Sweeney Todd, 22.2.09, München (Staatsth. am Gärtnerplatz)
Verfasst: 12.03.2009, 17:57:02
So, nun gibt's endlich meinen Bericht von Sweeney T. Er ist ja dann doch ziemlich lang geworden, aber so kann man sich wenigstens ein genaues Bild von der Inszenierung machen, die ja bei solchen Stücken wohl in jedem Theater anders ausfällt. Ich hoffe, ihr lest ihn.
Anthony Hope: Florian Soyka
Sweeney Todd: Gregor Dalal
Bettlerin: Susanne Heyng
Johanna: Milica Jovanovic
Mrs. Lovett: Marianne Larsen
Richter Turpin: Jörg Simon
Büttel Bamford: Dirk Lohr
Tobias Ragg: Florian Simson
Adolfo Pirelli: Mario Podrecnik
Jonas Fogg: Florian Wolf
Musikalische Leitung Andreas Kowalewitz
Regie Christian von Götz
Bühne und Kostüme Karin Fritz
Choreographie Hans Henning Paar
http://www.staatstheater-am-gaertnerpla ... 0Spielplan
Bilder
Zur Location:
Das Staatstheater am Gärtnerplatz ist ein mittelgroßes Theater mit einer mittelgrößen Bühne. Der Saal ist relativ kompakt und man hat auch von ganz hinten eine gute Sicht. Ich saß in der ersten Reihe, fand das aber teilweise gar nicht so optimal. Die Bühne war erhöht und mach sah den Bühnenboden gar nicht. Außerdem verdeckten Darsteller und Leuchter manchmal die Sicht. Ich würde einen Platz weiter hinten oder im Balkon/Rang empfehlen. Die Sonntags-Vorstellung war gut besucht und der Saal fast voll. Das Publikum war altersmäßig bunt gemischt, es waren viele junge Leute, aber auch ältere Herrschaften anwesend.
Die Inszenierung:
Am Anfang wurde auf das geschlossene Portal ein Bild von Benjamin Barker mit Frau und Kind daran projiziert. Das Stück begann mit Sweeney Todd und Lucy (oder war's Johanna?). Sweeney schnitt sich die Kehle durch. Was das sollte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht eine Vorrausdeutung auf Ende? Den Prolog sang durchgehend der Chor, es gab keine Solosänger (außer Sweeney). Leider hat man kaum ein Wort vom Chor verstanden. Man verstand aber ganz deutlich "Dies ist die Geschichte von Sweeney Todd" - "Attend the tale of Sweeney Todd". Die Zeile "The demon barber of Fleet Street" wurde einfach so übernommen. Mir hätte eine Übersetzung, etwa "der Teufelsbarbier aus der Fleet Street" besser gefallen. OK, man verstand kaum ein Wort, das war erst mal nicht so prickelnd, aber die Atmosphäre, erzeugt durch Orchester, Chor, Lichteffekte und Nebel, war von Anfang an großartig und der schwer verständliche Chor überzeugte durch die ernorme Stimmgewalt. Man merkte halt deutlich, dass jede einzelne Stimme voll ausgebildet ist. Der Chor sang teilweise sehr hoch (der Sopran bis zum cis'''), was sehr beeindruckend klang.
Dann erschien das erste Bühnenbild - ein schlichtes Bild von London mit der St. Pauls Cathedral drauf, einfach, aber ausreichend. Die Darsteller von Sweeney Todd und Anthony Hope überzeugten stimmlich sofort. Außerdem treffen die beiden hier schon auf die irre Bettlerin. Ihr Part "Gebt, gebt" ("Alms, Alms") wird während des Stückes mehrmals aufgegriffen.
Nach der heiter skurrilen Zwischenmusik kam die Szene, in der Sweeney seinen alten Laden aufsucht und dort auf Mrs. Lovett trifft (The worst pies in London). Der Laden war zunächst ein querstehender, verschlossener Container, auf dem "Meat" stand. Dann öffnete sich die vordere Wand des Containers und krachte mit einem lauten "Wumm" auf die Bühne. Herrlich. Marianne Larsen überzeugte als Mrs. Lovett sofort. Aus "these are probably the worst pies in london" wurde "diese Pies sind wohl die schlimmsten in London", was mir gut gefiel. Später hieß es jedoch statt "the worst pies in London" "die schlimmsten Pies in London". Die eine zusätzliche Silbe störte aber kaum. Wenigstens gab es keine "Shit Pies" (Mainz). Als sie erzählte, dass Mrs. Mooney Katzen in ihre Pasteten verarbeitet und sie selbst sowas nie machen würde, weil ihr schon beim Gedanken schlecht würde, zerhackte sie eine Ratte und warf sie in eine Schüssel. Dies sollte wohl verdeutlichen, dass sie sehr wohl Tiere verwurstet, nur eben keine Katzen, weil sie so schwer zu fangen sind.
Während "Arm(e)s Ding (Poor Thing)" kam das Ballett zum Einsatz, welches im Hintergrund den Maskenball, auf dem Lucy missbraucht wurde, seltsame Bewegungen machte. Alle hatten Strumpfhosen über dem Kopf, sodass man ihre Gesichter nicht sehen konnte.
