Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Wie gefiel euch eine Vorstellung und was würdet ihr kritisieren?

Moderatoren: Sisi Silberträne, Elphaba

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Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Beitragvon clickcat » 08.09.2008, 09:57:11

Solisten:
Patrick Stanke
Sabrina Weckerlin
Kristin Hölck
Marc Clear
Rob Fowler
Special Guest: Adrian Becker


01 On Broadway (Ensemble)
02 Have You Met Miss Jones? (Patrick Stanke)
03 Maybe This Time (Patrick Stanke)
04 Tonight, Tonight (Patrick Stanke, Sabrina Weckerlin)
05 Respect (Sabrina Weckerlin)
06 Get Here (Marc Clear)
07 Mr. Bojangles (Patrick Stanke)
08 Can’t Buy Me Love (Patrick Stanke)
09 The Lady Is A Tramp (Patrick Stanke, Kristin Hölck)
10 Memory (Kristin Hölck)
11 Sweet Transvestite (Rob Fowler)
12 Feel Like Making Love (Philipp Georgopoulos, Angela Hunkeler)
13 A Bissel für’s Hirn (Chor)
14 Gold von den Sternen (Adrian Becker)
15 Rehab (Adrian Becker)
16 One Moment In Time (Adrian Becker)

- Pause -

17 River Deep, Mountain High (Susanne Neff)
18 What A Difference A Day Makes (Patrick Stanke)
19 I Could Have Danced All Night (Kristin Hölck)
20 I’ve Got You Under My Skin (Rob Fowler)
21 Mack The Knife (Patrick Stanke)
22 Seasons Of Love (Ensemble)
23 This Masquerade (Patrick Stanke)
24 Black Horse And The Cherry Tree (Sabrina Weckerlin)
25 You Are The Sunshine Of My Life (Marc Clear, Kristin Hölck)
26 Sunny (Marc Clear)
27 Somewhere (There’s A Place For Us) (Sabrina Weckerlin)
28 Time Of My Life (Patrick Stanke, Sabrina Weckerlin)
29 My Funny Valentine (Patrick Stanke)
30 Heart & Music (Ensemble)
31 Easy (Ensemble)


Einige Worte zur Show: Die Setlist gefiel mir sehr gut, auch wenn es bis auf einige Ausnahmen typische Galasongs waren, die man im Grunde schon x-mal gehört hat. Gut ausgewählt waren ich auch die Ensemblenummern: „On Broadway“ mag ich eh gern und über „Seasons Of Love“ aus Rent und „Heart & Music“ aus A New Brain habe ich mich wirklich gefreut. Zwei tolle Musicals, die leider viel zu selten aufgeführt werden!

Patrick hat quasi einfach das halbe Swing-Album von Robbie Williams heruntergesungen, was ich jetzt nicht sonderlich originell fand. Seine Stimme passte zu den meisten Songs auch gar nicht so gut. Sowohl „Maybe This Time“ als auch „My Funny Valentine“ habe ich von anderen schon so viel besser gehört! Eigentlich sind es auch typische Frauensongs und da ich beide absolut liebe, hätte ich sie von ihm nun nicht unbedingt auch noch hören müssen. Schlimm fand ich auch, dass er während „My Funny Valentine“ in die Innentasche seines Jacketts griff und meinte: „Ach, ich rauche ja gar nicht mehr!“ Der Gag an sich ist ja nicht schlecht, aber doch bitte nicht mitten in dem Song! Der absolute Stilbruch und die Stimmung war natürlich dahin! Die einzige Nummer von ihm, die mir wirklich gut gefiel, war „What A Difference A Day Makes“. Er meinte im Anschluss „Ich liebe es, diesen Song zu singen“ und das hat man auch gehört. Stimmlich gesehen ist er eher der Schnulzensänger: Langsame Songs in tieferer Lage liegen ihm einfach. Am Ausdruck könnte er allerdings noch arbeiten, der gewisse Charme fehlt ihm nämlich. Dementsprechend lustlos, unmotiviert, künstlich und steif fand ich auch seine Anmoderationen. Und überrepräsentiert war er auch, aber daran ließ sich wohl nichts ändern: Er war halt der Headliner.

