Je suis une femme

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Kitti
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Beitragvon Kitti » 29.07.2007, 22:52:31

Wie schön, dass du weiter geschrieben hast. :D Tja, was soll ich sagen...Langsam gehen mir die Worte aus, mit denen ich deine FF loben könnte... ;) Olivier ist ja wie eine Art Traumprinz, ich hoffe, dass du Anne trotz der angekündigten Dramatik noch ein wenig Glück gönnen wirst. Fazit... Wie immer sehr schön und spannend! Bitte bald weiter!

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Beitragvon Marie Antoinette » 30.07.2007, 10:21:41

Dem kann ich mich nur anschließen, wieder ein total schöner Teil! Großes Kompliment! :D

Schön, dass Anne im Moment noch glücklich ist... bin schon gespannt was im nächsten Teil passiert. Wann kommt die Fortsetzung?

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Beitragvon ChristineDaae » 31.07.2007, 10:35:10

Wieder ein toller neuer Teil! :) Bitte schnell weiter.. :)
Freue dich, wenn es regnet – wenn du dich nicht freust, regnet es auch.
(Karl Valentin)


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Beitragvon Sisi Silberträne » 15.08.2007, 20:10:26

Danke für eure Kommis, ihr meine treuesten der treuen Leserinnen! *knuddel in die Runde streu* So, wie ich schon angekündigt hab, kommt jetzt wieder etwas Spannung auf. Viel Spaß beim Lesen!


Kapitel 12


Das Fest dauerte bis spät in die Nacht, als es zu Ende war, brachte Olivier mich wieder nach Hause. Ich fühlte mich sehr unbeschwert, dass ich im Laufe des Abends Geschmack am Schaumwein gefunden hatte, machte sich nun bemerkbar.
„Ich hoffe du hattest auch ein wenig Spaß“, meinte er leise, als wir mit dem Wagen vor Mélisses Haus angekommen waren. „Ich habe es sehr genossen, dich bei mir zu haben.“
„Obwohl ich dich beim Tanz so blamiert habe?“ Ich wurde rot.
Der junge Mann nickte. „Weißt du, eigentlich hasse ich Tanzen, aber ich dachte du wolltest vielleicht gerne…“
Im nächsten Moment lachten wir beide aus vollem Hals. Da waren wir ja einem gründlichen Missverständnis aufgesessen. Wir bekamen uns erst wieder in den Griff, als von drinnen Mélisses Stimme erklang, nun hatten wir es auch noch geschafft, die arme Frau aufzuwecken.
Olivier gab mir einen scheuen Kuss auf die Wange. „Gute Nacht, ma chére Anne. Träum süß.“
„Du auch…“, murmelte ich gerade noch verlegen, ehe er sein Pferd antrieb und der Wagen leise davon ratterte. Gedankenverloren berührte ich mit den Fingern die Stelle, an der sich seine weichen Lippen vorhin noch befunden hatten.

Auf den Frühling folgte ein ungewöhnlich heißer Sommer. Die Ernten fielen schlecht aus und die meisten Lebensmittel wurden so teuer, dass viele Mägen leer blieben. Mélisse nahm nicht mehr viel ein, weil die Leute ihr Geld brauchten, um Essen zu kaufen. Also mussten auch wir unsere Gürtel enger schnüren. Obwohl wir oft nicht satt wurden, war die alte Schneiderin stets darauf bedacht, dass auch ihre kleine Stute Fleurette ausreichend versorgt war.
Manchmal brachte Olivier Brot, Gemüse, oder etwas Fleisch vorbei. Seine Familie war reich, alle hatten genug zu essen, sodass es gar nicht auffiel, wenn ein wenig aus der Speisekammer fehlte. Zu meinem siebzehnten Geburtstag überraschte mich Mélisse trotz aller Not mit einem herrlichen Dîner. Doch das schönste Geschenk war Oliviers Anwesenheit. Die beiden waren meine Freunde und meine Familie zugleich, und so lange wir füreinander da waren, würden wir auch die härtesten Zeiten überwinden.

Ich irrte mich. Wieder einmal. Im Winter wurde Mélisse erneut krank. Sie war nach dem Fieber des vergangenen Jahres nie wieder bei ihren vollen Kräften gewesen und der entbehrungsreiche Sommer tat das Übrige. In einer frostigen Januarnacht ging es zu Ende. Ich saß bei ihr am Bett, kühlte, wie so oft ihre heiße Stirn mit einem nassen Lappen, als sie ihre Hand auf meine legte, damit ich inne hielt.
„Der Herr ruft mich zu sich…“, murmelte die alte Frau schwach. „Anne, bitte kümmere dich gut um meine treue Fleurette. Sorge dafür, dass sie einen schönen Lebensabend erhält, das hat sie verdient.“
Vorsichtig nahm ich Mélisses magere Hand in die meine. „Was redet Ihr denn da? Ihr werdet wieder gesund, das weiß ich…“
Doch sie schüttelte kaum merklich den Kopf. „Nein… Ich hatte ein langes Leben, und nun ist es Zeit, zu gehen.“ Ihre Stimme wurde immer leiser. „Höre niemals auf zu hoffen, Anne. Die Hoffnung ist das Licht, das dich aus der Dunkelheit führt… vergiss das nie, hörst du…“

Zitternd vor Kummer und Kälte sah ich dabei zu, wie der schlichte Sarg in sein einsames Grab hinab gelassen wurde. Tränen liefen meine Wangen hinab. Ich wollte nicht glauben, dass sie tot war. Mein Leben lag erneut in Scherben. Die Schneiderei konnte ich mit meinen Fähigkeiten nicht weiter führen, so blieb mir nichts, als anderswo mein Glück zu versuchen. Der Gedanke Olivier zu verlassen, schnürte mir die Kehle zu. Ich liebte ihn mehr als mein Leben und das war auch ein Grund, warum ich gehen musste. Er verdiente etwas Besseres als mich.
Vor dem offenen Grab standen Mélisses Töchter, die gekommen waren, um sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Oder vielleicht auch nur, um den Nachlass zu regeln. Der Verkauf des Hauses und des Grundstücks würde gutes Geld geben.
Eine andere Gestalt erweckte jäh meine Aufmerksamkeit. Olivier trat an mich heran und nahm mich in die Arme. Ich lehnte mich unendlich dankbar an ihn, weinte leise in seine Brust. Dass er mich schließlich von dem kleinen Friedhof fort zog, merkte ich kaum.

