
Besetzung:
Jeckyll/Hyde: Marcus Günzel
Emma Carew: Gabriele Rösel
Lucy Harris: Susanna Panzner
John Utterson: Hans-Jürgen Wiese
Sir Danvers Carew: Herbert G. Adami
General Lord Glossop: Jochen Staudinger
Bischof von Basingstoke: Bernd Könnes
Simon Stride: Gerd Wiemer
Sir Archibald Proops: Christian Theodoridis
Lord Savage: Frank Oberüber
Spider: Christian Grygas
Lady Beaconsfield: Elke Kottmair
Guinevre (die Rolle ist bekannt als Nelly): Mandy Garbrecht
Ein Priester: Ji Hoon Kim
Ein anderer Priester: Wolfgang Amberger
Poole: Roland Pietsch
Ein Zeitungsjunge: Hardy Punzel
Solostimmen: Constanze Eschrig, Mandy Gabrecht, Inka Lange, Martin Gebhardt, Adrien Mechler
Chor, Ballett, Statisterie und Orchester der Staatsoperette Dresden
Wie man sieht, ein riesiges Ensemble
Als erstes muss ich sagen, dass insgesamt das Programm der Staatsoperette sehr interessant und mannigfaltig gestaltet ist- ich meine jetzt andere Stücke im Haus. So findet man hier und da "Wiederholungstäter", die parallel in verschiedenen Inszenierungen mitwirken. Susanna Panzner z.B. hat im selben Haus davor "Anything Goes"´gespielt.
Auch aus dem J+H Ensemble finden sich viele, die in aktuellen Programmen (hauptsächlich Operette, aber auch Musicals) mitwirken. My Fair Lady steht z.Z. auch auf dem Programm. Ich kann jetzt leider nicht sagen, wer von den oben genannten Leuten da mitwirken, aber es sind einige;-) Vor Jahren gab es übrigens im selben Haus schon mal eine My Fair Lady Inszenierung, mit Susanna Panzner als Eliza.
Chris Murray, der sich mit Marcus die Rolle des Jekyll/Hyde teilt, wirkt auch bald in Chess mit.
So, jetzt aber zur Show. Wenn ich daran denke, stellen sich immer wieder meine Nackenhaare senkrecht, nicht weil es schrecklich war, sondern weil es sehr spannend, erstklassig und mit einfachen Mitteln liebevoll, aber auch ziemlich brutal inszeniert wurde.
Ich habe das Stück damals in Bremen gesehen. Im Vergleich dazu waren die Morde in Dresden nicht so brutal dargestellt wie die in Bremen, dagegen die anzüglichen *obzönen* Szenen im Londoner *** stellenweise heftiger als in Bremen. Ich denke nur an "Das gefährliche Spiel" und die Ermordung der Lucy (arme Susanna- hatte mir teilweise schon Sorgen um sie gemacht *g*)
Marcus Günzel ist ein liebevoller Jekyll, mit einer angenehmen warmen Baritonstimme, mit seinen Zielen, an einigen Stellen schon ansatzweise Fanatisch, welches erst sich im Lauf des Stückes entwickelt und am Anfang erst eine Art Zielstrebigkeit ist. Sobald das Experiment ausser Kontrolle gerät wandelt sich diese Zielstrebigkeit, angetrieben von Panik, in eine Art Fanatismus, sein böses Ich zu besiegen. Diese Zwiespätligkeit hat er grandios gemeistert- auch als Hyde.
Als Hyde verändert sich Marcus` Stimme in eine ziemlich tiefe rauhe Stimme- fast wie ein Raubtier.
Ich habe mir sagen lassen, dass im Vergleich Chris Murray von Anfang an mit mehr Elan dabei ist. So ist er auch als Hyde brutaler zu Lucy und seinen anderen Opfern. Die Lucy Darstellerin bekommt von ihm sicher mehr blaue Flecken als von Marcus


Marcus baut seine Rolle im Laufe des Stückes nach und nach auf- was ich interessanter finde.
Trotzdem will ich es mir nicht nehmen, Chris einmal in dieser Rolle zu sehen.
Gabriele Rösel als Emma hat eine eher klassische angenehme Sopransimme, wobei sie allerdings an den Stellen, wo die Emma (Lisa) mit einer sogenannten Musicalstimme singen soll (z.B. Nur sein Blick) mit ihrer klassisch ausgebildeten Stimme nicht zurecht kam. Ich habe gesehen, dass sie eher im Operettenfach zu Hause ist. Nichtsdestotrotz konnte sie überzeugen, nicht durchgehend, aber soweit, dass ich teilweise Gänsehaut bekommen habe (das Quartett mit ihrem Vater, Utterson und Jekyll: "Dein Werk" zum Beispiel)
So, tadatataaaa: Susanna Panzner als Lucy: Was soll ich sagen... man merkt, dass sie in allen Sparten der Gesangstechnik zu Hause ist und sicher auftritt. Sie kommt verdammt hoch, aber gleichzeitig kann sie sehr rauchig, beltig und in diesem Fall verrucht singen- und tanzen.
Ich hab es leider nie live gesehen, wie sie in Anything Goes steppte, aber bei der Szene "Komm schafft die Männer ran" zeigte sie, dass sie sich klasse bewegen kann (als Donna, Tanja, Rosie und im Ensemble in MM tanzt sie ja auch, aber da ist sie etwas unterfordert).
Sie ist auch nebenbei bemerkt eine klasse Schauspielerin (Sie stammt aus einer Künstler Familie- das muss in den Genen liegen). Ich habe richtig mitgelitten.
"Jemand wie Du",
das Duett mit Emma "Nur sein Blick", "ein Leben" und andere sang sie mit sehr Gefühl. "Ein Gefährliches Spiel" mit Marcus war überhaubt der Höhepunkt (jaja... das ist etwas zweideutig, vor Allem wenn man weiss, was in der Szene passiert-lol)- ich meine eher die Künstlerische Seite... ich sass nur stocksteif da und konnte nicht atmen- genaus übrigens bei Marcus´ "Konfrontation".


Als sie in ihrem Zimmer von Hyde die Kehle durchgeschnitten bekommt, (blutig blutig


Es wird jetzt ewig dauern, die Leistung der einzelnen Akteure zu beschreiben... alles in Einem war es ein starkes Ensemble plus Kinderchor. Zwei Gesangssolisten sind mir besonders positiv aufgefallen- ich glaube die eine war Constanze Eschrig- sie hat bei den Ensemblenummern ("Fassad", "Mörder" etc... die Solisten angeführt bzw. man hörte sie überall raus... eine gute solide kräftige Stimme und vor Allem Bühnenpräsenz, obwohl sie "nur" im Chor war.)
Eine lustige Annekdote war noch: In unserer Reihe sass ein etwa 12 Jähriges Kind, der die brutalen Szenen überhaubt nichts ausmachte... irgentwann hörte ich es zum Vater? sagen: "Du, jetzt wird doch Onkel Jochen ermordet, oder?" lol
Fazit: Ich finde es einfach grossartig, was so ein kleines Theater auf die Beine stellen kann (600 Plätze)
... das Programm kann ich nur wärmstens empfehlen...

in dem Sinne... man muss es selber sehen.