Goldener Käfig

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ChristineDaae
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Beitragvon ChristineDaae » 27.05.2007, 19:38:12

Danke! :D
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Beitragvon tropicana » 27.05.2007, 20:41:23

Wiedermal ein toller Teil, ich freu mich schon auf die nächste Fortsetzung :)

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Beitragvon ChristineDaae » 28.05.2007, 18:31:06

Hier kommt mein neuer Teil... Ich hoffe, er ist OK, alles wozu meine Fantasie im Moment gereicht hat... :?
Trotzdem viel Spaß^^


11. Kapitel – Gedanken

Ich wusste wirklich nicht, was ich darauf sagen sollte. Was wollte er denn hören? Etwas wie „Ja, schweigen kann ich schon... Aber nur, wenn ich wirklich will, und jetzt gerade möchte ich lieber nicht schweigen und dir sagen, dass ich dich liebe“ oder so? Das konnte ich ihm natürlich sagen. Ich wusste zwar selbst noch nicht, ob das auch stimmte, aber vielleicht wollte er so etwas hören...
Ich ärgerte mich, dass ich nicht wusste, was ich fühlte. Wenn ich das nicht wusste, wer dann? Es war alles so verwirrend. Vor zwei Tagen hatte ich geheiratet, in dem Glauben, ich liebte meinen Mann. Vielleicht liebte ich ihn auch. Aber ich wusste einfach zu wenig über Liebe, und meine Vorstellung von Liebe kam dem Gefühl, das ich jetzt hatte, wenn er mich ansah, deutlich näher, als dem, was ich für Franz empfand.
Nachdenklich sah ich zwischen ihm und dem Tod hin und her. Mein Leben lang war es schon ein ungeschriebenes Gesetz, dass ich immer das wollte, was ich nicht haben konnte, und wenn ich es dann doch hatte, wollte ich etwas anderes. Wieder einmal hatte sich diese Regel bewahrheitet.
Ich hatte Franz geheiratet, ich hatte ihn – geliebt? Gewollt? Bemitleidet? Zu ihm aufgesehen? Ja, was eigentlich? Ich war ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass wir heiraten würden und dass er mich liebte. Beides stimmte. Aber ich hatte kein einziges Mal über meine eigenen Gefühle nachgedacht, mich kein einziges Mal gefragt, ob ich ihn denn liebte. Ich hatte es – so merkwürdig das klang – einfach vergessen.
Aber – kam mir ein neuer Gedanke – selbst wenn ich daran gedacht hätte, gefühlt hätte, dass mein Gefühl für Franz keine Liebe war, was hätte ich tun sollen? Dem Kaiser von Österreich einen Korb geben? Nein, das war unmöglich. Franz hätte vermutlich einfach statt meiner Helene geheiratet und wäre wahrscheinlich auch mit ihr glücklich geworden. Aber meine Tante Sophie hätte das niemals zugelassen. Irgendwie hätte sie mich gezwungen, damit es keinen Skandal gab – oder nicht? Sehr viele Leute hatten ja zunächst nichts von unserer Verlobung gewusst, man hätte es leicht vertuschen können...
Nein. Wahrscheinlich wäre sie sogar froh gewesen, dass ich ihre Pläne nicht durchkreuzte...
Aber das hatte ich getan, und ich war sicher, in ihren Augen einen unverzeihlichen Fehler begangen zu haben. Das würde sie mir nachtragen, so lang sie lebte, und es mir niemals verzeihen, Franz geheiratet zu haben. Plötzlich stellte sich mir eine Frage, die mich selbst erschreckte: Würde ich es mir je verzeihen, ihn geheiratet zu haben?
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Beitragvon Kitti » 28.05.2007, 19:19:28

Dein neuer Teil ist wieder sehr schön geworden. Besonders die Stellen, wo sie an Franzls Liebe zweifelt! Hast du eigentlich auch die Biografie gelesen?