Als dann Sweeney fragte, ob über dem Laden nicht noch ein Zimmer sei, wurde genau in diesem Moment dieses Zimmer (ein weiterer Container) von der Decke herunter gelassen, was das Publikum zum Lachen brachte. Die Rasiermesser (Mein Freund (My Friends)) waren hinter einem Plakat versteckt, das Mrs. Lovett dann abriss, um sie herauszuholen.
Das Zimmer von Johanna (Greenfinch and Linnet Bird) befand sich hinter einem goldenen Gitter, was wohl einem Vogelkäfig ähneln sollte. Milica Jovanovic sang das Lied traumhaft (mehr dazu später). Danach traf Anthony vor ihrem Zimmer auf die Bettlerin, die ihn um Geld bettelt und ihm zum Geschlechtsverkehr überreden will (sie will durch Prostitution Geld verdienen). Anthony's "Arie" Johanna sang Florian Soyka sehr schön und mit wohlklingender Technik. Leider gab es keinen Vogelkäfig, von daher fehlte auch die Szene, in der der Büttel dem Vogel von Anthony den Hals umdreht. Stattdessen wurde Anthony wie im Film verprügelt.
Die Szene Pirelli's Wunderhaarwuchsmittel (Pirelli's Miracle Elixir) war sehr opulent. Das Bühnenbild erinnerte an einen Zirkus. Vor einem Podest versammelten sich viele Leute, Sweeney und Mrs. Lovett saßen sich auf den Bühnenrand, mit einem ungläubigen, unbeeindruckten Blick ins Publikum bzw. ins Leere. Florian Simson kaufte man die Rolle des vielleicht 20-jährigen Toby durchaus ab, auch wenn er vielleicht rein optisch ein wenig älter wirkte. Zuerst nahm er seinen Hut ab, worauf seine lange Haarpracht zum Vorschein kam, später riss er sich auch noch das Hemd auf und präsentierte seine stark behaarte Brust. Adolfo Pirelli kam von der Decke auf einem Sitz, der an Seilen befestigt war, hereingeflogen, was zu einen Aha-Effekt auslöste. In dieser Rolle brillierte Mario Podrecnik mehrmals durch ein astreines, kraftvolles hohes C.
Während der Szene, in der der Richter seine Verehrung Johannas offenbart, sieht man diese im Hintergrund baden (TdV lässt grüßen!) und im Vordergrund kniet der singende Richter und schlägt sich selbst mit einer Peitsche auf den nackten, mit großen Wunden versehenen Oberkörper. Als Johanna aus der Wanne stieg, bemerkte sie ihn und rief entsetzt "Vater" worauf dieser schnell davonlief und ein Szenenwechsel stattfand. Diese Szene wirkte ziemlich skurril und verstörend.
...
Bei der Erpressungszene zwischen dem Italiener und Sweeney erschlägt ihn Sweeney wie im Film mit einem Topf. Dann warf er in in den Blechschrank.
Bei "Epiphany" wirkte Gregor Dalal energisch und wütend. Der Anfang lautete in der Übersetzung: "Es gibt ein Loch in der Welt wie ein schwarzer Fleck, und er ist voll mit Menschen die nichts sind als Dreck". "They all deserve to die, even you, Mrs. Lovett, even I" wurde zu "Den Tod verdienen alle, sogar du, Mrs. Lovett, sogar ich". "Du" und "Mrs. Lovett" passte nicht so recht zusammen, "Sie" fände ich besser als "du". In den meisten anderen Szenen, in denen es aber passte, haben sich die beiden auch meistens geduzt. Später standen schwarz gekleidete Männer auf der Bühne, die zusätzlich noch gedreht wurde, und Sweeney schnitt nacheinander jedem dem Hals auf (ohne Blut) und sie fielen daraufhin um. Später standen alle wieder auf und gingen, um zu verdeutlichen, dass dies keine echten Morde, sondern nur eine Vorrausdeutung auf die folgenden Morde sein soll.
Die Szene "A little Priest" war eins der Highlights. Mrs. Lovett schob den blutüberströmten "Italiener", der übrigens optisch an Mooshammer erinnerte, auf einem Einkaufswagen auf die Bühne und fragte: "Was machen wir mit dem Spaghetti?".
Statt ihn zu vergraben, schlug sie vor, ihn für die Pastetenproduktion zu verwenden ("Es wär doch verschenkt..."). Als Sweeney von der Idee überzeugt war, zog er den Italiener hinter die Theke (sodass man ihn nicht mehr sehen konnte), hackte mit einer Axt auf ihn ein und legte schließlich sein abgetrenntes Bein auf den Tisch. Er schnitt ein Stück Fleisch herunter und drehte es durch den Fleischwolf, wo es dann als Hackfleisch wieder rauskam. Sehr makaber und schockierend, explicit content, wie im Horrorfilm.
Aus "It's priest, have a little priest" wurde schlicht und einfach "Kaplan - nimm ein Stück Kaplan". Dann deuteten die Beiden in den Zuschauerraum ("Was ist das?") und es gab leider Gottes ein paar moderne Elemente (z.B. "Astronaut", "Barack Obama").
