terrasse sitzen oder durch den Schlosspark schlendern.

Ich war so gespannt auf das Stück, weil ich vorher schon gehört hatte, dass die Musik sehr ansprechend sein soll und das multimediale Bühnenbild beeindruckend, die Besetzung spricht auch für sich und die Geschichte Alt-Ägyptens hat ohnehin schon immer einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt. Die spektakulärste der 4 Vorstellungen, die ich gesehen habe, war natürlich die Premiere: Vor Beginn der Show hielten der Landeshauptmann, der Landesdirektor des ORF und weitere lokale Persönlichkeiten Ansprachen bis der Bürgermeister von Gutenstein die Festspiele eröffnete. Begrüßt wurden auch einige geladene Gäste aus Ägypten, darunter der Rat der ägyptischen Botschaft. Zum Abschluss der Eröffnung erklang die niederösterreichische Bundeshymne, zu der sich alle von ihren Sitzen erhoben. Für einige Lacher sorgten die Ansagen vor Beginn der Vorstellung: „Die Vorstellung beginnt … jetzt! Bitte vergessen Sie nicht, Ihr Handy nach der Vorstellung wieder einzuschalten.“ Dann erklangen endlich die ersten Töne der Ouvertüre, eine orientalische Flöte. Schon bei der melancholischen Violinenmelodie und den darauffolgenden sanft gezupften Gitarrenakkorden hatte ich eine Gänsehaut: mystisch-entrückt, eine Musik die etwas Archaisches, aber gleichzeitig Unendliches evoziert. Die Darsteller/innen singen zu einem Halbplayback, vielleicht einer der wenigen Kritikpunkte. Das ist mir aber erst im Laufe der Show klar geworden. Ich hatte zuerst überlegt, ob die Band vielleicht hinter der Bühne sitzt, weil die Aufnahme wirklich so gut ist, dass man sie vom Klang eines Live-Orchesters nach dem ersten Höreindruck nur schwer unterscheiden kann. Ich habe mir im Nachhinein erklären lassen, dass alle Instrumente einzeln im Studio aufgenommen und die Tonspuren dann im Nachhinein übereinandergelegt wurden. Demnach ist auch die CD qualitativ wirklich sehr gut. Während der Vorstellung natürlich nichts schiefgehen, da sonst der Gesamtablauf des Stückes durcheinander gerät.

Zunächst liegt die Bühne noch im Dunkel und man sieht nur einen weißen, halbdurchsichtigen Vorhang, auf den zuerst nur ein goldenes Gebilde projiziert wird (im ganzen Stück wird viel mit Videoprojektionen gearbeitet). Daraus entwickelt sich nach und nach ein Gesicht, das Gesicht von Tutanchamun, das zuletzt in die berühmte Totenmaske des Pharaos übergeht. Im Hintergrund hört man die Stimme von Anchesenamun (Sabine Mayer), die einen Segenswunsch ausspricht: „Auf dass Dein Ka (= Lebenskraft, Seele) lebe!“ Mit ihren letzten Worten bewegt sich der weiße Vorhang zur Seite und dahinter steht Tutanchamun als Kind (Karoline Vetter), beleuchtet von einem hellen Lichtstrahl. Auf der Videoleinwand im Hintergrund sieht man zwischen den Säulen eines Tempels die aufgehende Sonne. Das Stück beginnt mit dem Tod Echnatons, des bisherigen Pharaos. Sein Leichnam ist im hinteren Bereich der Bühne aufgebahrt und wird von den Priestern einbalsamiert. Im Vordergrund tanzen die Klagefrauen und beweinen ihren Herrscher („Pharao ist tot“). Die Trauer wird deutlich durch ihre Bewegungen ausgedrückt. Carla Weissmann tanzt sich in einer Art Solo bis zur vermeintlichen Extase, was sehr gut zu den rituellen Handlungen der Priester und zur Musik passt. Der Song hat einen mitreißenden Rhythmus, wie überhaupt viele Lieder in dem Stück. (Gerald Gratzer ist halt Schlagzeuger.) Die Gesangsparts sind so aufgeteilt, dass die Männer eher sprechen und die Frauen darüber die Melodie singen. Bei dem Wort „Echnaton“ werden dann alle Stimmen nach und nach aufgefächert, was sehr interessant klingt. Mit dem Auftritt der Priester („Siehe, Du wirst beweint …“) geht die Musik in eine meditative, orientalische Melodie über, die noch häufiger im Stück zu hören sein wird.

Als die Priester und Klagefrauen verschwinden, schleichen sich der junge Tutanchamun, seine Halbschwester Anchesenamun (Leonie Grimps-Kowarz) und deren Freundin Kebi (Larissa Hois) zu dem Toten und betrachten ihn neugierig. Kebi bemerkt erstaunt, sie die Augen entnommen und ein Loch in den Schädel gebohrt haben. Ihre kindliche Neugier sorgt im Publikum für einige Lacher. Tutanchamun und Anchesenamun jedoch bedauern, dass sie ihren Vater Echnaton nie wirklich kennen gelernt haben. Als die Priester zurückkommen, verstecken sich die drei Kinder schnell. Anchesenamun kitzelt es in der Nase, Kebi hält ihr von hinten die Hand vors Gesicht und Tutanchamun hilft ihr dabei. Zuletzt muss sie aber doch noch niesen. Die Priester glauben, dass das ein Zeichen der Götter war und bitten diese, zu ihnen zu sprechen. Kebi sagt etwas mit verstellter, tiefer Stimme und die Priester lauschen ehrfürchtig. Die Kinder kichern und schleichen auf Zehenspitzen davon, laufen allerdings direkt ihrer Erzieherin (Ariane Swoboda) in die Arme, die sie streng ermahnt. Teje (Kerstin Ibald), Tutanchamuns Großmutter, hält ihn am Arm zurück und fragt ihn, ob er sich nicht besser zu benehmen wüsste. (Kerstin trägt als Teje ein weißes, schulterfreies Kleid und wie auch später im Thronsaal eine Nachbildung der Krone Unterägyptens). Tutanchamun zuckt aber lediglich mit den Schultern, läuft nach links seinen Freunden hinterher und lässt Teje kopfschüttelnd zurück.

In der darauffolgenden Vollmondnacht streiten sich die Angehörigen des Hofstaates beim Totenmahl lautstark darüber, wer wohl der neue Pharao wird („Wer wird der neue Pharao“). Echnaton hatte den Eingottglauben an Aton eingeführt. Die Aton-Priester fürchten nun um ihren Einfluss, weil die Amun-Priester die Rückkehr zur Vielgötterei fordern. Optisch gefielen mir hier Alexander Riff und Markus Simader mit ihren kahlgeschorenen Köpfen und markanten Gesichtern als Priester am besten. Die Musik beginnt zuerst mit einer spannenden Posaunensequenz - im Hintergrund hört man ein Xylophon – und baut sich dann immer mehr zu einem großen Tohuwabohu auf. Ofir (Harald Tauber), der oberste Schreiber am Hof, macht dem Durcheinander ein Ende und übergibt das Wort an Teje, die Mutter des verstorbenen Pharaos, die links auf ihrem Thron Platz genommen hat. Ofir führt zunächst Eje (André Bauer), den Wesir, vor und verheißt ihm eine erfolgreiche Amtszeit als Echnatons Nachfolger. Eje erläutert Teje seine Reformpläne. Dann geleitet Ofir Haremhab (Rob Fowler), den Oberbefehlshaber des Heeres, zu Teje und verheißt ihm mit leicht hämischen Lachen das gleiche wie Eje. Haremhab erklärt, dass er für den Thron sogar bereit wäre, Teje zu ehelichen, worauf sie ganz trocken antwortet: „Das habt Ihr Euch aber schon gut überlegt.“ Im Grunde hofft hat sie schon längt ihren Enkel Tutanchamun als neuen Pharao auserkoren. Einziges Problem ist, dass dessen Mutter Kija nur eine Nebenfrau Echnatons war und er daher nicht zum Thronfolger erzogen wurde. Plötzlich werden alle durch Tutanchamuns Schreie aufgeschreckt: „Eine Schlange, eine Schlange!“ Er bekommt sie am Schwanz zu packen und schleudert sie durch die Luft. Die Frauen laufen erschreckt auseinander, wobei eine an eine Säule stößt, auf der die kostbare Doppelkrone Ober- und Unterägyptens ruht. Tutanchamun kann sie im letzten Moment noch auffangen und steht plötzlich in einem Lichtkegel. Mit schicksalhaftem Blick schaut er gen Himmel. Teje deutet dies als Zeichen der Götter und erklärt ihn zum Nachfolger Echnatons.