„Meine arme Anne…“, er strich mir tröstend über das Haar. „Ich wünschte, ich könnte dir den Schmerz irgendwie nehmen.“
Mir fehlte schlicht die Kraft ihm eine Antwort zu geben. Ein erneutes Schluchzen schüttelte mich, nur langsam gewann ich meine Fassung zurück. „Würdest du mir einen großen Gefallen tun?“
Er nickte leicht. „Jeden. Was möchtest du?“
„Nimm Fleurette mit in deine Ställe und kümmere dich um sie. Bei dir weiß ich sie gut versorgt, wenn ich weiter ziehe.“ Traurig wandte ich meinen Blick von ihm ab.
„Ich möchte nicht, dass du gehst.“ Olivier ergriff mich am Arm, als wolle er mich dadurch bei sich halten. „Wohin willst du denn überhaupt?“
Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Was soll ich denn noch hier? Mélisses Arbeit kann ich nicht übernehmen, das weißt du doch.“
„Bitte bleib...“ Seine Stimme hatte einen beinahe verzweifelten Klang. „Ich will nicht mehr ohne dich leben. Bleib bei mir als meine Frau!“

Hatte ich gerade richtig gehört? Ich traute meinen Ohren nicht. Im nächsten Moment kniete er sich vor mich, nahm meine Hand und drückte sie sanft.
„Ich liebe dich, Anne. Möchtest du meine Frau werden?“
Als Antwort fiel ich ihm stürmisch um den Hals. „Ja, Olivier, mehr als alles Andere auf der Welt!“ murmelte ich in die Umarmung hinein.
Mit einem Lächeln schob er mich ein Stück von sich, um mich zärtlich zu küssen. Ich wusste nicht, wie mir geschah, es war einfach zu viel auf einmal. Der Gedanke, dass wir nun verlobt waren, erschien mir so unwirklich. Es würde noch Zeit brauchen, bis ich begriff, dass dies tatsächlich geschehen war.

Am selben Abend saß ich nervös neben Olivier im großen Speiseraum des gräflichen Anwesens. Der Tisch war viel reicher gedeckt, als ich es noch aus meinem Elternhaus in Erinnerung hatte. Da gab es Köstlichkeiten, deren Namen ich noch nie zuvor gehört hatte, und auch Manches, das es bei uns an besonderen Tagen, etwa dem Geburtstag meines Vaters gegeben hatte, so wie Escargots.
Mit uns dinierten die Eltern des jungen Grafen, sowie sein Bruder Silvain, diesmal ohne die blonde Schönheit vom Fest. Dieser warf mir immer wieder abschätzige Blicke zu, während Henri und Clémentine de la Fére auf meine Anwesenheit eher verwundert reagierten. Sie hatten keine Ahnung, dass ich bald zur Familie gehören würde.
Nach dem Essen erhob sich Olivier und begann zu sprechen, sobald er die ungeteilte Aufmerksamkeit der Anwesenden hatte. „Mama, Papa, Silvain, es gibt Neuigkeiten zu verkünden“, begann er, bestimmt kaum weniger nervös. „Ich habe Anne heute um ihre Hand gebeten. Wir werden heiraten.“
Seine Eltern fielen aus allen Wolken. Zwar sprachen sie ihre Glückwünsche aus, doch ihre Ablehnung war offensichtlich. Als Mélisses fleißige Gehilfin hatten sie mich vielleicht noch gemocht, aber als Gemahlin ihres Sohnes, und damit Gräfin de la Fére war ich freilich nicht gut genug.

„Sie sind nicht damit einverstanden, dass du mich heiraten willst“, sagte ich schließlich, als wir wenig später auf dem Weg zum gemütlichen Salon einen Augenblick für uns hatten.
Olivier zuckte mit den Schultern. „Ich denke, sie müssen sich nur an den Gedanken gewöhnen, wir haben sie damit ziemlich überrascht.“
Ein Seufzen entkam mir. „Es ist mehr als das. Sie wollen mich nicht als deine Frau, weil ich nicht deinem Stand entspreche. Mélisse hat mich auf der Straße aufgelesen, du weißt das. Ohne ihr warmes Herz wäre ich jetzt wahrscheinlich gar nicht mehr am Leben…“
„Die Vergangenheit ist mir egal. Wichtig ist, dass du jetzt bei mir bist.“ Er nahm mein Gesicht zwischen die Hände, damit ich ihn ansehen musste. „Ich liebe dich, und meine Eltern werden das akzeptieren müssen, ob es ihnen gefällt oder nicht.“ Bevor ich noch etwas sagen konnte, küsste er mich innig.

Vielleicht fragte er nicht nach meiner Herkunft, doch ich war überzeugt davon, dass seine Familie das früher oder später tun würde. Das Brandmal an meiner Schulter sollte niemals jemand zu Gesicht bekommen, nicht einmal Olivier. Auch wenn ich es ungerechtfertigt erhalten hatte, war das Zeichen einer Hure etwas Anderes, als nur ohne Hab und Gut dazustehen. Darüber würde er bei all seiner Liebe zu mir nicht hinweg sehen können.
Olivier wurde von seinem Vater in den Salon gewiesen, während seine Mutter mich zurück hielt, als ich ihm folgen wollte.
„Lassen wir die beiden Herren in Ruhe miteinander reden“, meinte sie. „Komm, wir genehmigen uns einstweilen eine heiße Tasse Tee.“
Wohl oder übel musste ich mit ihr gehen. Im nächsten Moment, kaum dass ich mich umgedreht hatte, ertönte durch die geschlossene Tür die Stimme des alten Grafen, der seinen Sohn zurecht wies, ob er den Verstand verloren hatte, ein hergelaufenes Mädel ohne jedwede adlige Abstammung zur Frau nehmen zu wollen.

