Magyarország - meine Liebe

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Magyarország - meine Liebe

Beitragvon Sisi Silberträne » 27.03.2011, 13:48:18

Inhalt: joa, mal wieder ein bssi was von mir. Dreht sich um Elisabeth, ich hab schon länger mit etwas in der Richtung gehadert. Magyarország bedeutet einfach nur Ungarn in der Landessprache.

Genre: ?? Romantik

Rating: P12

Disclaimer: Die Kaiserin gehört sich selbst!

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Magyarország - meine Liebe

von Sisi


Vertraut waren die Geräusche der Pferde, die ich den Stimmen der Menschen vorzog. Den Stallburschen hatte ich bereits am Tor zurückgewiesen. Der Junge konnte nicht verstehen, weshalb ich selbst den schweren Sattel zu der Box schleppte, in der ein hochbeiniger Fuchs stand. Das gehörte sich schließlich nicht für eine Kaiserin. Doch wenn ich auf dem Rücken eines Pferdes über die ungarische Erde galoppierte, war ich nicht länger die Kaiserin. Avolo tänzelte nervös, als ich ihn ins Freie führte. Er war jung und stark, drängte nach Bewegung. Ich ließ ihn in einen flotten Trab fallen, bis wir den weitläufigen Park Gödöllös durchquert hatten. Die Wächter an der Pforte mussten mich passieren lassen, obwohl sie es freilich nur ungern taten. Der Fuchs sprang vorwärts, als ich ihn zum Galopp trieb und ihm die Zügel freigab. Es war ein herrliches Gefühl den Wind im Haar zu spüren. Ich lachte übermütig. Jetzt war ich wirklich frei.
Schließlich parierte ich Avolo durch, um eine Weile gemächlich im Trab den Wegen über Wiesen und Felder zu folgen. Ich wusste nicht wie lange ich schon unterwegs war, aber noch würde ich nicht umkehren. Vor mir in den endlosen Ebenen entdeckte ich eine Herde grasender Steppenrinder. Eine Gestalt hockte dort bei den hellgrauen Tieren. Ich näherte mich im Schritt, ehe ich absaß, um mein Pferd das letzte Stück zu führen. Der schwarze struppige Hund, der bei der Hirtin gelegen war, sprang wachsam auf, bellte jedoch nicht. Ich gab Avolo frei, um ihn grasen zu lassen.
„Zsóka!“ rief die junge Frau, als sie mich erblickte.
Ich lächelte sie an. „Es freut mich ebenso dich zu sehen.“
Ihre Hände umfassten meine, sie zog mich zu der groben Decke, auf der sie zuvor gesessen war, und wir ließen uns darauf nieder. Der Blick ihrer beinahe nachtdunklen Augen hielt mich bereits in seinem Bann.
„Du hast mir gefehlt“, sagte sie leise, während ihre Finger behutsam über meinen Arm strichen. Schon diese Berührung verursachte wohlige Schauer auf meiner bloßen Haut. Hajna besaß die Hände eines Menschen, der tagtäglich harte Arbeit verrichtete. Anstatt ihr zu antworten, gab ich meinem eigenen Sehnen nach und küsste sie. Ihre Lippen schmeckten so gut, aromatisch wie wilde Kräuter. Sie erwiderte den Kuss mit einer Leidenschaft, die mich beinahe überwältigte. Widerstandslos ließ ich mich rücklings unter ihr auf die Decke sinken.