Und dein Ava ist total schön! :)
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Beitragvon Sisi Silberträne » 28.05.2007, 20:47:14

Oh, schon wieder zwei neue Teile. Ich mag die Art und Weise wie du den Tod auftreten lässt.
Irgendwie kann einem der Franz im Moment auch leid tun, aber wie wir wissen, kommt er ja in der dritten Nacht zum Zuge ;)

Und wie Kitti schon sagte, schöner Ava! :)
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Beitragvon tropicana » 28.05.2007, 23:17:58

Stimmt, der Ava ist toll :)

Ich finde den neuen Teil wieder super gelungen. Ich freu mich schon riesig auf den Nächsten (wie leicht man doch süchtig wird :lol: )

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Beitragvon ChristineDaae » 29.05.2007, 11:52:07

Dankeschön, ihr drei! :)
Ich finde, er ist ein bisschen langweilig... :? Meint ihr nicht? Keine Ahnung...sind halt "nur" ihre Gedanken^^

Ich schreib schon am nächsten Teil, der wird hoffentlich ein bisschen spannender... der kommt heute oder morgen, mal sehen :)
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Beitragvon Kitti » 29.05.2007, 13:27:13

Ich finde, Gedanken sind nie langweilig und doch immer eine gute Möglichkeiten, näher auf ihre Gefühle einzugehen. Das heißt aber nicht, dass der Tod nicht noch ganz oft auftauchen darf. ^^ :wink:

Freue mich schon auf die Fortsetzung! :)
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Beitragvon ChristineDaae » 29.05.2007, 13:45:23

@ Kitti: Dankeschön! :D

Na, wenn der Tod wieder vorkommen darf ist das ja gut fürs nächste Kapitel... :)

Viel Spaß beim Lesen an alle... :)


