Heiße Ecke 24, 20.2.2008 in Hamburg, 19.00 Uhr

Wie gefiel euch eine Vorstellung und was würdet ihr kritisieren?

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Heiße Ecke 24, 20.2.2008 in Hamburg, 19.00 Uhr

Beitragvon Elphaba » 24.02.2008, 02:12:53

„Heiße Ecke 24“, 20.2. 2008 in Hamburg (wo sonst? :D ) Schmidt`s Tivoli, 19.00Uhr


Und noch ein Bericht von mir! ;) Diesmal von einer etwas kleineren „muggeligen“ (wie man hier so schön sagt) Produktion mitten auf`m Hamburger Kiez. (Entschuldigt bitte die Umgangssprache, ich stehe immer noch so ein wenig unter dem Einfluss dieses Musicals in dem fast nur im tiefsten Hamburger Slang gesprochen wird. ;) ).
Nicht nur das Theater liegt auf der Reeperbahn, das Stück in dessen Mittelpunkt eine Imbissbude (eben die „Heiße Ecke“) steht spielt genau dort.
Es ist eines dieser Stücke, die eben im Schmidt`s oder im Schmidt`s Tivoli (liegen auf der Reeperbahn quasi direkt nebeneinander) so laufen und von denen man auch nicht allzu viel Tiefgang erwarten kann („Swinging St.Pauli“ war da eine rühmliche Ausnahme!). Und normalerweise, wenn man eines dieser beiden Theater besucht, will man das auch gar nicht. Hier sollen die Stücke vor allem dies sein: Lustig und unterhaltsam, und da wir uns ja hier auf der Reeperbahn befinden, auch gerne mal (bzw. hauptsächlich) unter der Gürtellinie. Also ich muss dazu sagen, ich kann diese Art von Humor (der flachsten Sorte, ein Spruch jagt den nächsten) nur sehr begrenzt ab. Also wenn ich eine dieser Schmidt-Produktionen gesehen habe, dann brauch ich immer doch ne gewisse Pause bis ich das wieder ab kann.
Nun hatte mein Vater eben eine Karte zum Geburtstag bekommen und da ich schon viel Positives (ja!!) über dieses Musical gehört hatte, entschloss ich mich also mitzugehen.
Und ich muss sagen: Ja, ich hatte Spaß! :D
Wir hatten sehr gute Plätze, etwa in der Mitte des Saales an einem Tisch, der etwas erhöht auf einer Art Treppenabsatz stand. Sehr günstig! So konnten wir eben gut über die vorderen Tische hinweg genau auf die Bühne blicken.
Wie in den Schmidt-Theatern so üblich begann die Vorstellung eine viertel Stunde später, da erst weitestgehend alle Getränkebestellungen erfüllt werden mussten (über die Preise schweige ich jetzt hier mal besser :roll: ), und doch muss man es in diesen Theatern in Kauf nehmen, dass nach Beginn und nach dem Ende der Pause noch ein paar Kellner durch die Gänge laufen um noch die letzten Getränke zu bringen… Aber gut, das gehört eben dazu. ;)