„Er meint es nicht so“, sagte Clementine de la Fére leise, als wir die geräumige Küche erreichten. Schweigend setzte ich mich zu ihr an den Tisch, an dem normalerweise die Dienstboten aßen. Was hätte ich auch sagen sollen, es war mir deutlich gemacht worden, dass ich nicht erwünscht war.
Oliviers Mutter legte unschlüssig die Hand auf meine Schulter, was mich aus meinen Gedanken riss. „Die Nachricht hat uns sehr überrascht, verstehst du? Wir hatten keine Ahnung, dass unser Sohn sich in nächster Zeit zu vermählen gedenkt, nachdem er es damit bisher nicht sehr eilig zu haben schien.“
Sie unterbrach sich, als das Dienstmädchen vor uns eine kleine Kanne mit aromatischem Kräutertee auf den Tisch stellte. Dankbar nippte ich an meiner Tasse, doch mir wollte einfach nicht richtig warm werden.
„Es ist nicht leicht, die Kinder, die man Jahre lang umsorgt hat, los zu lassen, wenn sie erwachsen werden. Und jetzt, mit dieser Verlobung verlässt er endgültig das Nest. Da wüssten wir ihn natürlich gern in den besten Händen. Aber Henri vergisst dabei, dass eine gute Abstammung nicht das Wichtigste ist. Ich möchte, dass Olivier glücklich ist, und ich glaube ich wäre mir dessen einfach sicherer, wenn ich mehr über seine Zukünftige wüsste…“
Zögerlich berichtete ich ihr von meiner Flucht wenige Tage, bevor ich in eine Ehe verkauft werden sollte, in der ich wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Meine Mutter irrte sich, ich hätte niemals gelernt, Raymond zu lieben. Damals war ich sicher gewesen, dass es mehr gab, als an seiner Seite zu enden. Und das war Olivier. Ihn zu lieben musste ich nicht erst lernen.
Zuletzt geändert von Sisi Silberträne am 15.08.2007, 22:21:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Kitti » 15.08.2007, 20:42:26

Juhu, Erste... Ich fühle mich geehrt, dass ich dieses Kapitel vorhin Korrekur lesen durfte. Als müsste man bei deinen Stories viel korrigieren... ;) Auch dieses Kapitel ist wieder super, ein toller Mix aus wunderschönen und sehr traurigen Szenen, die Drama-Queen hat wieder zugeschlagen! Olivier ist immer noch so toll beschrieben... Bin umso gespannter, was später passieren wird!

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Beitragvon Coco » 15.08.2007, 21:18:07

Muss Kitti da voll und ganz zustimmen.
Wieder ein super Kapitel. Ich hoffe nur für dich, dass du es den anderen bei dir im Forum nicht vorenthälst 8) .
Annes Gefühle hast du auch wieder ganz toll beschrieben. Das ganze Kapitel läuft eigentlich wie ein Film vor einem ab, wenn man es liest.
Hoffe du schreibst ganz schnell weiter :D

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Beitragvon ChristineDaae » 22.08.2007, 17:27:20

Ich kann meinen Vorrednerinnen nur zustimmen :) Der neue Teil ist wirklich wieder toll geschrieben! Bitte schnell weiter :)
Freue dich, wenn es regnet – wenn du dich nicht freust, regnet es auch.
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Beitragvon Marie Antoinette » 25.08.2007, 14:14:15

Ich schließ mich den anderen auch wieder an - wieder ein schöner Teil... Aber auch wieder traurig, weil Mèlisse gestorben ist... *träne wegwisch* :cry:

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Beitragvon Sisi Silberträne » 01.12.2007, 22:43:04

Danke für eure Kommis =) Waaaahhh ich hab es tatsächlich geschafft Kap 13 zu fertig zu schreiben, jay me! *gg* Euch viel Spaß beim Lesen :)


Kapitel 13


Wir heirateten an einem der ersten warmen Tage im März, ich konnte mich nicht erinnern jemals mehr Glück empfunden zu haben. Die Trauungszeremonie fand im Garten des Anwesens de la Fére statt, sogar das Wetter hatte Einsehen mit uns. In den Abendstunden begann es allerdings zu regnen, weswegen sich die Feierlichkeiten ins Haus verlagerten.
Ich war so froh endlich einen Moment allein mit Olivier zu haben, unter den vielen mir unbekannten Augenpaaren, hatte ich mich nicht sehr wohl gefühlt. Die Gäste gehörten allesamt seiner Familie an, einige mochten sehr weit entfernte Verwandte sein. Eines war ihnen jedoch gemeinsam. Für sie war ich nur ein hergelaufenes Mädel, das sich in eine wohlhabende Familie zu drängen versuchte. Ich merkte ganz genau, wie sie mich ansahen. Bestimmt zerrissen sie sich hinter meinem Rücken ihre großen Mäuler über mich.

„Bitte wart…“, flüsterte ich, und fasste nach Oliviers Arm, als er ebenfalls ins Haus gehen wollte. „Lass uns noch hier bleiben.“
Er zog verwundert die Augenbraue hoch. „Aber wir werden ganz nass… die schönen Gewänder.“
Schnell stellte ich mich vor ihn, um ihm den Weg zu versperren, und blickte zu ihm auf. „Bitte… nur ein paar Minuten.“
Offenbar konnte er meinem Lächeln am Ende doch nicht widerstehen. Wir zogen die Schuhe aus und liefen lachend durch das nasse Gras bis ans hintere Ende des Gartens. Erst bei dem kleinen Zierteich blieb er stehen. Ich schaffte es nicht mehr anzuhalten, auf dem feuchten Untergrund schlitterte ich gegen ihn, und wir landeten beide in der Wiese. Er auf dem Rücken, ich bäuchlings auf ihm. Das war mir so peinlich! Doch er ließ mich nicht zurück weichen, sondern hielt sanft meine Handgelenke fest, und gab mir einen zärtlichen Kuss.