Um seine Macht abzusichern, wird der 9-jährige mit seiner etwas älteren Halbschwester und bis dahin besten Freundin Anchesenamun verheiratet. Nachdem sie sich vor dem Priester im Tempel das Ja-Wort gegeben haben, kichern beide noch belustigt über die seltsamen Vorgänge. Gleich nach der Zeremonie werden sie aber getrennt und Tutanchamun muss allein mit den Priestern im Tempel zurückbleiben. Er fürchtet sich und sucht Schutz in den Armen seiner Großmutter Teje. Die hat Mitleid mit ihm, muss sich aber an die traditionellen Vorschriften halten. Ihr bleibt daher nichts anderes übrig, als ihm gut zuzureden und ihm Mut zu machen („Sieh nach vorn“). Aus der Melodie klingt eine gewisse Schwere heraus. Die Musik fließt und man hat den Eindruck, als ob die Stimmen von Teje und Tutanchamun ineinander übergehen. Kerstin hat eine außergewöhnliche Stimmfarbe, die sehr gut zu dem Song passt, und ich finde, man kann die Sorge um ihren für das Amt noch viel zu jungen Enkel sowohl an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, als auch aus ihrer Stimme sehr gut heraushören. Teje ist einerseits ernst und pflichtbewusst, hat andererseits aber auch ein großes Herz und hält schützend ihre Hand über Tutanchamun. Eine starke Frau, die sich mit Ruhe und Besonnenheit auch in einer von Männern dominierten Welt gut durchsetzen kann. Kerstin spielt diese eher kleine Rolle sehr überzeugend.

Im Hintergrund werden sandfarbene Schrägwände mit Hieroglyphen durch die jeweiligen auftretenden Ensemblemitglieder auf die Bühne geschoben, ineinander verschränkt und dienen so als Bühnenbild. Tutanchamun bekommt im Tempel ein offensichtlich unangenehm schmeckendes heiliges Brot gereicht und wird von den Priestern mit einer Nackenstütze auf den Stufen vor dem Altar gebettet, wo er Krummstab und Wedel über Kreuz vor der Brust verschränkt halten und so die Nacht verbringen muss („Prüfungen“). Die rituellen Handlungen, wie auch zuvor schon die anlässlich Echnatons Todes, wirken sehr authentisch. Man merkt, dass das Team vom ägyptologischen Institut der Universität Wien wissenschaftlich beraten wurde. Zu Anfang erklingt wieder die gebetsartige, orientalische Melodie vom Auftritt der Priester bei „Pharao ist tot“. Als es dunkel wird und Tutanchamun die Augen geschlossen hat, erscheinen ihm im Traum zunächst vier Götter der Toten und stellen sich hinter ihm auf. Sie tragen Holzmasken, die sie eindeutig charakterisieren. Anubis z.B. hat den Kopf eines Schakals, Ra den eines Falken usw. Plötzlich tauchen von links und rechts die schlangenartig aussehenden Dämonen des Chaos auf (graue Catsuits mit Kapuzen, an denen links und rechts rote Schlangenaugen angebracht sind), die sich auf beiden Seiten um Tutanchamun herum positionieren. Das Zischeln der Zungen und das Rasseln der Schwänze hört man auch in der Musik. Optisch deuten es die Tänzer/innen durch schnelles Auf- und Abbewegen der Finger bei abgeknicktem Handgelenk vor dem Mund an. Die ohnehin schon spannend klingende Musik schwillt zu einem Höhepunkt an, als zwei weitere Personen auftreten: die Schlangengöttin Wadjet (Raphaela Pekovsek) und einer ihrer Gefolgsmänner (Robert Schmelcher). Die beiden duellieren sich mit den Dämonen und verjagen sie mit gezielten Tritten, Schlägen und lauten Kampfschreien. Immer mehr Instrumente kommen hinzu und die Bläser tönen immer greller. Am Ende positionieren sich Wadjet und ihr Gehilfe zum Schutz hinter Tutanchamun und verschränken ihre Arme zu einem X. Langsam wird es wieder heller und der neue Tag beginnt. Die Instrumente werden nach und nach wieder weniger, bis nur noch der Bass zu hören ist.

Tutanchamun hat die Prüfungsriten bestanden. Am Morgen präsentiert Ofir im Thronsaal zunächst stolz und feierlich den neuen Kindkönig, der würdevoll zu seinem Thron schreitet, und dann seine Gemahlin Anchesenamun, die von der Erzieherin in Begleitung ihrer Freundin Kebi hereingeführt wird. Das Königspaar nimmt auf den Thronen Platz. Gleich nach der Krönungszeremonie werden die beiden aber wieder getrennt und Anchesenamun zum Schutz vor Attentaten nach Achet-Aton gebracht. Als Tutanchamun sich im Thronsaal umschaut, wird er sogleich von einigen Haremsdamen umringt, die mit ihm zu flirten beginnen. Ofir steht mit dem Rücken zu der Gruppe und unterhält sich gerade mit einem seiner Beamten. „Da, die Haremsdamen!“ ruft dieser plötzlich und zeigt mit dem Finger auf sie. Ofir dreht sich um: „Ah, das sehe ich jetzt auch!“ Sofort eilt er zu ihnen und versucht, sie vom Pharao fernzuhalten. „Der ist aber süß! Wollen wir zusammen spielen?“ fragt die eine kokett. Ofir echauffiert sich: „Das ist gegen die Etikette!“ ruft er mit erhobenem Zeigefinger und weist den Haremsdamen den Weg. Die eine streicht ihm im Vorbeigehen mit der Hand über die Brust und wirft ihm einen vielsagenden Blick zu, woraufhin er sich noch mehr aufregt. „Das ist doch wohl …“ So richtig scheint ihn niemand ernst zu nehmen. Aufgebracht scheucht er die Haremsdamen die Stufen hoch und nach rechts von der Bühne.

Mit zufriedenem Gesichtsausdruck kommt er zurück, reibt sich die Hände und wendet sich wieder dem Pharao zu. Bevor der etwas sagen kann, erhält er von Ofir eine ausgiebige Einführung in das komplexe Staatssystem („Wo kein Beamter, da kein Staat“). Der Song beginnt ganz dramatisch und pompös mit einer Fanfare und Streichern, was in dem Zusammenhang natürlich eher ironisch wirkt. Die Strophen klingen sehr statisch und abgehackt, etwas brummig, während der Refrain harmonisch völlig unerwartet mit Glockenspiel, Flöten und Trompeten ganz andere, fröhlich-festliche Töne anschlägt. Die Wirkung ist recht erstaunlich. Ofir wird ständig von einem seiner Schreiber unterbrochen, der ihm noch ein Formular zum Unterschreiben vorlegt und dann noch eines und noch eines. (Mir fiel auf, dass Harald einmal mit rechts und dann wieder mit links unterschreibt. Er meinte im Scherz: „Ich bin Ofir! Als oberster Beamter darf ich das natürlich!“ Der wahre Grund ist allerdings, dass er laut Regieanweisung einfach immer mit der Hand zum Publikum schreiben soll.) Während seines Solos werden auf der linken Seite der Bühne einige Bedienstete gezeigt, die sich bei ihrer Arbeit eher unbeholfen anstellen. So dreht sich z.B. einer (Bas Timmers) mit einem Pfosten im Kreis herum und schlägt den Umstehenden, die sich gerade noch rechtzeitig bücken können, dabei fast die Köpfe ab. Auch diese kurze Episode sorgte beim Publikum für einige Lacher. Bei der Aufzählung der ganzen Ämter und wer genau wem untersteht, wird Ofir immer schneller und schneller und verwirrt Tutanchamun damit immer mehr, sodass dieser die finale Frage, wer denn nun der höchste am Hofe sei, mit einem unsicheren „Ofir?“ beantwortet. Ofir schüttelt leicht genervt den Kopf – ts, ts, natürlich ist es der Pharao selbst -, tadelt und korrigiert ihn und fährt dann fort. Die Musik steigert sich zu einem operettenhaften „Geträller“ zu dem Ofir zunächst mit großen Schritten und ausgebreiteten Armen nach links schreitet und dann die Treppen zum Thron hinauftänzelt, den obersten Ton allerdings gründlich versemmelt. Live ist die Stelle göttlich, auf der CD kommt das leider nicht ganz so lustig über. Da hustet er nur ganz arg nach dem letzten hohen Ton und fährt dann fort. Jedenfalls scheint Ofir sehr von sich selbst und seinem großartigen „Verwaltungsapparat“ überzeugt zu sein und wie er sich über das Kleingedruckte freut! Er nimmt sich selbst natürlich viel zu wichtig und wirkt dadurch ein bisschen lächerlich, aber gerade das macht ihn ja zu einer so komischen, aber auch liebenswerten Figur. Tutanchamun lässt sich zunächst von der Begeisterung anstecken und will gleich die ersten Dokumente unterzeichnen: „Mit dem Binsenkiel, nicht mit dem Kajal!“ korrigiert ihn Ofir, nimmt ihm den Kajal aus der Hand, wendet sich von ihm ab und malt sich heimlich selbst einen Strich unters Auge. In dem Moment kommt ein Bote mit einer Papyrusrolle auf ihn zu. Ofir versteckt peinlich berührt den Kajal und beginnt, den Brief zu lesen. Tutanchamun bemerkt es und fragt, ob es eine Nachricht von seiner Großmutter sei und ob sie bald wieder zurück nach Memphis komme. Doch Ofir sieht vom Brief auf und schaut Tutanchamun ernst und mit traurigen Augen an. Zögerlich erklärt er, dass Teje überraschend verstorben sei. Dann verneigt er sich vor dem Pharao und lässt ihn mit seiner Trauer allein. Kurze Zeit später tritt Haremhab auf. Tutanchamun begrüßt ihn, doch Haremhab reagiert gar nicht. Er reißt ihm den Federkiel aus der Hand, zerbricht ihn, packt ihn bei den Schultern und dreht ihm den Arm nach hinten, um ihm Angst zu machen. Tutanchamun verzieht das Gesicht vor Schmerzen, kann die Tränen gerade noch zurückhalten und läuft schnell weg, als Haremhab ihn freigibt.