Das hätte nicht sein müssen, fand ich aber nicht schlimm, immerhin wurde das Publikum belustigt. Kurz vorm Ende des 1. Akts sprachen die beiden das Publikum an, und wiesen es auf das Catering der Firma Käfer während der Pause hin und erwähnten, dass es Fleischpasteten geben werde - "Aber Vorsicht, man weiß nicht, was da drin ist!".
Der zweite Akt begann mit der Szene, in der viele Menschen in Mrs. Lovett's Laden kommen und Pies essen. Während "Johanna" kamen Statisten, die auf gespensterhafte Weise Lucy und Johanna als Kind darstellten. Johanna saß sich an den vorderen Rand der Bühne und blickte auf das Geschehen, Lucy kam in einem roten Kleid gleich zweimal (also von 2 Statistinnen gespielt) auf die Bühne. Die eine überquerte die Bühne, die andere kam aus dem Schrank in Sweeney's Zimmer. Man fragte sich vielleicht, was das sollte, aber später wurde einem das dann klar (siehe weiter unten). Die erwachsene Johanna war während dieser Szene auch anwesend und zog sich ein durchsichtiges, plastikartiges Kostüm an, was auf ihre Einlieferung in die Irrenanstalt hinwies, in der alle solche Kleidung trugen. Bei den Mordszenen spritze viel Kunstblut. Bei dieser Szene hab ich einige Elemente vermisst, siehe unten.
"By the sea" wurde ganz schlicht vor dem geschlossenen schwarzen Vorhang vorgetragen. Ich hätte mir gewünscht, dass Mrs. Lovett's Traum ein wenig auf der Bühne dargestellt wird. Aber das auch so in Ordnung. In der Irrenhausszene stand der Irrenarzt auf dem Dach des Irrenhauses und hielt ein paar Tänzer (Irre) an Fäden in der Hand (Rudolph lässt grüßen). Später bedrohte Anthony ihn mit einer Pistole, senkte sie dann wieder ab, und erschoss ihn dann schließlich doch, was mich ziemlich erschreckt hat. Die Szene, in der Sweeney dem Richter einen Brief schrieb, war mir etwas unverständlich. Das Ensemble und Sweeney machten seltsame Bewegungen in die Luft, die man dann irgendwann als Schreibbewegungen wahrnahm, aber ich verstand den Text kaum und wusste so nicht, was den Richter dazu bewegte, noch mal zu Sweeney zu kommen. "Not While I'm Around" war auch sehr eindrucksvoll. Toby war total psychopatisch und nannte Mrs. Lovett immer "Mum", außerdem zeigte er ihr ein ziemlich kindisches Bild, das er für sie gemalt hat. Als sie merkte, dass er hinter das Geheimnis kam, sperrte sie ihn in den Keller (das große Tor im Bühnenhintergrund), unter dem Vorwand, er dürfe beim Backen helfen.
Dan kam der Büttel und sang ein englisches Volkslied. Er wollte den Laden auf gesundheitliche Aspekte überprüfen, aber Sweeney bot ihm zünachst eine Rasur an. Als er ihn töten wollte, wehrte er sich und die beiden fingen an zu kämpfen. Schließlich gelang es Sweeney aber doch, ihm die Kehle zu durchschneiden. Die Bettlerin kam dazu und suchte ihren "Büttel". Sweeney erwürgte sie.
(Den folgenden Absatz sollte man vielleicht nicht lesen, wenn man diese Inszenierung noch sehen will und sich überraschen lassen will!)
Die Handlung wirkte am Schluss stark vom Original ab und spitzte sich sehr zu. Toby konnte sich befreien und kauerte sich auf den Boden nieder. Als Anthony dazukam, griff Toby ihn mit der Axt an und erschlug ihn. Kurz darauf steckte er seinen Kopf in einen Eimer voller Blut und erstickte sich damit selbst. Johanna kam, in Männerkleidung gehüllt, hinzu und nahm ein Rasiermesser in die Hand. Als sie von Sweeney entdeckt wurde und er sie mit einem Messer bedrohte, schnitt sie sich aus lauter Verzweiflung selbst die Kehle durch. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich die Ermordung des Richters in die Handlung einordnen soll, jedenfalls geschah diese ganz nach Original. Nach der Szene, in der Sweeney erfährt, dass Lucy noch lebt und die Bettlerin war, die er erwürgt hatte (Sweeney öffnete ihre Kleidung und man sah, dass sie ein rotes Kleid daruntertrug) , tötete er sich selbst, statt Mrs. Lovett in den Ofen zu schmeißen und dann von Toby aufgeschlitzt zu werden, der hier ja bereits tot war. Mrs. Lovett beugte sich noch trauernd über ihn und dann schloss der Vorhang und das Stück war zuende. Der Epilog (The Ballad of Sweeney Todd) wurde weggelassen.
