Hair, Kassel, 29.05.2009

Wie gefiel euch eine Vorstellung und was würdet ihr kritisieren?

Moderatoren: Sisi Silberträne, Elphaba

Benutzeravatar
Gaefa
Musical-Fan
Musical-Fan
Beiträge: 2203
Registriert: 20.03.2007, 18:32:59
Wohnort: Göttingen

Hair, Kassel, 29.05.2009

Beitragvon Gaefa » 04.06.2009, 15:02:17

Hier mal der Bericht zu meinem zweiten Hair Besuch in Kassel.

Hair, Kassel, 29.05.2009

„Schreibt ja was Gutes!“, meinte Judith zu uns nach der Show. Und genau das werde ich auch tun. Um ihren Wunsch komplett zu erfüllen und nur Gutes zu schreiben, lasse ich bei diesem Bericht die Kassler Inszenierung einfach mal außen vor und beschreibe nur die Darsteller und ihre Rollen. (Falls die Kritik zur Inszenierung sowie die Beschreibung des Ablaufes jemanden interessiert, verweise ich gern auf meinen ausführlichen Premieren Bericht: http://forum.judith-music.de/thread.php ... =0&page=10 )

Claude Hooper Bukowsky: Kai Hüsgen
Er hat mir, wie bei der Premiere auch, gut gefallen in dieser Rolle. Er hat als Hauptperson eine tragende Rolle, dennoch sticht er nicht besonders heraus. Gesanglich hat er eine gute Leistung erbracht und auch schauspielerisch hat er mir gefallen. Er stößt als Außenseiter zur Gruppe und bleibt augenscheinlich auch ein solcher, da er als einziges seine „normale“ Kleidung anbehält. Nachdem Berger die Pillen verteilt, saß er wieder sich übergebend vorm Orchestergraben. Im Gegensatz zur Premiere wischte er sich seinen Mund nicht mit Judiths Haaren ab, sondern sie drückte ihm eine von den Bananen ihres Gürtels vor den Mund, auch eine interessante Lösung. Er tat einem irgendwie immer leid, als Woof auf ihn zugerannt kam, da Claude dann doch ein wenig unterlegen erschien. Sein Zusammenspiel mit der Tribe und vor allem mit Jeanie war immer passend. Seine Zurückhaltung am Anfang ließ ihn sehr sympathisch wirken. Als Jeanie ihm die Perücke verpasst hat und „Air“ sang, fing er mitten im Lied an zu protestieren: „Da kommen ja noch zwei.“, womit er Judith und Isabel meinte. Dass er zwischen dem Leben mit der Tribe und seinen Verpflichtungen hin und her gerissen war, sah man vor seiner Einberufung eindeutig, was er auch gut herübergebracht hat. Die Reprise von „Ain’t got no“ kurz bevor er erschossen wird, war sehr ergreifend. Aber auch seine restlichen Lieder waren schön gesungen, vor allem „Where do I go“. Toll war auch als er sich vorstellte und erklärte woher er kam. Sein folgendes „Manchester England“ hat mir sehr gut gefallen. Alles in allem hat er die Rolle gut verkörpert und mir gut gefallen.

Donna Bukowsky: Tanja Schön
Nach wie vor frage ich mich, warum die Eltern später immer nur von ihrem Sohn sprechen und die Tochter scheinbar als verloren geben, sie dann aber Mr. Bukowsky, als er durch die Gegend schießt mit einem genervten „Papa“ bedacht hat… Wie dem auch sei. Sie hat ihre Rolle authentisch gespielt und man nahm ihr die Beziehung zu Berger ab. Im Gegensatz zu Claude passte sie sich auch optisch ziemlich schnell er Tribe an. Bei „Donna“ wurde sie von einigen aus dem Ensemble hoch in die Luft gehoben, was ihr sichtlich gefiel. Zu singen hatte sie nicht wirklich ein bedeutendes Solo, weshalb sie außer in den familienbezogenen Szenen nur noch durch ihre Beziehung zu Berger aufgefallen ist. Insgesamt hat sie eine gute Leistung erbracht.