Ofir betritt die Bühne, findet den zerbrochenen Federkiel, schüttelt den Kopf und winkt ungeduldig seine Schreiber heran. Aufgeregt laufen sie zunächst alle durcheinander, finden sich aber bald in zwei Reihen links und rechts am Bühnenrand ein, nachdem Ofir sie durch zackige Bewegungen und abgehackte Laute auf die richtigen Plätze dirigiert hat. Die Kostüme sind eher schlicht: Sowohl Männer, als auch Frauen tragen schwarze Glatthaarperücken, weiße Gewänder mit Gürteln und auffälligen, gold- und edelsteinbesetzte Krägen. Einige der Männer sehen, ehrlich gesagt, nicht wirklich wie Ägypter aus - Robert z.B. eher wie ein Indianer – aber das liegt natürlich auch an der allgemeinen Physiognomik der jeweiligen Person. Die Schreiber erkennt man zusätzlich noch an ihren Holztafeln, dem Federkiel und den Hieroglyphen an ihrem Gürtel. Ofir hat zudem einen türkisfarbenen Falken mit ausgebreiteten Flügeln auf der Brust. Um seinen kahlgeschorenen Kopf trägt er ein goldenes Stirnband mit der Kartusche mit dem Eigen- und Thronnamen seines Pharaos, am Kinn einen unechten, mit Goldbändern umwickelten Bart. (Harald sollte zunächst eine schwarze Langhaarperücke und einen schwarzen Spitzbart bekommen, sah damit allerdings eher wie Rasputin aus. Die Variante mit der Glatze fanden alle für die Rolle dann doch passender.) Ofir stakst mit großen Schritten etwas unbeholfen, aber übereilig die Treppe hinauf, landet mit Schwung hinter Anchesenamuns Thron, fällt fast vornüber und kann sich gerade noch an der Lehne festhalten. Als Tutanchamun auf den Thron steigt, um über sein erstes Amtsjahr zu berichten, reißen Eje und Haremhab sogleich das Wort an sich und reden die in Wahrheit angespannte Lage im Land nach ihrem Willen schön („Das Land in starker Hand“). Vom Aufbau und von der Stimmung her erinnert der Song zu Beginn ein klein wenig an „Die Schatten werden länger“ aus „Elisabeth“. Es entwickelt sich ein regelrechter Schlagabtausch zwischen Eje und Haremhab und die Worte fliegen nur so, dass die Schreiber Mühe haben, alles so schnell zu notieren. Die immer aggressiver werdende Musik unterstreicht jedes der Worte noch einmal und man wird auch als Zuschauer ganz nervös. Tutanchamun jedoch ist von dem Gerede gelangweilt und schläft bald auf seinem Thron ein. Ofir, der den Ernst der Lage erkennt, versucht immer wieder verzweifelt, ihn aufzuwecken, doch hat keinen rechten Erfolg. Als eine seiner Schreiberinnen (Kerstin Löcker, die eine schöne Stimme hat und mir auch durch ihre Mimik schon zuvor in der Szene aufgefallen war) die Frage stellt, wann Anchesenamun denn zurück nach Memphis kommen soll, versucht er gleich, sie zum Schweigen zu bringen und das Thema zu wechseln. Vielleicht ist es Teil seines ausgeprägten Ordnungssinns, dass er immer sehr um das Wohl des Pharaos bemüht ist und darum, den Frieden zwischen allen Parteien zu wahren. Solange Tutanchamun noch Kind ist, wirkt Ofir oft wie ein Lehrmeister für ihn, im Gegensatz zu Haremhab aber einer, der nur gute Absichten hat. Das macht ihn schon zu diesem Zeitpunkt durchaus sympathisch. Am Ende der Nummer stehen Eje und Haremhab links und rechts neben Tutanchamun und bewegen ihn an unsichtbaren Fäden hin und her, lassen ihn aufstehen, heben seine Arme, doch er bleibt schlaff wie eine Marionette. Er lässt alles mit sich machen und ist ihnen quasi hilflos ausgeliefert. Es gefiel mir sehr gut, dass sie den Text durch diese Gesten untermalt und noch einmal optisch verdeutlicht haben.

Daran knüpft auch die nächste Szene an, in der Haremhab versucht, den jungen Pharao durch eine harte militärische Ausbildung zu brechen. Der erste Ausbilder Udimo (Dave Moskin) unterstützt Haremhab in seinen strengen Erziehungsmethoden und befiehlt Tutanchamun an, den Bogen fester zu spannen und sich nicht wie ein Weib anzustellen. Dave versteht man leider sehr schlecht und man muss schon genau hinhören, um den Sinn zu erfassen. Ich nehme an, deshalb haben sie ihm wohl auch nur kleinere Rollen zugeteilt. Der andere Ausbilder Sedje (André Wright) hat Mitleid mit dem Jungen und weist seinen Kollegen darauf hin, dass er ja schon ganz blutige Arme habe. Haremhab bricht die Lektion schließlich ab und droht ihm mit der nächsten Trainingsstunde am kommenden Morgen um 4. Tutanchamun fleht um den Beistand seiner Großmutter und nimmt sich nun vor, seinen Pflichten als Pharao nun so gut wie möglich nachzukommen und den anderen seinen Mut und seine Stärke zu beweisen („Nun trete ich meine Herrschaft an“). Karoline singt für ihr junges Alter ausgesprochen gut und es gelingt ihr gerade bei diesem Song sehr gut, über eine tiefere Stimme jungenhafter zu wirken. Sie spricht auf der Bühne natürlich, sehr verständlich, nahezu ohne Dialekt, und betont die Worte an den richtigen Stellen, was bei Kindern eher selten so ist. Auch schauspielerisch macht sie ihre Sache gut. Vor allem ihre Mimik als Tutanchamun finde ich sehr ausdrucksstark, z.B. als er im Tempel in das wenig schmackhafte Brotstück beißen muss, während der Traumsequenz mit den Dämonen oder als er vom Tod seiner Großmutter liest. In der Vorstellung am Samstag fiel leider ihr Mikroport aus, sodass sie mit einem Handmikrofon weiterspielen musste. Ohne vorherige Probe hat sie das zum einen gesanglich sehr professionell gemeistert und das Mikro zum anderen sogar unauffällig in ihr Schauspiel eingebaut, es z.B. im Tempel für die Traumszene ganz sacht auf den Stufen abgelegt. Da habe ich einige erwachsene Profis schon schlechter mit einem Handmikro umgehen sehen.

Doch weiter im Geschehen: Der junge Tutanchamun spannt den Bogen und richtet den Pfeil nach rechts auf sein Ziel aus: „Hoch den Bogen, spann’ die Sehne! Schieß’ den …“ Bevor er das letzte Wort aussprechen kann, wird es plötzlich dunkel, die Bühne ist in ein dunkelblaues Licht getaucht. Um ihn herum bildet sich ein Netz aus weißen Strahlen, die Längen- und Breitengrade des Globus. Von hinten sieht man eine schemenhafte Gestalt auf die Bühne kommen. Sie tritt hinter den jungen Tutanchamun und umfasst seinen Bogen. Die beiden drehen sich langsam im Kreis und die ruhiger und weitläufiger werdende Instrumentalmusik untermalt den Zeitsprung. Der Mann übernimmt von dem Jungen, der nach hinten verschwindet, zuletzt Pfeil und Bogen. Schlagartig wird es wieder hell und auf der Bühne steht nun der herangewachsene Tutanchamun (Jesper Tydén). Er setzt den Text seines jüngeren Ichs fort – der Übergang zwischen den beiden Stimmen ist wirklich sehr gelungen - und schießt: „… Pfeil! Wieder getroffen: Amun sei Dank!“ Haremhab erscheint und Tutanchamun fordert ihn zu einem Wettbewerb im Bogenschießen heraus: „Haremhab, prüfe mich!“ Seine mutige Herausforderung wird durch die Musik noch akztentuiert. Der gesamte Hofstaat ist auf der Bühne versammelt und alle schauen gebannt zu. Tutanchamun wirkt nun schon viel selbstbewusster und seinen Widersachern mittlerweile scheinbar gewachsen. Er spannt den Bogen und zielt nach rechts. Man hört das Zischen des Pfeils und alle schauen ihm nach. Getroffen! Tutanchamun hat Haremhab besiegt. Der Hofstaat jubelt.

