Kartenhaus

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Sisi Silberträne
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Kartenhaus

Beitragvon Sisi Silberträne » 13.06.2009, 14:18:32

Inhalt: bissi älterer Oneshot. Songfic zu dem Song "Margherita" von Maya, ich lieb das Lied. Der Text ist hier nicht ganz komplett, nur zur Info. Mir war nach Drama, wies im Buche steht .

Genre: Drama

Rating: P12, Slash

Disclaimer: keine Namen, daher... jaaa, meins XD Der Song gehört wem immer er gehört, Maya leiht ihn ja auch nur ^^

~~~~~~~~~~


Kartenhaus

von Sisi


Es war still in der Wohnung, abgesehen von der leisen Musik aus dem Radio, was sich nun gleich ändern würde, wenn endlich das Klicken des Schlüssels im Schloss ihre Ankunft ankündigte, die ich bereits sehnsüchtig erwartete. Wir hatten uns schon fast eine Woche lang nicht mehr gesehen und sie fehlte mir in jeder Minute. Bevor ich ihr begegnet war, hatte ich nicht gewusst, dass man einen Menschen so sehr brauchen konnte, wie die Luft zum Atmen. Einmal hatte jemand zu mir gesagt, diese besondere, tiefe, selbstlose Liebe ginge über das Geschlecht hinaus. Es stimmte, denn sie war mein Gegenstück. Ich fühlte es und ich sehnte mich danach das nicht mehr verbergen zu müssen. Unsere Fans würden sicher nicht verstehen, wie gerade wir beide, die wir ihrer Meinung nach eher spinnefeind sein mussten, einander lieben konnten. Aber so war es, und ich wollte offen zu ihr stehen, anstatt von heimlichen Küssen der Welt da draußen zeigen, was ich für sie empfand.
Mit einem Lächeln stellte ich eine Kerze inmitten des hübsch gedeckten Tisches. Aus der Küche zog der Duft von Knoblauchshrimps durch die Wohnung. Für ein kleines romantisches Essen war es nie zu spät, dafür hatten wir beide ohnehin viel zu selten die Gelegenheit, weil wir abends auf der Bühne standen. Wie ich sie kannte, hatte sie vor der Vorstellung nichts zu sich genommen. Da endlich vernahm ich das Geräusch, dessen ich geharrt hatte. Das Schloss klickte und die Tür wurde geöffnet. Beiläufig warf ich auf dem Weg durch den Flur einen Blick in den dort hängenden Spiegel. Meine Wangen waren gerötet und ein erwartungsvolles Lächeln umspielte meine Lippen. Um den Hals trug ich die Kette, die sie mir geschenkt hatte, das chinesische Drachenzeichen aus filigranem Silber. Wie gemacht für meinen Schwanenhals, hatte sie zärtlich gesagt, als sie es mir vorsichtig umgelegt hatte.

„Hallo, mein Schatz“, begrüßte ich sie. „Du kommst spät heute.“ Ich wollte sie küssen, wie ich es schon oft getan hatte, doch sie wich mir aus. Ihr Gesichtsausdruck war ernst, ihre jadegrünen Augen, die ich so liebte, blickten mich distanziert an. Irritiert hielt ich inne.
„Es tut mir leid…“, sagte sie leise. „Ich muss mit dir reden.“
Ich folgte ihr verwundert, merkte wie sich ihr Körper für einen Augenblick versteifte, als sie den gedeckten Tisch sah. Das Kerzenlicht tauchte ihr Gesicht in ein schattenhaftes Flackern, ehe sie die Hand nach dem Lichtschalter ausstreckte. Die jähe Helligkeit wirkte kalt und hart.

Wie im Nebel hör’ ich dich sagen
Du willst alles das aufgeben
Du willst alles mir verjagen
Was ich lieb’ in diesem Leben


Ihre Worte klangen so seltsam fremd, wie aus weiter Ferne. Sie wirkten irreal in meinen Ohren, ich weigerte mich zu glauben was ich da hörte. Träumte ich? Ich hoffte es so, aber ich wachte einfach nicht auf. Jedes ihrer Worte war ein Faustschlag, und eine solche körperliche Pein hätte ich noch vorgezogen.