Fazit:
Das Stück wurde technisch sehr aufwändig auf die Bühne und mit vielen guten Künstlern auf die Bühne gebracht. Die deutsche Übersetzung war eher mittel zum Zweck, zwar war sie meinstens besser, als ich erwartete, aber Sweeney Todd zählt nun mal zu den Stücken, die im englischen Orignial viel besser funktionieren. Das Orchester war mit 29 Mann gut gesetzt und klang und spielte sehr schön, nur ab und an hätte ich mir noch etwas mehr Power gewünscht. Die Hauptdarsteller waren alle sehr gut und passten gut in die Rollen, der Chor war gut besetzt und sang sehr gut.
Allerdings habe ich einige Kritikpunkte, was einzelne Szenen bezüglich der Regie anbelangt: Während dem "Vogellied" von Johanna gab es leider keinen Vogelkäfig, und so wurde es nicht wirklich verständlich, warum sie über singende Vögel in Gefangenschaft sang. Stattdessen warf sie mit Stofftieren um sich.
Während "Johanna (2)" vermisste ich einige Elemente aus dem Original. Der Stuhl war leider nicht so präpariert, dass die Toten durch Umklappen im Boden verschwanden. Stattdessen brachte Sweeney sie mit dem fahrbaren Stuhl zum Schrank, der sich automatisch öffnete, und schubste sie dort hinein. Dadurch fehlte ein wichtiger, komischer Effekt. Vermisst habe ich den Kunden, der mit einer Begleitung erscheint, weshalb Sweeney ihn nicht tötet kann und darüber nicht gerade begeistert ist. Schade, diese Szene finde ich sehr lustig. Leider gibt es keine Passanten, weshalb die Hysterie der Bettlerin nicht so recht klar wird ("Rauch, Rauch, Zeichen des Teufels..."). Das finde ich eben deswegen schade, weil das vorhande Potenzial nicht ganz ausgeschöpft wurde. Das Theater gibt auf der Homepage an, dass alle künstlerischen Kräfte (Solisten, Chor, Ballett und Statisten) zum Einsatz kommen, und trotzdem fehlen gewisse Elemente in einigen Szenen.
Vergleich: http://www.youtube.com/watch?v=ZVQSsJ17kCA. Das freie Ende war mir zu überzogen, und generell bin ich dagegen, die Handlung so frei zu verändern. Ich finde den Schluss zwar erträglich, den Original-Schluss aber besser. Einziger Trost: Das Ende ist in jedem Fall tragisch. Man trauert v.a. mit Mrs. Lovett mit, ob sie nun von Sweeney ermordet wird oder den selbstgetöteten Sweeney trauernd in ihren Armen hält. Aber ein absolutes No-Go ist für mich das Weglassen des Epilogs. Dadurch fehlt der Rahmen. Das Stück fängt mit "The Ballad of Sweeney Todd" an und soll auch mit "The Ballad of Sweeney Todd" enden! Trotz einiger Schwächen hat mir die Inszenierung gut gefallen, da sie meistens technisch sehr gut und aufwändig war, die Darsteller und Köstüme sehr gut und das musikalische Niveau sehr hoch war. Die meisten Szenen wurden einfach sehr schön dargestellt. Insgesamt wirkt die Inszenierung sehr professionell, u.a. weil viele Musiker und Darsteller daran beteiligt waren, und wenn man die Handlung nicht kennt, dürften einem einige Schwächen gar nicht auffallen.
In der Musicalzentrale hab ich einen Kommentar geschrieben und dem Stück 4 von 5 Sterne gegeben. Eigentlich gebe 3 Sterne, aber einen Extrastern für die grandiose Marianne Larsen.
P.S: Im Vergleich zum Film hat das Musical auf der Bühne viel mehr Szenen und Musiknummern zu bieten! Außerdem gefielen mir die Darsteller, v.a. deren Stimmen viel besser.
Die Darsteller:
Gregor Dalal (Sweeney Todd) hat eine kräftige, klassische Singstimme und klang durchwegs opernhaft. Ich habe einen Hauch von Musical in seiner Stimme vermisst, und seiner Sprechstimme fehlte irgendwie das gewisse etwas. Trotzdem hat er sehr gut gesungen und gespielt. Gary Martin gefällt mir auf den Bildern optisch etwas besser. Sein Outfit fand ich gut und die Frisur auch - sie war in etwa eine umgekehrte Johnny-Depp-Frisur, lange weiße Haare mit einer schwarzen Strähne. Florian Soyka ist ein gutaussehnder Anthony mit einer sehr schönen, kraftvollen Stimme. Wenn ich nicht wüsste, dass er Bariton ist, würde ich auf Tenor tippen - jedenfalls klingt er jung und nicht so dunkel und baritonal, wie man es von bestimmten Mitschnitten gewohnt ist und gar so "piepsig" wie Jamie Bower im Film - also genau richtig für meinen Geschmack. Außerdem passen kurze Haare viel besser zu Anthony als die langen Haare von Bower im Film. Man hörte deutlich seine klassisch ausgebildete Stimme heraus, dennoch klang er nach Musical. Die blonde Milica Jovanovic hat einen glasklaren, kraftvollen und technisch perfekten klassischen Sopran und sieht als Johanna sehr hübsch aus. Ich hab nichts an ihr auszusetzen, sie hat Johanna perfekt verkörpert. Susanne Heyng spielte die alte, irre Bettlerin auch sehr gut, lag gesanglich zwischen Musical und Klassisch und klang irgendwie genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Die anderen Darsteller waren auch alle sehr gut. Sie hatten kraftvolle, ausgebildete Stimmen, passten gut in ihre Rollen und die Kostüme waren auch alle gut.