Mrs. Bukowsky: Eva-Maria Keller
Ihre Rolle ist auch sehr eigen, aber sie spielt sie gut. Ich hatte so das Gefühl sie fühlt sich der Tribe ab und an ein bisschen hingezogen, auch wenn sie erklärt, dass sie keine „Hottentotten“ seien, sondern „römisch-katholisch“. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch die Szene, in der Claude sie anschreit und man die Normalität herumdreht. Außerdem erklärte sie Hud später so herrlich trocken: „Das ist romantisch.“ Sie hat echt gut gespielt, auch wenn ihr insgesamt aus ihrer Rolle nicht so arg schlau geworden bin ;).

Mr. Bukowsky: Carlo Ghirardelli
So richtig weiß ich immer noch nicht wie ich Carlo als Vater finden soll… Als Oberst Pickering hat er mir auf jeden Fall besser gefallen. Wie dem auch sei. Er hat eine unverwechselbare, raue Stimme, die sehr gut zur Rolle passt. Er trat immer wieder als Verteidiger der USA auf, wie bei seiner Fahnenrede, die von Humphrey übersetzt wurde oder seiner von der Aquarius-Reprise unterbrochenen Rede. Mit diesen Reden fiel ihm auf jeden Fall ein großer Teil der englischen Sprechtexte zu, die nicht immer so gut zu verstehen waren. Anyway. Als Vater an sich kam er mir recht hart vor, so z.B. als er Claude immer so angeschrieen hat, was mir nicht so gut gefallen hat. Seine kurzen Gesangsparts waren ganz gut. Was er jedoch unter der Freiheitsstatue zu suchen hatte, weiß ich nach wie vor nicht… Auch die Szene, in der er die ganze Zeit mit der Pistole schießt, bevor ihn seine Tochter in den Arm beißt und er sie somit loslässt, finde ich ziemlich überflüssig und diese vielen Schüsse, hätte man dem Publikum ersparen können. Aber ich trifte ab… Zu Carlo bleibt zu sagen, dass er alles in allem ganz gut war.

Berger: Randy Diamond
Ich hab mich gefreut, als ich gesehen habe, dass er in dieser Show den Berger spielt, da mir Henrik Wager bei der Premiere nicht so sonderlich gefallen hat. Randy hingegen hat mir vor allem stimmlich um einiges besser gefallen. Er hat eine tiefere Stimme und zieht die Töne nicht so hoch wie Henrik das machen pflegte. Allein rein optisch sah er vollkommen anders aus. Er ist relativ dünn und groß und hat im Gegensatz zu Henrik keine lockigen, sondern glatte Haare, was aber durchaus gut passt. Sein „Donna“ gefiel mir ziemlich gut und auch später „Going down“ fand ich gut gesungen. Während des Liedes fand ich es lustig, dass ein Professor auftauchte und meinte alle seinen exmatrikuliert. Ich meinerseits wäre froh, wenn ich erstmal immatrikuliert wäre, hab ich mir dabei so gedacht… Seine Pillenverteilung war gut gespielt und ich hab diesmal verstanden welche Namen er jedem zuspricht, was das ganze lustiger machte. Er konnte sich scheinbar nicht wirklich zwischen Donna und Sheila entscheiden oder wollte gleich beide nehmen. Bei Sheilas „I believe in love“ sang er zumindest auch eine Zeile und stand dann irgendwann nur noch in seinen Boxershorts, die aussahen wie eine Amerikaflagge, auf der Bühne, was bei Henrik auch nicht so gewesen war, aber durchaus gut passte. Sein Zusammenspiel mit der Tribe und vor allem auch Claude war überzeugend. „Hair“ war von den beiden dann auch gut gesungen und kam zum Schluss noch mal als Zugabe, was beide sehr schön gesungen haben. Bei „The Flesh Failures“ hat er seinen Part schön gesungen und sichtlich um Claude getrauert. Letztendlich bleibt zu sagen, dass er einen tollen „Burger“ gespielt hat und mir besser gefallen hat als Henrik, was vor allem auf Randys toller gesanglicher Leistung basiert.

Woof: Christof Maria Kaiser
Ich mag ihn irgendwie. Er ist sehr lustig und gesanglich hat er eine solide Leistung erbracht. Nach wie vor finde ich das Kostüm etwas unpassend, da das gebatikte T-Shirt leicht wie eine Zielscheibe anmutet. Lustig war wieder „Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Jimmy Hendrix“, was er einfach toll rübergebracht hat. Auch sein Lied „Sodomy“ war gut gesungen und der Burger diente ihm als kleine Bühne, was allerdings auch zur Folge hatte, dass sich alle an ihn gehängt haben und seine Hose ihren eigenen Sitzplatz verlassen musste. Sein Part beim „Electric Blues“ harmonierte gut mit dem von Judith und Tertia. Seine witzige Art zog sich durch das ganze Stück, was mir immer wieder gut gefallen hat und ihn zu einer sympathischen Rolle werden ließ. Alles in allem bleibt bei ihm zu sagen, dass er toll gespielt hat und durch viel Witz wie mit der Andeutung auf das Militär durch sein „Stillgestanden!“ das Stück immer wieder aufgelockert hat.

