
Und noch ein Bericht von mir!


Nicht nur das Theater liegt auf der Reeperbahn, das Stück in dessen Mittelpunkt eine Imbissbude (eben die „Heiße Ecke“) steht spielt genau dort.
Es ist eines dieser Stücke, die eben im Schmidt`s oder im Schmidt`s Tivoli (liegen auf der Reeperbahn quasi direkt nebeneinander) so laufen und von denen man auch nicht allzu viel Tiefgang erwarten kann („Swinging St.Pauli“ war da eine rühmliche Ausnahme!). Und normalerweise, wenn man eines dieser beiden Theater besucht, will man das auch gar nicht. Hier sollen die Stücke vor allem dies sein: Lustig und unterhaltsam, und da wir uns ja hier auf der Reeperbahn befinden, auch gerne mal (bzw. hauptsächlich) unter der Gürtellinie. Also ich muss dazu sagen, ich kann diese Art von Humor (der flachsten Sorte, ein Spruch jagt den nächsten) nur sehr begrenzt ab. Also wenn ich eine dieser Schmidt-Produktionen gesehen habe, dann brauch ich immer doch ne gewisse Pause bis ich das wieder ab kann.
Nun hatte mein Vater eben eine Karte zum Geburtstag bekommen und da ich schon viel Positives (ja!!) über dieses Musical gehört hatte, entschloss ich mich also mitzugehen.
Und ich muss sagen: Ja, ich hatte Spaß!

Wir hatten sehr gute Plätze, etwa in der Mitte des Saales an einem Tisch, der etwas erhöht auf einer Art Treppenabsatz stand. Sehr günstig! So konnten wir eben gut über die vorderen Tische hinweg genau auf die Bühne blicken.
Wie in den Schmidt-Theatern so üblich begann die Vorstellung eine viertel Stunde später, da erst weitestgehend alle Getränkebestellungen erfüllt werden mussten (über die Preise schweige ich jetzt hier mal besser


Über die Handlung muss ich glaube ich nicht so viel schreiben, irgendwo hatte hier glaube ich auch schon mal jemand im detail gepostet, was so passiert.
Es dreht sich eben alles um die Imbissbude „Heiße Ecke“ an der sich alles, was so an seltsamen Typen, Kiez-Königen und gescheiterten Existenzen auf der Reeperbahn rumläuft so treffen. Gezeigt werden 24 Stunden und was in diesen an der Imbissbude so passiert. Es gibt 24 klar durch Blackouts voneinander getrennte Szenen, in denen die Personen, die man während des Stückes besser kennenlernt, immer mal wieder auftauchen. In der Mitte oben über dem Imbiss, hängt eine große, beleuchtete Uhr. Diese läuft während der Blackouts in denen die Band das musikalische Thema der vorangegangenen Szene wiederholt, jeweils eine Stunde weiter. So ist der Stundenzeiger dieser Uhr am Ende des Stückes genau zweimal herumgewandert. Die Idee das Stück so zu gestalten gefiel mir gut!
Zu den unterschiedlichen Zeiten kamen die unterschiedlichsten Gestalten an der Bude vorbei (nur die jeweilige „Wirtin“, eine in der Tag- und eine in der Nachtschicht bildete quasi eine Art ruhenden Pol in diesem Kommen und Gehen): Die neun Darsteller schlüpften insgesamt in ca. 50 Rollen! Die meisten dieser Auftritte waren natürlich lustig: Da gab es ein paar verwirrte Touristen: ein sehr klischeehaftes bayrisches Ehepaar, dem die Kamera geklaut wird, oder auch zwei verklemmte, schwäbische Versicherungsangestellte, die gleich von den *** Nadja und Sylvie ins benachbarte Bordell abgeschleppt werden. Zwei Junggesell/innen-Abschiede werden gefeiert (jeweils drei sturzbetrunkene Kerle in ordinären T-Shirts und drei nicht weniger besoffene Mädels in albernen Verkleidungen), ein Ehepaar mittleren Alters auf dem Weg zu und später von „Udo Jürgens“ im Tui-Operettenhaus („Als wir damals hier bei Cats waren, sah das alles ganz anders aus!“), das sich ständig streitet. Herrlich hier der Song: „Günther will noch eine Wurst“.



