Tanz Der Vampire... Zum Nachlesen

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Ophelia
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Tanz Der Vampire... Zum Nachlesen

Beitragvon Ophelia » 16.03.2014, 15:07:31

Eigentlich mag ich es nicht, nach Vorgaben zu schreiben... Aber bei TdV mach ich natürlich eine Ausnahme ;) Ich hab einfach mal versucht, die Handlungen und Stimmungen in Geschichtenform umzusetzen. Jedes Lied ist ein neues Kapitel, hier mal die ersten 3. Leider ist es am Ende ein bisschen holperig, aber ich wollte mich an die Liedtexte halten. Die Rechte an Namen etc. bleiben natürlich bei Polanski bzw. Jim Steinman.
Kritk erlaubt und vor allem erwünscht :)

1. Prolog (Ouvertüre)

Unsere Geschichte beginnt – und das passiert nicht selten – in der Nacht. In einer sternenklaren, bitterkalten und tintenschwarzen Nacht, in der selbst der Schnee, der sich über die weitläufige Landschaft der Karpaten erhebt, seine blendende Leuchtkraft verloren hat. Stumpf und still liegt er vor uns, und eine beinahe unheimliche Ruhe hüllt uns ein. Doch gleichzeitig beschleicht uns ein Gefühl, das so sonderbar und einzigartig ist, dass es sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Die frostige Luft riecht nicht nur nach Schnee, sie riecht nach Abenteuer und Geheimnis. Und der Mond, der rund und voll wie eine Silbermünze am Himmel hängt, kündet von Sehnsucht und endloser Freiheit. Und wie wir uns umsehen, huscht ein Schatten über uns hinweg, und erschrocken und fasziniert zugleich beobachten wir, wie der schwarze Umriss einer Fledermaus sich gegen den glänzenden Mond abhebt und in den Himmel flattert. Die Gefahr ist beinahe spürbar, doch es liegt etwas in der Luft, das uns fasziniert und antreibt, weiterzugehen.
Ihr könnt nun wählen, ob ihr umkehrt, in die schützende Wärme eures Zuhauses, oder ob ihr den Weg antretet und die unsichtbaren Beobachter einiger höchst seltsamen und zugleich phantastischen Begebenheiten seid.
Falls ihr neugierig geworden seid und euer Mut noch frisch und stark ist, so dreht euch nach rechts und seid still; denn dort, zwischen zwei hohen, toten Schneewehen, kämpft sich eine Gestalt durch die frostige Nacht und schreit um Hilfe.
Seid bereit!


2. Alfred (He, ho Professor)

Frierend und erschöpft blieb Alfred stehen. Irgendwo heulte ein Wolf, und die Angst grub sich tiefer in sein Herz hinein und spuckte ihre Tintenschwarze Seele in seinen Körper. Alfred hatte oft Angst; wenn der Professor Dinge von ihm verlangte, die er beim besten Willen nicht tun konnte zum Beispiel, oder ihm Theorien erklärte, die einfach nicht in seinem Kopf bleiben wollten. Doch nichts fürchtete er so sehr wie die Nacht und die Dunkelheit und das Alleinsein; und nun war all das eingetreten, was ihm allein beim Gedanken daran Bauchschmerzen bereitete: er war allein in der Fremde, in einer Finsternis, die endlos tief und undurchdringlich schien. Und zu allem Überfluss hatte er den Professor verloren…
„He, ho, he, wo sind sie, Professor?“, jammerte er. Es war wirklich furchtbar kalt, und seine Stimme war schon erschöpft von den vielen, hilflosen Rufen, die er schon in die Nacht gesandt hatte. Keiner davon war beantwortet worden.
Sicher hat er sich wieder irgendwo hingesetzt, dachte Alfred, um eine Beobachtung in sein Notizbuch zu schreiben. Und wenn sich Professor Abronsius – so hieß er – seine Notizen machte, dann war die Welt für ihn gestorben. – Wenn bloß er nicht gestorben war!
Dieser Gedanke erschreckte Alfred so sehr, dass er noch einmal nach dem Professor rief. Seine dünne Stimme trug nicht weit, sie wurde von der alles verschlingenden Stille überdeckt.
„Professor!“ Er kämpfte sich weiter durch den tiefen Schnee. Ein eisiger Wind begann zu wehen; er brannte und schmerzte in seinem ungeschützten Gesicht. Ich muss ihn finden, sonst erfriert er!, dachte Alfred verzweifelt. Was für ein trauriges Ende das wäre, für einen Mann wie ihn! Alfred sah die Zeitungen schon vor sich: Wissenschaftler in Transsilvanien umgekommen, würde darin stehen. Und niemand würde von ihm reden! Niemand würde Alfred vermissen! Erneut schrie er nach dem Professor, und in seiner Verzweiflung schwoll seine Stimme an und sein Ruf hallte weiter, viel weiter als bisher. Wölfe heulten, und Alfred lief schneller, und im nächsten Augenblick stolperte er und stürzte beinahe über – den Professor! Er lag im Schnee, erstarrt wie eine Wachsfigur; Kränze aus Eiskristallen klebten an seinem Körper und bemächtigten sich seiner wie kalte, weiße Schlangen.
„Professor!“, schrie Alfred entsetzt, und das Echo trug seine Furcht in die Hochebenen Transsilvaniens hinaus.


