Nach all den eher durchwachsenen Berichten, die ich bisher über die Best of Musical Gala im Vorfeld gelesen habe, waren meine Erwartungen an diesen Abend zugegebenermaßen nicht besonders hoch. Mal sehen, was mich erwartete...
Der erste Teil begann vielversprechend mit Lass den Zauber entsteh‘n aus Pippin. Sowohl gesanglich als auch optisch mit den Harlekinkostümen sehr beeindruckend. Pia wurde wie eine Kaiserin auf einer Sänfte auf die Bühne getragen, von der sie aber wenig später wieder herabstieg, um mir auf niederländisch „Guten Abend“ zu wünschen. Fand ich sehr nett von ihr.

Chicago schloß sich an. Der Zellenblocktango war gut und vor allem mit den Damen sehr sexy inszeniert. Trotzdem wirkte er irgendwie unpassend. Im Stück fügt sich das sicher hervorragend ein, aber für eine Musicalgala war es mir zu viel Sprechtext und zu wenig Gesang. Pia und Elisabeth zeigten als Roxy und Velma in Heutzutag was für hervorragende Tänzerinnen sie sind, wobei Pia fast noch einen Tick graziöser wirkte als Elisabeth.
West Side Story war noch nie mein Fall und warum es ständig dabei sein muß, ist mir ein Rätsel. Überzeugt hat mich keiner der Songs, ich empfand sie alle drei als durchwegs langweilig.
Buddy machte es auch nicht besser. Sicher, Patrick bemühte sich mit Chancilly Lace den Anheizer zu spielen, was auch Spaß gemacht hat. Aber Anton als Buddy war einfach nur erschreckend schlecht - keine Ausstrahlung und vollkommen übertrieben bei Peggy Sue (mag sein, daß das Lied auch im Original so interpretiert wird, gefallen hat es mir trotzdem nicht).
Mit Sunset Boulevard kam das erste Lied des Abends, das mich wirklich angesprochen hat. Mark spielte die Rolle von Joe Gillis unglaublich gut - ein bißchen arrogant und herablassend, aber nicht unsympathisch. Das Lied paßte auch gut zu seiner weichen, aber manchmal auch sehr „glatten“ Stimme. Pia als Norma Desmond in Nur ein Blick war gigantisch - die vollkommene Diva in ihrem Kaftan mit dem Turban. Stark aber gleichzeitig ungemein verletzlich.
Es folgten Lieder aus Hairspray, Dirty Dancing und We will rock you, alles Musicals, die mich nicht wirklich vom Hocker hauen.
Wobei: Willemijn als Killerqueen war klasse, vor allem als sie zum Ende hin allein auf dieser riesigen Bühne, eingetaucht in schwarz-weißes Licht, stand.
Der zweite Teil eröffnete mit Der Schuh des Manitu. Die Schoschonen wohnen so schön - Nummer ist einfach unglaublich witzig, ein richtiger Gute-Laune-Song und Patrick als Häuptling wirkte sehr authentisch. Mark und Anton erwiesen sich als gutes Blutsbruder-Team und Anton‘s Bayerisch war gar nicht mal soo schlecht.

Ich war noch niemals in New York hat mich positiv überrascht. Ich bin durchaus skeptisch dem Stück gegenüber, aber es war schon amüsant, Pia zuerst als hysterische und dann als verliebte „Fernseh-Tussi“ zu sehen. Mark war ein witziger Partner - zuerst leicht genervt und dann etwas geängstigt durch das „Geständnis“. Auch die Liedauswahl mit Alles im Griff und Ich weiß, was ich will traf meinen Geschmack.
Tarzan schloß sich an und mit Dir gehört mein Herz das einzige Lied des Abends, das mich wirklich berührte und ein Gänsehautgefühl aufkommen ließ. Ana sang es mit einer solchen Hingabe, daß ihre Liebe zu dem kleinen Menschenkind fast greifbar war. Bei Anton und Elisabeth merkte man, daß sie sich in ihren gewohnten Rollen sichtlich wohl fühlten. Gesanglich waren beide gut, allerdings so richtig überspringen wollte der Funke trotzdem nicht.
Pia betrat erneut die Bühne in einem atemberaubenden Kleid und mit Once upon a time aus Brooklyn. Weder das Lied noch das Musical waren mir bekannt, aber Pia interpretierte es wunderschön. Sehr sanft am Anfang und sehr stark zum Ende hin.
Wicked begeistert mich einfach immer wieder. Mark Seibert war wirklich ein toller Fiyero und der Tanz durch die Welt kam so locker aus der Hüfte wie früher. Solang ich Dich hab vermittelte Gefühl pur und bei Frei und schwerelos konnte Willemijn mal wieder zeigen, wie viel Power sie hat.
Nach Spread the love around aus Sister Act gab es als Zugabe Hinterm Horizont. Es war schön gesungen mit Patrick am Klavier und den anderen Darstellern um ihn herum. Trotzdem finde ich, daß man nicht aus allem ein Musical machen muß.
Fazit: Gemischt.
Der erste Teil erfüllte meine niedrigen Erwartungen vollkommen. Für mich hatte er klar die schwächeren Stücke, war zu sehr auf Tanz, Choreographie und Effekthascherei ausgerichtet. Sicher, die Tänzer waren toll, die Kostüme auch, dennoch sprach es mich überhaupt nicht an.
Der zweite Teil war eher mein Fall. Er hatte die besseren Musicals und die stärkeren, emotionaleren Nummern. Netter Nebeneffekt: Da aus einem unerfindlichen Grund die ersten drei Reihen der Olympiahalle nicht verkauft worden waren, fanden wir uns nach der Pause in der Mitte der ersten Reihe wieder, was schon grenzgenial war.
Bester Sänger an diesem Abend war für mich Mark Seibert. Er hat jede seiner Rollen sehr glaubwürdig vermittelt, ist gesegnet mit einer großartigen Ausstrahlung und auch das Samtene in seiner Stimme liegt mir. Pia ist und bleibt natürlich die Musicalgöttin, auch wenn sie mir ab und an ein bißchen schrill vorkam. Willemijn, Patrick, Ana und DMJ sangen und spielten durchwegs gut, wohingegen Anton und Elisabeth enttäuschend waren. Elisabeth wirkte stimmlich teilweise sehr dünn und Anton hatte überhaupt keine Ausstrahlung auf mich. In the still of the night und die Buddy Songs empfand ich daher auch als die schlechtesten Stücke des Abends.
Insgesamt bleibt festzuhalten, daß es alles in allem ein doch schöner Musicalabend war, aber generell eher etwas für nicht regelmäßige Musicalgänger, die einen Querschnitt sehen möchten, als für das erlauchte „Fachpublikum“.
