Das Haus am Meer

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Das Haus am Meer

Beitragvon Sisi Silberträne » 04.12.2011, 21:50:30

Inhalt: Prequel zu Rebecca, spielt neun Jahre früher. Das enge Verhältnis zwischen Maxim und seiner Schwester ist Rebecca ein Dorn im Auge. Ich hatte im Theater immer wieder den Eindruck, dass Beatrice sich von ihrer Schwägerin nicht blenden lassen und deren wahre Natur erkannt hatte. Da sie eine meiner Lieblingsfiguren ist, habe ich schon länger mit dieser Geschichte gespielt, in der sie eine größere Rolle übernimmt.

Genre: Drama, auch wenn es noch nicht sehr dramatisch beginnt

Rating: P12 Slash für den Anfang

Disclaimer: das Musical gehört den VBW, der Roman Daphne du Maurier. Ich borge nur.

~~~~~~~~~~



Das Haus am Meer

von Sisi



Kapitel 1


Die Tafel war schön mit dem feinen Silber gedeckt. Maxim de Winter betrachtete zufrieden sein Spiegelbild in der gläsernen Scheibe des Schranks mit dem teuren Porzellan. Er trug einen hellen Anzug, der seinen hohen schlanken Wuchs unterstrich und einen Kontrast zu seinem dunklen Haar bildete. Als aus der Halle Stimmen erklangen, wandte er sich ab, um das Speisezimmer mit großen Schritten zu verlassen. Er ging eine kurze Treppe nach unten, die ihn in den Eingangsbereich Manderleys brachte.
„Onkel Maxim!“ riefen da zwei Kinderstimmen. Der Junge und das Mädchen hatten ihn erreicht, ehe er zu reagieren vermochte, und umarmten ihn herzlich.
„Ich freue mich auch euch zu sehen“, erwiderte er lachend an seinen Neffen und seine Nichte gewandt. Nachdem er sich vom Ansturm der Kinder gelöst hatte, sah er sich nach seiner Schwester um. Er begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wange und schüttelte ihrem Gatten Giles Lacy die Hand.
Beatrice lächelte zwar, doch Maxim konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass etwas sie beschäftigte. Es gab kaum Dinge, die sie voreinander zu verbergen vermochten. Er wurde jedoch in seinen Überlegungen unterbrochen, als ein Hausangestellter erschien, um ihn darauf hinzuweisen, dass das Dinner bereit war. Amüsiert beobachtete er seine ältere Schwester dabei, wie sie ihre Kinder Richtung Speisezimmer dirigierte. Roger und Caroline erinnerten ihn oft an die eigene Kinderzeit, weil sie genauso wenig davon hielten still zu sitzen, wie Beatrice und er damals.
„Du Onkel Maxim“, begann der Zehnjährige, „Spielst du nachher wieder mit uns verstecken? Bitte, ja?“
Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, wusste er doch, wie gern die beiden das weitläufige Anwesen für dieses Spiel nutzten. „Mal sehen. Aber nur, wenn ihr brav euer Gemüse aufesst. Es gibt Spinat.“
„Ihhhh“, rief Caroline und verzog dabei theatralisch das Gesicht.
Natürlich wurde an diesem Abend kein Spinat aufgetischt - er hatte Mrs Rutherford, die Köchin, sogar noch daran erinnert, dass die Kinder selbigen überhaupt nicht mochten. An den traditionellen Pasteten würden sie dagegen ihre helle Freude haben.
Nachdem alle Platz genommen hatten - links neben ihm diesmal seine sechsjährige Nichte - war nur der Stuhl auf seiner anderen Seite noch leer. Just in diesem Moment öffnete sich die schwere Holztür und eine junge Frau in einem eleganten lavendelfarbenen Kleid trat ein. Sie bewegte sich leichtfüßig, schien fast über den Boden zu schweben. Maxim lächelte seiner Ehefrau zu, als sie sich neben ihn setzte. Ihre Begleitung, eine deutlich ältere Dame mit einem strengen Haarknoten blieb draußen zurück und schloss die Tür hinter ihr wieder. Rebecca pflegte fast immer als letzte zu erscheinen, daran hatte er sich mittlerweile nach fast einem Jahr Ehe gewöhnt. Sie liebte es alle Blicke auf sich zu ziehen. Im Moment ihres Auftauchens waren sämtliche Tischgespräche verstummt.

Nach dem Essen wollten die beiden Kinder ihren Onkel am liebsten sofort wieder mit Beschlag belegen, damit er mit ihnen spielte, doch Beatrice nahm ihren Bruder zur Seite.
