So viel zum 29.... Aber das Forum wollte mich gestern einfach nicht reinlassen *grml* Also mit kurzer Verspätung hier der 25. Teil 
Die folgenden Tage verliefen ähnlich. Morgens gings zum Theater, dort wurde geprobt. Dann gabs eine Mittagspause, in der wir in der Kantine aßen und uns jeden Tag aufs Neue mit Svenja und Adrian, manchmal auch mit Sarah unterhielten. Danach ging es mit den Proben weiter. Am Abend saßen oder lagen Leon und ich bei ihm im Garten und ich hörte ihm die Texte ab, sang mit ihm oder beurteilte sein Spiel in einigen Szenen, die ich gesehen hatte. Das Zweitere war wohl ganz zum Leiden seiner Nachbarn, die die Fenster die ganze Nacht offen hatten, denn oft war es schon dunkel geworden, als wir noch dort saßen und sangen.
Ich lernte die Texte scheinbar schneller als Leon, denn schon bald brauchte ich in einigen Szenen das Textbuch nicht mehr und konnte ihn problemlos im Dunkeln noch abhören. Aber auch bei Leon hatte es den gewollten Effekt und am Ende der Woche saßen die Texte schon deutlich besser als noch vor meiner Ankunft.
Am Wochenende waren kaum Proben angesetzt, so dass wir Samstagabend mit Svenja, die mir die Woche über tatsächlich weiterhin Tanzstunden gegeben hatte, so dass ich mich nun bei den Tanzstunden unters Ensemble mischen konnte, und Adrian in eine Bar gingen und einen netten Abend verbrachten.
Ich verstand mich unglaublich gut mit Svenja und so kam es vor, dass ich in der nächsten Woche nicht die ganze Zeit bei Leons Proben zuschaute, sondern auch mal bei der ‚Ehrlichen Familie’ hereinschaute, beim Ensemblegesang mitmischte und weiter tanzte. Natürlich kamen meine Beobachtungsaufgaben auch nicht zu kurz und bei den Szenen, die nun verstärkt im Ganzen geübt wurden, wurde des Öfteren auf meinen Rat zurückgegriffen.
Ich fühlte mich sehr wohl und wurde beinahe als ein Teil des Ensembles behandelt. So kam es in der dritten Woche, die ich bei den Proben zu Gegen war, dass eine Ensembledame ausgefallen war und die Swings gerade nicht von einer anderen Probe abkömmlich waren, dass ich herangerufen wurde:
„Du hast dir die Tänze doch oft angeschaut, oder? Meinst du, du kannst für die heutige Probe auf der Position spielen?“ Ich war sehr baff, aber alle redeten mir gut zu und so versuchte ich mich in die Gruppe zu integrieren. Es machte unglaublich viel Spaß und es klappte bis auf einige falsche Schritte sogar recht gut, so dass einige scherzhaft meinten: „Schaut mal, wir haben noch einen Swing.“
All das nahm mich so sehr in Anspruch und machte so viel Spaß, dass ich beinahe vergaß mich ab und zu bei meinen Eltern zu melden. Oft bekamen sie nur eine kurze SMS, in der ich schrieb, dass alles bestens ist. Mehr Konversation gab es nur, wenn sie jeden Sonntag einmal anriefen, wobei ich dann auch nur zu schwärmen begann wie sehr mir alles gefiel, so dass mein Vater langsam befürchtete, dass ich es wirklich durchziehen und später auch Darstellerin werden würde.
Wie schnell seine Befürchtung Gestalt annehmen würde, konnte er nicht erahnen.
Ein besonderes Ereignis stand zu Beginn der 5. Probenwoche an: Das Fotoshooting fürs Programmheft. Bilder von jedem einzelnen Darsteller, sowie die ersten Szenenbilder.
Der Morgen begann mit großem Aufgebot der Maske, denn alle Darsteller wurden für die Einzelbilder schön gemacht. Es war unglaublich was mit ein wenig Make-up, gekonnter Betonung und einem frischen Styling aus den Darstellern herausgeholt wurde. Einige waren kaum noch wieder zu erkennen.
Svenja und Sarah sahen besonders bezaubernd aus, aber auch die restlichen Ensembledamen standen den beiden in Nichts nach. Svenjas blonde Haare waren noch ein wenig gelockter als sonst und dadurch, dass sie ein wenig hochgesteckt wurden, fielen sie sehr schön und umrahmten ihr Gesicht. Sie wirkte sehr keck und frisch, was ihrem Charakter vollkommen entsprach.
Aber auch Leon sah einfach fabelhaft aus auf den Fotos. Seine Haare waren strubbelig, so als hätte er sich gerade mal wieder mit der Hand durch seine dunklen Haare gewuschelt. Ich fand, dass es ihm sehr gut stand und passte auf jeden Fall zu Wolfgang. Außerdem wurden durch das dezente Make-up seine braunen Augen sehr gut betont, so dass sie glänzend hervorstachen. „Du siehst toll aus.“, flüsterte ich ihm zu, bevor er vor die Kamera trat.
„Schau doch mal so, als wärst du frisch verliebt und würdest deine Freundin anschauen.“, gab der junge Fotograf als Auftrag an Leon heraus. „Das dürfte ihm nicht allzu schwer fallen.“, neckte Svenja ihn, wobei ihr Blick auf mir ruhte. Leons Blick glitt ebenfalls zu mir und der Fotograf schien begeistert: „Super, genau so. Das werden tolle Bilder.“
Auch Svenja hatte ihre Digital Camera gezückt und begann wie wild von allen Fotos zu schießen, wobei das gesamte Ensemble sichtlich Spaß hatte, einfach ganz ausgelassen zu posieren und rumzualbern.
Als Leon fertig war, wechselte er noch ein paar Worte mit dem Fotografen, wobei genau in diesem Moment ein Lachanfall seitens Sarah mich dazu veranlasste mich herumzudrehen. Doch bevor ich heraus bekam, was ihr zugestoßen war, schrie ich auf, denn plötzlich wurde ich in die Höhe gehoben. Leon war von hinten gekommen und hatte mich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Arm genommen.
Sofort waren wir der Mittelpunkt des Geschehens und Svenja knipste was das Zeug hält. Bevor Leon mich wieder auf eigenen Füßen stehen ließ, gab er mir einen Kuss, was Svenja natürlich noch ein besseres Motiv bot.
Nach kurzer Pause, in der sich alle wieder beruhigten, da alle Kameras langsam außer Sichtweite gerieten, mussten sich alle in die Kostüme schmeißen. Die Anprobe war schon in der 2. Probenwoche geschehen, weshalb ich nun alle zum ersten Mal in ihren Kostümen sah. Dies war wieder unglaublich beeindruckend, vor allem das Ensemble in den Klamotten der vornehmen Wiener Gesellschaft war sehr facettenreich, wobei man gar nicht wusste welches Kostüm man zuerst betrachten sollte.
Svenja sah mit der dunklen Perücke sehr fremd aus, genauso wie Sarah mit der blonden. Genau anders herum hätte es besser gepasst, schoss es mir durch den Kopf, aber von der Art her passten beide super in ihre Rollen. Um auch die ersten Szenen festzuhalten, hatte Svenja mir ihre Camera in die Hand gedrückt, damit ich ja schöne viele Fotos schoss.
Die Fotosession ging also weiter und Leon sah in seinem Roten Rock, den er zuerst an hatte, sehr vornehm aus, wenn man seine Dreadlocks allerdings betrachtete, war dem nicht mehr so. Sie machten ihn zu einem richtigen Rebellen und ließen ihn verwegen wirken, wobei sein Gesicht trotzdem gut zur Geltung kam.
Auf Dauer wär das allerdings nichts gewesen, dachte ich mir.
~*Niemand nimmt mir meine Träume und schließt meine Sehnsucht ein, wo es Liebe gab und Freiheit wird mein Herz für immer sein*~