Hud: Alvin Le-Bass
Er vertritt würde die Colored Spade und sorgt auch für gute Laune mit seinen Songs. Sein Part bei „Ain’t got no“ war wieder schön gesungen. Seine Rolle kommt sehr authentisch rüber. Etwas makaber finde ich es schon, dass er im zweiten Akt einfach mal so aufgehangen wird. Aber diesmal hat man eindeutig gesehen, dass er vorher noch festgemacht wurde. Seine Auferstehung, die mit einem großen Grinsen seinerseits von statten geht, ist recht lustig und auch das Lied danach „Abie Baby“ trägt dazu bei, dass wieder gute Laune aufkommt. Insgesamt hat er toll gespielt und mir gut gefallen.

Dionne, Supremes: Judith Lefeber
Sie war der Grund noch einmal in die Show zu gehen und es hat sich gelohnt! Wie sie selbst meinte, es ist kein Vergleich zur Premiere, es war viel besser!! Sie war viel besser. Obwohl sie bei der Premiere schon genial war, hat sie sich nochmals um einiges gesteigert. Es ist immer wieder faszinierend welche eine Stimme und Power aus dieser zierlichen Person kommen, wow!! Am Anfang von „Aquarius“ hab ich nur auf ihren Einsatz gewartet, doch Tertia begann mit der ersten Zeile, die nächste sang irgendjemand aus dem Ensemble, aber als es dann richtig los ging, sang Judith! Und wie, einfach genial. Sie singt Aquarius mit so viel Kraft in der Stimme, dass schon das alles faszinierend war und ich wusste warum ich in dieser Show sitze. Aber auch schauspielerisch ist es eine klasse Show von ihr gewesen. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass sie oft aus der Tribe herausstach. Sie war es oft, die bei einer Antwort zu hören war, so wie als Claude sich vorstellte und meinte er käme aus Liverpool, da war es Judith, die man antworten hörte: „Oh nein.“ Oder als sie meinte sie sei Diana Ross und die anderen Supremes. Lustig war danach, als Jeanie fragte: „Und was ist mit Ella Fitzgerald?“ und Judith ganz trocken zurückgab: „Die nicht.“ Einfach eine herrliche Stelle! Als Berger die Pillen vergab, stand sie ganz vorne an der Reihe und turnte danach ein wenig auf dem Redepult herum und zog sich ihren Bananengürtel an. Als sie sich hinsetzte, ging mir durch den Kopf, dass sie das scheinbar geübt hatte, um sich auch nicht mehr versehentlich auf die echte Banane zu setzen. Im Anschluss kümmerte sie sich um Claude, dem ja ein wenig schlecht war. Das passte mal wieder so gut, da sie sich dadurch geschickt vorm Tanzen drückte. Dass sie das immer wieder geschickt hinbekam, muss ich ja nicht nochmals erwähnen ;). Während des nächsten Liedes saß sie wieder neben Dionne und die beiden verspeisten die Banane, wobei Dionne sie Judith wohl nicht geben wollte, aber irgendwoher holte Judith dann noch ein Stück Banane, da sie selbst dann essen konnte. Judiths Part bei „Ain’t got no“ hat mir von den dreien am besten gefallen. Es fiel auch auf, dass sie am kräftigsten sang, ihre Stimme passt auch perfekt zu dem Song. Außerdem hab ich dieses Mal verstanden, was die Tribe ungefähr auf die einzelnen Zeilen antwortete. Bei „Hare Krishna“ konnte man sie am Anfang gut heraushören. Als dann alle ins Publikum losgelaufen sind, ist sie nicht wie bei der Premiere an einem der Ausgänge stehen geblieben, sondern ist weiter nach hinten gelaufen und hat eine Frau am Rand zum Tanzen aufgefordert. Judith hatte sichtlich ihren Spaß bei dem Lied, aber auch so sah man ihr die Spielfreude während des ganzen Stücks an. Bei „Where do I go“ war sie trotz den schwarzen Mantels eindeutig zu erkennen.
Im zweiten Akt ging es dann gleich mit dem „Electric Blues“ weiter, bei dem sie sich mit ihrem Rollennamen am Telefon meldete. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das auch das einzige Mal, dass sie Dionne genannt wird bzw. sich selbst so nennt. Wie dem auch sei, sie harmonierte bei dem Song toll mit Tertia und Woof. Schön war als die drei die Hörer von den Telefonen durch die Luft schleuderten. Kurz nach dem Lied verschwand sie dann zusammen mit Tertia. Nach „Black Boys“ wurden dann groß die Supremes angekündigt. Auf dieses Lied hatte ich mich besonders gefreut. Dann kamen sie auch schon, die drei Supremes in Gestalt von Judith, Tertia und Dionne alias Dionne, Tertia und Ceclia, was ich nach wie vor ziemlich verwirrend finde. Wie dem auch sei, „White Boys“ stellte eindeutig ein Highlight der Show dar. Die