Über die Handlung muss ich glaube ich nicht so viel schreiben, irgendwo hatte hier glaube ich auch schon mal jemand im detail gepostet, was so passiert.
Es dreht sich eben alles um die Imbissbude „Heiße Ecke“ an der sich alles, was so an seltsamen Typen, Kiez-Königen und gescheiterten Existenzen auf der Reeperbahn rumläuft so treffen. Gezeigt werden 24 Stunden und was in diesen an der Imbissbude so passiert. Es gibt 24 klar durch Blackouts voneinander getrennte Szenen, in denen die Personen, die man während des Stückes besser kennenlernt, immer mal wieder auftauchen. In der Mitte oben über dem Imbiss, hängt eine große, beleuchtete Uhr. Diese läuft während der Blackouts in denen die Band das musikalische Thema der vorangegangenen Szene wiederholt, jeweils eine Stunde weiter. So ist der Stundenzeiger dieser Uhr am Ende des Stückes genau zweimal herumgewandert. Die Idee das Stück so zu gestalten gefiel mir gut!
Zu den unterschiedlichen Zeiten kamen die unterschiedlichsten Gestalten an der Bude vorbei (nur die jeweilige „Wirtin“, eine in der Tag- und eine in der Nachtschicht bildete quasi eine Art ruhenden Pol in diesem Kommen und Gehen): Die neun Darsteller schlüpften insgesamt in ca. 50 Rollen! Die meisten dieser Auftritte waren natürlich lustig: Da gab es ein paar verwirrte Touristen: ein sehr klischeehaftes bayrisches Ehepaar, dem die Kamera geklaut wird, oder auch zwei verklemmte, schwäbische Versicherungsangestellte, die gleich von den *** Nadja und Sylvie ins benachbarte Bordell abgeschleppt werden. Zwei Junggesell/innen-Abschiede werden gefeiert (jeweils drei sturzbetrunkene Kerle in ordinären T-Shirts und drei nicht weniger besoffene Mädels in albernen Verkleidungen), ein Ehepaar mittleren Alters auf dem Weg zu und später von „Udo Jürgens“ im Tui-Operettenhaus („Als wir damals hier bei Cats waren, sah das alles ganz anders aus!“), das sich ständig streitet. Herrlich hier der Song: „Günther will noch eine Wurst“. :lol: Besonders lustig waren auch zwei hoffnungsvolle Musicaldarsteller, die auf dem Weg zur Audition im Tivoli waren. Beide Tanzschritte übend und Gesangsübungen machend. Sie mit schrecklich schriller und verbesserungswürdigen Gesangskünsten und er wunderbar klischeehaft tuntig (so nach dem Motto: „Alle männlichen Musicaldarsteller sind sowieso schwul“). Und nicht, dass hier gleich wieder die Diskussionen losbrechen: Hier wird nichts und niemand (oder aber auch alles und jeder :lol: ) diskriminiert! Der Intendant und Regisseur Cornie Lithmann ist selbst begeistert schwul und tritt mit vorliebe in Frauenkleidern auf, ist gleichzeitig aber auch Vorsitzender des FC St.Pauli hier in Hamburg. Außerdem: Auf der Reeperbahn ist alles erlaubt! ;)
Zum Höhepunkt des „Audition-Songs“ der beiden kamen dann auch noch eine der Darstellerinnen auf Rollschuhen (immerzu monoton „Starlight Express“ singend), eine im Plüschfell-Katzenkostüm („Mondschein!“ herrlich schräg) und eine mit einer weißen Maske in der Hand (ja was wohl… ;) ) auf die Bühne. Also mir hat`s gefallen! :lol: Als Musical-Fan sollte man doch auch Humor haben!
Ich kann jetzt natürlich nicht alle Szenen und Personen einzeln aufzählen, es waren einfach zu viele, aber was ich schon noch wichtig finde, ist, dass es durchaus nicht nur lustige Szenen gegeben hat. Ab und zu gab es auch ernstere und nachdenkliche Anklänge (was mich wirklich positiv überrascht hat in diesem Musical!):
Da war z.B. der spielsüchtige Knud, der immer versuchte, jeden anzupumpen weil er „bestimmt dieses Mal Glück haben“ würde, oder auch die Prostituierten, die zwar auf der einen Seite lustig waren mit ihren Anmachsprüchen, auf der anderen Seite gab es aber auch eine Szene wo sie während ihrer Arbeit (pantomimisch dargestellt) laut nachdachten, z.B. über ihre Kinder, die eingeschult wurden oder sonstige Dinge des täglichen Lebens, die deutlich machten, dass sie das, was sie tun um Geld zu verdienen, völlig emotionslos an sich abprallen lassen.
Rührend war auch eine Szene in der ein altes Ehepaar (so um die 80 Jahre) vorbei kam, auf der Suche nach einem Cafe, dass ungefähr genau gegenüber der Imbissbude gewesen sein musste. Dort hätten sie sich vor vielen vielen Jahren als junge Leute kennen gelernt und zusammen getanzt. Der nette Bordellbesitzer von nebenan muss den beiden aber leider mitteilen, dass dieses Cafe schon vor langer Zeit abgerissen wurde. Dennoch schwelgen die zwei in Erinnerung und fangen auf der Straße an miteinander zu tanzen. Dabei singen sie mit zittrigen Stimmchen „Can`t Help Falling in Love With You“. Echt niedlich. :)
Also diese ruhigeren, nicht so klamaukigen Szenen haben bei mir auf jeden Fall zu einem positiven Gesamteindruck beigetragen!