3. Im Wirtshaus (Knoblauch)

Unweit dieses schreckerfüllten Ortes war die Angst vor dem Kältetod nur eine Ahnung, die durch die behagliche Wärme und das helle Licht eines Gasthauses schnell in weite Ferne rückte. Dort feierten die Dorfbewohner wie fast jeden Abend das Ende eines harten, mehr oder minder erwerbsreichen Arbeitstages: mit Musik, Gesang und gutem Essen. Und bei diesem Essen gab es eine bemerkenswerte Besonderheit: beinahe jedes Gericht, das auf der Speisekarte zu finden war, enthielt Knoblauch. Die Suppe, die Fleischgerichte, die Salate, sogar die Nachtische (auch wenn es dieser nur sehr wenige gab) waren samt und sonders gewürzt mit Knoblauch. Das allein war schon sonderbar; noch sonderbarer war allerdings, dass die Wirtsleute es nicht dabei beließen, allen Gerichten Knoblauch aufzudrängen. Denn das stark riechende Gewürz hing in dicken, knolligen Strängen von den Deckenbalken, wand sich Girlanden gleich um die Fensterrahmen und schmückte die karge Stubeneinrichtung. Und wenn man denkt, dass sei schon allerhand, so trieben die Menschen es noch weiter: statt sich darüber zu wundern oder gar zu ärgern, die Speisen in recht eintöniger Zubereitungsform zu sich nehmen zu müssen, feierten sie den Knoblauch und sangen Loblieder auf seine heilsamen und äußerst praktischen Fähigkeiten. Natürlich wollen wir dem Leser diese Lieder nicht vorenthalten:
Knoblauch, Knoblauch ist unsere Leidenschaft. Knoblauch, Knoblauch gibt Leib und Seele Kraft.

Er macht größer, was zu klein ist.

Er macht edel, was gemein ist.

Und macht härter, was erschlafft.