drei hatten eindeutig ihren Spaß an dem Song und es war großartig gesungen. Judith hat in ihren Part so viel Power gesteckt, mir fehlen die Worte, um das richtig beschreiben zu können, es war auf jeden Fall genial. Sie hatte auch eindeutig die Leadstimme inne und dieser Song passt einfach total zu ihrer Stimme, ganz große Klasse!! Schon bei der Premiere lief die Choreographie gut, aber in dieser Show sah sie viel leichter, routinierter aus. Das Lied hat richtig gute Laune gemacht und mit drei so stimmkräftigen Supremes war es das Highlight des Abends, vor allem wenn man die zweite Zugabe dazurechnet, aber dazu später noch mehr. Nach dem Lied sah es so aus als sprechen die drei sich noch ab zu welcher Seite sie die Bühne denn nun verlassen, sah lustig aus. Als nächstes folgte eine Szene, die ich weniger mag, aber ich bin mir mittlerweile sicher, dass es ein Irrenhaus darstellen soll. Judith wurde hier zwischenzeitlich von zwei Mitarbeitern des Irrenhauses, so würde ich es zumindest interpretieren, festgehalten. Hiernach begann sie „Walking in Space“ zu singen. Dieses Lied ist ein echter Ohrwurm, kann man nichts gegen machen. Sie singt hier relativ hoch, was man ja nicht so von ihr gewohnt ist, aber es ist toll. Sie singt sachte und trotzdem kräftig. Hat mir dieses Mal allerdings noch besser gefallen als bei der Premiere. Faszinierend, dass sie den Weg durch die Fäden im Anschluss noch finden und sich nicht gänzlich darin verknoten. Die „Aquarius Reprise“ fand ich auch sehr toll von ihr und Tertia gesungen. Diese langsame Version hat ihren ganz eigenen Charme und durch Judiths Variationen bekommt sie ihren ganz eigenen Touch. Auch toll umgesetzt, wie die zwei sich abwechseln und immer ein Stück weiter auf Carlo zugehen. Hat mir echt gut gefallen und ich hab mich gefreut den Song nochmals von ihr zu hören. Gegen Ende des zweiten Aktes kam dann noch ein Lied, das mir beim ersten Mal total gut gefallen hatte, ich aber beinahe schon wieder verdrängt hatte, nämlich „What a piece of work is man?“ das Duett von ihr und Steve. Wirklich ein sehr schöner Song, bei dem beide Stimmen klasse zur Geltung kommen und es etwas ruhiger zu geht, was ich ja gern mag. Faszinierend wie die beiden einfach nur vorm Vorhang stehen und vom Licht angestrahlt werden, während sie singen und trotzdem haben sie das Lied total toll rüber gebracht, wirklich schön. Beim letzten Lied tauchte sie dann in der linken Wand auf und sang den Anfang zu „The flesh failsure“ wieder in einer von ihr ganz ungewohnten hohen Tonlage. Aber auch hier kräftig. Mir ist abermals aufgefallen, dass die hohen Stellen noch besser waren als bei der Premiere, was mich wieder hat staunen lassen. Wirklich ein schöner Abschluss, dachte ich. Dann stehen da alle bei „Let the Sunshine in“ und Judith steht relativ mittig. Plötzlich fängt sie an ein „Oh no!“ dazwischen zu singen. Richtig kräftig und voll Power. Mir stand echt der Mund offen. Da stehen fast 30 Leute auf der Bühne und wer darf dazwischen rufen? Na klar, Judith! War echt klasse, vor allem hat man sie trotz des Gesangs der anderen deutlich verstanden, echt ein schöner Schluss und eine tolle Änderung.
Zu sagen bleibt noch, dass sie beim Schlussapplaus von allen den lautesten Beifall bekommen hat und wenn man mich fragt, zu Recht. Sie war wirklich großartig. Sowohl schauspielerisch war sie toll als auch gesanglich genial. Ich bin immer wieder von ihr begeistert. Als dann beim Schlussapplaus bestimmt das 5. Mal der Vorhang hochging, lief sie nach vorn und die Musik setzte erneut ein und ich hab mich nur gefragt: Was singt sie denn jetzt?? Und es kam „White Boys“!! Einfach nur genial. Sie hatte sichtlich ihren Spaß und hat die meiste Zeit mit Woof, einem white boy ;), getanzt. Schon bei der ersten Zugabe hatte sie dafür gesorgt, dass auch alle schön stehen bleiben und mitklatschen. Nach White Boys, das abermals grandios gesungen war und für noch mehr Begeisterung im ganzen Saal sorgte, kamen noch ein paar Vorhänge und Judith deutete dann schon zu den Ausgängen. Ist ja auch verständlich ;).
Alles in allem muss ich glaub ich gar nicht mehr viel sagen, auf jeden Fall war sie großartig und allein für sie hat es sich gelohnt sich die Inszenierung noch einmal „anzutun“. Judith war auf jeden Fall großartig.