Haremhab gibt sich jedoch nicht so leicht geschlagen und bemerkt nur kühl, dass er hoffe, der Pharao sei stolz, dass er ihn so gut ausgebildet habe. Haremhab beschreibt in seinem ersten Solo, wie er nach und nach die Macht an sich reißen wird („Zug um Zug“). Das Stück beginnt zunächst ruhig, aber schon in einer gewissen Spannung mit Klavier und Streichern. Diese Sequenz wird auch vor jeder Strophe noch einmal wiederholt. Dann setzt das Schlagzeug und damit der packende Rhythmus ein. Bei dem Text „Zug um Zug, Strategie, die vergisst ein Puppenspieler nie! Die Fäden Thebens in der Hand: So lenke ich das Land!“ bewegt er die Hände tatsächlich so, als ob er die Fäden einer Marionette darin hielte. Er beschließt den Song mit einem fiesen, machthungrigen Lachen. Für die Rolle kann ich mir keinen besseren als Rob Fowler vorstellen! Im gesamten Stück wird er sehr treffend durch die eher rockigen und aggressiven Songs charakterisiert. Dass Tutanchamun als Kind Angst vor ihm hat, wenn er ihn mit festem Griff packt und ihn anschreit, finde ich vollkommen nachvollziehbar. Er wirkt schon optisch durch seinen muskulösen Oberkörper, die breiten Schultern und den Ledergürtel wie ein gestandener Mann, was durch seine unglaublich kräftige Stimme und seine absolute Bühnepräsenz noch unterstützt wird. Genau das macht ihn auch zum Publikumsliebling, obwohl er eigentlich den Bösen spielt. Positiv ist auch noch anzumerken, dass man ihn trotz seiner Herkunft und der vieler Umlaute im Text sehr gut versteht. Irritiert hat mich nur, dass an den Vorstellungstagen, wo er offensichtlich einen Gig hatte, immer seine Fingernägel schwarz lackiert waren. Das war dann doch etwas achronistisch. Am Ende der Szene ruft Haremhab Udimo und Sedje herbei und fragt sie, ob alles für das Opet-Fest vorbereitet sei. Sedje zählt auf: der Wein, die Täubchen … Udimo bestätigt alles, weiß mit den Gazellen allerdings nichts anzufangen und meint dann aus lauter Verzweiflung, sie würden bereits am Spieß geröstet. Haremhab erklärt ihm, die „Gazellen“ seien die nubischen Tänzerinnen und bezeichnet ihn als Idioten. Daraufhin brechen alle drei in schallendes Gelächter aus, dass sich immer mehr ins Künstliche hinein steigert, bis es ganz plötzlich und unvermittelt abbricht und die drei - sehr zum Amüsement des Publikums - mit ernsten Gesichtern getrennte Wege gehen.

Das rauschende Opet-Fest ist eine große Ensembleszene, die wieder sehr orientalisch klingt. Die Bühne ist in warme Rot- und Gelbtöne getaucht, links und rechts am Bühnenrand werden Schalen mit Feuer entzündet. Wenn man in einer der ersten Reihen sitzt, spürt man quasi die Wärme von der Bühne herunterströmen. Die Tänzerinnen schieben beim Betreten des Thronsaales goldene Säulen mit hinein. Wirklich bemerkenswert, wie unauffällig die Auf- und Abbauarbeiten der Bühnenbildteile in die Choreographie eingearbeitet sind. Die Haremsdamen tanzen für Tutanchamun, der zunächst in voller Montur auf seinem Thron sitzt, bald aber seine Kopfbedeckung und sein Oberteil ablegt und mit den Frauen tanzt. Haremhab befiehlt, ihm mehr Wein einzuschenken, um ihn betrunken zu machen: „Gebt ihm Wein, schenkt ein!“ Mit kräftiger Stimme singt er über alle anderen hinweg, eine tolle Passage. Sofort eilt Ofir nach draußen und kommt bald mit einer Mundschenkin (Carla Weissmann) zurück, die er die ganze Zeit über gängelt und fast schon zu Tutanchamun hinscheucht. Haremhabs Plan geht auf, denn bald taumelt der Pharao schon bedenklich von einer Frau zur anderen, lässt sich von ihnen verführen und vergnügt sich mit ihnen. Ohne weiter darüber nachzudenken unterzeichnet er ein Papyrus, dass Haremhab ihm vorhält. Eje ermahnt ihn, nicht soviel zu trinken, weil er an diesem Abend nach Jahren endlich seine Gemahlin Anchesenamun wiedersehen soll. Ich fand es interessant, Jesper einen Betrunkenen spielen zu sehen. Um ehrlich zu sein, hätte ich ihm das gar nicht zugetraut, denn außerhalb der Bühne wirkt er immer so zurückhaltend. In dieser Szene geht er richtig auf Tuchfühlung und lässt sich von den Frauen umgarnen. Bei seinen kurzen Einwürfen wie „Zeig’ Deine Tänze und gib mir den Rest …“ klingt er trotz Trunkenheit sehr männlich und stolz. Als Anchesenamun hereingeführt wird und sich neben ihn auf den Thron setzt, behandelt er sie wie einen alten Kumpel und zieht gleich eine der Haremsdamen mit den Worten „Habe ich nicht eine schöne Frau?“ auf seinen Schoß. Ob er sich einfach nichts dabei denkt oder Anchesenamun mit seinem Verhalten provozieren will, bleibt der eigenen Interpretation überlassen. Anchesenamun wendet sich jedenfalls entsetzt ab. Er missachtet aber ihre Reaktion, zerrt sie mit beiden Händen sehr unsanft vom Thron herunter und zieht sie hinter sich her in eine ruhige Ecke außerhalb des Thronsaales links auf der Bühne. „Ob man mit dir auch Spaß haben kann?“, fragt er mit provokanter Stimme und meint, sie solle sich doch gefälligst nicht so zieren. Als sie sich trotzdem weiterhin weigert und kühl bleibt, betont er mit einer gewissen Herablassung, dass er der Pharao sei und sie ihm zu gehorchen habe. In dieser Szene wirkt er richtig arrogant und unsympathisch. Nun platzt Anchesenamun verständlicherweise der Kragen und sie sagt ihm gehörig die Meinung: Nur aus Respekt vor Teje werde sie noch mit ihm zusammenbleiben und nach außen hin seine Gemahlin spielen, sonst wolle sie jedoch nichts mit ihm zu tun haben. Wütend lässt sie ihn allein und läuft durch den Thronsaal, wo die anderen kurz innehalten und ihr verwundert nachschauen, dann aber weitertanzen. Auch Sabines Schauspiel gefiel mir in dieser Szene sehr gut. Sie wirkt schon sehr reif und pflichtbewusst, während Tutanchamun offenbar noch dem jugendlichen Leichtsinn verfallen ist. Optisch heben sich Tutanchamun und Anchesenamun von den anderen vor allem dadurch ab, dass sie viel Schmuck tragen, wie z.B. goldene Reifen mit Ornamenten um die Oberarme und Halsketten mit schweren Anhängern. Anches’ Kleid in dieser Szene ist auf einer Seite schulterfrei mit einem roten Gürtel. Als Kopfbedeckung hat sie eine kegelförmige, goldene Krone auf und die schwarzen, halblangen Haare sind zu kleinen Zöpfchen mit Goldbändern geflochten. Tutanchamun trägt statt seiner Krone häufig nur ein goldenes Stirnband mit Ornament. Seine Haare sind dunkelbraun gefärbt statt schwarz. Ich frage mich, ob eine Perücke da nicht besser gewesen wäre, zumal er auch noch blaue Augen hat, was für einen Ägypter doch etwas befremdlich wirkt.

Wie dem auch sei: Tutanchamun ist mittlerweile der Spaß vergangen und er bleibt gedankenversunken zurück. Als Ofir mit der bestellten Weinkaraffe erscheint, klagt Tutanchamun ihm sein Leid und behauptet, für alle eine Witzfigur und der Hofzwerg zu sein. Er stellt Ofir auf die Probe und fragt ihn noch einmal eindringlich, wer er seiner Meinung nach sei. Darauf antwortet dieser fast stotternd: „Ihr seid der Ho-, Ho- … DER Hofzwerg“. Darauf Tutanchamun: „Ihr wisst doch, was auf Beleidigung des Pharaos steht?“ Ofir macht eine Geste, als ob ihm die Kehle durchgeschnitten wird. Dann geht Tutanchamun zu einer der Säulen, streicht mit der Hand darüber und fragt: „Welche Farbe hat diese Säule?“ Darauf Ofir: „Gold.“ „Diese Säule ist blau“, behauptet Tutanchamun. Ofir wird immer unsicherer. „Gut, die Säule ist blau. Oder nein: Blau mit roten Tupfen?“ „Die Säule ist gold. Ihr wisst doch, was passiert, wenn man den Pharao anlügt?“ Ofir macht wieder die Geste des Kehledurchschneidens und sagt dann aus lauter Verzweiflung: „Also gut, die Säule ist … rot!“ (In der Show am Sonntag sagte Harald allerdings „grün, moosgrün“ statt „rot“. Die Farben sind wohl variabel.) Tutanchamun hat nun das erfahren, was er wissen wollte. Er meint, Ofir solle den Wein allein austrinken. Als dieser sich weigert, ruft er ihm ungeduldig zu: „Das ist ein Befehl!“ Daraufhin seufzt Ofir, zuckt mit den Achseln und nimmt genüsslich einen großen Schluck, bevor er nach links abgeht. Das Premierenpublikum dürfte von dieser lustigen Szene leider nicht viel mitbekommen haben, da sich genau in dem Moment eine Frau aufgrund der stickigen Gewitterluft in der ersten Reihe der Tribüne übergeben und von den Sanitätern abtransportiert werden musste. Die meisten schauten dann verständlicherweise in ihre Richtung und nicht mehr auf die Bühne. Schade.