12. Kapitel

Am nächsten Abend stand ich auf dem Balkon meiner Gemächer und sah nachdenklich in den Sonnenuntergang. Innerlich zitterte ich; ich wusste aber, dass ich mich Franz nicht mehr viel länger verweigern konnte. Sophie hatte mir heute wieder eine Standpauke gehalten, mich ohne Pause angeschrieen. Naja, geschrieen hatte sie nicht, aber sehr laut und sehr wütend gesprochen.
»Du kannst das nicht tun!«, hatte sie gerufen, »wenn du dich noch länger schonst, wird es deine Schuld sein, dass Österreich keinen Thronfolger hat. Die Monarchie wird wegen dir zerbrechen. Das kannst und darfst du nicht durchhalten! Es ist deine Pflicht als Ehefrau – und als Kaiserin! Wage es nicht, dich weiter von Franz abzuwenden!«
Dann hatte sie mir noch einige Gemeinheiten vorgeworfen, mir mit lauter Stimme vorgehalten, dass ich als Kaiserin nicht geeignet war. Und Franz hatte stumm daneben gestanden und nichts dazu gesagt. Selbst als ich mich Hilfe suchend an ihn gewandt hatte, hatte er sich abgewendet.
Vermutlich durfte ich ihm deshalb nicht einmal böse sein; ich hatte ja auch nicht mit ihm gesprochen. Aber er nahm seine Pflicht als Ehemann, nämlich freundlich und verständnisvoll mir gegenüber zu sein, auch nicht ernst. Es war ihm egal. Oder er war zu sehr darauf verbohrt, auf seine Mutter zu hören.
»Muttersöhnchen!«, murmelte ich halblaut, beinahe verächtlich.
»Ich hoffe, damit meinst du nicht mich, Elisabeth...«
Ich drehte mich um. Er stand im Zimmer. Irgendwie wirkte er freundlicher, wärmer als sonst; vielleicht, weil ihm das tiefrote Licht der untergehenden Sonne entgegen schien und er nicht, wie bei den letzten Besuchen, das kalte Mondlicht im Rücken hatte.
»Nein«, antwortete ich mit einem etwas unsicheren Lächeln. »Ich glaube, du weißt, wen ich gemeint habe.«
»Natürlich...« Seine Augen ruhten einen Moment auf mir; ich glaubte, so etwas wie Mitleid zu erkennen.
»Wirklich schade«, murmelte er, »du musstest diesen Weg gehen, Elisabeth, und doch wünschte ich, du dürftest jemals glücklich werden...«
»Wie meinst du das?« Unbewusst schwang Angst in meiner Stimme mit. »Glaubst du, ich werde... Niemals glücklich werden? Aber ich werde mich doch sicher an den Hof gewöhnen, oder etwa... nicht?« Meine Stimme wurde immer leiser, bis sich die letzten Worte in einem Flüstern verliefen und von einer leichten Brise Wind davongetragen wurden.
Er lächelte kalt, seine ebenmäßigen Gesichtszüge wurden hart.
»Oh, daran gewöhnen wirst du dich mit Sicherheit... Aber ich denke mir, das ist dir nicht genug... Du weißt, was dich heute Nacht erwartet, Elisabeth, und wie ich dich kenne, wirst du den Gedanken nicht ertragen, das fortan jede Nacht deines Lebens zu tun – sofern dein Mann nicht gerade in den Krieg zieht...«
Mir schauderte. »Ich denke, der Krieg ist etwas schreckliches«, flüsterte ich.
Er zuckte gleichgültig die Schultern.
»Mich stört der Krieg nicht; er verschafft mir Arbeit...«
»Wie kann man so grausam sein?« Meine Stimme zitterte. »All diese Menschen müssen sterben, und denk nur an das Unglück der Hinterbliebenen! All diese Männer, die im Krieg fallen, sie haben Frau und Kinder... Und die Jüngeren haben auch noch Eltern, vielleicht Geschwister... Und Freunde...« Ich konnte nicht weitersprechen.
»Ja, das ist natürlich sehr tragisch.« Er klang immer noch irgendwie unbeteiligt.
»Aber in dem Moment der Schlacht geht für die Soldaten alles so schnell. Sie wissen natürlich, dass viele von ihnen in der Schlacht sterben werden, aber sie sind tatsächlich bereit, für das Vaterland zu sterben.« Seine Stimme nahm einen verächtlichen Tonfall an. »Viele empfangen mich mit Freude, weil sie die Gewissheit haben, als Kriegsheld zu sterben, was ihnen als höchstes Glück erscheint.« Er lachte sarkastisch.
»Mein Gott, was für eine Gesellschaft ist das nur...« Ich schüttelte ungläubig den Kopf.
In diesem Moment horchte er auf.
»Ich höre Schritte draußen; und ich sollte mich jetzt wohl besser höflich zurückziehen. Angenehme Ruhe, Elisabeth...« Spott und Mitleid zugleich glitzerten in seinen Augen.
»Geh nicht«, flüsterte ich, mein Herz schlug schneller vor Angst. »Bleib, bitte, hilf mir...«
Er sah mich bedauernd an. »Jetzt kann ich dir nicht helfen, Elisabeth. Deine Zeit ist noch nicht gekommen.« Er zögerte einen Moment. »Es tut mir Leid...« Er drehte sich abrupt um und verschwand. Im gleichen Moment hörte ich hinter mir, wie sich die Tür öffnete und Franz eintrat.
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Beitragvon tropicana » 29.05.2007, 17:23:50

:) Schönes neues Kapitel, ich kanns garnicht erwarten das es weiter geht. Irgendwie süß wie sich der Tod gedanken macht.

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Beitragvon Kitti » 29.05.2007, 18:17:29

Also der Tod gelingt dir jedes Mal ganz toll! :D Wieder ein super Teil! Ich hoffe, dass es genau so schnell mit Kapitel 13 weitergeht, denn gerade ist es ziemlich spannend!! :D Zusammengefasst bedeutet das ein dickes Lob von mir! ;)
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Beitragvon Marie Antoinette » 29.05.2007, 19:28:26

Da kann ich mich nur anschließen!