Zu den Darstellern wird es schwierig, einzeln etwas zu schreiben. Sie stehen leider nicht im Programmheft. Im Foyer hing eine Art Plakat mit 17 Darsteller-Fotos und ihren (winzig klein gedruckten) Lebensläufen. Neben den neun Darstellern, die an diesem Abend dran waren, war jeweils ein roter Magnet angebracht. Ich versuche mal, die Darsteller anhand der Webseite zusammenzukriegen (wobei ich denke, dass hier wohl kaum einer von ihnen bekannt sein dürfte):

DÖRTHE BREIDENBACH: Lisa, Nadja u.a.
BENJAMIN EBERLING: Klaus, Gloria, Günther u.a. (> echt zum knuddeln! Vor allem als Taxifahrer Klaus)
STEFANIE SCHWENDY: Elke, Sylvie u.a.
ANDREAS ZARON: Pitter, Kurt, Knud u.a.
ANJA MAJESKI: Hannelore, Hilde u.a. (> besonders als typisch, dröge Hamburger Imbiss-Wirtin echt der Hammer!)
KATHI DAMEROW: Margot, Natascha u.a.
MARKUS RICHTER: Lars, Jimmy, Sven, Seppl u.a. (> ein richtiger „Langer Lulatsch“, herrlich verklemmt als Lars, dagegen obercool übertrieben als Sven, sprich: sehr wandelbar!)
GÖTZ FUHRMANN: Mikie, Fred, Brummer u.a.
SARAH MATBERG: Manu, Nadja u.a.



Der Einzige, den ich schon kannte, war Götz Fuhrmann, der früher zum Buddy-Ensemble im Theater im Hafen (jetzt KdL) gehörte.
Insgesamt haben sie alle ihre Sache recht gut gemacht (meine Hochachtung gilt vor allem der Wandelbarkeit jedes einzelnen und den rasend schnellen Kostüm- sprich Charakterwechseln!), allerdings hatte ich auch dieses Mal wieder so etwas den Eindruck, dass in dieser Art von Musical (oder auch anderen Comedy-Stücken auf der Reeperbahn) eher die Darsteller landen, bei denen es für die großen, „ernsteren“ Musicals qualitativ nicht ganz gereicht hat. D.h. dass da eben nicht jeder Ton immer getroffen wird und auch die tänzerischen Fähigkeiten vermutlich nicht ganz so ausgeprägt sind… Insbesondere bei Dörthe Breidenbach ist mir schon sehr aufgefallen, dass da so mancher Ton daneben ging (dafür war er umso lauter und schriller :roll: ). Aber auch bei den anderen, abgesehen von Andreas Zaron, der wirklich eine starke Stimme hat und damit sehr positiv heraussticht, waren die Stimmen jede für sich gesehen, eher mittelmäßig (in der Gruppe dagegen klangen sie durchaus wieder annehmbar). Das Schauspielerische kann ich nicht so wirklich beurteilen, es war eben alles ziemlich überzogen und klischeehaft dargestellt.
Ich will jetzt wirklich keinem Unrecht tun, aber ich hätte mir keinen von ihnen auf einer großen Musical-Bühne vorstellen mögen. Und das ist vielleicht auch gut so! Auf der Schmidt`s Tivoli-Bühne haben sie wirklich ihr bestes gegeben und das Publikum sehr gut unterhalten. Für diese Art von Show waren sie wirklich gut geeignet und was für mich immer sehr viel zählt: Alle hatten sichtlich Spaß an der Sache und das ging auch auf das Publikum über! Und wenn man nicht mehr aber auch nicht weniger von einer Show bei „Schmidt`s“ auf der Reeperbahn erwartet, dann kann man einen wirklich schönen Abend dort verleben! :)

Hier nochmal der Thread, in dem Franka freundlicher weise die Szenen und was darin passiert, einzeln aufgeschrieben hat (etwas runterscrollen :wink: ):

http://www.musical-forum.net/forum/viewtopic.php?t=905&start=0
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Beitragvon Mel » 24.02.2008, 15:50:03

Doch...Andreas Zaron kenne ich, der hat bei uns als letztes Abydos gemacht!
Er ist aber auch als Schlgersänger bekann1
kennst du "ich fan mein ganz großes glück im zug nach Osnabrück"?
Der war er!
Liebe Grüße!