Unsere erste Begegnung war kaum mehr als ein Zufall gewesen, oder vielleicht auch Schicksal. Ein Feldhase sprang jäh meinem Pferd vor die Hufe. Avolo scheute vor Schreck, stieg in die Höhe und ich vermochte mich nicht mehr im Sattel zu halten. Hart schlug ich auf dem sandigen Weg auf. Ich benötigte einige Momente, bis sich die dunklen Schatten der Benommenheit vor meinen Augen wieder lichteten. Dann sah ich sie.
„Sind Sie verletzt?“ fragte die junge Frau besorgt, die sich neben mich auf die Knie sinken gelassen hatte. „Können Sie aufstehen?“
„Mir fehlt nichts“, entgegnete ich und richtete mich mit einem Ruck auf. Dies erwies sich als Fehler, da mich sogleich Schwindel erfasste.
Die Ungarin zog die Stirn kraus, erwiderte jedoch nichts, sondern stützte mich beim zweiten Versuch wieder auf die Beine zu gelangen. „Sie sollten sich einen Moment ausruhen, ehe Sie wieder aufs Pferd steigen.“
Dankbar ließ ich mich auf die Decke sinken, die ihr als Rastplatz in Sichtweite einer kleinen Rinderherde diente. Sie bestand darauf, dass ich ein paar Schlucke aus der Feldflasche trank, welche sie mir reichte, Das kalte Wasser erwies sich tatsächlich als wohltuend. Erst jetzt fand ich Gelegenheit die Hirtin genauer zu betrachten. Sie war sehr jung, fast noch ein Mädchen. Einfache Kleider in der Tracht ihres Landes ließen die weiblichen Rundungen ihres ausgesprochen schlanken Körpers erahnen. Das lange pechschwarze Haar trug sie zu einem festen Knoten aufgesteckt, aus dem sich einige Strähnen befreit hatten. Am faszinierendsten jedoch waren ihre dunklen Augen, die mich neugierig musterten.
„Sind Sie öfter ganz allein unterwegs?“ fragte sie mich schließlich.
Ich benötigte einen Augenblick, um zu begreifen, dass sie mich angesprochen hatte. „Ja, wann immer ich es einrichten kann. Es entspannt mich. Wenn es nur das Pferd und mich gibt, vergesse ich alles andere.“ Fast unwillkürlich sah ich mich nach dem Fuchs um, der in der Nähe der grauen Rinder Gras rupfte. „Mein Name ist Erzsébet. Verrätst du mir, wie ich dich ansprechen darf?“
Die junge Frau errötete ein wenig, weil es ihr offenbar unangenehm war, sich noch nicht vorgestellt zu haben. „Ich bin Hajna.“

Eine Hand, die sich vor meinen Augen auf und ab bewegte, veranlasste mich zu einem irritierten Blinzeln. Hajna grinste mich an. Offenbar zufrieden damit, meine Aufmerksamkeit wieder erlangt zu haben, barg sie den Kopf auf meiner Brust. Für eine Weile genossen wir es so beieinander zu liegen, das würzige Gras zu riechen und die Wiesenvögel zu hören. Bis der Ungarin in ihrer lebhaften Art etwas in den Sinn kam, was sie dazu veranlasste sich ein wenig aufzurichten, um mich anzublicken.
„Habe ich dir eigentlich erzählt, dass mein Bruder die Königin Erzsébet einmal gesehen hat, als er vor einiger Zeit in Buda war? Er meint sie wäre wirklich so schön, wie gesagt wird. Kühl wie aus Eis, erhaben und stolz.“ Während sie sprach, begannen ihre Finger spielerisch über meinen Bauch zu wandern, welcher nur von dem Stoff des Reitkleides bedeckt war. „Wie schön sie auch sein mag, kann sie doch nicht meine Zsóka übertreffen.“
Ein leichtes Lächeln fand den Weg auf mein Gesicht und ich drückte ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. Ich hatte mich in ihre erfrischende Ehrlichkeit und Unbedarftheit verliebt, ehe ich überhaupt wusste wie mir geschah. Bei ihr bestand keine Notwendigkeit die Maske aufrecht zu erhalten. Ein Blick von ihr ließ die Mauer brechen, hinter der ich mein Selbst Tag für Tag einschloss. Sie liebte wer ich war, nicht was ich war. Und doch fühlte ich mich schäbig, weil ich sie belügen musste. Die Wahrheit stand zwischen uns. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Kaiserin an den Wiener Hof zurückzukehren hatte. Von Ungarn konnte mich nichts wirklich trennen, mein Herz lebte in diesem Land. Hajna zu verlassen, das wollte ich mir im Moment gar nicht ausmalen.
„Ich liebe dich“, raunte ich ihr leise ins Ohr. Ehe sie zu reagieren vermochte, war ich über ihr und küsste sie verlangend. Erneut erstaunte es mich, was ihre Berührungen in mir auslösten. In Augenblicken wie diesem wollte ich alles geben, um wirklich ihre Zsóka zu sein. Die Kaiserin durfte nicht lieben.


Szóka ist eine Koseform von Erzsébet und Hajna bedeutet "Morgendämmerung".
(Quelle: www.behindthename.com)
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