Die neuen Teile sind wie immer richtig schön. :D

Und wie Kitti sagt, "Gedanken sind nie langweilig". Das finde ich auch. Schnell weiterschreiben! :D

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Beitragvon Sisi Silberträne » 29.05.2007, 23:02:57

Du versteht es Spannung zu schüren, ich wart schon seit drei Teilen auf das was jetzt hoffentlich kommt. Bin gespannt, wie du das löst. Kam ja in beiden Sisi-Romanen auch vor, die ich bis jetzt gelesen hab. Ist durchaus eine interessante Stelle ;)

Also schnell weiter!
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Beitragvon ChristineDaae » 30.05.2007, 12:58:31

Dankeschön! :)
*gg* wär ja richtig fies, wenn ich jetzt schreibe "Am nächsten Morgen..." :wink:
Weiß noch nicht, wann der nächste Teil kommt, aber ich denk mal bald!
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Beitragvon Kitti » 30.05.2007, 16:32:22

Aber am nächsten Morgen könnte sie sich gut erinnern, also bitte den interessanten Teil nicht weglassen. ;)
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Beitragvon ChristineDaae » 02.06.2007, 14:07:56

So, jetzt kommt der neue Teil... Keine Ahnung, ob man da viel Spaß wünschen kann, aber da ihr auf das Folgende ja alle schon so lange gewartet habt, denke ich mal schon. :wink:


13. Kapitel

Ich stand mit dem Rücken zu Franz, den Kopf hoch erhoben und die Fäuste geballt. Krampfhaft mühte ich mich, mir nicht anmerken zu lassen, wie ich das verabscheute, was folgen würde. Und wenn ich mich einfach abwende?, überlegte ich. Er kann mich doch nicht zwingen...
Ich hörte, wie er von hinten auf mich zuging.
»Sisi...« Er sagte nichts weiter. Das musste er auch nicht. Ich wusste, dass er nicht länger warten konnte. Und dass ich nicht länger warten durfte.
»Ja?« Ich bemühte mich, meine Stimme ruhig bleiben zu lassen. Sei ganz ruhig, ermahnte ich mich, er kann dich nicht zwingen... Es wird nichts passieren...
Doch noch während ich das dachte, wusste ich, dass ich mich nur selbst belog. Dass ich diesmal nicht entkommen konnte. Das wusste ich spätestens, als ich spürte, wie er mich sanft aufs Bett drückte. Einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, mich zu wehren und wegzulaufen, aber irgendetwas hielt mich zurück. Sagte mir, dass er das nicht verdient hatte. Mein ganzer Körper verkrampfte sich, als er mein Nachthemd hochschob. Er wollte mir nicht wehtun, doch die Angst vor diesem Unbekannten schnürte meine Kehle so fest zu, dass ich glaubte, ersticken zu müssen. Ich schloss die Augen, wollte nicht sehen, was passierte, und trotzdem wusste ich es.
Alles in mir sträubte sich, und doch ließ ich ihn gewähren. Was hätte ich auch tun sollen?
Ich versuchte, an irgendetwas anderes zu denken. An mein Zuhause, Possenhofen. Das würde immer mein Zuhause bleiben, auch wenn ich mein restliches eben in der Hofburg verbrachte. Ob ich wohl meine Eltern bald besuchen konnte?
Doch sobald ich an meine Eltern dachte, fiel mir meine Mutter wieder ein, und was sie gesagt hatte: Du hast also keine Ahnung, was sonst zur Ehe gehört? Nun, jetzt wusste ich es...
»Sisi...« Franzls leise gemurmelte Worte rissen mich zurück in die Wirklichkeit. Mich widerte an, was hier passierte, ich wollte das nicht. Er schob sanft, aber bestimmt meine Beine auseinander. Warum wehrte ich mich nicht, verdammt? Im nächsten Moment fühlte ich einen scharfen Schmerz, der mich völlig überrumpelte. Erschrocken keuchte ich auf und verzog vor Schmerz das Gesicht, doch Franz schien es nicht einmal zu bemerken. Er murmelte nur immer wieder meinen Namen und hielt mich fest an sich gedrückt.

Später kauerte ich mit dumpfen Schmerzen im Unterleib an meinem Ende des Bettes. Franz schlief. Schon seit Stunden rannen mir Tränen über die Wangen, die nicht versiegen wollten. Ich weinte einfach lautlos vor mich hin.
Schließlich hielt ich es nicht mehr aus, mit ihm in einem Bett zu liegen. Ich konnte schlicht und ergreifend nicht mehr. Leise stand ich auf und sah im Mondlicht, dass mein weißes Nachthemd voller Blut war.
Wie war das denn passiert? Ich hätte nicht gedacht, dass ich blutete. Er hatte mir wehgetan, sicher, aber es war ein Schmerz in meinem Inneren, nicht so einer wie von einer offenen Wunde. Ich ging ins Badezimmer, riss mir das Nachthemd vom Leib und zog ein anderes an. Plötzlich, als ich noch damit beschäftigt war, die beiden Knöpfe am Hals zu schließen, hielt ich inne. Ein Kribbeln auf meinem Rücken sagte mir, dass ich beobachtet wurde. Langsam drehte ich mich um.
Er stand hinter mir, an den Türrahmen gelehnt, und beobachtete mich. Sein Blick war voller Mitleid. Eine Sekunde zögerte ich, dann lief ich auf ihn zu und schlang die Arme fest um seinen Hals. Er hielt mich fest und ich klammerte mich an ihn.
Irgendwie strahlte er etwas Beruhigendes aus.
»Nimm mich mit«, flüsterte ich. Eine Sekunde später stutzte ich. Hatte ich das wirklich gesagt? Doch, es war eindeutig meine Stimme gewesen.
Aber er schüttelte den Kopf.
»Das geht nicht. Ich habe dir vorhin gesagt, dass deine Zeit noch nicht gekommen ist. Das trifft immer noch zu – leider.«
Das „Leider“ schien ernst gemeint zu sein.
»Aber ich –« Er legte mir sanft einen Finger auf den Mund und hinderte mich am Weitersprechen.
»Glaub mir, Elisabeth, wäre es irgendwie möglich, würde ich nichts lieber tun, als dich mitzunehmen. Aber es geht wirklich nicht.«
Ich sah ihn nur an. In seinen dunklen Augen schimmerte eindeutig tiefes Bedauern. Sacht strich er mit der Hand über meine Wange und wischte die Tränen weg. Ich schloss die Augen und eine neue Träne rollte seiner Hand nach. Der Verzweiflung nahe, legte ich den Kopf an seine Schulter und hielt ihn einfach nur fest. Ich weiß nicht, wie lange wir so standen, ohne etwas zu sagen.
Irgendwann sah ich zu ihm auf. Als er meinen Blick erwiderte, rastete irgendetwas in mir ein. Als hätte ich es immer gewusst. Er muss mich jetzt mitnehmen.
Ohne Vorwarnung drückte ich einfach meine Lippen auf seinen Mund. Er schien völlig überrascht, erwiderte meinen Kuss dann aber einen Moment. Ein unbekanntes Gefühl stieg in mir auf, ich wollte mehr davon – und plötzlich schob er mich fort, drehte sich um und war verschwunden.
Eine Sekunde starrte ich sprach- und atemlos auf die Stelle, wo er gestanden hatte, dann ließ ich mich ganz langsam auf den Boden nieder und begann wieder zu weinen.
Zuletzt geändert von ChristineDaae am 02.06.2007, 18:04:25, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Sisi Silberträne » 02.06.2007, 17:04:45

Super geschrieben!
Der Auftritt vom Tod war mal wieder toll :)

Schnell weiter!!!
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Beitragvon Kitti » 02.06.2007, 18:01:45

Da kann ich der Sisi nur zustimmen! Wieder ganz super geworden! :D Sisi tut mir ein bisschen leid, aber die ganze Szene ist sehr realistisch beschrieben. Man kann sich doch fast vorstellen, dass es wirklich so ähnlich abgelaufen sein könnte. ;) Der Tod ist wirklich wieder toll beschrieben... :)

Ich würde vielleicht anstatt "Er war weg", "Er war verschwunden" (Irgendwo am Ende des Kapitels...) schreiben, aber das ist Geschmackssache. ;)

Ganz schnell weiter, bitte! :)

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Beitragvon ChristineDaae » 02.06.2007, 18:05:16

Dankeschön, ihr zwei! :)

@Kitti: danke für den Tipp, habs gleich geändert... =)
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Beitragvon tropicana » 03.06.2007, 01:20:12

Wow, ich muss sagen der Teil ist echt gut gelungen, vorallem der Auftritt des Todes.

Ich freue mich schon auf den nächsten Teil, hoffentlich wieder mit Tod :)


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