Tutanchamun hat nun erkannt, dass er von den anderen Machthabern ausgenutzt wird und ihm der Rest seines Hofstaates aus Ehrfurcht und Angst vor Strafen nur nach dem Mund redet. Er fühlt sich nutzlos, leer, seinen Pflichten sowie den Erwartungen der anderen nicht gewachsen und drückt dies in einer Art musikalischem Monolog aus („Ich bin das Licht“). Die Strophen des Songs sind etwas kompliziert gestrickt, aber der Refrain bleibt im Ohr. Mit den Holzbläserarrangements fällt der Song im Vergleich zu den anderen vielleicht etwas aus der Rolle und ist in jedem Fall weniger exotisch. Zuletzt fasst Tutanchamun neuen Mut und nimmt sich nun vor, seiner Position als Pharao und Staatsoberhaupt endlich gerecht zu werden. Ich finde, Jesper stellt die innere Zerrissenheit und den daraus folgernden Entschluss, sich zu ändern, in der Szene sehr überzeugend dar. Mut und Ernsthaftigkeit stehen ihm einfach besser als dieses Flegelhafte. Die Wandlung kommt auch nicht so plötzlich, sondern ist nach seiner Auseinandersetzung mit Anchesenamun und dem Gespräch mit Ofir durchaus dramaturgisch begründet. Am Ende des ersten Aktes wird er dem Zuschauer somit auch wieder sympathischer. Es besteht also auch noch Hoffnung, dass sich mit Anchesenamun wieder alles zum Guten wendet.
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Re: Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon clickcat » 13.07.2008, 11:39:07

Zu Beginn des zweiten Aktes setzt Tutanchamun seinen Vorsatz gleich in die Tat um und besucht inkognito den Markt in der Stadt, um sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage seines Volkes zu machen. Bei „Zeigt die Waren her“ handelt es sich wieder um eine größere Ensembleszene. Musikalisch tauchen einige Elemente wieder auf, die man zuvor schon an anderen Stellen so ähnlich gehört hat. Man merkt hier ganz deutlich den inneren Zusammenhang der Instrumentalnummern. Von links und rechts aus den Seitentüren und von hinten durch die Zuschauerreihen nach vorn laufen Händler/innen, Bettler sowie ein paar Straßenkinder und bieten laut rufend ihre Waren an: Teppiche, Tongefäße, Fisch, Gebäck usw. Tutanchamun ist entsetzt über die Armut seiner Untertanen. Er hat zwar kein Geld dabei, bietet einem Händler (Alexander Riff) für ein paar Lebensmittel aber seinen Armreif zum Tausch an. In dem Gedränge stößt er mit einem Bettler (Dave Moskin) zusammen, der aus Angst vor einer Strafe sogleich ängstlich zurückweicht. Der Pharao beruhigt ihn und erfährt von dem Mann, dass er früher einmal Bauer war, wegen der hohen Abgaben an den Pharao nun aber betteln muss, um seine Familie überhaupt noch ernähren zu können. Tutanchamun schenkt der Tochter des Bettlers (Larissa Hois) daraufhin den Beutel mit seinen soeben erstandenen Lebensmitteln.

Im Palast fragen sich alle, wo der Pharao geblieben ist. Ofir baut sich vor Taharka (Markus Simader) auf und gestikuliert wild vor ihm herum. Vor Aufregung scheinen ihm die richtigen Worte zu fehlen, denn er gibt nur Laute der Erregung von sich. Als Taharka nicht wirklich darauf reagiert, fasst er sich an den Kopf und wendet sich an die Sänftenträger. Endlich platzen die Worte aus ihm heraus: „Wie – in Amuns Namen – kann man bitte den Pharao verlieren? Als ihr mit der Sänfte angehalten habt, muss Euch doch aufgefallen sein, dass er nicht mehr da ist.“ „Ja“, erklärt einer der Sänftenträger (Robert Schmelcher) gewitzt. „Es ist uns auch aufgefallen.“ „Und?“ „Wir waren froh, dass wir danach nicht mehr so schwer tragen mussten.“ Ofir ist außer sich und springt mit einem lauten Aufschrei gegen Taharka. Da er die Beine dabei ganz gerade durchgestreckt lässt, sieht es ziemlich steif aus und erinnerte mich ein wenig an Rumpelstilzchen. (Bei der Vorpremiere lachte eine Frau im Publikum bei dem Anblick so laut auf, dass gleich der ganze Saal mitlachen musste.) Endlich kommt Tutanchamun von rechts in den Palast gestürmt und berichtet aufgeregt von seinen Erlebnissen auf dem Markt. Ofir macht gleich tausend Kniefälle vor ihm, wendet sich dann aber wieder Taharka zu und schreit ihn an: „Das kostet Dich Deinen Job!“ Der Pharao kündigt jedoch keine weiteren Konsequenzen an, worauf Ofir sichtlich beleidigt seine Untergebenen von der Bühne scheucht. Tutanchamun fordert derweil aufgebracht eine gerechtere Verteilung der Güter und befiehlt dem zurückgekehrten Ofir, seinen Auftrag sogleich auszuführen. Ofir will gleich loseilen, wird aber von Haremhab aufgehalten und zögert. Der Pharao befiehlt ihm noch einmal, zu gehen. „Gern!“ antwortet er und will wieder loslaufen, doch Haremhab gebietet ihm erneut Einhalt, sodass er sich einmal um die eigene Achse dreht. Es geht noch eine zeitlang so weiter, bis Ofir plötzlich schwindlig die Augen verdreht und umfällt. („Ofir kollabiert vor Aufregung“ steht im Programmheft. Ein Satz, über den ich beim ersten Lesen sehr lachen musste.)

Tutanchamun befiehlt daraufhin, den Doktor Meba (Bas Timmers) zu rufen. Der erscheint auch sogleich in Begleitung zweier Assistenten sowie einem großen Ständer mit allerlei Geräten und beginnt mit der Untersuchung des Patienten. Zunächst fährt er mit einer Art goldener Sonde über Ofirs Körper, der daraufhin in einer Art Krampf von Kopf bis Fuß durchgerüttelt wird. Danach setzt der Doktor ihn auf und schlägt ihm unbemerkt mit einem Hämmerchen auf das linke Knie, woraufhin Ofir reflexartig die Papyrusrolle aus der rechten Hand fliegt, die einer der Assistenten gerade noch auffangen kann. Der Doktor bläst Ofir von beiden Seiten mit einem Rohr in die Ohren, worauf auf der rechten Seite weißer Rauch herausströmt. Ofir schaut recht erschrocken drein und macht eine Rolle vorwärts. Die Diagnose lautet, dass er von einem Dämon besessen ist. Als Therapie empfiehlt der Doktor den Verzehr einer weißen Maus. Ofir ist entsetzt und beteuert, dass er sich schon viel besser fühlt. Als der Doktor ihm nicht glaubt, meint er, der Dämon habe zu ihm gesprochen, läuft dabei mit staksigen Schritten um den Doktor herum und bewegt dabei die Arme auf und ab, so als ob es Flügel wären. Der Doktor hat jedoch schon die Maus zur Hand und hält sie Ofir unter die Nase. Zu Tode erschrocken springt er dem Assistenten des Doktors (Dave Moskin) auf den Arm und meint, der Dämon habe ihm befohlen „Maus bitte vernichten!“ „Maus bitte vernichten?“ fragt der Doktor entrüstet und verschwindet beleidigt. Schade, dass dieser lustige Song nicht auf der CD zu hören ist. Ich finde, Harald und Bas spielen die Szene live sehr überzeugend. Bas ist mir zuvor im Ensemble schon immer aufgefallen: Er hat ein interessantes Gesicht, lebendige Augen, um die Mundecken herum immer so ein Schmunzeln und eine sehr ausgeprägte Mimik. Was mir gefiel ist, dass er bei all diesen seltsamen Handlungen die ganze Zeit über so nüchtern und ernst bleiben konnte. Seine gespielte Entrüstung über die angedrohte Vernichtung der Maus ist wirklich göttlich: Entsetzt versucht er, sie hinter seinem Rücken vor Ofir zu verstecken, wirft Ofir einen bösen Blick zu, hält die Maus dann, als er sie in Sicherheit wiegt, auf seiner Handfläche vor’s Gesicht, so als ob er ihr gut zureden würde, und streicht ihr dann zur Beruhigung noch einmal über das Fell.

Ofir hat sich in der Zwischenzeit wieder einigermaßen gefangen und steht nun erneut zwischen Haremhab und Tutanchamun. Der Pharao setzt sich jedoch zuletzt durch. Als er gegangen ist, wird Ofir ein weiteres Mal ohnmächtig und sinkt wieder taumelnd zu Boden, hört aber das Gespräch zwischen Haremhab und Eje mit an, die ein neues Komplott gegen Tutanchamun planen. Eje geht und Haremhab bleibt mit Ofir zurück, der langsam aus seiner vermeintlichen Ohnmacht aufwacht. „Ha-, Hallo?“ ruft er. Er hört Schritte und bekommt im letzten Augenblick Haremhabs Bein zu packen, der ihn ein Stück weit mitschleift. Er bleibt mit dem Kopf zwischen Haremhabs Füßen liegen, sodass er beim Öffnen der Augen direkt nach oben zwischen seine Beine schaut und den Anblick mit den Worten „Mir ist so schlecht!“ kommentiert. In der Vorstellung am Samstag musste Harald aufgrund dessen, was er gesehen hat, so lachen, dass er Rob und André, der in der Gasse am Bühnenrand stand, gleich mit angesteckt hat. Ofir geht gleich danach rechts ab, aber Haremhab hat im Anschluss eine ernste Szene. Rob musste sich deshalb für einen kurzen Moment nach hinten abwenden, um sich wieder zu fangen und nicht weiterzulachen. Ich möchte nicht wissen, wie oft das schon während der Proben passiert ist! Nach seiner Niederlage ist Haremhab natürlich entsprechend wütend und drückt seinen Ärger in seinem zweiten Solo „Der Stärkste siegt“ aus. Die Musik ist für Haremhab gewohnt rockig, spannend und bedrohlich. Der Anfang beginnt mit einem Trompetensignal, darauf folgt ein Streichertremolo. Die Strophe singt Rob zunächst leise und geheimnisvoll, mit dem Einsatz des Schlagzeugs nimmt die Musik dann an Dynamik zu. Hier kann Rob stimmlich alles zeigen, was er kann. Eine zusätzliche Steigerung wird musikalisch durch einen Tonartenwechsel erzeugt. Eine tolle Wirkung hat der Hall beim letzten Wort „Macht!“, auf der CD leider nicht vorhanden. Gerade Robs beiden Songs fehlt es auf der Audioaufnahme ein wenig an Power und Stimmvolumen. Zu seiner Performance auf der Bühne ist das absolut kein Vergleich! Man muss ihn wirklich live gehört haben, um sich ein Urteil bilden zu können.

