Ich hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass ich dieses Jahr noch zu „Tarzan“ kommen würde, aber dann haben wir die Reise letzte Woche relativ spontan gebucht.Auf die Besetzung war ich natürlich trotz der guten Quellen im „Tarzan-Thread“ unheimlich gespannt.
Tarzan: Anton Zetterholm
Jane: Joana Fee Würz
Kala: Lana Gordon
Kerchak: Andreas Lichtenberger
Terk: Rommel Singson
Porter: Japheth Myers
Clayton: Peter Stassen
Junger Tarzan: Timon Masberg
Gesangssolisten: Christina Lagao, Nadja Scheiwiller, Romeo Salazar, Sanny J. Roumimper, Arcangelo Vigneri
Ensemble: Claudio Greco, Iamnia Montalvo Hernandez, Nancy Gonzalez, Pierre Damen, Darlan De Jesus, Jörn Petritzki, Gegroy Antemes, Adamo Dias, Andrew Waters, David Boyd
Die Vorstellung war ausverkauft und wir hatten noch Plätze in PK 3 (Vorn am Rand) bekommen. Diese Plätze hatten einerseits den Vorteil, dass man viel von der Mimik und Gestik der Darsteller auf der Bühne gesehen hat und die Affen sehr oft an uns vorbei auf die Bühne sprangen und das ganze Erlebnis noch aufregender machten. Andererseits gibt es am Rand gewisse Sichteinschränkungen.
Die Werbung und die vielen Berichte hatten nicht zu viel versprochen, die Show begann bereits atemberaubend und es ging so weiter
Anton als Tarzan hat mir sehr gefallen. Seine Stimme empfinde ich ohnehin als sehr angenehm und kräftig, aber auch seine vielfältige Darstellung konnte mich voll und ganz überzeugen. Meine Mutter hat sich lediglich gewundert, dass er eher zierlich und kein Muskelprotz ist.

Auch sein junger „Vorgänger“ zeigte bereits viel Talent und Spielfreude. Ich glaube zwar, dass er bei seinem Duett mit Terk, dem besten „Affenfreund“ des jungen Tarzans, ein paar Wörter vergessen hat, aber das war überhaupt nicht schlimm.
Auf Joana als Jane war ich sehr gespannt, da ich sie nur vom Namen her kannte. Bei ihrem ersten Auftritt vor „Auf diesen Tag hab ich gewartet“ kam sie mir zuerst so leise und unauffällig vor, dass ich erst gar nicht gemerkt habe, dass sie ihren Auftritt von „unserer“ Seite aus hatte. Aber vielleicht ist es ja absichtlich so, dass Jane bei ihren ersten Erkundungen im Urwald gar nicht so auffallen soll?! Danach hat Joana mich aber überzeugen können. Es war zu niedlich, wie sie, als sie im Spinnennetz gefangen wurde, erst einmal nur damit beschäftigt war, wie verrückt Notizen in ihr Büchlein zu schreiben, als sich zu erschrecken. Nachdem sie anhand des Netzes berechnet hatte, dass die Spinne gigantische Ausmaße haben muss, und kurzerhand „Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit“ anstimmte, hatte Jane die Lacher natürlich auf ihrer Seite. Obwohl das sicher alle Janes so machen, fand ich die Idee witzig. Stimmlich ist sie natürlich anders als Elisabeth Hübert auf der CD, aber bestimmt nicht schlechter. Auch schauspielerisch fand ich sie klasse und mehr und mehr wurde mir bewusst, dass die Rolle der Jane mehr als ein paar nette Songs zu bieten hat. Jetzt fehlen mir nur zwei Darstellerinnen und ich hätte alle Absolventen von 2006 der August Everding in München gesehen, die offenbar einen starken Jahrgang gebildet haben.
Lana Gordon und Andreas Lichtenberger waren ein tolles Gorilla-Paar. Andreas hat mit seiner tiefen und kräftigen Stimme und seiner tollen Darstellung des „Affenoberhaupts“ sogar meine Mutter beeindruckt, die sich sonst nicht so sehr für Musicals interessiert. Lana hat zwar einen Akzent, war aber eine wunderbare Affenmutter mit starker Stimme.
Über Rommel Singson als Terk hatte ich auch schon viel gehört und er war tatsächlich genial. Er wirbelte voller Energie über die Bühne, animierte das Publikum zum Mitklatschen und schien für jeden Spaß zu haben.
Fehlen also nur noch Janes Vater und der Bösewicht der Geschichte: Japheth fand ich auch super. Die zerstreute, liebenswerte Art des besorgten Vaters und eifrigen, aber erfolglosen Professors war einfach nur knuffig. Bei Peter habe ich gehofft, dass er tatsächlich eine seiner drei Rollen (Porter, Kerchak, Clayton) spielt, da ich ihn so gern auf der Bühne sehe. Leider durfte er auch in dieser Rolle nicht singen, aber dafür war er darstellerisch sehr präsent und herrlich fies. Die Tatsache, dass Clayton Kerchak erschießt und gegen die Helden arbeitet, hat wohl dazu beigetragen, dass er beim Schlussapplaus nur wenig Beifall bekam, was ich aber auch nicht richtig fand. Ist das bei Clayton häufiger so?
Das Ensemble zeigt akrobatische Höchstleistungen und hat uns einfach nur fasziniert, genau so Bühnenbild und Kostüme. Die Schmetterlinge sind wunderschön und auch der Leopard sieht täuschend echt aus. Weiß jemand von euch, wer ihn spielt? Ich hätte es toll gefunden, wenn man beim Schlussapplaus noch einmal gezeigt hätte, wer hinter dieser „Maske“ steckt, wie sie es bei „Wicked“ mit dem Doktor tun. Ist eigentlich nicht nur bei den Janes die Krankheitswelle ausgebrochen, sondern auch beim Ensemble? Ich habe mich nämlich gewundert, dass recht viele Swings gespielt haben.
Alles in allem bleibt mir nur noch zu sagen, dass die Show uns von Beginn an in ihren Bann gezogen und sich der „Mutter-Tochter-Trip“ in Hamburgs Urwald gelohnt hat.