Aber die Überfliegerin war meiner Meinung nach (und auch nach Meinung des Publikums, wie man am Schlussapplaus deutlich merkte) Marianne Larsen.
Sie hat die Mrs. Lovett so genial gespielt! Sie verkörperte die Rolle sehr facettenreich - symphatisch, witzig, frech, gerissen, liebenswürdig. Sie sang sehr gut und ihre Stimme klang frech und hatte das gewisse Etwas. Ihr Look war total genial, sowohl die Frisur, als auch das Kostüm. Besonders gut gefiel mir, wie sie zu Sweeney immer "Schatzi" sagte. 
Sie allein ist es wert, diese Produktion mindestens einmal gesehen zu haben.
Anthony Hope: Florian Soyka
Sweeney Todd: Gregor Dalal
Bettlerin: Susanne Heyng
Johanna: Milica Jovanovic
Mrs. Lovett: Marianne Larsen
Richter Turpin: Jörg Simon
Büttel Bamford: Dirk Lohr
Tobias Ragg: Florian Simson
Adolfo Pirelli: Mario Podrecnik
Jonas Fogg: Florian Wolf
Musikalische Leitung Andreas Kowalewitz
Regie Christian von Götz
Bühne und Kostüme Karin Fritz
Choreographie Hans Henning Paar

Bilder
Zur Location:
Das Staatstheater am Gärtnerplatz ist ein mittelgroßes Theater mit einer mittelgrößen Bühne. Der Saal ist relativ kompakt und man hat auch von ganz hinten eine gute Sicht. Ich saß in der ersten Reihe, fand das aber teilweise gar nicht so optimal. Die Bühne war erhöht und mach sah den Bühnenboden gar nicht. Außerdem verdeckten Darsteller und Leuchter manchmal die Sicht. Ich würde einen Platz weiter hinten oder im Balkon/Rang empfehlen. Die Sonntags-Vorstellung war gut besucht und der Saal fast voll. Das Publikum war altersmäßig bunt gemischt, es waren viele junge Leute, aber auch ältere Herrschaften anwesend.
Die Inszenierung:
Am Anfang wurde auf das geschlossene Portal ein Bild von Benjamin Barker mit Frau und Kind daran projiziert. Das Stück begann mit Sweeney Todd und Lucy (oder war's Johanna?). Sweeney schnitt sich die Kehle durch. Was das sollte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht eine Vorrausdeutung auf Ende? Den Prolog sang durchgehend der Chor, es gab keine Solosänger (außer Sweeney). Leider hat man kaum ein Wort vom Chor verstanden. Man verstand aber ganz deutlich "Dies ist die Geschichte von Sweeney Todd" - "Attend the tale of Sweeney Todd". Die Zeile "The demon barber of Fleet Street" wurde einfach so übernommen. Mir hätte eine Übersetzung, etwa "der Teufelsbarbier aus der Fleet Street" besser gefallen. OK, man verstand kaum ein Wort, das war erst mal nicht so prickelnd, aber die Atmosphäre, erzeugt durch Orchester, Chor, Lichteffekte und Nebel, war von Anfang an großartig und der schwer verständliche Chor überzeugte durch die ernorme Stimmgewalt. Man merkte halt deutlich, dass jede einzelne Stimme voll ausgebildet ist. Der Chor sang teilweise sehr hoch (der Sopran bis zum cis'''), was sehr beeindruckend klang.

Dann erschien das erste Bühnenbild - ein schlichtes Bild von London mit der St. Pauls Cathedral drauf, einfach, aber ausreichend. Die Darsteller von Sweeney Todd und Anthony Hope überzeugten stimmlich sofort. Außerdem treffen die beiden hier schon auf die irre Bettlerin. Ihr Part "Gebt, gebt" ("Alms, Alms") wird während des Stückes mehrmals aufgegriffen.
Nach der heiter skurrilen Zwischenmusik kam die Szene, in der Sweeney seinen alten Laden aufsucht und dort auf Mrs. Lovett trifft (The worst pies in London). Der Laden war zunächst ein querstehender, verschlossener Container, auf dem "Meat" stand. Dann öffnete sich die vordere Wand des Containers und krachte mit einem lauten "Wumm" auf die Bühne. Herrlich. Marianne Larsen überzeugte als Mrs. Lovett sofort. Aus "these are probably the worst pies in london" wurde "diese Pies sind wohl die schlimmsten in London", was mir gut gefiel. Später hieß es jedoch statt "the worst pies in London" "die schlimmsten Pies in London". Die eine zusätzliche Silbe störte aber kaum. Wenigstens gab es keine "Shit Pies" (Mainz). Als sie erzählte, dass Mrs. Mooney Katzen in ihre Pasteten verarbeitet und sie selbst sowas nie machen würde, weil ihr schon beim Gedanken schlecht würde, zerhackte sie eine Ratte und warf sie in eine Schüssel. Dies sollte wohl verdeutlichen, dass sie sehr wohl Tiere verwurstet, nur eben keine Katzen, weil sie so schwer zu fangen sind.