Und mach härter, was erschlafft.
So oder so ähnlich lauteten die Texte dieser Lieder. Es ging über Tische und Bänke, je später die Zeit war, und die Wirtin – Rebecca war ihr Name – konnte mit Magda, dem Dienstmädchen, nicht schnell genug Speisen kochen, so hungrig und ausdauernd hielten die Gäste sich am essen.
Die Stimmung erreichte gerade ihren Höhepunkt, als plötzlich mit einem Krachen die Türe aufschlug. Eine pfeifende Windböe wehte Schnee und Kälte in die Gaststube, und die Gesänge und das Lachen erstarben den Gästen auf den Lippen, als sich zwei Fremde durch die Tür schoben. Und die boten nun wirklich einen eigenartigen Anblick! Ein junger, schmächtiger Mann – wir kennen ihn bereits als Alfred – trug auf den Armen einen dürren, langgliedrigen Mann, der von Kopf bis Fuß mit einer Eisschicht überdeckt war. „Erfror’n!“ – „Erstarrt!“ – „Vom Frost ganz hart!“ – „Der ist futsch…“ – „Vereist.“ – „Glasiert!“ Murmelnd beschrieben sich die Gäste gegenseitig den Zustand des Alten.
Ein schmuddeliger Mann mit krausem, dunklem Bart und verschlagenem Gesicht, wie man es von Wirten kennt, drängte sich durch die Zuschauermenge auf die beiden neuen Gäste zu.
„Ich begrüße sie im ersten Hotel am Platz!“ In seiner Art zu sprechen lag eine kriecherische Untergebenheit; gleichzeitig konnte man die Münzen beinahe in seinen Augen glänzen sehen.
„Magda! Den Stuhl her! Schnell!“ Rebecca, die Wirtin, unterbrach das erstaunte Schweigen mit ihrer groben, herrischen Stimme. Der Professor wurde auf den Stuhl gehievt, und alsbald badeten seine erstarrten Füße in heißem Wasser. Diese wurden – und kann man sich das nicht schon denken? – mit Knoblauch eingerieben. Abwartend schauten die Gäste in gespannten Schweigen zu, welches nach einer Weile von dem Geräusch brechenden Eises gelöst wurde. Niemand bemerkte, wie der Professor langsam aus seiner Erstarrung erwachte. Seine Augen – es waren kluge Augen, die es vermochten, durch die verflochtenen Schichten der Wissenschaft hindurchzusehen und das Erstaunliche zu betrachten, für das viele Menschen blind sind – wanderten durch jahrelange Übung geschickt durch den Raum; sehr schnell gelang es ihm, sich ein Bild zu machen und die wesentlichsten Merkmale seiner Umgebung festzuhalten. Seine Hand tippte auf die Schulter seines Gehilfen.
Alfred, ganz versunken in den Anblick, der sich ihm bot, bemerkte davon nichts. Denn Magda kniete auf dem Boden und rieb die Füße des Professors nach wie vor emsig mit dem allseits anerkannten Wundermittel Knoblauch ein. Alfred mochte zwar schüchtern und ängstlich sein; trotzdem war er ein Mann und dachte und sah wie ein Mann, und nach endlosen Wanderungen durch eintönige Schnee- und Berglandschaften kam ihm ein großzügig geschnittener Ausschnitt in nächster Nähe gerade recht.
„Was hältst du von den kleinen runden Dingern, Junge?“ Erst, als die knarzige Stimme des Professors erklang, kam Alfred wieder zu sich.
„Klein?“, fragte er irritiert. „Die sind groß!“
Abronsius folgte seinem Blick. „Ach, nicht die, Dummkopf!“, entgegnete er ungeduldig. „Die da!“ Sein zitternder Finger wies auf die Knoblauchstränge über seinem Kopf. „Das ist Knoblauch!“, erklärte er eifrig und überhörte die Frage nach seinem Befinden. „Knoblauch!“, wiederholte er mit Nachdruck. „Das Ziel unserer Mission ist ganz nah!“ Er richtete sich auf, nun wieder ganz der Alte. „Herr Wirt!“, rief er. Der Wirt – Chagall sein Name – eilte herbei, bemüht darum, den neuen Gästen mit seiner Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft ein paar Münzen mehr aus der Tasche zu ziehen, als seine Zimmer wert waren. Noch während der den Professor mit allerhand höflichen Begrüßungsformeln überhäufte, unterbrach Abronsius ihn ungeduldig.
„Gibt es hier in der Gegend ein Schloss?“
„Ein Schloss?“, wiederholte Chagall. Die Dorfbewohner sahen sich erschrocken an.
„Nicht doch!“, antwortete Chagall mit überlegtem Ernst. „Hier gibt es genauso wenig ein Schloss wie… eine Windmühle!“ Er wandte sich an seine Freunde. „Hat irgendwer schon mal eine Windmühle hier geseh’n? “
Betont unschuldig und ehrlich schüttelten die Dorfbewohner ihren Kopf, als plötzlich…
„Jaaa! Da ist ein…“ Die Bewohner warfen sich vor den Mann, der gesprochen hatte, verdeckten ihn und hielten ihm den Mund zu. Chagall setzte sein bestes Lächeln auf.
„Sie hören es! Keine Windmühle! Kein Schloss! Nur einen Dorftrottel haben wir!“ Er warf einen verächtlichen Blick auf den Schwätzer. Doch Abronsius ließ sich nicht beirren.
„Und warum trägt hier jeder Knoblauch?“
Ein Rascheln ertönte, als die Dorfbewohner in beinahe schon komödiantischer Gleichzeitigkeit die Knoblauchstränge hinter ihrem Rücken verbargen.
„Knoblauch?“, fragte Chagall erstaunt. „Knoblauch hilft gegen Vielerlei!“
„Furunkeln!“, rief einer.
„Zahnweh!“, ein anderer.
„Furzerei!“, führte jemand an.
Und die alte Stimmung brauch wieder aus – die Tänze gingen weiter, der Knoblauch wurde geschwenkt, während zu der fröhlichen Musik eines neues Lobliedes getanzt und gescherzt wurde. Ein herrliches, buntes Durcheinander war das!
„Ich darf den Herren jetzt das Zimmer zeigen!“, rief Chagall, und in überschwänglicher Heiterkeit führte er Alfred und Abronsius, seines Zeichens weiterhin misstrauisch und auf äußerste gespannt, aus der Wirtstube.
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
Nur mein Gift macht dich gesund
um zu leben musst du sterben