„Ich liebe dich, Anne de la Fére“, flüsterte er.
Anne de la Fére. Das war tatsächlich ich! Immer noch konnte ich es kaum fassen, dass ich jetzt Oliviers Frau war. Endlich gab es einen Platz, an den ich gehörte. Ich beugte mich zu ihm herunter, um ihn meinerseits zu küssen. Mein nasses Haar fiel auf sein Gesicht, den Regen hatte ich mittlerweile völlig vergessen.
Schließlich richtete er sich auf und wollte den Spieß umdrehen. Doch als er über mir war, fühlte ich mich jäh an den Abend bei Monsieur Dominic erinnert, ich wich erschrocken zurück.
„Anne, was ist denn los?“ wollte er irritiert wissen. „Ich wollte nicht… es tut mir leid, entschuldige.“
Schuldbewusst sah ich ihn an, mir tat es leid so zu reagieren. „Schon gut… ich glaube langsam friere ich doch ein wenig.“
Er nickte. „Dann gehen wir schnell hinein, ich möchte ja nicht, dass du dich erkältest.“ Bevor ich etwas erwidern konnte, hatte er mich auf seine Arme gehoben und trug mich zum Haus. Ich hielt mich an ihm fest, bei ihm fühlte ich mich sicher. Ich nahm mir vor nicht mehr an Vergangenes zu denken.

Erst in seinem, jetzt unserem Gemach ließ er mich herab. Ich war bisher nur einmal hier gewesen, es kam mir größer vor als in meiner Erinnerung. Wenn draußen die Sonne schien, war der Raum lichtdurchflutet und strahlte Wärme aus.
„Ich komme gleich wieder. Und du solltest zusehen, dass du aus den nassen Sachen raus kommst.“ Er berührte zärtlich meine Hand, dann ließ er mich allein. Wohin er wohl ging?
Kurz darauf erfuhr ich es. Er hatte eine Flasche des guten Schaumweins und zwei Gläser geholt. Als er mich mit erhobener Augenbraue musterte, wurde ich mir wieder dessen bewusst, dass ich immer noch mein durchnässtes Kleid trug. Olivier war allerdings auch nicht wesentlich trockener, weswegen er wollene Überdecken aus dem Schrank nahm, in eine hüllte er sich selbst, die andere reichte er mir. Das war schon viel besser.

„So, bitte sehr.“ Er gab mir eins der beiden Gläser, die er gerade mit Schaumwein gefüllt hatte. „Auf uns, und eine lange glückliche Ehe.“
Das helle Klirren des Anstoßens hallte lange in meinen Ohren nach. Ich hatte nur wenig getrunken, als wir unsere Gläser zur Seite stellten, und er mich innig küsste. Seine Arme umfassten meine Taille, er zog mich näher zu sich heran. Seine zärtlichen Berührungen fühlten sich gut an, doch gleichzeitig verstärkten sie meine Unsicherheit. Ich kam mir so dumm und unwissend vor, weil ich im Grunde nicht wusste, was er von mir erwartete. Darum ließ ich ihn einfach gewähren.
Bald lagen unsere warmen Decken achtlos neben dem Bett auf dem Boden, und er machte sich reichlich ungeschickt an den Bändern meines Kleides, mit denen auch ich selbst meine Probleme gehabt hatte, zu schaffen. Doch ich konnte mich darüber nicht amüsieren, mir war schlagartig etwas eingefallen. Wenn er mir auch noch die Unterwäsche auszog, würde er die verfluchte Lilie entdecken.

Rasch griff ich nach seinen Händen, um ihn daran zu hindern den Erkundungszug über meinen Körper fortzusetzen. Er sah mich irritiert an.
„Warte…“, bat ich ihn nur, löste mich aus seinen Armen und trat vor die großen Fenster, um die Vorhänge zuzuziehen. Draußen lag der Garten bereits in gespenstischem Dunkel. Nachdem ich auch noch jedes Licht im Raum ausgelöscht hatte, war es so finster, dass ich kaum den Weg zurück zum Bett fand.
Dann spürte ich wieder seine Gegenwart dicht bei mir. Auch ohne ihn zu sehen, erahnte ich, dass meine Aktion ihn wohl sehr verwirrt hatte. Das konnte ich ihm auch nicht verübeln. Eine Hand tastete nach der meinen.
„Aber Anne, was soll das denn?“ fragte er leise. „Ich möchte dich sehen.“
Ich strich zärtlich über seine Wange. „Bitte, lass es gut sein… für heute.“ Als ich ihn küsste, widersprach er nicht mehr. Bald darauf waren wir beide entkleidet. Auch wenn er mich gar nicht sehen konnte, war es ein eigentümliches Gefühl, das erste Mal völlig nackt vor einem Mann zu liegen.
Olivier war sehr behutsam, doch als er schließlich über mich glitt, bekam ich es mit der Angst zu tun. Mein erster körperlicher Kontakt mit einem Mann hatte mit Liebe nichts zu tun gehabt. Die Furcht war noch in mir, obwohl ich wusste, dass er mir niemals weh tun würde.

Ich lag noch lange wach in dieser Nacht, während Olivier neben mir schon schlief. Sein tiefes Atmen hatte etwas Beruhigendes an sich, es ließ mich nicht vergessen, dass er bei mir war. Die Lilie hatte er nicht gefunden, aber seine Finger hatten auf den tiefen Narben inne gehalten, die meinen Rücken zierten, da wo mein Vater mich mit dem Lederriemen verprügelt hatte, bis ich blutete.
Am nächsten Tag fragte er mich nach diesen Narben, wie ich es befürchtete. Meine Antwort fiel nur knapp aus, ich wollte nicht darüber sprechen, sondern die Vergangenheit ein für alle Mal hinter mir lassen. Nichts davon war wichtig, es zählte nur, dass ich jetzt an Oliviers Seite leben durfte, und endlich glücklichere Tage begonnen hatten.
Doch in meinen Albträumen erlebte ich alles immer und immer wieder, ohne dass ich es hätte beeinflussen können. Nicht selten wachte ich schreiend, schwitzend und um mich schlagend auf, um mich dann in den Schlaf zu weinen. Olivier stellte Fragen, die ich ihm nicht zu beantworten vermochte. Vielleicht ahnte er schon damals etwas, dessen bin ich bis heute nicht sicher.