Während "Arm(e)s Ding (Poor Thing)" kam das Ballett zum Einsatz, welches im Hintergrund den Maskenball, auf dem Lucy missbraucht wurde, seltsame Bewegungen machte. Alle hatten Strumpfhosen über dem Kopf, sodass man ihre Gesichter nicht sehen konnte.
Als dann Sweeney fragte, ob über dem Laden nicht noch ein Zimmer sei, wurde genau in diesem Moment dieses Zimmer (ein weiterer Container) von der Decke herunter gelassen, was das Publikum zum Lachen brachte. Die Rasiermesser (Mein Freund (My Friends)) waren hinter einem Plakat versteckt, das Mrs. Lovett dann abriss, um sie herauszuholen.
Das Zimmer von Johanna (Greenfinch and Linnet Bird) befand sich hinter einem goldenen Gitter, was wohl einem Vogelkäfig ähneln sollte. Milica Jovanovic sang das Lied traumhaft (mehr dazu später). Danach traf Anthony vor ihrem Zimmer auf die Bettlerin, die ihn um Geld bettelt und ihm zum Geschlechtsverkehr überreden will (sie will durch Prostitution Geld verdienen). Anthony's "Arie" Johanna sang Florian Soyka sehr schön und mit wohlklingender Technik. Leider gab es keinen Vogelkäfig, von daher fehlte auch die Szene, in der der Büttel dem Vogel von Anthony den Hals umdreht. Stattdessen wurde Anthony wie im Film verprügelt.
Die Szene Pirelli's Wunderhaarwuchsmittel (Pirelli's Miracle Elixir) war sehr opulent. Das Bühnenbild erinnerte an einen Zirkus. Vor einem Podest versammelten sich viele Leute, Sweeney und Mrs. Lovett saßen sich auf den Bühnenrand, mit einem ungläubigen, unbeeindruckten Blick ins Publikum bzw. ins Leere. Florian Simson kaufte man die Rolle des vielleicht 20-jährigen Toby durchaus ab, auch wenn er vielleicht rein optisch ein wenig älter wirkte. Zuerst nahm er seinen Hut ab, worauf seine lange Haarpracht zum Vorschein kam, später riss er sich auch noch das Hemd auf und präsentierte seine stark behaarte Brust. Adolfo Pirelli kam von der Decke auf einem Sitz, der an Seilen befestigt war, hereingeflogen, was zu einen Aha-Effekt auslöste. In dieser Rolle brillierte Mario Podrecnik mehrmals durch ein astreines, kraftvolles hohes C.
Während der Szene, in der der Richter seine Verehrung Johannas offenbart, sieht man diese im Hintergrund baden (TdV lässt grüßen!) und im Vordergrund kniet der singende Richter und schlägt sich selbst mit einer Peitsche auf den nackten, mit großen Wunden versehenen Oberkörper. Als Johanna aus der Wanne stieg, bemerkte sie ihn und rief entsetzt "Vater" worauf dieser schnell davonlief und ein Szenenwechsel stattfand. Diese Szene wirkte ziemlich skurril und verstörend.

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Bei der Erpressungszene zwischen dem Italiener und Sweeney erschlägt ihn Sweeney wie im Film mit einem Topf. Dann warf er in in den Blechschrank.
Bei "Epiphany" wirkte Gregor Dalal energisch und wütend. Der Anfang lautete in der Übersetzung: "Es gibt ein Loch in der Welt wie ein schwarzer Fleck, und er ist voll mit Menschen die nichts sind als Dreck". "They all deserve to die, even you, Mrs. Lovett, even I" wurde zu "Den Tod verdienen alle, sogar du, Mrs. Lovett, sogar ich". "Du" und "Mrs. Lovett" passte nicht so recht zusammen, "Sie" fände ich besser als "du". In den meisten anderen Szenen, in denen es aber passte, haben sich die beiden auch meistens geduzt. Später standen schwarz gekleidete Männer auf der Bühne, die zusätzlich noch gedreht wurde, und Sweeney schnitt nacheinander jedem dem Hals auf (ohne Blut) und sie fielen daraufhin um. Später standen alle wieder auf und gingen, um zu verdeutlichen, dass dies keine echten Morde, sondern nur eine Vorrausdeutung auf die folgenden Morde sein soll.
Die Szene "A little Priest" war eins der Highlights. Mrs. Lovett schob den blutüberströmten "Italiener", der übrigens optisch an Mooshammer erinnerte, auf einem Einkaufswagen auf die Bühne und fragte: "Was machen wir mit dem Spaghetti?".