Mel

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Beitragvon Elphaba » 25.02.2008, 00:50:54

*gg* Nee, den kenne ich nicht. Aber danke für die Info. :)
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Beitragvon Annie » 25.02.2008, 16:36:10

@Elpphaba: Dankeschön für den ausführlichen und interessanten Bericht! Hört sich an, als könnte man bei diesem Musical einen lustigen Abend verbringen! :wink:

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Beitragvon Elphaba » 26.02.2008, 00:20:50

Danke Annie! Ja, das kann man wirklich (wenn man aus Bayern oder Schwaben oder Paderborn kommt, muss man aber etwas Humor mitbringen :wink: ).


Na wenigstens hat es mein Bericht auf einen Kommentar gebracht... :roll:
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Beitragvon Killerqueen » 26.02.2008, 16:42:47

Danke für diesen sehr schönen Bericht!

Ich hab mich sehr gefreut, mal einen Bericht über die "Heiße Ecke" zulesen.
ich hab es selbst leider noch nciht gesehen, aber ich höre mir sehr gerne die CD an. Aber vill. schaffe ichs ja mal wieder nach Hamburg. :wink:

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Beitragvon Franka » 26.02.2008, 17:44:30

Ich finde Kleinkunststücke im Schmitz und co. aus langer Sicht "muggeliger" als die grossen SE Stücke... viele Darsteller wollen auch nicht zur SE. Da kann man noch viel ausprobieren und gleichzeitig viele Rollen spielen.
Ok... Charlotte Heinke, Kerstin Marie Mäkelburg und Jerry Marwig haben lange im Schmitz gespielt und tingeln jetzt auf grossen Bühnen rum.
In der Comedy Szene gibt es Viele, deren das Schmitz und das Schmitz Tivoli als Sprungbrett zur grossen Karriere genutzt haben.

Das Tivoli konzepiert die Bühnen Shows der Sealive Schiffe (AIDA) und hat sogar eine eigene Musicalschule (Sealive Tivoli). Das Unternehmen selber kann sich von der Grösse her mit der Stage messen.

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Beitragvon Killerqueen » 26.02.2008, 19:10:46

Franka hat geschrieben:Das Unternehmen selber kann sich von der Grösse her mit der Stage messen.


Da muss ich dir absolut zustimmen! Was mir auch sehr an den Schmidts Theatern gefällt ist, dass es so schön gemütlich ist mit den Tischen usw. Da macht der Abend umso mehr Spaß.
Sowas gefällt mir sogar besser, als die SE Theater...

Ich war vor ca 3-4 Jahren mal im ?Tivoli? und hab dort ein Live Programm von Lilo Wanders angesehen. :wink:

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Beitragvon Elphaba » 27.02.2008, 01:03:33

Danke für eure Kommis! :)


Ja, ich weiß, dass das Unternehmen so groß ist und der Comedy-Faktor nicht zu unterschätzen ist, aber dennoch ist mir schon aufgefallen, dass es gesanglich bei den Darstellen u.a. eben nicht ganz so weit her war.

Sowas könnte sich die SE jedenfalls nicht unbedingt leisten...
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Beitragvon Franka » 27.02.2008, 10:46:13

naja... Kerstin Marie Mäkelburg, Jerry Marwig und Charlotte Heinke arbeiten jetzt auch für die Stage- schon länger... alle drei bei Udo;-)

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Beitragvon Elphaba » 28.02.2008, 00:32:53

Ja, ich sag ja auch nicht, dass sie alle bei Schmidt`s nicht gut singen können. Für einige ist es sicher auch das erste Engagement nach der Schule und dann geht`s erst raus in die "große weite Welt". :D
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Beitragvon Franka » 28.02.2008, 09:42:29

ok... *g das stimmt...;-)


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