Blues Brothers am Stadttheater Ingolstadt, 21.3.2010

Wie gefiel euch eine Vorstellung und was würdet ihr kritisieren?

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Blues Brothers am Stadttheater Ingolstadt, 21.3.2010

Beitragvon Piano » 25.03.2010, 23:58:29

Besetzung:
Jake „Joliet“ Blues: Tobias Licht
Elwood Blues: Peter Reisser
Reverend Brown / Aretha: Joan Orleans
Curtis / Ray: Lemuel B. Pitts
Penguin / Claire: Nadine Germann
Frank Oz / Mr. Fab / Polizist u.a.: Nik Neureiter
Polizist / Morrie Sline u.a.: Jan Ole Stoka
Carrie: Annika Titze
Alan Rubin “Mr. Fabulous” (trumpet): Jörg Hartl
Blue “Lou” Marini (saxophone): Kay Fischer
Tom “Bone” Malone (trombone): Erwin Gregg
Murphy Dunne (keyboard): Tim Allhoff
Matt “Guitar” Murphy (guitar): Christoph Schultheiß
Donald “Duck” Dunn (bass): Uli Fiedler
Willie „Too Big“ Hall (drums): Harry Alt

Natürlich musste ich auch diese Saison wieder das inzwischen obligatorische Musical in Ingolstadt angucken und ich muss wirklich sagen, die werden von Jahr zu Jahr besser! Dieses Mal war ich auch wirklich erfreut, dass mal ein etwas lustigeres Stück auf dem Spielplan steht. Okay, „Jesus Christ Superstar“ und „Evita“ waren der Oberhammer, aber etwas Unterhaltung tut auch mal gut!
Für alle, die die Story der „Blues Brothers“ nicht kennen, hier eine Zusammenfassung: http://de.wikipedia.org/wiki/Blues_Brothers#Handlung
Die Filmhandlung stimmt größtenteils mit der Bühnenhandlung überein.

Zunächst einmal fällt das geniale Bühnenbild auf. Es war, wie so oft in Ingolstadt, minimalistisch und dennoch aufwendig. Am besten war die Szene, in der Elwood seinen Bruder aus dem Gefängnis abholt. Das neu gekaufte ausgemusterte Polizeiauto, dass er gegen das „Blues Mobil“ eingetauscht hat, bestand aus zwei schwarz-weißen Stühlen und einem Mikrofon, mit dem Peter Reisser alias Elwood sämtliche Autogeräusche nachgemacht hat. Von der quietschenden Karosserie bis zum abwürgenden Motor. War wirklich lustig.
Die beiden Polizisten, die den Brüdern das Leben schwer machen hatten hingegen ein ferngesteuertes, kleines Spielzeugauto, mit dem sie die beiden „verfolgt“ haben. Die Szene, in der die beiden in das Einkaufszentrum fahren, war auch witzig dargestellt. Erst haben die Leute aus dem Ensemble aus Kartons eine Mauer aufgebaut, die beiden haben dann ihre Stühle umgedreht und die anderen die Kartons ihnen entgegen gestoßen. Soll also quasi zeigen, wie sie durch die Mauer rasen. Als sie in der Spielzeugabteilung landen, fliegen vom Bühnenrand Unmengen an Plüschtieren auf die beiden.
Später im Stück haben sie dann auch ein kleines Modellauto, das Elwood vor dich her trägt und immer fein säuberlich am vorderen Bühnenrand „parkt“.
Getankt wurde dann in einer dementsprechend kleinen Tankstelle, die Jake aus Versehen mit einem Zigarettenstummel in die Luft jagt.
Die meisten Gebäude wurden nur aus bunten Lichtschläuchen gebaut, was aber sehr effektvoll war.