Der zweite Akt begann mit der Szene, in der viele Menschen in Mrs. Lovett's Laden kommen und Pies essen. Während "Johanna" kamen Statisten, die auf gespensterhafte Weise Lucy und Johanna als Kind darstellten. Johanna saß sich an den vorderen Rand der Bühne und blickte auf das Geschehen, Lucy kam in einem roten Kleid gleich zweimal (also von 2 Statistinnen gespielt) auf die Bühne. Die eine überquerte die Bühne, die andere kam aus dem Schrank in Sweeney's Zimmer. Man fragte sich vielleicht, was das sollte, aber später wurde einem das dann klar (siehe weiter unten). Die erwachsene Johanna war während dieser Szene auch anwesend und zog sich ein durchsichtiges, plastikartiges Kostüm an, was auf ihre Einlieferung in die Irrenanstalt hinwies, in der alle solche Kleidung trugen. Bei den Mordszenen spritze viel Kunstblut. Bei dieser Szene hab ich einige Elemente vermisst, siehe unten.
"By the sea" wurde ganz schlicht vor dem geschlossenen schwarzen Vorhang vorgetragen. Ich hätte mir gewünscht, dass Mrs. Lovett's Traum ein wenig auf der Bühne dargestellt wird. Aber das auch so in Ordnung. In der Irrenhausszene stand der Irrenarzt auf dem Dach des Irrenhauses und hielt ein paar Tänzer (Irre) an Fäden in der Hand (Rudolph lässt grüßen). Später bedrohte Anthony ihn mit einer Pistole, senkte sie dann wieder ab, und erschoss ihn dann schließlich doch, was mich ziemlich erschreckt hat. Die Szene, in der Sweeney dem Richter einen Brief schrieb, war mir etwas unverständlich. Das Ensemble und Sweeney machten seltsame Bewegungen in die Luft, die man dann irgendwann als Schreibbewegungen wahrnahm, aber ich verstand den Text kaum und wusste so nicht, was den Richter dazu bewegte, noch mal zu Sweeney zu kommen. "Not While I'm Around" war auch sehr eindrucksvoll. Toby war total psychopatisch und nannte Mrs. Lovett immer "Mum", außerdem zeigte er ihr ein ziemlich kindisches Bild, das er für sie gemalt hat. Als sie merkte, dass er hinter das Geheimnis kam, sperrte sie ihn in den Keller (das große Tor im Bühnenhintergrund), unter dem Vorwand, er dürfe beim Backen helfen.
Dan kam der Büttel und sang ein englisches Volkslied. Er wollte den Laden auf gesundheitliche Aspekte überprüfen, aber Sweeney bot ihm zünachst eine Rasur an. Als er ihn töten wollte, wehrte er sich und die beiden fingen an zu kämpfen. Schließlich gelang es Sweeney aber doch, ihm die Kehle zu durchschneiden. Die Bettlerin kam dazu und suchte ihren "Büttel". Sweeney erwürgte sie.
(Den folgenden Absatz sollte man vielleicht nicht lesen, wenn man diese Inszenierung noch sehen will und sich überraschen lassen will!)
Die Handlung wirkte am Schluss stark vom Original ab und spitzte sich sehr zu. Toby konnte sich befreien und kauerte sich auf den Boden nieder. Als Anthony dazukam, griff Toby ihn mit der Axt an und erschlug ihn. Kurz darauf steckte er seinen Kopf in einen Eimer voller Blut und erstickte sich damit selbst. Johanna kam, in Männerkleidung gehüllt, hinzu und nahm ein Rasiermesser in die Hand. Als sie von Sweeney entdeckt wurde und er sie mit einem Messer bedrohte, schnitt sie sich aus lauter Verzweiflung selbst die Kehle durch. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich die Ermordung des Richters in die Handlung einordnen soll, jedenfalls geschah diese ganz nach Original. Nach der Szene, in der Sweeney erfährt, dass Lucy noch lebt und die Bettlerin war, die er erwürgt hatte (Sweeney öffnete ihre Kleidung und man sah, dass sie ein rotes Kleid daruntertrug) , tötete er sich selbst, statt Mrs. Lovett in den Ofen zu schmeißen und dann von Toby aufgeschlitzt zu werden, der hier ja bereits tot war. Mrs. Lovett beugte sich noch trauernd über ihn und dann schloss der Vorhang und das Stück war zuende. Der Epilog (The Ballad of Sweeney Todd) wurde weggelassen.
Fazit:
Das Stück wurde technisch sehr aufwändig auf die Bühne und mit vielen guten Künstlern auf die Bühne gebracht. Die deutsche Übersetzung war eher mittel zum Zweck, zwar war sie meinstens besser, als ich erwartete, aber Sweeney Todd zählt nun mal zu den Stücken, die im englischen Orignial viel besser funktionieren. Das Orchester war mit 29 Mann gut gesetzt und klang und spielte sehr schön, nur ab und an hätte ich mir noch etwas mehr Power gewünscht. Die Hauptdarsteller waren alle sehr gut und passten gut in die Rollen, der Chor war gut besetzt und sang sehr gut.
Allerdings habe ich einige Kritikpunkte, was einzelne Szenen bezüglich der Regie anbelangt: Während dem "Vogellied" von Johanna gab es leider keinen Vogelkäfig, und so wurde es nicht wirklich verständlich, warum sie über singende Vögel in Gefangenschaft sang. Stattdessen warf sie mit Stofftieren um sich.
Während "Johanna (2)" vermisste ich einige Elemente aus dem Original. Der Stuhl war leider nicht so präpariert, dass die Toten durch Umklappen im Boden verschwanden. Stattdessen brachte Sweeney sie mit dem fahrbaren Stuhl zum Schrank, der sich automatisch öffnete, und schubste sie dort hinein. Dadurch fehlte ein wichtiger, komischer Effekt. Vermisst habe ich den Kunden, der mit einer Begleitung erscheint, weshalb Sweeney ihn nicht tötet kann und darüber nicht gerade begeistert ist. Schade, diese Szene finde ich sehr lustig. Leider gibt es keine Passanten, weshalb die Hysterie der Bettlerin nicht so recht klar wird ("Rauch, Rauch, Zeichen des Teufels..."). Das finde ich eben deswegen schade, weil das vorhande Potenzial nicht ganz ausgeschöpft wurde. Das Theater gibt auf der Homepage an, dass alle künstlerischen Kräfte (Solisten, Chor, Ballett und Statisten) zum Einsatz kommen, und trotzdem fehlen gewisse Elemente in einigen Szenen.
Vergleich: http://www.youtube.com/watch?v=ZVQSsJ17kCA. Das freie Ende war mir zu überzogen, und generell bin ich dagegen, die Handlung so frei zu verändern. Ich finde den Schluss zwar erträglich, den Original-Schluss aber besser. Einziger Trost: Das Ende ist in jedem Fall tragisch. Man trauert v.a. mit Mrs. Lovett mit, ob sie nun von Sweeney ermordet wird oder den selbstgetöteten Sweeney trauernd in ihren Armen hält. Aber ein absolutes No-Go ist für mich das Weglassen des Epilogs. Dadurch fehlt der Rahmen. Das Stück fängt mit "The Ballad of Sweeney Todd" an und soll auch mit "The Ballad of Sweeney Todd" enden! Trotz einiger Schwächen hat mir die Inszenierung gut gefallen, da sie meistens technisch sehr gut und aufwändig war, die Darsteller und Köstüme sehr gut und das musikalische Niveau sehr hoch war. Die meisten Szenen wurden einfach sehr schön dargestellt. Insgesamt wirkt die Inszenierung sehr professionell, u.a. weil viele Musiker und Darsteller daran beteiligt waren, und wenn man die Handlung nicht kennt, dürften einem einige Schwächen gar nicht auffallen.
In der Musicalzentrale hab ich einen Kommentar geschrieben und dem Stück 4 von 5 Sterne gegeben. Eigentlich gebe 3 Sterne, aber einen Extrastern für die grandiose Marianne Larsen.
P.S: Im Vergleich zum Film hat das Musical auf der Bühne viel mehr Szenen und Musiknummern zu bieten! Außerdem gefielen mir die Darsteller, v.a. deren Stimmen viel besser.
Die Darsteller:
Gregor Dalal (Sweeney Todd) hat eine kräftige, klassische Singstimme und klang durchwegs opernhaft. Ich habe einen Hauch von Musical in seiner Stimme vermisst, und seiner Sprechstimme fehlte irgendwie das gewisse etwas. Trotzdem hat er sehr gut gesungen und gespielt. Gary Martin gefällt mir auf den Bildern optisch etwas besser. Sein Outfit fand ich gut und die Frisur auch - sie war in etwa eine umgekehrte Johnny-Depp-Frisur, lange weiße Haare mit einer schwarzen Strähne. Florian Soyka ist ein gutaussehnder Anthony mit einer sehr schönen, kraftvollen Stimme. Wenn ich nicht wüsste, dass er Bariton ist, würde ich auf Tenor tippen - jedenfalls klingt er jung und nicht so dunkel und baritonal, wie man es von bestimmten Mitschnitten gewohnt ist und gar so "piepsig" wie Jamie Bower im Film - also genau richtig für meinen Geschmack. Außerdem passen kurze Haare viel besser zu Anthony als die langen Haare von Bower im Film. Man hörte deutlich seine klassisch ausgebildete Stimme heraus, dennoch klang er nach Musical. Die blonde Milica Jovanovic hat einen glasklaren, kraftvollen und technisch perfekten klassischen Sopran und sieht als Johanna sehr hübsch aus. Ich hab nichts an ihr auszusetzen, sie hat Johanna perfekt verkörpert. Susanne Heyng spielte die alte, irre Bettlerin auch sehr gut, lag gesanglich zwischen Musical und Klassisch und klang irgendwie genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Die anderen Darsteller waren auch alle sehr gut. Sie hatten kraftvolle, ausgebildete Stimmen, passten gut in ihre Rollen und die Kostüme waren auch alle gut.
Aber die Überfliegerin war meiner Meinung nach (und auch nach Meinung des Publikums, wie man am Schlussapplaus deutlich merkte) Marianne Larsen.


Sie allein ist es wert, diese Produktion mindestens einmal gesehen zu haben.