„Die Zeit mit dir war aufregend und schön, aber auf Dauer kann ich so nicht leben“, sagte sie mit einem kühlen Unterton in der Stimme.
Ich begann plötzlich unkontrolliert zu zittern, hatte das Gefühl mir würde der Boden unter den Füßen weggerissen und ein endloser schwarzer Abgrund täte sich auf. „Wieso denn?“ flüsterte ich tonlos.

Und ich höre wie dein Reden
Sich langsam zu Sätzen ballt
Die mich treffen wie ein Blitz
Mit vernichtender Gewalt


Ungläubig beobachtete ich sie dabei, wie sie die Kerze auf dem Tisch ausblies. Heller Rauch breitete sich im Raum aus, und wenn er davon zog, würde er mit sich nehmen, was bis vor ein paar Minuten noch so wundervoll, endlos und unzerstörbar für mich war. Sollte jetzt auf einmal all das zu Ende sein? Einfach so. Der Ausdruck ihrer Augen ließ keinen Zweifel daran, dass sie jedes Wort bitterernst meinte. Ich starrte sie entsetzt an, wie eine Kreatur geboren aus meinen Alpträumen.
Eine kleine Falte erschien in ihrer Stirn, ich kannte sie gut, so wie alles an ihr. „Ich habe jemanden kennen gelernt“, gestand sie. „Und durch ihn ist mir klar geworden, dass ich mein Leben so nicht weiter verbringen will. Das Versteckspiel ist mir schon lange zuwider, das muss aufhören.“
„Mir doch auch! Ich wünsche mir nichts mehr, als endlich zeigen zu können, wie viel du mir bedeutest“, stieß ich atemlos hervor.
Sie schüttelte leicht den Kopf. „Dafür ist es jetzt zu spät… ich habe mich in ihn verliebt, und er ist es, mit dem ich zusammen sein möchte.“

Diese Kälte macht mich rasend
Und das Gefühl ist angsteinjagend
Doch deine Sätze tönen weiter
Und meine Augen schauen fragend


„Also… liebst du mich nicht mehr?“ fragte ich sie verzweifelt. „Hast du mich überhaupt je geliebt?“ Ich machte Anstalten ihre Hand in meine zu nehmen, doch sie wich dieser Geste aus.
„Doch, das habe ich. Aber nicht genug, du verdienst mehr als ich dir geben kann. Es ist besser so, glaub es mir.“ Sie fing meinen Blick ein.
Feuchtigkeit sammelte sich in meinen Augen. „Woher willst du das denn wissen?? Du irrst dich… alles was ich will bist du, ich brauch dich… ich liebe dich doch…“

Warum sagtest du nicht früher
Dass du dich von mir entfernt hast
Warum sprachst du je von Liebe
Wenn du mich doch nie geliebt hast


Vor ein paar Tagen, letzte Woche, war sie noch neben mir gelegen und ich hatte sie fest in den Armen gehalten. Es war unvorstellbar, dass es etwas gab, das uns trennen konnte. Fast glaubte ich den Duft ihres weichen Haars zu riechen. Verzweifelt suchte ich in ihrem Gesicht nach einer Regung. Wollte sie wirklich aufgeben, was zwischen uns bestand? Klammerte ich mich am Ende an eine Illusion?
Ich trat ein paar Schritte auf sie zu, bis ich mich direkt vor ihr befand, und drückte meine Lippen auf ihre. Zunächst ließ sie es zu, doch sie erwiderte den Kuss nicht. Dann drehte sie den Kopf zur Seite, wandte sich von mir ab. Fast glaubte ich mein Herz springen zu hören. Es war also tatsächlich vorbei.

Ich verlier es in Verzweiflung
Fühle meine Tränen brennen
Und ich wünsche mir nichts lieber
Als den Kopf in deinen Händen


Unaufhörlich rannen Tränen meine Wangen hinab, während sie ihre Sachen zusammen suchte. Ich wollte sie nicht einfach durch diese Tür und aus meinem Leben gehen lassen, dafür liebte ich sie zu sehr. Aber was konnte ich schon dagegen tun? Mir fiel nichts ein, als mich in den Flur zu stellen, sodass ich ihr den Weg versperrte.