In der darauffolgenden Szene betet Anchesenamun mit den Priesterinnen im Tempel zu Hathor, der Göttin der Liebe. Die Choreographie zu „Tanz der Lebens“ ist sehr schön anzuschauen: Sabine bewegt sich wie eine orientalische Bauchtänzerin, lässt das Becken kreisen, den Oberkörper langsam nach hinten gleiten, dreht die Handgelenke usw. Dazu erklingt das leise Klimpern von kleinen Zimbeln. Sie trägt in der Nummer einen weißen Wickelrock und ein weißes, bauchfreies Bustier, beides mit türkisfarbenen Stickereien und ein passendes Stirnband mit einer Blüte. Der Klang des Fagotts hat für mich immer so etwas Märchenhaftes, Altertümliches und dann diese aufsteigende Streichermelodie. Anchesenamun wendet sich zum Altar, schreitet langsam die Stufen hinauf und ist in Gedanken offensichtlich ganz bei Tutanchamun, denn plötzlich dreht sie sich wieder zum Publikum um und bittet Hathor verzweifelt um Rat: „Oh Göttin Hathor, was soll ich tun? Ich spür’ wieder seine Nähe.“ Live haucht Sabine die letzte Strophe fast, während die Priesterinnen leise im Hintergrund die Harmonien dazu singen. Die Musik wird an dieser Stelle auch sanfter und lyrischer mit mehr Streichern. Das Stück gefällt mir von Sabines beiden Solosongs am besten. Auf der CD singt sie ganz allein, was mich beim Hören leider weniger berührt hat, als der Ensemblegesang auf der Bühne. Anchesenamun ist am Ende des Songs noch ganz in Gedanken versunken, als plötzlich Tutanchamun hereinplatzt, worauf sie vor Schreck laut aufschreit. Beide reden gleichzeitig drauflos und fallen sich gegenseitig ins Wort, bis Tutanchamun sagt: „Bitte hör mir zu! Ich wollte dir sagen, dass ich mich ändern werde.“ Die Szene geht wirklich ans Herz, denn auf die Art, wie Jesper ihre Hände nimmt und dann mit flehender Stimme „Bitte hör mir zu!“ sagt, kann man ihm einfach keine Bitte abschlagen. Sie antwortet dann auch, dass sie bereits eine Änderung an ihm erkannt habe und entschuldigt sich für ihr abweisendes Verhalten. Die beiden einigen sich zunächst darauf, wieder Freunde zu sein. Tutanchamun zieht Anchesenamun daraufhin mit beiden Armen etwas unsanft an seine Brust heran und drückt sie so fest, dass es augenscheinlich schon wehtut. „Autsch!“ Sie zuckt mit den Achseln und klopft ihm freundschaftlich auf den Rücken. „Jetzt ist alles so wie früher“, meint Tutanchamun. „Nein, nichts ist wie früher“, erklärt Anchesenamun, denn im Grunde wollen beide mehr als nur Freundschaft. „Du hast recht“, stimmt Tutanchamun ihr zu und die beiden singen ihr erstes Liebesduett „Spürst Du diese Kraft“, ein wunderschöner Song, den einige vielleicht schon von der Ruderclub-Benefizgala im November in Wien kennen. Im Vergleich mit den anderen ist dieses Stück musikalisch vom Stil her am westlichsten. Was mir besonders gefällt, sind die kurzen Holzbläserphrasen im Hintergrund, das leise Schlagzeug und dazu die Klavierbegleitung. Beim Refrain spielen zuerst nur die Streicher. Die Stelle, an der das Schlagzeug dann einsetzt, trifft direkt ins Herz. Schön sind auch Sabines Variationen in der zweiten Strophe. Jespers und Sabines Stimmen harmonieren ganz wunderbar zusammen, vor allem die letzten gemeinsamen Akkorde klingen so toll. Verliebt laufen sie die Treppen hinauf, um den Altar herum, versuchen sich gegenseitig zu fangen. Am Ende des Songs sinken sie zusammen auf den Boden und küssen sich, beobachtet von Haremhab, der sich breitbeinig und mit verschränkten Armen am rechten Bühnenrand positioniert und ein zufriedenes Grinsen im Gesicht hat, das nichts Gutes verheißt.

So kommt es, dass plötzlich Besuch aus Nubien eintrifft: Saamiya, die Tochter des nubischen Königs Kashta (Kerstin Ibald), reist mit großem Gepäck und einem eigenen Diener und Schirmträger (Robert Schmelcher) an. Saamiya kommt von rechts durch die Tür herein und schreitet, gefolgt von ihrem Diener, die Stufen zur Bühne hoch. Sie trägt, gemäß ihrer Herkunft, ein Kleid und eine Kopfbedeckung mit Leopardenmuster. Als sie zum Pharao geführt wird, präsentiert sie ihm zunächst die Goldbarren als Geschenke ihres Vaters und fällt dann vor Tutanchamun auf die Knie, um ihm die Füße zu küssen. Alle schauen sie entsetzt an, woraufhin sie sich verwirrt entschuldigt. Tutanchamun hilft ihr auf und erklärt: „Normalerweise lecken Staatsgäste mir nicht die Zehen ab.“ Sie meint daraufhin kleinlaut, dass sie sicher bald besser mit den Sitten Ägyptens vertraut sei, wenn sie sich erst einmal näher kennen gelernt hätten. Er fragt erstaunt, wie lange sie denn bleiben wolle. Darauf sie: „Solange der Pharao es wünschen … als mein Gemahl.“ Tutanchamun ist entsetzt und Anchesenamun springt schockiert von ihrem Thron auf: „Ich verstehe nicht!“ „Ich verstehe sehr gut“, erklärt Tutanchamun. Erst jetzt kommt heraus, dass Haremhab – angeblich um den Frieden mit Nubien zu sichern – König Kashta heimlich eine Heirat dessen Tochter Saamiyas mit dem Pharao versprochen hatte. Tutanchamun ist sehr erbost, bittet Ofir, Saamiya in seine Gemächer zu führen, und schickt alle anderen weg - auch seine Frau Anchesenamun - um mit Saamiya allein zu sprechen. Der weiße Vorhang wird von links bis zur Hälfte der Bühne gezogen. Ofir führt Saamiya vor den Vorhang zum Bühnenrand. Beide warten ungeduldig auf den Pharao. Saamiya geht nervös auf und ab. Ofir weiß gar nicht, wo er hinschauen soll und zupft ebenso nervös an seinem Bärtchen herum. Endlich kommt Tutanchamun und Ofir verabschiedet sich rückwärts gehend mit mehreren Verbeugungen. Saamiya fällt wieder vor dem Pharao auf die Knie und bittet ihn – den Tränen nah -, sanft zu sein. Er erklärt ihr jedoch, dass er sie nicht heiraten kann. Daraufhin bricht sie in Tränen aus und wirft ihm vor, dass er das Gold ihres Vaters annehmen würde, sich für sie aber zu schade sei. Er versucht, sie zu überzeugen, dass sie im Unrecht sei und er noch nie so etwas Schönes wie sie geschenkt bekommen habe, worauf sie noch schlimmer weint und am Boden zusammensinkt. Er fragt, ob sie seine Frau Anchesenamun gesehen habe. Sie nickt und winkt unter Tränen ab, mittlerweile schon ganz aufgelöst. Kerstin spielt die Rolle einfach unglaublich! Wie sie immer heftiger und hemmungsloser weint und Jesper völlig verzweifelt auf und ab läuft und gar nicht mehr weiß, was er noch tun soll, um sie zu beruhigen, das war für mich eine der lustigsten Szenen. Die beiden sind ja schon optisch ein so ungleiches Paar: Sie ist ein ganzes Stück größer als er und das Kleid betont ihre weiblichen Rundungen noch einmal so richtig, während er mit bloßem Oberkörper dagegen eher etwas schmächtig wirkt. Tutanchmanun weiß jedenfalls noch immer nicht, wie er sie trösten soll, und redet daher einfach weiter. Er meint, es könne sich nur jemand in seine Lage versetzen, der selbst liebe. Da horcht Saamiya kurz auf: „Aber ich liebe doch auch!“ ruft sie, drückt Tutanchamun an sich und dabei seinen Kopf zwischen ihre Brüste. Er bekommt fast keine Luft mehr und kann sich gerade noch aus der Umklammerung befreien: „Aber doch nicht mich?“ fragt er besorgt. Saamiya weint immer heftiger: „Nein!“ - „Amun sei dank!“ Tutanchamun macht eine Handbewegung, als ob ihm ein Stein von Herzen fällt. Saamiya erklärt, dass ihr Geliebter Amir heiße und in Nubien am Hofe ihres Vaters angestellt sei. Tutanchamun verspricht erleichtert, dass er sie zurückschicken und sie ihren Amir wiedersehen werde. Da Kashta die Ablehnung seiner Tochter als Verletzung seiner Ehre ansehen wird, droht nun unweigerlich ein Krieg zwischen Ägypten und Nubien.

Zunächst muss Tutanchamun allerdings anderen Pflichten nachgehen und Hapi, den Gott des Nils, beschwören, die umliegenden Felder genug zu bewässern, damit die Ernte reich wird („Beschwörung am Nil“). Als er in die Barke steigt, bittet er seinen Diener Udimo, ihn allein zu lassen. Auf der Leinwand im Hintergrund sieht man das Wasser im Dämmerlicht schimmern. Man spürt die Schwere der drückenden Hitze sogar in der Musik. Noch ist alles ruhig und Tutanchamun kniet mit geschlossenen Augen auf der Barke, doch plötzlich trifft ein Pfeil den Leitbullen (André Wright) einer in der Nähe ruhenden Nilpferdherde. Die Tänzer haben bloße Oberkörper, tragen weite, ausgepolsterte, graue Hosen mit Schwänzen (die Hinterteile der Nilpferde) und graue Kopftücher. Man kann schon erkennen, dass es sich um Nilpferde handelt, aber ich hätte mir zumindest noch andere Kopfbedeckungen oder Masken gewünscht, um das Ganze noch authentischer wirken zu lassen. Die Tiere schrecken durch den Pfeil auf, geraten in Panik und bringen die Barke des Pharaos zum Kentern. Die Musik wird immer bedrohlicher bis zum Gongschlag. Tutanchamun fällt ins Wasser und wird von den Massen in die Tiefe gerissen. Auf der Leinwand im Hintergrund sowie auf dem weißen Vorhang vor der Bühne erkennt man nun mithilfe von Projektionen eine türkis-blaue Unterwasserwelt mit Grünpflanzen, algenbewachsenen Felsen und aufsteigenden Wasserblasen. Tutanchamun kämpft um sein Leben, versucht immer wieder sich von den Körpern der Nilpferde abzustoßen und nach oben zu schwimmen. Unruhige Streicher und einzelne Trompetentöne stehen für den Überlebenskampf. Die Musik wird immer spannender, während er verzweifelt seine Arme nach oben reckt. Zuletzt sinkt Tutanchamun scheinbar leblos auf den Grund und wird von den Nilpferdkörpern bedeckt. Das Orchester wird zum Ende hin wieder reduziert bis nur noch wenige Instrumente spielen und die Musik dann ganz aufhört. Die Szene ist durch die Kombination der Choreographie mit den Videoprojektionen die visuell beeindruckendste des gesamten Stückes. Irgendjemanden von den Zuschauern hat man in der Pause immer begeistert über diese Szene reden hören, zu Recht.

Als Tutanchamun nach drei Tagen nicht zurückgekehrt ist, versuchen Eje und Haremhab erneut, die Macht an sich zu reißen. Die Stimmung ist angespannt, musikalisch ausgedrückt durch die gezupften Gitarrenakkorde und den lang angehaltenen Ton in den Streichern. Eje meint, dass Tutanchamuns Bitten nicht erhört wurden und er stattdessen den „Zorn der Götter“ beschworen habe. Dies ist Andrés einzige solistische Gesangspassage in dem gesamten Stück. Ich höre seine tiefe Stimme sehr gern, denn sie strahlt immer soviel Ruhe und Sicherheit aus. Umso bedauerlicher, dass seine Rolle in diesem Stück so klein ist und er keinen einzigen Solosong hat. Zwar singt er einige Passagen allein, meistens aber im Duett mit seinem Kontrahenten Haremhab. Den Eje spielt er an sich ganz gut - ruhig, ernst, besonnen und stets pflichtbewusst. Meiner Meinung nach macht er aber nicht genug aus der Rolle. Vielleicht bietet sie auch nicht genügend Entwicklungspotential. Jedenfalls bleibt er insgesamt relativ blass und als Zuschauer kann man sich gar nicht entscheiden, ob man ihn nun mag oder doch eher unsympathisch findet. Anchesenamun unterbricht die beiden Streithähne und betont, dass sie bis zu Tutanchamuns Rückkehr das Sagen habe. Die Flötenbegleitung während ihrer Strophe gefällt mir. Sie ist mittlerweile zu einer emanzipierten, selbstsicheren Frau herangereift. Auch Ofir mischt sich ein und bittet Eje und Haremhab: „Hört auf Anchesenamun!“ (auf der CD singt an der Stelle stattdessen eine Ensemblegruppe). Eje erklärt jedoch mit ernster Miene, dass der Pharao offensichtlich ertrunken sei. In dem Moment kommen von links einige Männer in beigefarbene Capes gehüllt und mit Kapuzen vermummt herein, ein Spähtrupp. Sie berichten aufgeregt, dass der Nil nun doch ansteigt und Tutanchamuns Bitten offensichtlich erfolgreich war. Aus der Musik klingt harmonisch Erleichterung heraus. Da tritt einer der Späher vor, reißt sich die Kapuze vom Kopf und alle erkennen in ihm den vermissten Pharao. Tutanchamun hat zum Beweis, dass ein Attentat auf ihn verübt worden ist, den Pfeil dabei, der auf den Nilpferdbullen geschossen wurde. Anchesenamun berichtet ihm bestürzt, dass Saamiya auf ihrer Heimreise nach Nubien zu allem Übel von Unbekannten ermordet wurde und König Kastha bereits gegen Ägypten aufrüste. Tutanchamun ist sich sicher, dass Haremhab hinter alledem steckt, kann es aber nicht beweisen. Er besteht darauf, Kashta allein gegenüberzutreten. Alle im Saal sind entsetzt: Anchesenamun versucht ihn umzustimmen, Ofir macht zumindest den Ansatz etwas zu sagen, wird dann aber von Tutanchamun mit den Worten „Es ist der Wille der Götter!“ unterbrochen. Er verabschiedet sich von allen und macht sich auf den Weg. Anchesenamun bleibt allein zurück und singt in ihrem zweiten Solo über ihre Angst um Tutanchamun, versucht aber gleichzeitig, ihm durch ihre Worte und Gedanken Kraft zu schenken. Der Song ist meiner Meinung nach einer der schwächeren im Stück, etwas langweilig, ein recht normaler Popsong. Schade, denn der ausdrucksstarke Text hätte eigentlich nach etwas Außergewöhnlicherem verlangt. Ich weiß nicht, ob es an ihren Songs liegt oder am Skript, aber Sabine passt generell zwar in die Rolle, doch sie ist auch austauschbar. Ich fand sie zwar bei Weitem nicht schlecht, aber so richtig überzeugt hat sie mich auch nicht. Sie gibt der Rolle nicht genügend Profil, macht nichts Besonderes daraus, macht sich die Rolle nicht zu eigen. Auch Jesper bleibt in einigen Szenen etwas blass. Eigentlich ungewöhnlich, dass gerade die beiden Hauptrollen so wenig herausstechen. Die Figuren, die einem am ehesten in Erinnerung bleiben, sind Haremhab, Ofir und Saamiya.