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Re: Tanz Der Vampire... Zum Nachlesen

Beitragvon Ophelia » 11.04.2014, 16:37:46

Hier Text/ Lied 4
Würde mich über Antworten freuen ;)


4. Ein kurzer Blick (Bitte, meine Herren)

Chagall führte seine Gäste durch sein Gasthaus, welches sein ganzer Stolz war. Es ging mehrere Treppen auf und ab, vorbei an hölzernen Türen und durch enge Flure. Es roch nach Wurst, Kraut und – natürlich Knoblauch. Alfred lief ungelenk hinter dem Professor her, der seine Aktentasche vor der Brust hielt und energisch ausschritt. Ich hoffe, wir werden nicht lange hier bleiben, dachte Alfred. Seine Beine schmerzten von der langen und beschwerlichen Reise durch den Schnee, und die überstandene Angst war immer noch irgendwo in ihm, verkrochen in seinem Herzen. Insgeheim wünschte er sich, nie diese Reise angetreten zu haben. Die Königsberger hatten Recht, wenn sie Abronsius einen senilen Narren nannten. Seine Stimmungen und plötzlich, paranormalen Ideen waren auch Alfred, seinem einzigen treuen Gehilfen, nicht immer geheuer. Hier in der Fremde fühlte er sich schrecklich allein; der Wind heulte durch die Wandritzen, unheimlich und gefährlich und… wunderschön! Alfred blieb erstaunt stehen. Erst glaubte er, sich verhört zu haben, doch auch der Professor hielt inne.
„Hörst du?“, fragte er und stieß ihn mit seinem knochigen Ellbogen an. Denn zwischen das Rauschen des Windes mischte sich eine liebliche Stimme, süß wie der Morgen, und so sehnsuchtsvoll…
„Was ist das?“ Der Professor unterbrach den Gesang mit seiner knarzige Stimme. Chagall blieb stehen, und diesmal war Alfred sich ganz sicher, einen angstvollen Ausdruck auf seinem Gesicht wahrzunehmen – der gleich darauf durch kindliche Unschuld ersetzt wurde.
„Was ist was?“
„Na, dieses…“ Der Professor holte tief Luft. „Aah-ah-aaaaa!“ Offensichtlich versuchte er, den Gesang nachzuahmen. Es klang wie eine Krähe oder eine Elster, und es war wieder einmal an Alfred, sich für seinen Ausbilder zu schämen.
„Ach das!“ Chagall winkte ab. „Der Wind!“
„Der Wind?“ Wiederholte Abronsius. Seine buschigen Augenbrauen zogen sich so weit zusammen, dass sie eine gerade Linie bildeten. Offensichtlich grübelte er schon über das nächste Geheimnis nach, das sich ihm offenbarte, während er Chagall folgte. Alfred versuchte, sich die Erinnerung an den Gesang ins Gedächtnis zu rufen, um wenigstens ein paar kostbare Sekunden vergessen zu können, wo er war.
„Wir sind gleich da!“, ächzte Chagall und bewältigte die nächsten Treppenstufen.
„Der Wind!“, wiederholte Abronsius empört und lachte auf. Alfred sehnte sich danach, das Singen wieder zu hören. Er wollte zu gern wissen, wem diese bezaubernde Stimme gehörte, aber er wagte es nicht, danach zu fragen. Er hätte ja doch nur Lügen zur Antwort bekommen, und Lügen warfen noch mehr Fragen auf.
Inzwischen hatten sie einen schmalen Flur erreicht. Chagall öffnete eine knarrende Türe.