„Bitte… mach es nicht noch schwerer“, murmelte sie. „Ich möchte dich als Freundin nicht verlieren, dafür bist du mir zu wichtig, aber fürs Erste sollten wir Abstand voneinander halten.“ Ihre jadegrünen Augen offenbarten jetzt zum ersten Mal einen stummen Schmerz zwischen all der Kälte. Sie schob mich behutsam, aber nachdrücklich genug zur Seite, und marschierte an mir vorbei.

Doch was bis vor einer Stunde
Noch so heil und sicher schien
Ist nur eine große Lüge
Und ein Kartenhaus im Wind


Erst als ich hinter mir die Tür ins Schloss fallen hörte, wandte ich mich um. Ich war allein. Wieder einmal. Sie hatte mich tatsächlich verlassen. Sie, in der ich geglaubt hatte, mein Gegenstück, meine Seelenpartnerin gefunden zu haben. Jetzt war sie fort.
Zufällig fiel mein Blick erneut in den Spiegel an der Wand. Die Frau, die mir daraus mit leeren Augen entgegen starrte, hatte nichts mehr mit jener gemeinsam, die sich noch vor Kurzem so darauf gefreut hatte, ihre Liebe wieder in die Arme zu schließen. Und doch waren es meine dunklen Locken, die dieses fremde Gesicht umgaben. Mein Make-up war durch die Tränen völlig verlaufen, ich hatte mehr mit einer wandelnden Leiche gemein, als mit einem lebenden Menschen.

Es ist mir als ob ein andrer
Sich in deinen Körper schlich
Und ich hab nicht mal bemerkt
Dass er da reingeschlichen ist


Erkalteter widerlicher Rauch stieg mir in die Nase. Aufgebracht stieß ich die längst ausgelöschte Kerze um, dass sie über den Tisch kugelte, herunter fiel und zerbrach. Wie mein Herz. Ich rannte in mein Schlafzimmer, sank neben dem Bett auf dem Boden, den Kopf in die weiche Decke gepresst. Ich liebte sie immer noch so sehr, trotz der Worte, die sie an mich gerichtet hatte. Es war mir schlicht unmöglich zu glauben, dass ihre Gefühle für mich auf einmal verloschen waren, wie diese Kerze. Meine für sie waren es nicht, würden es vielleicht nie ganz.
Als ich aufsah, bemerkte ich halb unter dem Bett verborgen ein Stück Stoff, und zog es hervor. Es war ihr Schlaf-Shirt, sie musste es übersehen haben. Verzweifelt presste ich es an mich, sog den Duft ihrer Mandelcreme ein, und stellte mir vor, meine Hände glitten wieder zärtlich über ihre weiche Haut.

Um deine Liebe fortzuwischen
Und meine Welt mir zu zerstören
Will denn niemand mir versichern
Ich hätt alles nur geträumt



~ Ende ~
Zuletzt geändert von Sisi Silberträne am 13.06.2009, 23:24:57, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Kartenhaus

Beitragvon Kitti » 13.06.2009, 16:39:33

Wow, das ist ja wirklich wieder toll geworden. Sehr traurig, aber niemals übertrieben. Die Zitate fügen sich sehr schön in deine Geschichte ein.
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Re: Kartenhaus

Beitragvon Elphaba » 14.06.2009, 03:15:33

Da kann ich nur zustimmen.

Das ist wiedermal geradezu herzzerreißend! *schnief*

Mir gefällt es wirklich sehr gut, wie du aus einem Lied eine Geschichte gemacht hast. :)
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Re: Kartenhaus

Beitragvon cma » 14.06.2009, 14:27:57

Ich finde die Geeschichte auch toll. Also toll klingt das bisschen merkwürdig... Aber sie ist gut geschrieben. Man sich gut in die Person hinein fühlen.

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Re: Kartenhaus

Beitragvon Coco » 15.06.2009, 21:38:35

Babsi, auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole... Was haben deine Eltern da nur grausames gezüchtet? *sfz*

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Re: Kartenhaus

Beitragvon Elphaba » 16.06.2009, 00:18:01

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