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The Scarlet Pimpernel, Baden. Versuch eines Résumés

Verfasst: 30.11.2008, 03:04:03
von Tishtrya
Warnung, wichtige anfängliche Warnung: ich bin begeistert, nicht objektiv: und dieser Bericht ist es ebensowenig!


Nachdem, wie allgemein bekannt, alle guten Dinge drei sind, verschlug es mich samstags ein - vorläufig - letztes Mal zum Scarlet Pimpernel nach Baden. (In der hochgeschätzten Begleitung von Becca und Silberträne, die sowohl meine MonDieuPimpernel!- als auch MonDieuHelftMirPimpernelISTVORBEI!-Anfälle mit freundlicher Gelassenheit ertrugen - dieses nur am Rande.)

The Scarlet Pimpernel und meine Wenigkeit - eine lange, innige Liebesgeschichte, die irgendwann, vor sehr vielen Jahren begann, als ich entdeckte, dass aus einem sehr mittelmäßigen Roman eine wunderbare Show werden kann, unter der Prämisse dass der Baroness Orczy's ungeschickte Prosa durch Frank Wildhorns hin-und mitreissende Musik ersetzt wird. Gut, ich mag parteiisch sein ;)
Und eine Ohrwurm-gespickte Show ist der Pimpernel allemal - gerade im ersten Akt jagt - vom "Märchenbuch" bis zum "Verwirrspiel" ein akustischer Höhepunkt den nächsten. Den meiner bescheidenen Meinung nach etwas schwächeren zweiten Akt tragen vor allem die Reprisen von "Mädchen von früher" und "Märchenbuch" (für mich sowieso eine der großartigsten Szenen der Show), sowie - in diesem Fall - die schauspielerische Brillanz - nicht nur der Hauptrollen.

Aber ich greife vor. Was ich eigentlich hier tun möchte, ist ein kleines Resümé zu ziehen.



- Die positiven bis absolut großartigen Aspekte dieses Scarlet Pimpernels -


* Maricel's Marguerite.

Ich gestehe, als ich in Baden den Pimpernel zum ersten Mal sah, stand ich Maricel in dieser Rolle bestenfalls indifferent gegenüber. Hauptkritikpunkt? Sie war nicht Ann-Christin Elverum, die zumindest in meiner persönlichen Erfahrungswelt die Rolle geprägt hatte. Glücklicherweise sind Vorurteile dazu da, um abgebaut zu werden, und mittlerweile bin ich sowohl von ihrer gesanglichen als auch darstellerischen Interpretation unverschämt begeistert. (Dass sie eine Ausnahmestimme hat, habe ich anzuzweifeln ohnehin nie gewagt).


* Chris Murray's Chauvelin.

Tja, wenn wir schon bei Ausnahmestimmen sind: dieser Mann hat sie. Und noch mehr - er ist ein begnadeter Schauspieler, mit Bühnenpräsenz und Charisma, die ihresgleichen suchen... ja, ja, schon gut. Ich werde nicht schon wieder mein Loblied auf CM anstimmen...
Dennoch, wenn wir der alten Weisheit glauben schenken wollten, eine Show sei nur so gut wie ihr Bösewicht, dann wäre dieser Scarlet Pimpernel ein Meisterwerk - denn Chris' Chauvelin ist ein furioser Antagonist, der in all seinen Facetten glaubhaft und stimmgewaltig bleibt - sei es nun in Leidenschaft, zynischem Spott, Härte, Berechnung oder wütender Verzweiflung (oder sollte ich eher verzweifelter Wut sagen?).


* Weite Teile des Ensembles.

Allen voran die Liga des Scarlet Pimpernel: hier begeistert mich vor allem, wie es eigentlich allen Darstellern gelingt, ungeachtet der relativ kleinen Rollen, den Charakteren derartige Persönlichkeit zu verleihen.
(Bin ich hohl, wenn ich gestehe, dass ich seeeehr britische Helden in wahnsinnigen Kostümen einfach lieb haben muss? ;) )


* Die Emotionale Achterbahnfahrt.

Tragisch? Komisch? Grotesk? Sentimental? Die musikalische Palette reicht weit.


* DIE Szenen. Und mit DEN Szenen meine ich schlicht und ergreifend jene, die für mich besonders brillant sind.