Die Darsteller waren wirklich alle grandios, wobei ich viele bisher noch nicht in Ingolstadt gesehen habe, also davon ausgehe, dass sie für das Stück extra engagiert wurden.
Inzwischen darf ja in keiner Musical-Inszenierung in diesem Theater Peter Reisser fehlen. Ich hab echt noch kein Musical oder Ähnliches da gesehen, wo er nicht dabei gewesen wäre (als Ché bei Evita, als Jesus bei JCS, als Claude bei Hair, als Sängerin bei Shockheaded Peter, ...). Und das ist auch gut so. Er hat ne tolle Stimme und spielt bei den Blues Brothers einfach herrlich. Von supercool bis völlig panisch!
Tobias Licht als Jake war auch der Hammer. Vor allem bei seinem Lied „This Is A Man’s World“ hat er nen Riesenapplaus bekommen. Toll auch die Entwicklung der Figur. Am Anfang trauert er seiner Liebsten Carrie nach, am Ende serviert er sie nach viel Liebesgesäusel eiskalt ab.
Beide Herren können auch wirklich gut tanzen, hat sich da herausgestellt. Echt lustig, wenn sie auf der Bühne rumdüsen, Räder schlagen etc.
Annika Titze als Carrie hatte wohl die coolste Rolle. Ich weiß nicht, wie die Figur bei anderen Inszenierungen dargestellt wird, aber hier wurde eine Artistin für die Rolle engagiert. Sie versucht ja ständig Anschläge auf Jake und Elwood zu verüben. Am Anfang sprengt sie Elwoods Bleibe (ein Pappkarton, der dann durch eine Luke im Bühnenboden runtergezogen wird, der Effekt war zum Schreien komisch), dafür seilt sie sich kopfüber von der Bühnendecke herunter und bringt einen kleinen Sprengsatz (der wirklich sehr laut geknallt hat!) an der Kiste an. Später will sie die beiden erschießen, es klappt aber alles nichts. Aber es gab noch mehr tolle Nummer, im Gedächtnis ist sie mir bei „A Man’s Wolrd geblieben“. Ich weiß nicht, ob ihr diese Artistik-Nummern mit zwei Stoffbahnen kennt, wo der Künstler dran hochklettert, sich einwickelt, dann bis knapp über den Boden ausrollt etc. Einfach grandios!
Ein absoluter Publikumsliebling war dann noch Lemuel B. Pitts als Curtis. Er ist ja sozusagen der Erzähler des Stücks und hatte immer eine Horde Kinder um sich. Stimmlich ist Pitts echt der Wahnsinn und bei irgendeinem Lied (weiß den Titel nicht mehr) durfte dann auch das Publikum mitsingen, was auch fast alle gemacht haben.
Hier gibts auch noch Fotos von dem Stück!
Cool waren dann noch die beiden (etwas lahmarschigen ;-)) Polizisten. Sie saßen den Großteil des Stücks auf zwei alten Autositzen am Rand der Bühne und haben sich da mit ... sinnvollen Sachen die Zeit vertrieben. Z.B. Teebeutel an die Lampe binden und dann die Tasse darunter halten... Fies war ja die Szene, in denen der eine den Kindern in Waisenhaus Bonbons schenkt, um ihnen den Aufenthaltsort der Blues Brothers zu entlocken und der andere sammelt dann alle Süßigkeiten wieder ein.
Richtig Spaß hatte wohl auch Nadine Germann als Oberin des Waisenhauses. Als die Brüder sie am Anfang besuchen, rutscht Jake aus Versehen das böse Wort mit Schei** raus und sie zückt dann ein (zum Glück nicht allzu dickes) großes Plastiklienal und brät ihm damit eins über. Da die beiden aber munter weiter fluchen, ging das Ding irgendwann zu Bruch. Ich weiß nicht, ob das geplant war, aber es war auf jeden Fall witzig!
Allgemein hat man gemerkt, was für eine Riesenfreude die ganze Truppe an dem Stück hat. Am Ende gab es natürlich tosenden Applaus und Standing Ovations. Dafür wurden die Zuschauer auch mit zwei Zugaben belohnt.
Ich will mir das Stück auf jeden Fall nochmal anschauen und kann es nur jedem empfehlen, der in der Nähe wohnt. Die Karten sind auch echt günstig (32 € für PK 1, für Schüler/Studenten/Zivis/Azubis ungefähr die Hälfte).

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Re: Blues Brothers am Stadttheater Ingolstadt, 21.3.2010

Beitragvon Elphaba » 26.03.2010, 01:29:43

Danke für deinen schönen Bericht Piano! :)

Sehr lebendig und zum Mitlachen geschrieben! :D

Nur dass sie da mit armen unschuldigen Stofftieren rumschmeißen! Das kann ich nicht billigen! :motz:

Aber schön zu lesen, dass Nik sich jetzt endlich einen Nachnamen zugelegt hat... :lol:
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Re: Blues Brothers am Stadttheater Ingolstadt, 21.3.2010

Beitragvon Piano » 26.03.2010, 09:22:38

Elphaba hat geschrieben:Aber schön zu lesen, dass Nik sich jetzt endlich einen Nachnamen zugelegt hat... :lol:


Wieso das? :?:

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Re: Blues Brothers am Stadttheater Ingolstadt, 21.3.2010

Beitragvon Elphaba » 26.03.2010, 23:19:14

Also in den kleinen Hamburger Theatern stand er immer nur als "Nik" in den Programmheften.

Künstler eben... :roll: :P
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Re: Blues Brothers am Stadttheater Ingolstadt, 21.3.2010

Beitragvon ~Radu~ » 27.03.2010, 00:48:16

Das war bei Nik Breidenbach auch so. Der steht im Booklet von Tanz der Vampire auch als "Nik" drin. :roll: :wink:


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