Die Nächte waren eine Sache, die Tage eine ganz andere. Ich war nun die Gräfin de la Fére, daran musste ich mich erst gewöhnen, ebenso wie die übrigen Bewohner des Anwesens. Den vielen Anforderungen zu genügen, die an mich gerichtet wurden, war nicht leicht, es gab vieles, das ich beachten musste. Ich gab mir alle Mühe mich richtig zu verhalten, um Olivier nicht zu blamieren. Es gelang weiß Gott nicht immer.
Die Dienstboten sprangen, wenn ich sie nur ansah, diese Aufmerksamkeit war mir so unangenehm. Zwar entstammte ich einer adligen Familie, aber ich hatte trotzdem gelernt die Dinge selbst zu erledigen. Dieser neue Titel mochte mein Leben von Grund auf verändern, doch niemals meine Persönlichkeit.
Zur Verwunderung der Stallburschen ließ ich es mir auch nicht nehmen, mich jeden Tag um Mélisses kleine Stute zu kümmern, sie zu füttern und zu bürsten. Schließlich hatte ich der alten Frau mein Wort gegeben. Das würde ich nicht brechen, sollten mich Oliviers Eltern noch so tadelnd ansehen, wenn ich morgens nach Pferd riechend wieder einmal zu spät zum Frühstück erschien.
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Beitragvon Coco » 01.12.2007, 22:53:07

Tja, was soll ich sagen... 8)

Finds wieder ein tolles Kapitel. Alles super beschrieben, so dass man sich wieder richtig gut hineinversetzen kann :D

*flüster* Das nächste Mal markier ich dann auch bunt :lol: Allerdings gibbet ja kaum was bei dir zu Korrigieren :wink:

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Beitragvon Marie Antoinette » 02.12.2007, 12:20:02

Toll, endlich eine neue Fortsetzung! *freu* :)

Ist wie immer sehr schön geworden. Bin schon gespannt wie es weitergeht. *anfeuer*

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Beitragvon ChristineDaae » 02.12.2007, 17:21:10

Ich finde die neue Fortsetzung auch super! :D Bitte schreib schnell weiter... :D
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Beitragvon Sisi Silberträne » 31.12.2007, 01:22:22

Dieses Mal hats nicht so lang gedauert... aber ist wieder nicht so lang geworden -.- Immerhin habe ich damit endlich die 20.000 Wörter geknackt *freu* viel Spaß beim Lesen =)

Coco> diesmal waren ja doch ein paar Schnitzer drin, und die farbigen Markierungen waren sehr hilfreich :D



Kapitel 14


Aus dem einen Mal, dass wir uns in unserer Hochzeitsnacht im Dunkeln liebten, waren viele weitere Nächte geworden. Irgendwann hatte er aufgehört, nach dem Grund zu fragen. Solange er die Lilie nicht entdeckte, war alles gut. Nach und nach kam ich mit dem Leben als Gräfin immer besser zurecht. Oliviers Mutter gewann ich lieb, und auch sein Vater schien sich damit abzufinden, dass sein ältester Sohn so weit unter seinem Stand geheiratet hatte. Ich gab mein Bestes ihnen eine gute Schwiegertochter zu sein, wenn auch nicht die, die sie sich gewünscht hatten.
Nur Silvain, dem Jüngeren der de la Fére Sprösslinge ging ich so weit mir möglich aus dem Weg. Bei den Familienessen fehlte er zum Glück oft, da die Belange der Grafschaft nicht ihm oblagen, konnte er sich ein lockeres Leben leisten, ohne sich um viel kümmern zu müssen. Der Neid auf die Position seines Bruders war sehr offensichtlich. Wenn wir uns begegneten, ließ er nie eine Gelegenheit aus, mir zu zeigen, was er von mir hielt. In seinen Augen gehörte ich nicht hierher. Er hatte mir ja seine Vermutung, ich wäre nur hinter dem Geld Oliviers her, bereits deutlich gemacht. Offenbar wollte er gar nicht vom Gegenteil überzeugt werden. Und Olivier tat es als Einbildung hab, wenn ich ihn darauf hinwies, dass sein Bruder mich nicht mochte. Ich hatte den Eindruck, ihm fiel Silvains Missgunst nicht auf, weil er den Gedanken einfach nicht in Erwägung zog, er könnte solche Gefühle hegen. Aber vielleicht hatte er recht, und ich bildete es mir ja wirklich nur ein.

Eines Morgens, als ich auf dem Weg zur Küche war, um für Fleurette einen Apfel oder eine Karotte zu stibitzen, sah ich Silvain eilig vor mir in einen Gang biegen. Es war auch mein Weg, und gerade noch bekam ich mit, wie er eines der Dienstmädchen umrannte, das ein Tablett voller Buttercroissants trug. Das Gebäck fiel auf den Boden.
„Du dummes Ding, kannst du nicht aufpassen, wo du hinrennst?“ schalt er das verschüchterte Mädchen und versetzte ihm eine Ohrfeige. Was für eine Unverschämtheit, ich hatte genau gesehen, dass es seine Schuld gewesen war. Doch ehe ich ihm das sagen konnte, war er durch eine Tür verschwunden.
„Es tut mir so leid, mein Herr, bitte vergebt mir“, wimmerte das Mädchen, während es damit beschäftigt war, die Croissants aufzuheben, vermutlich in der Annahme, ich sei Silvain.
Ich berührte es behutsam am Arm. „Ist schon gut, Bérénice. Du hast nichts falsch gemacht“, sagte ich sanft zu ihr, und half ihr dabei das verstreute Gebäck einzusammeln.
Überrascht musterte sie mich. „Oh, Ihr seid es, Comtesse…“ Sie wurde noch hektischer, sodass sie ein Croissant wieder fallen ließ. Ich nahm es, ehe sie danach griff, um es auf das Tablett zu legen.
„Kommt so etwas öfter vor?“
„Ja… nein, der junge Herr ist sicher nur schlecht gelaunt“, antwortete Bérénice verschüchtert. Sie hatte vermutlich Hemmungen schlecht über Silvain zu sprechen, was ich gut verstehen konnte. Schnell hob ich das letzte Croissant auf.
„So, das wäre geschafft. Ich werde mit Olivier darüber reden, er hat immer noch großen Einfluss auf seinen Bruder.“
Sie sah mich plötzlich erschrocken an. „Bitte nicht… er wird denken, ich hätte etwas gegen ihn gesagt.“
Verständnisvoll nickte ich. Einfach vergessen wollte ich die Angelegenheit jedoch nicht. Ich beschloss selbst mit ihm zu reden, und ihm die Wahrheit zu sagen, dass ich den Vorfall zufällig mitangesehen hatte.
„Ich danke Euch sehr, Comtesse“, murmelte das Mädchen scheu und lächelte. „Es… es ist gut, dass Ihr hier bei uns seid.“
Diese Aussage freute mich. Bérénice war die Jüngste der Dienstboten des Anwesens, sie konnte nicht älter als ich sein, bisher hatte ich sie nie gefragt. Ich mochte sie. Zwischen uns hatte es schon die ein oder andere amüsante Begegnung gegeben, wenn sie verwundert war, dass ich viele Dinge selbst erledigte, und keine Scheu davor hatte, mir die Hände schmutzig zu machen.