Eine Auswahl: "Mädchen von früher", "Madame Guillotine" - was mich hier am meisten fasziniert (abgesehen von davon, dass ich beide Lieder innig liebe^^) ist die Skizze von Chauvelin's Charakter, die in den beiden Szenen entworfen wird;

Percy's "Gebet" (einer der ganz großen emotionalen Momente der Show), und - natürlich - der "Falke auf der Jagd": was Chris Murray in diesem Lied vom Gesanglichen wie auch vom Schauspielerischen (schon allein die Falkenpose!) gibt, grenzt für mich an pure Magie. Nein, ich gerate nicht ins Schwärmen - das war eine Tatsachenfeststellung^^

Die "Erschaffung des Mannes" - obgleich musikalisch nicht so sehr berauschend - sorgt mit Absurdität und charmant-überdrehten Pimpernel-Liga-Mitgliedern (und einem herrlich sarkastischen Chauvelin) für einen (langen) Moment der Heiterkeit (kritische Betrachter möchten vielleicht sagen, "zu lang. Weitab entfernt, kritisch an dieses Musical (oder diese Szene) heranzugehen, gebe ich zu, dass die Situationskomik, die aus Nonsense-Kostümen und Nonsense-Äusserungen erwächst, bis an den äussersten Rand ausgereizt wird. Aber es funktioniert).

"Verwirrspiel", das Ende des ersten Aktes... was soll ich sagen? Es ist einer der Songs, der mich persönlich nicht loslässt. (Um der Wahrheit Genüge zu tun, ist es das Lied, das grundlegend Schuld an meiner langfristigen Pimpernel-Begeisterung trägt). Und was Maricel, Chris und Darius Merstein-McLeod daraus machen, zieht mich mehr als ich für möglich gehalten habe in Bann: zum einen, weil dieses Trio stimmlich herausragend ist und geradezu perfekt passt, zum anderen... hm... diese Mischung aus brillantem Schauspiel, und "Bühnenchemie", die in jener Szene den Vulkan der Emotionen zwischen den Hauptcharakteren brodeln lässt.

Im zweiten Akt sind es wie schon erwähnt vor allem zwei Reprisen, die mich restlos begeistern: "Mädchen von früher", mit einem zerrissenen, wütend-verzweifelnden Chauvelin, und die Tavernenszene, inklusive "Märchenbuch". Für mich einer der stärksten Momente des Musicals überhaupt, die zornige Umdeutung des zuckerlsüßen Comédie-Liedes, die Konfrontation zwischen Marguerite und Chauvelin. Ein grandioses Zusammenspiel zwischen Maricel und Chris Murray - Hass, Wut und Enttäuschung haben noch selten so sehr... geknistert.


Kommen wir zu den:

- neutral bis naja-Aspekten:

* Darius Merstein-McLeod's Percy.

Vorab: ich mag DMML unglaublich gerne. Ich finde seine Stimme wunderbar - und tatsächlich bringt er seine Songs mitreissend, stimmgewaltig und emotionsgeladen.
Wo es für mich hingegen hapert, ist der Rest: seinem Percy fehlt es an... Flair, an dem "Gewissen Etwas"; Als der überlegene Held, der jede Situation unter Kontrolle hat, kommt er für mich großteils einfach nicht glaubhaft rüber.


* Die Story:

Intrigenspiel und Mantel-und-Degen Abenteuer, dem man tunlichst nicht mit Logik oder pragmatischem Verstand an den Leib rücken sollte.


* Die Kulissen.

Sind für ein kleines Theater wie jenes in Baden - okay. Sagen wir, sie stören nicht ;)


Und der üble Rest?

Nun, man lasse mich nachdenken, was mich denn am Pimpernel stört... ein paar Kleinigkeiten in der Inszenierung, ein Lied, das ich nun mal nicht leiden kann ("Du gibst mir Halt"), die etwas minderwärtige Akkustik - ja, Details mit denen man leben kann.
Und eine winzige Panne in dieser Show - Chauvelin, der Marguerite in der Ballszene im wahrsten Sinne des Wortes fallen lässt. Kann passieren, wurde auch blitzschnell überspielt.


Das war es auch schon (schon... *hust*) von meiner Seite der Pimpernel-Berichterstattung. Es war mir ein wahres Plaisir ;)

Re: The Scarlet Pimpernel, Baden. Versuch eines Résumés

Verfasst: 30.11.2008, 07:06:23
von Elphaba
Mir auch! :D

Ein wahrlich begeistern/tes Resumé! Danke dir Tishtrya! :)

Re: The Scarlet Pimpernel, Baden. Versuch eines Résumés

Verfasst: 30.11.2008, 13:10:29
von Marie Antoinette
danke für den Bericht :)

Re: The Scarlet Pimpernel, Baden. Versuch eines Résumés

Verfasst: 03.12.2008, 21:57:49
von Becca
Es war mir ein Vergnügen, Tish - und die MonDieuPimpernel!-Anfälle waren gar nicht soooo schlimm, oder Sisi? ^^