Crissy: Isabel Dan
Sie war wieder ziemlich müde, wobei dieser Gag beim ersten Mal irgendwie lustiger rüber kam. Wie dem auch sei, sie war durch die Show weg gut und hat toll gespielt. Ihr Solo „Frank Mills“ hat mir wieder sehr gut gefallen und ich musste abermals über den Text schmunzeln. Es ist einfach zu schön, wenn sie sagt, dass sie unfortunately seine adress lost oder dann Jeanie und sie die two dollars nicht back haben wollen just him, einfach putzig. Dieses Mal hab ich auch mitbekommen, dass sie Yoko Ono darstellen sollte. Insgesamt hat sie mir gut gefallen und besonders ihr Solo fand ich schön.

Sheila: Nora Leschkowitz
Sie war auch wieder echt toll. Dieses Mal wusste ich ja, dass sie von Anfang an im Publikum sitzt und konnte sie schon vor der Show von hinten entdecken. War lustig, dass sie sich dann mit Claude über den Führerschein unterhalten hat, vor allem weil meine Freundin, die mit war auch gerade Führerschein macht. Ihre Antwort auf Bergers Frage, war ziemlich kess, was ich passend fand. Ihre Soli waren alle sehr schön, ich mag ihre Stimme auch sehr gerne. Mit „I believe in love“ legte sie einen tollen Start hin. „Easy to be hard“ hat mir dann besonders gut gefallen. Ein so sanftes Lied brachte einen tollen Ausgleich zu den restlichen meist stimmungsvollen Songs. Ihre Stimme kam toll heraus und man konnte richtig gut mit ihr mitfühlen. Ihr Zusammenspiel mit der Tribe und vor allem Berger war echt gut. Aufgefallen ist, dass ihre Haare in der Pause ganz schön gewachsen sind ;). Kleiner Scherz, aber im 2. Akt hatte sie echt lange Haare, die ihr meiner Meinung nach aber auch ein wenig besser standen. Als die Darsteller das Publikum entdeckt haben und vorn auf den Steg gegangen sind, bekam sie von einer Frau in der ersten Reihe ein Programmheft und sie zeigte es dann zusammen mit Judith dem restlichen Publikum, was ich total lustig fand. Bei „Hare Krishna“ lief sie zusammen mit Jeanie ganz nach hinten und tanzte auf der Erhöhung zwei Reihen vor uns, was schon sehr cool war. Ihr letztes Solo „Good morning, Starshine“ sollte alle ein wenig aufmuntern, was sie auch geschafft hat. Das tolle Zusammenspiel war hier nochmals toll zu beobachten. Alles in allem hat sie mir total gut gefallen und die Rolle total gut verkörpert und die Lieder sehr schön und gefühlvoll gesungen, echt klasse.