Als das Mädchen gegangen war, holte ich schnell zwei Karotten aus der Küche und lief in den Stall. Wie es der Zufall wollte, kam mir dort Silvain entgegen, der gerade seinen Hengst aus der Box geholt hatte.
„Comtesse“, sagte er knapp und mit deutlichem Hohn in der Stimme.
Eigentlich wollte ich sämtliche Begegnungen mit ihm möglichst kurz halten, doch ich erinnerte mich meines Vorsatzes. „Silvain, wartet. Ich hätte gerne mit Euch gesprochen.“
Er wandte sich um, sah mich mit erhobenen Augenbrauen an. „Ja bitte, Ihr wünscht, Madame?“
Seine herablassende Art mit mir zu sprechen, ärgerte mich jedes Mal aufs Neue. Ich riss mich zusammen, erwähnte den Vorfall, dessen Zeugin ich geworden war, und wartete ab, was er zu sagen hatte. Er zuckte jedoch nur gleichgültig mit den Schultern, ich musste meine Wut schwer hinunter schlucken.
„Ich möchte Euch dringend ersuchen, Euren Ärger in Zukunft nicht mehr an den Dienstboten auszulassen, und hoffe, dass etwas Derartiges nicht wieder vorkommt.“
„Sonst was?“ Er lachte verächtlich. „Willst du mich aus dem Haus meiner Familie werfen? Das möchte ich sehen… Ich gehörte hierher, und nicht du!“
Erneut musste ich mich sehr zusammen nehmen, ich biss mir ärgerlich auf die Lippen, und bemühte mich, mir keine Unsicherheiten anmerken zu lassen. Darauf wartete er nur.
„Das habe ich gewiss nicht vor, Monsieur.“ Das letzte Wort betonte ich besonders. „Doch ebenso gedenke ich mich von Euch nicht vertreiben zu lassen, Ihr versteht das sicher. Und ich glaube meinem Mann würde es nicht sehr gefallen, sollte er erfahren, dass dies Euer Wunsch ist… ich hoffe Ihr werdet über meine Bitte nachdenken. Au revoir, Monsieur.“
Bevor er noch etwas erwidern konnte, verschwand ich in Fleurettes Box, und holte die Stute heraus, sobald er mit seinem Pferd den Stall verlassen hatte. Nachdenklich striegelte ich sie.

Ich war so in meinen Überlegungen versunken, dass ich nicht merkte, wie jemand herein kam, bis ein Arm sich sanft um meine Taille legte. Ich erschrak, aber im nächsten Moment erkannte ich bereits Olivier „Da bist du ja, habe ich es mir doch gedacht.“ Sein Ton war ein wenig vorwurfsvoll. „Wir haben dich beim Frühstück vermisst.“
Ich riss die Augen auf. „Oh! Ist es schon so spät? Das tut mir leid, ich habe überhaupt nicht auf die Zeit geachtet.“
Er lachte leise. „Ist schon gut. Ich habe meinen Eltern gesagt, dass du dich nicht gut fühlst, und keinen Hunger hast.“ Er tätschelte die kleine Stute am Hals. „Bemerkenswert, mit welcher Hingabe du dich um das Tier kümmerst. Was hältst du davon, wenn ich dir das Reiten beibringe? Es ist gar nicht schwer, du wirst sehen.“
„Du willst das tun? Wirklich? Aber du musst dich doch um vieles andere kümmern…“ Ein wenig unsicher sah ich ihn an.
Olivier nickte. „Natürlich, sehr gerne sogar. Es gibt nichts, das mir wichtiger wäre als du. Am besten fangen wir so bald wie möglich an. Wenn du möchtest.“

Und wie ich wollte! Es war Zeit, die ich mit ihm verbringen konnte. Mit ihm allein, und ich genoss es. Schon bald konnte ich die alte Fleurette reiten und Olivier gab mir ein jüngeres temperamentvolleres Pferd. An meinem achtzehnten Geburtstag ritten wir um die Wette durch den Wald. Ich hatte mich niemals freier gefühlt. Mit ihm konnte ich stundenlang auf dem Pferderücken die Natur durchstreifen.
Die Zeit floss weiter, der Winter hüllte die Landschaft in das helle Weiß, das ich so liebte, und ehe ich mich versah, waren wir bereits ein halbes Jahr verheiratet. Kürzlich hatte Olivier mit mir über Kinder gesprochen. Ich hatte mich bisher noch nicht mit dem Gedanken getragen Mutter zu werden. Es war eine schöne Vorstellung, aber auch eine, die mir ein wenig Angst machte. Es war die Pflicht einer guten Ehefrau ihrem Mann Nachwuchs zu schenken. Was wenn ich versagte? Was wenn ich nach dem, was Monsieur Dominic mir angetan hatte, nicht mehr in der Lage war, ein Kind zu bekommen? Würde Olivier mich trotzdem noch lieben?
Zuletzt geändert von Sisi Silberträne am 31.12.2007, 02:14:44, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon Coco » 31.12.2007, 01:25:12

Och... es ging wohl. Das letzte Mal musste ja irgendwie ausgeglichen werden :P Ich glaub ein paar Sachen hab ich sogar vergessen zu markieren :oops:


Naja, wie dem auch sei. Das Kapitel find ich wieder tol, aber hab ich dir ja schon gesagt ^^
Aber Silvain ist so ein Fiesling -.- , solte der irgendwann noch schlimmer werden, leihe ich ihn mir mal liebend gerne aus :twisted:

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Beitragvon ChristineDaae » 31.12.2007, 12:11:45

Schön, ein neues Kapitel! :) Gefällt mir sehr gut. Dieser Silvain ist wirklich ein Fiesling, die arme Bérénice... :(
Bitte schnell weiter! :D
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Beitragvon Kitti » 31.12.2007, 13:54:14

Sorry, dass ich das 13. Kapitel noch nicht kommentiert hatte. War keine Absicht. Beide Teile sind sehr schön, aber ich glaube, dass Silvain noch etwas viel Schlimmeres als ein paar herablassende Worte planen könnte. Es bleibt also, wie immer, spannend! Schreib bitte bald weiter!! :D
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Beitragvon Marie Antoinette » 01.01.2008, 18:47:12

Eine schöne neue Fortsetzung, Sisi! :)

Aber dieser Silvain... hast du zufällig irgendwo noch eine Holzprügel, mit dem man den verhauen könnte? :wink: So ein unsympathscher Typ...

Bin mal gespannt wie es weitergeht... hab da so eine Vermutung...

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Beitragvon Sisi Silberträne » 09.01.2008, 15:47:36

Hier kommt schon das nächste Kapitel, und es kommt wie es kommen muss... viel Spaß beim Lesen :D *und eine Runde Holzprügel ausgeb*


Kapitel 15


An einem besonders schwülen Augusttag starb Fleurette, ich fand sie tot auf der Weide. Ihr altes Herz hatte einfach aufgehört zu schlagen. Ein allerletztes Mal strich ich behutsam über ihre weichen Nüstern und lehnte den Kopf an ihren Hals. Doch jetzt waren keine gleichmäßigen Atemzüge mehr zu spüren. Tränen liefen meine Wangen hinab. Die kleine Stute war zu Mélisse gegangen. Als einer der Stallburschen dazu stieß, rannte ich über den Hof zu den Stallungen, um den Wallach zu holen, den ich meistens ritt, wenn ich zusammen mit Olivier unterwegs war.
Es war ein hübscher temperamentvoller Winterrappe namens Ténèbres. Mit tränenverschleiertem Blick trieb ich ihn zum Galopp einen Waldweg entlang. Stundenlang ritt ich ziellos umher, bis meine Gedanken ein wenig klarer wurden. Durch Fleurette war ein Teil Mélisses immer noch bei mir geblieben, ihre Anwesenheit hatte mir Trost gespendet, aber nun war auch sie fort. Dass dieses Unglück nur der Vorbote für viel mehr war, ahnte ich weiß Gott nicht.

Dieser Tage hatte Olivier viel zu tun und ich ritt oft allein mit Ténèbres aus, obwohl er wiederholt sein Missfallen kundtat. Gerne hielt ich dabei an einer sonnigen Stelle am Flussufer Rast, ließ den Wallach grasen und genoss für eine Weile das warme Wetter, sowie die Geräusche und Gerüche. Doch als ich an diesem Nachmittag in der Wiese liegend vor mich hin döste, mischte sich Hufgetrappel unter das Zwitschern der Vögel. Erstaunt öffnete ich die Augen und sah Olivier zusammen mit Silvain auf mich zukommen. Auch das noch. Die beiden parierten ihre Pferde durch, als sie mich erreichten und stiegen ab.
Olivier schloss mich in seine Arme, er war ausgesprochen guter Dinge. „Anne, Liebes, wie schön dich zu sehen. Ich wollte gern mit dir ausreiten, aber du warst schon weg. Im Stall habe ich dann Silvain getroffen und wir sind gemeinsam aufgebrochen.“
„Entschuldige bitte, ich habe nicht geahnt, dass du heute Zeit hast“, antwortete ich ein wenig verlegen.
„Na ich werde noch einmal darüber hinweg sehen“, Er grinste schelmisch. „Aber nur, wenn wir jetzt zusammen zurück reiten. Du könntest meinen Bruder ein wenig in seine Schranken weisen. Die alte Eiche ist das Ziel, bist du dabei?“
Silvains durchbohrte mich mit einem drohenden Blick, als ich wortlos nickte. Meinem Gemahl eine Abfuhr erteilen konnte ich schlecht. Für den Rest unserer Rast schwieg ich die meiste Zeit, wartete nur bis Olivier den Rückweg antreten wollte. Nach einer Weile verkündete sein Bruder, er habe die Pferde bereits fertig gemacht und wir schwangen uns in die Sättel.
Beim Wettreiten im schnellen Galopp dachte ich nicht mehr an Silvain und seine Abneigung, ich versuchte alles um ihn zu schlagen. Fast hatte ich es auch geschafft, Ténèbres war schneller denn je, doch dann löste sich der Sattel unter mir. Mein Wallach strauchelte und ich sah nur noch den Boden auf mich zukommen. Hart schlug ich gegen einen im Unterholz verborgenen Stein, die Luft blieb mir weg.
Olivier rief meinen Namen, doch ich vermochte ihm nicht zu antworten. Kurz darauf erschien sein besorgtes Gesicht über mir. Ich keuchte im Versuch Atem zu holen.
„Ganz ruhig, Anne“, sagte er sanft. „Gleich ist es besser.“
Er zog seinen Dolch, den er immer dabei hatte und ich spürte wie die Klinge die eng geschnürten Bänder meines Kleides durchschnitt. Luft strömte in meine Lungen, ich sah wieder klarer. Doch etwas stimmte nicht, ich wusste es sofort, als Oliviers Blick mich berührte. Ich folgte ihm verwirrt, und ich begriff.
Vollkommen überrascht starrte er das Zeichen an, das in meine Schulter eingebrannt war. Was ich am meisten gefürchtet hatte, war eingetroffen. Er hatte die verfluchte Lilie in meiner Haut entdeckt.