Sabrina mag ich eigentlich ganz gern: Ihre Art zu singen hat was und sie wirkt immer so lässig. Trotzdem vermisse ich bei ihr manchmal das Stimmvolumen. „Respect“ z.B. fand ich etwas schwach. Der Song hat sie meiner Meinung nach stimmlich überfordert. Power hat sie, ohne Frage, aber irgendwie fehlt da der Wow-Effekt. Bei „Black Horse“ von KT Tunstall hörte man den Backgroundchor fast mehr als sie, aber der Song im Country-Style gefiel mir und passte echt gut zu ihr. Ihre Duette mit Patrick fand ich eher durchschnittlich und recht unromantisch. Man merkte so gar kein Knistern zwischen den beiden. Okay, zu Anfang war da ein leichtes Prickeln, als Sabrina nach ihrem Song abgehen wollte und Patrick sich ihr im Türrahmen in den Weg stellte. Nach „Time Of My Life“ ließ ihn nach seiner eher peinlichen Tanzeinlage aber doch einfach stehen, kurz bevor es zum Kuss kam. Ha! Zwar nebensächlich, aber ihre Kleider fand ich allesamt sehr schick! Weil es auf der Bühne so nass und rutschig war, hat sie nach dem ersten Song ihre High Heels ausgezogen und alle folgenden Auftritte barfuss absolviert hat. Alle Achtung bei den Temperaturen und der Witterung!

Kristin hat zweifelsohne sehr gut gesungen, aber ihre kühle, spröde und betont maskuline Art gefällt mir nicht. Irgendwie kann ich mich mit ihr nie so recht anfreunden. Ihre jazzig angehauchten Versionen von „Memory“ und „I Could Have Danced All Night“ mochte ich auch nicht so. Ganz amüsant war ihr Duett mit Marc bei „You Are The Sunshine Of My Life“. Die beiden haben sich einen richtigen Spaß daraus gemacht und konnten zum Teil vor lachen gar nicht weitersingen. Wie gemein von ihr, Marc beim Dance Break das Tanzen zu überlassen. Das fand ich dann doch wieder ganz lustig!

Von Marc gefiel mir „Get Here“ am besten. Da habe ich mich wirklich gefragt, wieso er sein Talent in Musicals verschwendet und nicht in einer Band singt! Ein wunderschöner Song. Ich wüsste nichts, was ich an seinen Auftritten auszusetzen hätte. Trotzdem gibt es andere Stimmen, die ich lieber höre, als seine. Irgendwie gibt mir seine Stimme nichts, mir fehlt da der Klang. Ich mag lieber sonore Stimmen, wo mehr mitschwingt, aber das ist natürlich Geschmacksache. Bei „Sunny“ mimte er dann den coolen Typen, begrüßte das Publikum mit einem trockenen „Hallo … Tecklenburg.“, knüpfte seelenruhig sein Jackett zu, zündete sich eine Zigarette an und setzte eine schwarze Sonnenbrille auf. Beim instrumentalen Zwischenspiel setzte er die Brille demonstrativ wieder ab, ging zu der Ankündigung „Der Tanz des weißen Mannes“ nach vorn zum Bühnenrand und zeigte tatsächlich ein paar einfache Tanzschritte. Danach setzte er die Sonnenbrille wieder auf und verabschiedete sich, ebenso trocken wie zu Anfang, mit „Danke … Tecklenburg.“ Sehr lustig und typisch Marc: Totales Understatement!