Jeanie: Peggy Pollow
Irgendwie mag ich die Kleine ;). Meine Freundin fand sofort, dass sie an Scaramouche erinnert wegen der Namensgebung. Das „Let’s-rock“-Zeichen, das sie später machte, unterstützte diesen Vergleich noch. Ansonsten war sie wieder total quirlig, was total zu ihr und der Rolle passte. Sie nimmt absolut kein Blatt vor den Mund und beeindruckt damit sowohl Claude als auch den Zuschauer. Stimmlich hat sie mir gut gefallen, passte total zur Rolle. Bei der Namensgebung sagte sie dieses Mal: „Ah ich habs wieder! Ich heiße Jeanie.“ Das „wieder“ war glaub ich bei der Premiere nicht dabei, aber es passte auf jeden Fall. Danach spielte sie das noch weiter und meinte ganz verzweifelt: „Och ne, jetzt hab ich meinen Nachnamen vergessen.“, echt lustig. Durch die ganze Show hat sie mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht, was die Stimmung sehr auflockerte. Schön wars dann noch sie mal aus der Nähe zu sehen, da sie ja mit Sheila zusammen zwei Reihen vor uns auf der Erhöhung tanzten. Insgesamt kann ich nur sagen, dass es total Spaß gemacht hat sie in der Rolle zu sehen und sie diesen Charakter von vorn bis hinten ausfüllt.

Cecilia, Supremes: Dionne Wudu
Außer bei den Supremes war sie vor allem durch ihre strubbelige Perücke zu erkennen. Ihr großer Moment kam allerdings bei den „White Boys“, bei denen sie den anderen beiden in nichts nachstand. Sie hat das Lied total schön gesungen und auch kräftig, so dass die drei absolut zusammen passten. Sie war jedoch augenscheinlich die größte der Supremes. Bei dem Lied hat sie schön getanzt und gesungen, hat mir wieder gut gefallen, die Cecilia, die im richtigen Leben den Namen von Judiths Rolle trägt, was das Berichtschreiben nicht ganz leicht macht, wenn man bei den Supremes eine Verwechslungsgefahr ausschließen will ;).

Tertia, Supremes: Tertia Beryl Botha
Und ein weiteres Namenschaos, Tertia als Tertia, warum auch immer, auf jeden Fall kann man hier nur schlecht zwischen Rolle und Darstellerin unterscheiden. Wie dem auch sei, sie war wieder echt gut. Sie begann das Stück mit der ersten Zeile von „Aquarius“, das sie dann später bei der Reprise auch mit Judith als Duett sang. Tertias Stimme ist sehr schön und hat einen hohen Wiedererkennungswert, was mir gefällt. In den Duetten mit Judith hat man jedoch gemerkt, dass Judiths Stimme kräftiger ist. Trotzdem konnte sich Tertia gut behaupten, auch wenn sie bei „The flesh failsures“ und „Three-Five-Zero“ ein bisschen gegen das Orchester anschreien musste, trotzdem schöne Lieder von ihr. Das Hauptaugenmerk ihrer Rolle liegt irgendwie im zweiten Akt. Dort ist natürlich auch ihr Auftritt mit den Supremes zu erwähnen, der, wie schon zwei Mal gesagt, echt klasse war. Auch ihre Stimme passte toll zum Song und sie hat ihn kraftvoll gesungen. Schauspielerisch und tänzerisch war sie sowohl bei den White Boys, als auch im restlichen Stück toll. Alles in allem hat mir Tertia in der gleichnamigen Rolle abermals gut gefallen, sie hat toll gespielt, gut mit den anderen vor allem mit Judith und den Supremes toll harmoniert und hat toll gesungen.

Humphrey: Sven Olaf Denkinger
Zu ihm muss ich auch noch ein paar Worte verlieren. Auf gefallen ist mir dieses Mal vor allem, dass seine so schön bunt gestreifte Hose doch recht eng war… Des Weiteren hat er diesmal Carlo bei der Fahnenrede ohne jeglichen Verhaspler übersetzt, obwohl die Worte immer noch Zugenbrechercharakter haben. Als Carlo ihn dann wütend rausschmiss und ihm an die Gurgel ging, meinte er so was von wegen: nicht sein Hals, das sei sein Job und er könne es in über 30 Sprachen übersetzen, ziemlich lustig. Als er dann dank der kleinen Pillen wieder auswachte, hatte er einen Schluckauf und hüpfte aufgrund dessen über die Bühne, was ihm die anderen beiden nachmachten, wieder sehr lustig. Als er schon fast rausgehüpft war, riefen ihm die anderen beiden dann nach er solle still sein. Gesanglich stach er als Freiheitsstatue beim „Electric Blues“ wieder hervor, was er ganz solide gesungen hat. Den genaueren Sinn darin hab ich allerdings noch immer nicht verstanden. Insgesamt hat er eine solide Leistung erbracht.