„Silvain hatte also doch recht… ich kann nicht glauben was ich sehe“, sagte er bitter mit versteinerter Miene, während sein Bruder mich gehässig musterte.
„Ich habe nichts verbrochen, bitte glaub mir“ brach es aus mir hervor, ich wollte nach seiner Hand greifen, doch er wandte sich abrupt ab.
„Dieses Zeichen trägt nur jemand, der eines Verbrechens schuldig ist. Du hast mich von Anfang an belogen und benutzt. Mich hat die Liebe geblendet, aber mein Bruder erkannte die Wahrheit…“
Jedes seiner Worte kam einem Schlag ins Gesicht gleich. Ich wünschte fast er würde einfach zuschlagen, denn damit konnte ich umgehen. Nicht jedoch mit seinen Vorwürfen, die mir verzweifelte Tränen in die Augen trieben. Ich biss mir auf die Zunge, wollte mir diese Blöße vor Silvain nicht geben.
„Steig wieder auf dein Pferd“, zischte Olivier knapp, ohne sich noch ein einziges Mal zu mir umzudrehen. Während des gesamten Weges zurück sprachen wir nicht ein Wort. Verzweifelt hoffte ich er würde sich währenddessen beruhigen und mich doch noch anhören. Er tat nichts dergleichen, er hatte bereits seine eigenen Vorstellungen gefasst. Im gräflichen Anwesen schloss er mich in die Kammer eines der Dienstboten ein.

Die nächsten Stunden erlebte ich wie in einem der Alpträume, die mich jede Nacht peinigten. Irgendwann klickte das Schloss, die Tür schwang knarrend auf und ein Mann, den ich nicht kannte, trat in Begleitung von Silvain ein. Ich wurde abgeführt wie eine gemeine Verbrecherin, dabei hatte ich mir nichts zuschulden kommen lassen. In den Augen von Oliviers Bruder las ich den Triumph. Im Augenblick war ich außerstande etwas zu fühlen, sonst hätte wahrscheinlich Hass in mir gebrannt.
Zum zweiten Mal in meinem Leben landete ich in einer kleinen, kalten und stinkenden Gefängniszelle. Ich fühlte mich genauso verlassen wie vor etwa dreieinhalb Jahren. Damals hatte mich der junge Bursche namens Paul befreit, ich erinnerte mich gut an ihn, doch jetzt würde mir gewiss niemand helfen. Das wollte ich auch gar nicht, denn ohne Olivier war alles sinnlos, was ich mir erträumt hatte vorbei. Nicht einmal zwei Jahre lang hatte unsere Ehe gedauert. Diesen Morgen war ich noch glücklich neben ihm aufgewacht, abends einschlafen würde ich allein im kratzenden Stroh.

Am nächsten Tag kehrte jener Mann zurück, der mich abgeführt hatte, und brachte mich in einen kleinen Raum. Ich reimte mir zusammen, dass es sich um den Aufseher des Gefängnisses handeln musste.
„Du hast Besuch“, sagte er knapp. „Monsieur de la Fére hat mich um eine Unterredung mit dir ersucht.“
Mein Herz hüpfte. Hatte Olivier es sich nun überlegt und wollte in Ruhe mit mir über alles sprechen? Er war es jedoch nicht, der das Zimmer betrat, sondern sein Bruder Silvain. Mit großen Augen starrte ich ihn an
„Ich hoffe du hast gut geschlafen, Comtesse.“ Er spuckte das Wort voller Verachtung aus. „So bequem wie das Ehebett meines Bruders, in das du dich eingeschlichen hast, ist es hier fürchte ich nicht.“
Gleichgültig blickte ich an ihm vorbei an die Wand. Seine eisgrauen Augen, die sich von Oliviers sanften braunen nicht mehr unterscheiden konnten, durchbohrten mich wie ein Degenstich.
Abrupt riss er meinen Kopf in seine Richtung. „Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede. Es hätte gereicht, wenn du dir beim Sturz von dem Gaul das Genick brichst, aber so ist es umso besser. Jetzt weiß mein Bruder wenigstens, dass du ihn die ganze Zeit hintergangen hast.“
Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Silvain war bei den Pferden gewesen, er musste etwas unter den Sattel meines Winterrappen gesteckt haben, um ihn scheuen zu lassen, sobald er mein Gewicht trug. Ich hatte mich immer bemüht mit ihm zurecht zu kommen, weil er der Bruder meines Mannes war, aber jetzt brannte Hass auf ihn heiß in mir.
„Ihr… Ihr seid schuld, dass er die Lilie entdeckt hat…“ stieß ich hervor. „Ihr habt alles zerstört… Nicht, weil Ihr euch um ihn sorgtet, sondern weil Ihr gerne in seiner Position wärt. Ich liebe Olivier, sein Titel und sein Geld haben mich nie interessiert, das wisst ihr ganz genau…“
„Jetzt reg dich nicht so auf. Irgendetwas hast du verbrochen, sonst hättest du nicht das Zeichen auf deiner Schulter. Ich habe die Erlaubnis meines Bruders dich zu befragen… nicht, dass ich sie gebraucht hätte.“ Er lächelte böse. „Wer bist du? Dein Name, dein Mädchenname, wie lautet er?“
Ich funkelte ihn hasserfüllt an. „Kein Wort werde ich Euch sagen, Ihr seid umsonst gekommen, Mons…“
Ehe ich zu Ende sprechen konnte, versetzte er mir einen Schlag, der mich durch den halben Raum schleuderte. Es war so, wie es immer gewesen war. Ich wehrte mich nicht, noch brach ich mein Schweigen. Nichts was er mir antun konnte, war schlimmer als das Wissen, dass Olivier mich verlassen hatte.
Schließlich sah er ein, dass er nicht bekam was er wollte, und nachdem er gegangen war, wurde ich in die Zelle zurück gebracht. Ich hatte noch nie aufgegeben, doch nun begann ich mir zu wünschen mir bei dem Sturz tatsächlich das Genick gebrochen zu haben.
Zuletzt geändert von Sisi Silberträne am 18.01.2008, 15:53:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Coco » 09.01.2008, 16:02:01

:cry: :cry: :cry: Das musste ja irgendwann kommen :cry: :cry: :cry:


*sfz* *direkt mal den ersten Holzprügel nehm, Nägel einhau und auf Opfersuche begeb* *hrhr*

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Beitragvon Kitti » 09.01.2008, 18:10:04

Coco hat recht. Leider kann man diesen Teil nicht auslassen. Ich finde jedoch, dass du es sehr gut gelöst hast. Arme Anne, aber eine sehr gute Idee!
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