Rob hatte leider nur zwei ganz kurze Auftritte: Viel zu wenig für solch einen hervorragenden Entertainer! Sein „Sweet Transvestite“ war die wohl maskulinste und am wenigsten tuntige Version, die ich je von dem Song gesehen habe: Er trug ein weißes Muskelshirt und eine zerrissene Jeans, unter der er mit kreisendem Becken immer wieder seinen schwarzen Slip hervorblitzen ließ. Das kam zweifellos einem Auftritt der „American Dreamboys“ recht nahe, wenn es auch wenig mit dem Text des Songs zu tun hatte. Bei „I’ve Got You Under My Skin“ trug er dann einen Anzug und zündete sich genüsslich eine Zigarette an, während er das Publikum im Takt zu seinem Song schnipsen ließ. Schade, ich hätte ihn so gern etwas Rockigeres singen hören! Rob ist einfach der Rocksänger schlechthin, aber das passte halt nicht ins Konzept der Show. So kam er leider viel zu kurz und konnte gar nicht richtig zeigen, was er so draufhat.

Special Guest war Adrian Becker, der sich wieder einmal selbst übertraf und Baronin von Waldstätten in einem sehr ausladenden Kleid und mit Barock-Perücke die Treppe rechts oben an der Bühnenfassade herunterschritt. Unten blieb er mit dem Rocksaum an den Stufen hängen und riss energisch daran. Das kleine Ärgernis spiegelte sich natürlich auch in seinem Gesichtsausdruck und in seiner Stimme wider und sorgte für einige Lacher im Publikum. „Gold von den Sternen“ hat er verhältnismäßig gut gesungen, auch wenn er nicht alle Töne richtig aussingen konnte, weil die Korsage zu eng war, wie er später bemerkte. Ein weiteres optisches Highlight war sein Auftritt als Amy Winehouse (bzw. als deren Schwester Gabi Weinhaus aus Bayern). Von Weitem sah er tatsächlich haargenau so aus wie sie. Sogar die Frisur stimmte! Nur seine Stimme passte nun nicht ganz so gut zu dem Song, aber bei der Performance sei ihm das verziehen. Seine Sprüche waren diesmal wirklich schamlos unter der Gürtellinie, sodass mir die älteren Leute, die um mich herum saßen, schon fast leid taten. Vielleicht hätten sie lieber ihm die Moderation überlassen sollen. Gut, seine Art liegt nicht jedem (mir eigentlich auch nicht so), aber spontane Zoten zu reißen, das hat er wirklich drauf!

Adrians Auftritt wurde durch einen Auftritt des Chores mit „A Bissel für’s Hirn“ eingeleitet. Wie die Jungs und Mädels in ihrer schicken Abendgarderobe die doch eher derbe Choreografie zu dem Song tanzten, sah schon sehr lustig aus. Der Chor hatte auch zwei eigene Nummern, die im Gesamtgeschehen jedoch eher blass blieben. Das Duett von Philipp und Angela bei „Feel Like Making Love“ gefiel mir ganz gut. Ich hatte Philipp zuvor noch nie bewusst singen hören und war recht überrascht, obwohl Angela ihn zeitweise etwas übertönt hat. „River Deep, Mountain High“ war meiner Meinung nach eine Nummer zu groß für Susanne Neff. Schade um den tollen Song! Ansonsten dienten die Chorsänger eher als Background und machten es sich zeitweise an der Bar (der Fassade vom „Burger Blast“ aus Footloose) bequem. Neben den bereits Genannten war noch Lena Wischhusen dabei, die im letzten Jahr bei „Jekyll & Hyde“ im Ensemble gespielt hatte, sowie ein weiterer Herr, dessen Namen ich nicht verstanden habe. Die Band war unter der Leitung von Stefan Hüfner.

Alles in allem hat mir die Gala vom Programm her ganz gut gefallen, nur habe ich die meisten Songs schon in besseren Varianten gehört. Leider war das Konzert auch relativ schlecht besucht, sodass im Grunde nicht so recht Stimmung aufkam. Insgesamt gesehen war es aber ein netter Abend und ein guter Ausklang der diesjährigen Saison in Tecklenburg.
Zuletzt geändert von clickcat am 08.09.2008, 12:00:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Nörri
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Re: Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Beitragvon Nörri » 08.09.2008, 11:01:31

Es war ein phantastischer Abend.
Wer aber geglaubt hat einen Musicalabend zu erleben wurde enttäuscht. Das Motto hieß Musical goes Swing. Für mich bedeutete es, dass Musicaldarsteller in den Bereich von Swing und Jazz singen würden und genauso war es.
Patrick war eindeutig der Dominator an diesem Abend, seine Fans kamen voll ihre Kosten. Er hat die einzelnen Songs super präsentiert, dass gleiche gilt für seine Mitstreiter. Absolutes Highlight an diesem Abend war mit Sicherheit der Auftritt von Adrian Becker. Es ist unglaublich in welche Rollen er schlüpfen kann und bei dieser Kulisse die Haltung bewahren kann, ohne in eine Lachflash zu enden. Seine Interpretation von Gold von Sternen aus Mozart war hervorragend, mal abgesehen von dem Kampf mit seinem Umhang. Nur schade, dass er nur im ersten Teil auf der Bühne stand., dafür konnte man in der Pause seine CD erwerben mit Autogramm. Erwähnenswert waren sicherlich auch der Auftritt von Rob Fowler in Sweet Transvestite, wow, ich glauben den Damen und Herren in der erste Reihe ist das Herz stehen geblieben, als er sehr auffordern neben ihnen saß. Sunny von Marc Clear, köstlich, am späten mit Sonnebrille auf der Bühne zu stehen, aber toll gesungen.
Sabrina Weckerlin hatte auch eine kleine Panne. Nachdem sie somewhere gsungen hatte ging sie nach hinten um die Bühne freizumachen, als die Tür aufging und Patrick vor ihr stand. Sie drehte sich um, guckte sehr verblüfft aus dem Gesicht und huschte wieder schnell auf die Bühne zurück, denn es stand das Duett aus Dirty Dancing mit Patrick an. Herrliches Gesicht, diese Überraschung in ihren Augen zu sehen, dass sie etwas vergessen hatte. Kristin Hölck stand auch einmal noch leicht versteckt und signalisiert, dass Patrick zuviel reden würde, denn eigentlich wäre in diesem Moment ihr Part gekommen.

Mir hat dieser Abend sehr gut gefallen, denn es war für mal etwas ganz Neues, keine aneinander Reihung von Musicalliedern, sondern ein toll ausgewähltes Programm aus den Bereichen Jazz und Swing.
Gruß Nörri

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Re: Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Beitragvon clickcat » 08.09.2008, 12:02:22

Ich habe meine Bericht oben nun auch hinzugefügt.

Nörri hat geschrieben:Sabrina Weckerlin hatte auch eine kleine Panne. Nachdem sie somewhere gsungen hatte ging sie nach hinten um die Bühne freizumachen, als die Tür aufging und Patrick vor ihr stand. Sie drehte sich um, guckte sehr verblüfft aus dem Gesicht und huschte wieder schnell auf die Bühne zurück, denn es stand das Duett aus Dirty Dancing mit Patrick an.

Das war ganz sicher keine Panne, sondern so geplant.
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MiladydeWinter

Re: Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Beitragvon MiladydeWinter » 08.09.2008, 18:24:06

Ihr zwei seid echt zu beneiden.
Vielen dank für eure Berichte. Hört sich nach einem tollen Abend an.
Was ich blos schade find ist dass Kristin anscheinend nicht so viel gesungen hat :(

Was ihr wo es Bilder gibt?


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Re: Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Beitragvon MiladydeWinter » 08.09.2008, 20:04:33

Vielen dank *knuffel*

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Re: Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Beitragvon Elphaba » 09.09.2008, 01:24:00

Auch von mir vielen Dank für die interessanten Berichte euch beiden! :)

Klingt ja (trotz der paar Abstriche) nach einem recht interessanten Abend! :D
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Nörri
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Re: Patrick Stanke & Friends | Tecklenburg, 07.09.08

Beitragvon Nörri » 09.09.2008, 17:08:24

ah, danke clickcat, für mich sah es so aus, als wäre es eine Panne gewesen (Sabrina und Patrick)
und vielen Dank auch für die Songliste
Gruß Nörri


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