„Bevor du dich ganz meinen zwei Lausern widmest, würde ich dich gern unter vier Augen sprechen“, meinte sie leise an ihn gewandt.
Er nickte ihr zu. „Gut, dann gehen wir am besten ein wenig an die Luft und drehen im Garten eine Runde.“
Als er sich von seinem Platz erhob, um mit Beatrice gemeinsam das Speisezimmer zu verlassen, setzten Roger und Caroline sehr enttäuschte Blicke auf. Er versprach ihnen sich zu beeilen. Inzwischen würde Giles schon etwas gegen den Schmollmund seiner Kinder zu unternehmen wissen.
Draußen war es für Anfang Mai kühl, weil vom Meer ein kräftiger Wind landeinwärts blies. Der Himmel war vollkommen klar. Beatrice fröstelte und zog den Kragen ihrer leichten Jacke ein wenig höher. Eine Weile ging sie schweigend neben ihrem Bruder her, bis die beiden fast am Ende der Gartenanlage Manderleys angelangt waren.
Maxim musterte seine Schwester abwartend. „Worüber wolltest du unbedingt mit mir reden, Bee? Du machst es ganz schön spannend.“
„Ich hoffe meine Kinder sind dir nicht zu anstrengend. Die zwei lieben dich heiß.“
„Kein Wunder, ich bin ja auch ihr einziger Onkel.“ Er konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Sie erinnern mich oft an uns, als wir in diesem Alter waren.“
„Max, meinst du denn, du wirst auch drei von der Sorte ertragen? Ich bekomme nämlich noch eins“, sprudelte es aus ihr in einem so beiläufigen Tonfall hervor, als spräche sie vom Wetter.
Die Botschaft verfehlte ihre Wirkung nicht. Er starrte sie mit einer Mischung aus Überraschung und Ungläubigkeit an. „Du äh... du bist schwanger?? Bee, hast du dir das gut überlegt? So jung bist du nicht mehr. Was ist, wenn etwas schief geht?“
„Du denkst an unsere Mutter, oder? Aber du weißt doch, dass sie damals krank war und nicht an der Schwangerschaft gestorben ist. Ich bin völlig gesund, mir wird nichts geschehen, keine Sorge.“
„Hoffentlich hast du recht“, bemerkte er immer noch nicht völlig überzeugt. „Glückwünsche bekommst du erst, wenn das Kleine auf der Welt ist und ihr beide wohlauf seid. Was hält übrigens Giles davon? Es ist doch von ihm?“
Beatrice gab ihm lachend einen Klaps in die Seite. „Dummkopf, selbstverständlich ist es von ihm!“
Der Scherz hatte die Anspannung des Gespräches gelöst. Maxim umarmte seine Schwester, um ihr zu zeigen, dass er sich für sie freute. Sie begriff die Bedenken, die er nicht ganz zu vertreiben mochte. Von Kindesbeinen an waren die beiden einander nah, verstanden sich auch ohne Worte. So ähnlich sie einander sahen, hochgewachsen und dunkelhaarig wie ihr Vater, so unterschieden sie sich im Geist. Er war ein nachdenklicher Mensch, der seine Gefühlswelt lieber für sich behielt, während sie offen und mit Optimismus durchs Leben ging.
„Komm, gehen wir wieder hinein, es wird kühl“ bemerkte er schließlich.
Sie nickte langsam. „Geh schon vor, ich komme gleich nach.“
     
Als Maxim in der Dunkelheit außer Sicht geraten war, drehte sie sich um die eigene Achse und studierte nachdenklich einige Büsche in der Nähe. Sie hatte geglaubt darin ein Rascheln zu hören, eine schattenhafte Bewegung wahrzunehmen. Ihr Bruder schien nichts bemerkt zu haben, oder vielleicht hatte er es nur für das kleine Tier gehalten, das es höchstwahrscheinlich auch war. Sie schrak zurück, als sich jäh eine menschliche Gestalt aus der Finsternis löste. Im fahlen Mondlicht erkannte sie die jungen feinen Züge Rebeccas. Ihre Schwägerin hatte einen dunklen Mantel übergezogen, der sie in den nächtlichen Schatten vollkommen verbarg.
„Erschrick nicht“, sagte sie leise. „Ich bin es ja nur.“
Beatrice musterte die jüngere Frau, sagte jedoch nichts. Sie fragte sich, wie viel ihr Gegenüber wohl von der eben geführten Unterhaltung mitbekommen hatte. Rebeccas Augen schienen beinahe katzenhaft zu leuchten.
„Ich wollte nicht lauschen. Es war nur ein Zufall, dass ich euch auf einmal vor mir stehen sehen habe. Gewiss hättet ihr mich bemerkt, deshalb habe ich mich bemüht kein Geräusch zu verursachen, um euch nicht zu stören. Ganz erfolgreich war das wohl nicht.“
„Nein, das war es in der Tat nicht“, murmelte die Ältere. Normalerweise war sie eine gute Menschenkennerin, doch die Ehefrau ihres Bruders einzuschätzen, fiel ihr immer noch schwer, obwohl es bereits über ein Jahr war, dass sie einander kannten. Aus diesem Grund zog sie es vor abzuwarten, ob Rebecca noch etwas sagen würde.
Die Herrin von Manderley vermied es Beatrice direkt in die Augen zu sehen. Sie wirkte auf einmal so jung, beinahe kindlich. Ihr Blick glitt über den flachen Bauch der anderen Frau. „Wie fühlt sich das an?“
„Was meinst du? Schwanger zu sein?“ Mit einer derartigen Frage hatte die Ältere nicht gerechnet, sie war entsprechend darüber verwirrt. Als ihr Gegenüber leicht nickte, fuhr sie fort. „Wenn ich ehrlich sein soll, ziemlich seltsam. Der eigene Körper scheint auf einmal verrückt zu spielen. Ich fürchte ich kann es dir nicht wirklich beschreiben. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn man weiß, dass man Mutter wird. Das wirst du merken, wenn es bei dir soweit ist.“
Rebecca wirkte für einen Moment erschrocken. Die Vorstellung eines Tages selbst schwanger zu werden, schien ihr nicht zu behagen. Sie beendete die eigenartige Unterhaltung, indem sie sich in Richtung des Anwesens in Bewegung setzte. Beatrice folgte ihr. Sie konnte die abrupte Reaktion verstehen, schließlich war ihre Schwägerin erst Anfang der Zwanzig und hatte sich bisher bestimmt kaum Gedanken über dieses Thema gemacht. Dafür blieben ihr noch Jahre.
Im Haus wurde Rebecca bereits von ihrer Vertrauten erwartet und die beiden begannen ein geflüstertes Gespräch. Beatrice beachtete sie nicht weiter, während sie den fröhlichen Stimmen folgte, die darauf hindeuteten, dass ihre Kinder Maxim bereits in Beschlag genommen hatten. Durch die noch offen stehende Tür beobachtete Rebecca mit zusammengekniffenen Augen wie ihr Mann gut gelaunt seinem Neffen und seiner Nichte einen Kartentrick vorführte, und ihre Schwägerin zärtlich von Giles in Empfang genommen wurde.
Zuletzt geändert von Sisi Silberträne am 05.12.2011, 20:55:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Haus am Meer

Beitragvon Kitti » 05.12.2011, 17:23:11

Ui, das ist ja wirklich eine interessante Idee und es beginnt so schön geheimnisvoll! Gerne mehr davon, gefällt mir gut! :)
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Re: Das Haus am Meer

Beitragvon Gaefa » 05.12.2011, 17:26:17

Eine schöne Geschichte hast du da angefangen, Sisi! Ich bin gespannt wie sich das alles noch entwickelt!

Mir ist allerdings einiges dabei aufgefallen. Im Buch hatte ich, im Gegensatz zum Musical immer das leichte Gefühl, dass das Verhältnis zwischen Bee und Maxim nicht ansatzweise so gut und eng war, wie im Musical, was mir aber so wies auf der Bühne ist, auch besser gefällt.
Eine Kleinigkeit, die mich allerdings gestört hat, war der Name ihres Sohnes. Im Buch (ich hab nochmal nachgeschlagen, weils mir keine Ruhe ließ beim Lesen) hat sie einen Sohn, Roger, der jetzt nach Oxford geht. das passt vom Alter her prima mit dem von dir beschriebenen Kind, aber irgendwie divergieren die Namen schon ziemlich...

Trotzdem tolle Story! Schreib bald weiter!
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Re: Das Haus am Meer

Beitragvon Sisi Silberträne » 05.12.2011, 18:21:02

Danke für eure Kommis!

Gaefa> ok, dann werd ich ihn in Roger umbenennen. Danke für den Hinweis! Hab das Buch noch nicht gelesen :oops:
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Re: Das Haus am Meer

Beitragvon Gaefa » 05.12.2011, 19:25:28

Dann solltest du das schleunigst mal nachholen, Sisi ;)
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Re: Das Haus am Meer

Beitragvon FunnyDo » 29.03.2013, 08:41:38

Ein wirklich schöner beginn und ich hoffe das du schnell viel Zeit findest um weiter zu schreiben *schon hibbelig drauf wart*


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