Auf der Bühne üben sich die nubischen Krieger vor einer Wüstenkulisse bereits im Stockkampf, als plötzlich von rechts hinten Tutanchamun durch die Zuschauerreihen kommt (Deans Inszenierungen sind bekannt für Auftritte aus dem Publikum). Die Krieger halten ihn zunächst für einen Boten, weil er lediglich eine Umhängetasche bei sich trägt. Als sie in ihm jedoch den Pharao erkennen, rufen sie gleich König Kashta (André Wright) herbei. Aus dem Klangteppich orientalischer Instrumente bildet sich eine Melodie heraus. Kashta beschuldigt Tutanchamuns des Vertrauensbruchs, weil er seine Tochter abgewiesen hat. Seine Krieger stampfen mit ihren Speeren auf den Boden und fordern immer lauter und aggressiver – begleitet durch Trommelwirbel - „Blut für Blut!“, um Saamiyas Tod zu rächen. Tutanchamun versucht, seine Entscheidung zu erklären, doch Kashta ist blind vor Wut und Trauer um seine Tochter. André drückt seine Gefühle sehr gut über die Stimme aus. Man hört richtig den Hass und Argwohn, den er Tutanchamun gegenüber empfindet. Er spuckt die Worte fast aus, während Jesper dagegen eher sanft und beschwichtigend klingt. Diese Gegensätze gibt auch die CD ganz gut wieder. Auch optisch passt André mit seinen langen Rastazöpfen und seinen außergewöhnlich hellen, funkelnden Augen sehr gut in die Rolle des nubischen Königs, nur dass Kerstin als „Saamiya“ seine Tochter sein soll, kann man sich nun nicht unbedingt vorstellen. Um sein Volk zu schonen, fordert Tutanchamun Kashta schließlich zu einem Zweikampf heraus („Zweikampf mit König Kashta“). Einer der nubischen Krieger wirft Tutanchamun auf ein Zeichen Kashtas hin einen Speer zu und der Kampf beginnt, begleitet durch dunkle, bedrohliche Streichakkorde. Es geht Schlag auf Schlag und man kann den außergewöhnlich schnellen Bewegungen fast gar nicht mit Blicken folgen. Einzelne Trompetentöne markieren die Speerstöße. Alles sieht sehr realistisch aus und in der Vorstellung am Samstag hatte ich fast Angst, selbst eine Speerspitze abzubekommen, da ich in der ersten Reihe Mitte direkt vor den drei Stufen zur Bühne saß, quasi mitten im Geschehen. Am Sonntag bekam Jesper an der Stelle, wo er am Boden liegt und Kashtas Speer mit beiden Händen gerade noch von seinem Gesicht abhalten kann, die Spitze nicht richtig zu fassen. Er rutschte immer wieder mit den Händen ab und ich dachte „Mein Gott, gleich trifft André ihn wirklich im Gesicht!“, aber zum Glück ging es noch einmal gut. Auch für diese Choreographie ein riesengroßes Lob an Cedric Lee Bradley! An Schnelligkeit und Spektakularität übertreffen das meiner Meinung nach nur noch die Degengefechte bei den „3 Musketieren“. Als Kashta zuletzt am Boden liegt, bittet er Tutanchamun, ihn zu töten, um wieder mit seiner Tochter vereint zu sein. Der Pharao reicht ihm jedoch die Hand, hilft ihm auf und bietet ihm seine Freundschaft an. Kashta bewundert ihn für seine Großmut und willigt nach kurzem Zögern ein. Der Frieden ist somit gesichert und musikalisch erklingt das helle Dur-Thema, das auch bei Tutanchamuns Thronbesteigung gespielt wurde (übrigens auch als Zeichen für den Beginn der Vorstellung bzw. des 2. Aktes nach der Pause).

Tutanchamun bleibt nach dem Kampf allein zurück. Offensichtlich hat er sich ernsthaft verletzt, denn er zieht mit schmerzverzerrtem Gesicht ein Bein hinter sich her und sinkt zuletzt erschöpft zu Boden. Dort holt er aus seiner Umhängetasche ein Tuch, das er vor sich ausbreitet, und stellt darauf einige kleine Götterfiguren. Tutanchamuns Todesursache ist ja bis heute ungeklärt, aber man vermutet, dass er einen Beinbruch erlitten hat und an einer daraus entstandenen Entzündung gestorben ist. Das ist im Musical meiner Meinung nach durch den vorhergehenden Kampf mit Kashta als mögliche Ursache auch logisch umgesetzt worden. Tutanchamun hat dunkle Vorahnungen und spürt, dass sein Tod kurz bevor steht. „Bleibe ich in Erinnerung“ gefällt mir von allen Songs am besten. Jespers Stimme klingt in den Strophen teilweise sehr samtig, im Refrain dann wieder stark. Auf dem Höhepunkt des Songs dreht er sich zunächst langsam und dann immer schneller im Kreis, bis er schließlich wieder zu Boden fällt. Der schwere Rhythmus und die Trompetensequenzen am Ende haben so etwas Heldenhaftes, wie man es auch aus der mexikanischen Musik kennt. Das ist definitiv einer der Songs, auf die ich mich immer am meisten gefreut habe.

Die darauffolgende Szene spielt wieder vor dem halbdurchsichtigen, weißen Vorhang in den Gemächern der Pharaos. Drei Dienerinnen bereiten das Nachtlager vor und lassen Anchesenamun dann allein. Von draußen hört sie die begeisterten Rufe des Volkes „Tutanchamun! Tutanchamun!“ und lächelt. Endlich betritt ihr Gemahl den Palast, noch immer hinkend, tritt vor den Vorhang und beide fallen sich glücklich in die Arme. Drinnen im Palast ist es ganz still. Fest umschlungen singen Tutanchamun und Anchesenamun das zweite Liebesduett „Jeden Moment mit Dir“. Der Song ist weniger lyrisch, dafür aber umso ausdrucksstärker und erinnert ein wenig an Herbert Grönemeyers „Der Weg“. Der Refrain bleibt im Ohr und auch hier fällt wieder die Oboenbegleitung auf. Auch Anchesenamun spürt, dass es mit Tutanchamun bald zu Ende geht und genießt die letzten Augenblicke mit ihm. Auf dem Höhepunkt des Songs läuft Tutanchamun links und Anchesenamun rechts von der Bühne herunter. Die beiden treffen sich in der freien Gasse zwischen Parkett und Tribüne, bevor sie Hand in Hand zurück zur Bühne laufen und dort auf das Lager niedersinken. Am Morgen danach steht Tutanchamun früh auf und bedeutet Anchesenamun, sie solle ruhig weiterschlafen. Sie küsst ihn noch einmal, lässt ihn dann aber ziehen und wiederholt traurig den Segenswunsch vom Beginn des Stückes „Auf dass Dein Ka lebe!“ Dann wird es dunkel. Im Hintergrund der Bühne öffnet sich eine große Luke und Stufen, die von unten heraufführen, werden sichtbar. Nach und nach treten alle Protagonisten wieder auf, darunter auch die verstorbene Teje, und verteilen sich im Dämmerlicht auf der Bühne. Die A-Capella-Gesänge zu „Die Ewigkeit liegt in jedem Augenblick“ klingen fast gregorianisch, wie eine unendliche Melodie, ein Fließen. (Auf der CD vermisse ich Haralds Stimme, die man live immer sehr gut aus dem Ensemble heraushört.) Der weiße Vorhang fährt langsam zur Seite und aus dem Untergrund steigt im Scheinwerferlicht eine Gestalt die Stufen hinauf. Vor dem Gesicht hält sie die berühmte gold-blaue Totenmaske. Als er die Maske zur Seite nimmt, erkennt man: Es ist Tutanchamun, der aus seiner Grabkammer hinaufgestiegen und in die Ewigkeit eingegangen ist. Die Frage, warum Tutanchamun so plötzlich gestorben ist, bleibt auch im Musical offen. Ein feierlicher und sehr nachdenklich stimmender Abschluss.

Bei der Premiere versammelte sich das ganze Ensemble nach dem Schlussapplaus noch einmal auf der Bühne, um für die Pressefotographen zu posieren. Die Premierenfeier fand dann im angrenzenden Zelt statt, wo es orientalische Spezialitäten wie z.B. Falafel und leckere Bowle mit exotischen Früchten gab. Später trat dann noch Rob mit seiner Band „Morton“ auf und heizte den Gästen eine Stunde lang mit einem Überraschungsprogramm ein, darunter seine aktuelle Single „Sorry“ und eine Coverversion von Oasis’ „Stop Crying Your Heart Out“. Special Guest war – natürlich vollkommen ungeplant – seine Frau Sabine die „Schritt für Schritt“, einen selbstkomponierten Song für ihren gemeinsamen Sohn, sang. Zuletzt holte Rob Karoline, „die kleine Tutanchamun“, auf die Bühne, um mit ihr gemeinsam noch einmal „Sorry“ zu singen. Das war der gelungene Abschluss eines sehr ereignisreichen Tages und da für den nächsten Abend keine Vorstellung angesetzt war, ging die Party auch noch bis spät in die frühen Morgenstunden weiter.

Für mich hat sich die weite Reise von Deutschland aus absolut gelohnt und habe jede der 4 Shows, die ich an dem Wochenende besucht habe, total genossen! Die Inszenierung und vor allem die Musik haben mir mit jedem Mal besser gefallen. Ich hoffe deshalb für alle Beteiligten von ganzen Herzen, dass dieses außergewöhnliche Musical nach den Vorstellungen in Gutenstein nicht in Vergessenheit gerät und auch überregional einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Falls Ihr es irgendwie ermöglichen könnt, schaut es Euch unbedingt an: Es lohnt sich wirklich!
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Re: Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon armandine » 13.07.2008, 21:01:33

Vielen Dank für deinen schönen ausführlichen Bericht!

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Re: Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon Elphaba » 14.07.2008, 03:03:27

Wow! :shock: Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht clickcat! :)

Das muss ja echt ein richtig tolles Musical sein!
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Re: Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon clickcat » 14.07.2008, 10:43:43

Bevor ich auch hier der Werbung bezichtigt werde: Das Geschriebene gibt natürlich nur meine persönliche Meinung wider. Die Presse wird sicher objektiver berichten.

Wobei es Sisi Silberträne ja offensichtlich auch ganz gut gefallen hat. :wink:
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Re: Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon Stern » 14.07.2008, 18:35:29

Hallo clickcat,
von mir auch danke für den ausführlichen Bericht. In welchem Forum war denn das mit dem Werbung bezichtigen? Würd' mich interessieren, was da sonst so geschrieben steht...

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Re: Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon athosgirl » 14.07.2008, 20:07:10

Wow, danke für diesen tollen Bericht.
Würd mir das gerne auch ansehen

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Re: Tutanchamun | Gutenstein (A) 02. bis 06. Juli 2008

Beitragvon Marie Antoinette » 15.07.2008, 19:53:00

Das ist wirklich ein sehr schöner und ausführlicher Bericht... :)

Würd das Musical auch sehr gerne mal sehen...


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