Kronprinz Rudolf: Drew Sarich
Mary Baroness Vetsera: Lisa Antoni
Eduard Graf Taaffe, Ministerpräsident: Uwe Kröger
Kaiser Franz Joseph: Claus Dam
Marie Gräfin Larisch: Carin Filipčić
Kronprinzessin Stephanie: Wietske van Tongeren
Moriz Szeps, Zeitungsherausgeber: Kai Peterson
Edward, Prince of Wales: Dennis Kozeluh
Graf Gyula Andrássy: Robert D. Marx
Georges Clemenceau: Sasha DiCapri
Friedrich Vogelsang: Manuel Stoff
Kaiser Wilhelm II: Partin Pasching (so stand es zumindest auf der Tafel)
Wiligut, ein Spitzel: Markus Neugebauer
Meisner, ein Spitzel: Jan Hutter
Mizzi, eine von Rudolfs Geliebten: Kathleen Bauer
Ensemble:
Silke Braas, Alexandra Farkic, Matilda Hansson, Leigh Martha Klinger, Adrienn Krékacs, Tineke Ogink, Anja von Geldern, Claudia Wauschke, Niklas-Philipp Gertl, Rory Six, Niran Straub
Swings:
Liane Maynard-Schmid, Katrin Mersch, Maxi Neuwirth, Max Niemeyer, Fritz Schmid, Marcus Tesch
Dirigent: Walter Lochmann
Viel kann ich nach diesem einmaligen Besuch und noch etwas angeschlagen von der Klimt-Premiere am Vorabend nicht über das Musical schreiben. Mir wurde bereits im Vorhinein mehrfach davon abgeraten, das Stück überhaupt anzuschauen. So schlecht fand ich es dann aber doch gar nicht. Sicherlich weist es einige dramaturgische Mängel auf, so werden die Charaktere zum Beispiel gar nicht richtig zueinander in Beziehung gesetzt, Konflikte werden immer nur kurz angerissen, Rudolfs Mutter, die Kaiserin Elisabeth, wird nicht mit einem Wort erwähnt. Stattdessen wird der Part eines Grafen Taaffe dermaßen aufgebauscht, dass man ihn fast für die Hauptrolle halten könnte. Der I. Akt ist viel zu langatmig und einige Szenen so langweilig, dass man mit den Gedanken abschweift und sich gar nicht mehr auf die Handlung konzentrieren kann. Das Bühnenbild hat mich auch nicht so beeindruckt, wie es mit den Gegebenheiten des Raimund Theaters sicherlich möglich gewesen wäre.
Dennoch gibt es einige sehr schöne Szenen, wie zum Beispiel die auf dem Eislaufplatz. Die Idee mit den Inlineskates als Schlittschuhersatz kam mir zwar zunächst etwas seltsam vor, aber solang man nicht ständig auf die Füße schaut, wirkt die Szene im Ganzen eigentlich ganz charmant. Nur den Schneemann fand ich etwas störend, um nicht zu sagen albern. Was mir allerdings wieder nicht so gefiel, war „Ein hübscher Krieg“. Sicherlich ist die Szene ganz amüsant anzuschauen, aber ob man einen Flirt nun unbedingt mit Kriegsführung vergleichen sollte. Dementsprechend mochte ich auch die marschähnlichen Anklänge in der Musik nicht.
Musikalisch gefiel mir das Werk ansonsten ganz gut, zwar nicht überragend, aber auch nicht belanglos dahinplätschernd. Man hört natürlich schon sehr, dass es Wildhorn ist. Melodisch erinnern die Songs teilweise deutlich an „Jekyll & Hyde“. Ich habe auch den Eindruck, Wildhorn komponiert nach einem bestimmten Schema. Für gleiche Affekte und Stimmungen verwendet er gleiche musikalische Strukturen. Das ist zwar nicht schlecht, könnte aber auf Dauer etwas langweilig werden. Vom allgemeinen Klang her entspricht das Musical aber schon meinem Geschmack. Das beginnt schon mit dem dramatischen Prolog! Es gibt einige gute Songs, aber auch einige nicht so gute. „Der Weg in die Zukunft“ zum Beispiel nach der Eröffnung der Ausstellung sticht zwar im Vergleich zu den anderen heraus, klingt melodisch aber eher wie ein Schlager. Bei „Wenn das Schicksal dich ereilt“ könnte man auch mitschunkeln, da passt die Musik so gar nicht zum Inhalt, wie ich finde. Am besten gefallen mir eigentlich die beiden Liebesduette „So viel mehr“ und „Du bist meine Welt“. Ich gebe ja zu, ich stehe halt auf Dramatik und Leidenschaft.
Das absolut beste an der ganzen Show ist, wie zu erwarten, Drew als Kronprinz Rudolf! Ich muss sagen, ich habe wirklich großen Respekt vor ihm. Er spielt so natürlich, als ob er gar nicht auf der Bühne stehen würde! Und live klingt er eigentlich sogar noch besser als auf der CD. Einzelne Szenen, die besonders heraus stachen, kann ich gar nicht nennen. Mich hat einfach das Gesamtbild überzeugt. Gut, „Wie jeder andere Mann“ gefiel besonders, wo er versucht, seine Verzweiflung in Alkohol und Frauen zu ertränken. In der Szene auf dem Eislaufplatz fand ich ihn auch sehr charmant. Im Grunde habe ich ohnehin die ganze Vorstellung über hauptsächlich nur auf ihn geachtet, weil er einen einfach so in seinen Bann zieht. Überhaupt ist die ganze Rolle so faszinierend: jemand der trotz aller Hindernisse für seine Ideale kämpft, seine Zerrissenheit zwischen Pflicht und Neigung, das heimliche Doppelleben, das Schwermütige, der Hang zur Selbstzerstörung. Davon geht schon eine gewisse Attraktivität aus. Und seine Kostüme mag ich auch unheimlich gern, dieser legere Ledermantel und der rote Schal, das wirkt alles so bohème. Wenn ich Darsteller wäre, würde ich den Kronprinzen (sowieso auch schon in „Elisabeth“) jedenfalls unbedingt einmal spielen wollen, obwohl ich mir tatsächlich fast keinen besseren als Drew in der Rolle vorstellen kann.
Lisa als Mary Vetsera, da bin ich mir noch unschlüssig. Einerseits gefiel sie mir wirklich sehr gut in der Rolle, die Szene zu „Vertrau uns“ zum Beispiel fand ich so rührend, wo sie so mitfühlend versucht hat, Rudolf Mut zuzusprechen und ihn wieder aufzubauen. Ihre Stimme mag ich ebenfalls, auch wenn sie für die Rolle ein kleines bisschen zu alt klingt. Ich fand sie also weder vom Schauspiel, noch vom Gesang schlecht, im Gegenteil. Irgendwie sagt mir ihr Typ aber nicht so zu: klein, zäh, verbissen und wenig feminin. So wirkte sie jedenfalls auf mich. Sie ist sicherlich eine sehr gute Darstellerin, aber ich fand sie irgendwie nicht so sympathisch, wenig fraulich eben. Gut, vielleicht war das auch unbewusste Eifersucht, haha. Und diese Kleider, wo das Hinterteil so betont wird, sind natürlich auch fürchterlich, aber das war ja zu der Zeit so in Mode.
Uwe als Graf Taaffe. Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber ich fand ihn beinahe nicht zu ertragen in der Rolle. Als Maxim in „Rebecca“ hat er mir erstaunlich gut gefallen, aber hier finde ich ihn wirklich nur noch peinlich. Sobald er auf die Bühne kommt, überschreit er alle und spielt sich dermaßen in den Vordergrund, dass es wirklich schon lächerlich ist. Privat macht er einen ganz sympathischen Eindruck, aber dass er auf der Bühne so übertreiben muss. Davon abgesehen finde ich ihn für die Rolle auch einfach ungeeignet, vom ganzen Auftreten her zu androgyn und zu modern. Auf den Gesang gehe ich lieber gar nicht erst ein. Mir gefallen seine Songs aber auch nicht. „Die Fäden in der Hand“ zum Beispiel wirkt auf mich eher albern und dieser seltsame Tanz führt schon fast ins Groteske. Die gesamte Rolle hätte ich ohnehin wesentlich kleiner gehalten.
Claus hat mir als Kaiser Franz Joseph im Großen und Ganzen ganz gut gefallen, nur fand ich, dass er aufgrund seines Akzentes zeitweise etwas zu komödiantisch und zu wenig autoritär wirkte. Trotzdem hatte er einige sehr gute Szenen, vor allem die Streitgespräche mit Rudolf haben auf mich sehr überzeugend gewirkt. Ansonsten ist die Rolle ja auch eher klein. Ich glaube, da wurde nach der Überarbeitung einiges gekürzt, wenn ich mich nicht irre?
Carin kam mir als Gräfin Larisch ungewohnt jung vor. Meiner Ansicht nach ist es die beste Rolle, in der ich sie bisher gesehen habe. Zwar keine allzu große, dafür aber sehr glaubhaft gespielt als Vertraute der beiden Liebenden. Ihren Song „Die Liebe lenkt“ fand ich auch sehr gut. Wildhorn hat offenbar ein Händchen für Songs, die etwas Unheilvolles ankündigen. Da sind Inhalt und Musik immer sehr in Einklang.
Wietske gefiel mir als Kronprinzessin Stephanie ausgesprochen gut. Ich habe einen kurzen Moment gebraucht, bis ich sie in dem Kostüm überhaupt erkannt habe. Sie hingegen wirkt, verglichen mit der Ich in „Rebecca“, in der Rolle so erwachsen. Das Zickige und zugleich Verbitterte bringt sie sehr gut rüber, auch den Dialog mit Mary in der Kirche und den damit verbundenen kurzen Einbruch ihrer gefassten Beherrschung hat sie sehr überzeugend gespielt. Mir gefiel auch ihr Song „Du bleibst bei mir!“, der sich aufgrund seines Rhythmus auffallend von den anderen abhob.
In den Nebenrollen stach eigentlich niemand wirklich heraus, obwohl wie immer einige bekannte Gesichter dabei waren. Mir fiel nur auf, dass Martin im Gegensatz zu anderen Stücken, in denen er bereits zu sehen war, eine wirklich sehr kleine, undankbare Rolle erwischt hat. Wenn ich mich nicht irre, war auch das Ensemble komplett erstbesetzt. Mir sind zumindest keine der Swings aufgefallen. Das Orchester der Vereinigten Bühnen klang wie immer fantastisch und Walter Lochmann kam zum Schlussapplaus geradezu schweißtriefend auf die Bühne. Es war aber auch ein unglaublich schwüler Tag in Wien.
Leider war es so kurz vor Ende der Spielzeit sehr leer im Theater und nur die Hälfte der Plätze war besetzt. Letztendlich bin ich aber doch froh, „Rudolf – Affaire Mayerling“ zumindest einmal gesehen zu haben, zum einen aufgrund der interessanten Geschichte, die mich vorher schon fasziniert hat, und zum anderen muss man Drew einfach in dieser Hauptrolle erlebt haben!