Zum Höhepunkt des „Audition-Songs“ der beiden kamen dann auch noch eine der Darstellerinnen auf Rollschuhen (immerzu monoton „Starlight Express“ singend), eine im Plüschfell-Katzenkostüm („Mondschein!“ herrlich schräg) und eine mit einer weißen Maske in der Hand (ja was wohl…


Ich kann jetzt natürlich nicht alle Szenen und Personen einzeln aufzählen, es waren einfach zu viele, aber was ich schon noch wichtig finde, ist, dass es durchaus nicht nur lustige Szenen gegeben hat. Ab und zu gab es auch ernstere und nachdenkliche Anklänge (was mich wirklich positiv überrascht hat in diesem Musical!):
Da war z.B. der spielsüchtige Knud, der immer versuchte, jeden anzupumpen weil er „bestimmt dieses Mal Glück haben“ würde, oder auch die Prostituierten, die zwar auf der einen Seite lustig waren mit ihren Anmachsprüchen, auf der anderen Seite gab es aber auch eine Szene wo sie während ihrer Arbeit (pantomimisch dargestellt) laut nachdachten, z.B. über ihre Kinder, die eingeschult wurden oder sonstige Dinge des täglichen Lebens, die deutlich machten, dass sie das, was sie tun um Geld zu verdienen, völlig emotionslos an sich abprallen lassen.
Rührend war auch eine Szene in der ein altes Ehepaar (so um die 80 Jahre) vorbei kam, auf der Suche nach einem Cafe, dass ungefähr genau gegenüber der Imbissbude gewesen sein musste. Dort hätten sie sich vor vielen vielen Jahren als junge Leute kennen gelernt und zusammen getanzt. Der nette Bordellbesitzer von nebenan muss den beiden aber leider mitteilen, dass dieses Cafe schon vor langer Zeit abgerissen wurde. Dennoch schwelgen die zwei in Erinnerung und fangen auf der Straße an miteinander zu tanzen. Dabei singen sie mit zittrigen Stimmchen „Can`t Help Falling in Love With You“. Echt niedlich.

Also diese ruhigeren, nicht so klamaukigen Szenen haben bei mir auf jeden Fall zu einem positiven Gesamteindruck beigetragen!
Zu den Darstellern wird es schwierig, einzeln etwas zu schreiben. Sie stehen leider nicht im Programmheft. Im Foyer hing eine Art Plakat mit 17 Darsteller-Fotos und ihren (winzig klein gedruckten) Lebensläufen. Neben den neun Darstellern, die an diesem Abend dran waren, war jeweils ein roter Magnet angebracht. Ich versuche mal, die Darsteller anhand der Webseite zusammenzukriegen (wobei ich denke, dass hier wohl kaum einer von ihnen bekannt sein dürfte):
DÖRTHE BREIDENBACH: Lisa, Nadja u.a.
BENJAMIN EBERLING: Klaus, Gloria, Günther u.a. (> echt zum knuddeln! Vor allem als Taxifahrer Klaus)
STEFANIE SCHWENDY: Elke, Sylvie u.a.
ANDREAS ZARON: Pitter, Kurt, Knud u.a.
ANJA MAJESKI: Hannelore, Hilde u.a. (> besonders als typisch, dröge Hamburger Imbiss-Wirtin echt der Hammer!)
KATHI DAMEROW: Margot, Natascha u.a.
MARKUS RICHTER: Lars, Jimmy, Sven, Seppl u.a. (> ein richtiger „Langer Lulatsch“, herrlich verklemmt als Lars, dagegen obercool übertrieben als Sven, sprich: sehr wandelbar!)
GÖTZ FUHRMANN: Mikie, Fred, Brummer u.a.
SARAH MATBERG: Manu, Nadja u.a.
Der Einzige, den ich schon kannte, war Götz Fuhrmann, der früher zum Buddy-Ensemble im Theater im Hafen (jetzt KdL) gehörte.
Insgesamt haben sie alle ihre Sache recht gut gemacht (meine Hochachtung gilt vor allem der Wandelbarkeit jedes einzelnen und den rasend schnellen Kostüm- sprich Charakterwechseln!), allerdings hatte ich auch dieses Mal wieder so etwas den Eindruck, dass in dieser Art von Musical (oder auch anderen Comedy-Stücken auf der Reeperbahn) eher die Darsteller landen, bei denen es für die großen, „ernsteren“ Musicals qualitativ nicht ganz gereicht hat. D.h. dass da eben nicht jeder Ton immer getroffen wird und auch die tänzerischen Fähigkeiten vermutlich nicht ganz so ausgeprägt sind… Insbesondere bei Dörthe Breidenbach ist mir schon sehr aufgefallen, dass da so mancher Ton daneben ging (dafür war er umso lauter und schriller

Ich will jetzt wirklich keinem Unrecht tun, aber ich hätte mir keinen von ihnen auf einer großen Musical-Bühne vorstellen mögen. Und das ist vielleicht auch gut so! Auf der Schmidt`s Tivoli-Bühne haben sie wirklich ihr bestes gegeben und das Publikum sehr gut unterhalten. Für diese Art von Show waren sie wirklich gut geeignet und was für mich immer sehr viel zählt: Alle hatten sichtlich Spaß an der Sache und das ging auch auf das Publikum über! Und wenn man nicht mehr aber auch nicht weniger von einer Show bei „Schmidt`s“ auf der Reeperbahn erwartet, dann kann man einen wirklich schönen Abend dort verleben!

Hier nochmal der Thread, in dem Franka freundlicher weise die Szenen und was darin passiert, einzeln aufgeschrieben hat (etwas runterscrollen

http://www.musical-forum.net/forum/viewtopic.php?t=905&start=0