„Bitte, meine Herrn, treten Sie ein!“, rief er. „Unsere Luxussuite! Etwas besseres finden Sie nirgendwo!“ Sie betraten den winzigen Raum – Tisch, Bett, ein paar Kerzen und Knoblauch. Alfred sah sich unbehaglich um. Abronsius klopfte prüfend auf die Bettmatratze.
„Und hier, hinter dieser Tür, meine Herren, bequemer geht es nicht!“ Chagall pries seine Ausstattung an wie ein Marktschreier und spielte geheimnisvoll am Knauf einer Türe herum, die sich an der Längswand des Raumes befand. „Ein hochmodernes Badezimmer! Hier sehen Sie etwas wirklich schönes!“ Es war wie im Zirkus – der Zauberer lichtete mit viel Trara seinen Hut und – Tata, ein Karnickel! Nur, dass sich hinter der Tür kein Karnickel befand. Zuerst schlug Alfred die warme, fast schwüle Luft des Badezimmers entgegen, und noch während sie alle hineinstarrten, dachte er, dass er als erstes das Fenster öffnen wollte. Doch im nächsten Augenblick bemerkten sie, dass sie nicht allein waren. In der hölzernen Wanne saß eine junge Frau. Schreck und Scham durchfuhren ihn gleichermaßen, siedendheiß und plötzlich wie ein Paukenschlag.
Sarah!“, rief Chagall, halb erschreckt, halb wütend. „Ich hab dir doch… raus hier!“
Das Mädchen sah ihn an, mit dem gleichen unschuldigen Gesichtsausdruck wie Chagall, und erhob sich unbekümmert. Abronsius zog sich empört zurück.
„Nein, nein, bleib!“, schrie Chagall entsetzt und schlug die Türe zu.
„Ich vergaß“, wandte er sich in entschuldigender Untergebenheit an seine Gäste, „meine Tochter. Entschuldigen Sie, das Bad wird bald frei sein!“ Er schob sich aus dem Raum, und Alfred stürzte zur Türe. Es war ihm gleich, was Abronsius dachte; selbst wenn er ihn für einen Lüstling hielt. Er musste sie sehen, er musste einfach! Dieser eine Augenblick, in dem er sie angesehen hatte… Die Stimme, die gesungen hatte… Das alles war sie! Er öffnete vorsichtig die Tür, lugte in das Bad – leer. Er glaubte, leise Schritte zu hören, ein Rascheln, aber dann war es wieder still. Niedergeschlagen und erleichtert zugleich wagte er sich weiter vor. In der Wanne lag ein Schwamm. Er nahm ihn und strich darüber; und der süße Duft, der an ihm haftete, gehörte gewiss ihr. Alfred befand sich in einem beinahe seligen Zustand, als sich plötzlich und unerwartet die Tür zum anderen Zimmer öffnete. Das Mädchen sauste herein, blieb erstaunt stehen, als sie ihn sah, und starrte.
Alfred starrte nicht. Er warf den Schwamm zurück, rannte in sein Zimmer und zog die Tür krachend und in tödlicher Verlegenheit zu. Auch nebenan schlug eine Türe.
Alfred blieb stehen und starrte vor sich hin. Sein Herz schlug viel zu schnell in seiner Brust, doch diesmal war es keine Angst, die ihm die Kehle zuschnürte…
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
Nur mein Gift macht dich gesund
um zu leben musst du sterben


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