So zum Schluss noch ein paar allgemeine Worte. Ich hab mir die Show bei diesem zweiten Besuch angeschaut ohne sie wirklich verstehen zu wollen, was glaube ich eine sehr gut Einstellung für diese Kasseler Inszenierung ist. Die Darsteller, allen voran natürlich Judith, waren großartig. Die Show hat sehr viel Spaß gemacht und ich hab mich dann doch gefreut die Show noch einmal gesehen zu haben. Es war ein schöner, lustiger Abend, der uns und scheinbar auch den Darstellern eine Menge Spaß gemacht hat.
~*Niemand nimmt mir meine Träume und schließt meine Sehnsucht ein, wo es Liebe gab und Freiheit wird mein Herz für immer sein*~

Benutzeravatar
Elphaba
Admin
Admin
Beiträge: 12824
Registriert: 12.06.2006, 07:22:00
Wohnort: Barsbüttel (quasi Hamburg *g*)

Re: Hair, Kassel, 29.05.2009

Beitragvon Elphaba » 04.06.2009, 23:01:32

Vielen Dank für deinen tollen und sehr ausführlichen Bericht Gaefa! Ich bin immer wieder begeistert! :D

Na, auf wen du besonders geachtet hast, war ja klar! :lol: :)

Peggy hätte ich ja auch gerne mal als Jeanie gesehen (ich mag die Rolle von allen auch am liebsten :) ).

Ich hab ja schon einige Hair-Produktionen gesehen (eigentlich alle aus Amerika), aber noch nie kamen Claudes Eltern oder Donna als extra-Rollen vor! :shock:
Ist aber auch mal interessant! Ich wusste auch nicht, dass Claude eine Schwester hat, die Donna heißt!
Ist das nur in Deutschland so? :o
Administratorin und Moderatorin

Deutsche Musical-Community
www.musical-forum.net

Benutzeravatar
Gaefa
Musical-Fan
Musical-Fan
Beiträge: 2203
Registriert: 20.03.2007, 18:32:59
Wohnort: Göttingen

Re: Hair, Kassel, 29.05.2009

Beitragvon Gaefa » 04.06.2009, 23:23:44

Freut mich, dass dir der Bericht gefällt, Elphaba :)

Kassel hat eine sehr eigene Inszenierung, die ich ehrlich gesagt nicht wirklich verstehe. Ich kenn nur diese eine Fassung, aber als ich nach der Premiere auf dem Sinn des Stückes war, hab ich so einiges gelesen. Danach hab ich mich gefragt, ob das immer ein und das selbe Stück ist... Hair ist für mich soi ne Art offenes Drama, bei demm alles auseinander genommen und in beliebiger Reihenfolge wieder zusammen gesetzt werde kann, so kommt es mir zumindest bei der Kasseler Inszenierung vor. Ein Augenmerk ist hierbei eben der Konflikt zwischen Claude und seinen Eltern :noidea:
~*Niemand nimmt mir meine Träume und schließt meine Sehnsucht ein, wo es Liebe gab und Freiheit wird mein Herz für immer sein*~

Benutzeravatar
Elphaba
Admin
Admin
Beiträge: 12824
Registriert: 12.06.2006, 07:22:00
Wohnort: Barsbüttel (quasi Hamburg *g*)

Re: Hair, Kassel, 29.05.2009

Beitragvon Elphaba » 04.06.2009, 23:27:19

Also diese Variabilität ist mir auch schon aufgefallen, auch wenn alle Inszenierungen die ich gesehen habe recht ähnlich waren. Aber manche Lieder waren mal drin, mal nicht (z.B. "The Bed"). Und "Abie Baby" kenne ich nur von einer Aufnahme, das war nie dabei. :irre: :lol:

Naja, vermutlich hast du Recht und Hair ist so eine Art "Baukasten-Stück". :D
Administratorin und Moderatorin

Deutsche Musical-Community
www.musical-forum.net


Zurück zu „Showberichte / Showbewertungen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast