– Alte Oper, Frankfurt am Main –
- Mittwoch, 06. Januar ’10, 15:00 Uhr –
Denn nur das eine weiß man ganz genau: So, wie man plant und denkt, so kommt es nie …
Mein „schlauer“ Plan war, einen spontanen Trip nach Frankfurt zu machen, besonders, um Oliver Arno auch mal als Tod zu sehen. Soweit der Plan, aber natürlich kam es ganz anders: Kurzfristige Spielplanänderungen, doch kein Oli on stage. Dafür aber andere ganz unerwartete Besetzungen, die ich echt nicht zu erwischen gehofft hätte …^^
Zunächst aber ein paar Eindrücke zur Alten Oper. Von außen fand ich sie echt schön, bis auf die zugebaute Vorderfassade^^ Aber immerhin – ein richtiges Theater für „Elisabeth“! Drinnen hatte ich dann auch einen eher klassischen Theatersaal erwartet, am besten mit Kronleuchter und allem, da war ich von dem sehr modernen Saal doch ein bisschen enttäuscht. Schade fand ich auch, dass die Sitze erst sehr weit hinten anstiegen. Ein klarer Nachteil für uns arme kleine Menschen^^ Ich saß in der 7. Reihe (also eigentlich in der 5.^^) links auf Platz 5, der sich interessanterweise als der äußerste Platz entpuppte … Aber ich hatte trotzdem eine sehr gute Sicht auf die Bühne, nur ganz am Ende vom 1. Akt stand Franz-Josef ein Weilchen direkt zwischen mir und Elisabeth im Bilderrahmen, aber ansonsten konnte ich auch die Dinge ganz links gut erkennen. Auf der rechten Seite konnte ich sogar sehr schön hinter die Bühne schauen, was bisweilen ganz lustig anzusehen war, da sich die Damen in ihren weiten Röcken seitlich durch die engen Aufgänge zwängen mussten

Ein weiterer Minuspunkt ist für mich die unglaublich hohe Bühne, die ja schon einige hier angesprochen haben. Wäre es mein erstes Mal gewesen, hätte ich es sehr schade gefunden, die raffinierte Drehbühne gar nicht sehen zu können … Vor „Die Schatten werden länger“ sah man in den ersten Reihe beispielsweise nur den Spot auf den Kindersarg, nicht aber ebendiesen, was für hörbare Verwirrung in den Reihen vor mir sorgte^^
Weiß hier vielleicht jemand, ob in Opernhäusern die Bühnen immer so hoch sind?
Soviel also zur Bühne. Nun zur Cast^^
Elisabeth ---> Annemieke van Dam

Der Tod ---> Carl van Wegberg
Luigi Lucheni ---> Thomas Hohler
Kaiser Franz Josef ---> Markus Pol
Erzherzogin Sophie ---> Christa Wettstein
Herzogin Ludovika / Frau Wolf ---> Susanna Panzner
Kronprinz Rudolf ---> Stefan Stara

Kronprinz Rudolf als Kind ---> Valentin Teufel
Herzog Max in Bayern ---> Thomas Bayer
Damenensemble: Nadine Gabriel, Esther Hehl, Cornelia Uttinger, Claudia Wendrinsky, Claudie Reinhard, Angela Hunkeler, Stephanie Sturm und Alice Macura
Herrenensemble: Martin Rönnebeck, Lars Rindelaub, Guido Gottenbos, Stuart Sumner, Patrick Stamme, Ronnie Wagner, Roel Bakkum und Martin Markert
Gerade dieses Ensemble muss ich unbedingt noch einmal loben! Gerade „Milch“ und „Alle Fragen sind gestellt“ waren schlichtweg umwerfend.
Da Patrick an diesem Tag ja leider „nur“ Ensemble war, habe ich stets versucht, ihn im Ensemble zu entdecken (netterweise hatte er mir vorher ein paar Tipps gegeben^^). Besonders bei der „fröhlichen Apokalpyse“ und der Irrenhausszene war das echt witzig

Ich freute mich sehr, Annemieke ein weiteres Mal als Elisabeth erleben zu dürfen. Sie war ein bisschen krank und hat daher darum gebeten, dass ich nicht zu streng mit ihr sein soll, aber dazu gibt es wirklich keinen Grund: Man hat zwar anfangs gemerkt, dass sie bei „Wie du“ ein klein bisschen schwach in der Stimme war, aber das wurde von Lied zu Lied besser, darüber hinaus hat sie umso eindrucksvoller gespielt und ich kann guten Gewissens sagen, dass sie trotzdem absolut umwerfend war. Besonders beeindruckend fand ich dieses Mal (neben dem grandiosen „Ich gehör nur mir“) ihr „Nichts, nichts, gar nichts“. Das war brilliant …!
Bei Carl war ich schon ein bisschen enttäuscht, dass ich von den vier Frankfurter Tods ausgerechnet den erwischte, den ich am wenigsten sehen wollte^^ Gleichzeitig war ich aber auch gespannt, wie sich ein Galileo als Tod machen würde

Thomas als Lucheni hat mir hingegen sehr gut gefallen. Ich will nicht sagen besser als Bruno, aber auf eine spannende Art und Weise anders. Außerdem hat mich Thomas in dieser Rolle wirklich viel mehr überzeugt als als Rudolf. Gesanglich schätze ich Bruno noch einen Tick stärker ein, aber Thomas war auch hier wirklich überzeugend. Er hat mit viel Zynismus und Lässigkeit gespielt, und schien Spaß an der Rolle zu haben.

Markus hat mir diesmal besser gefallen als in München. Er spielte diesmal definitv emotionaler und wirkte auch weniger blass.

Ein bisschen schockiert hat mich aber Christa als Sophie. Sie hat die ganze Zeit mit absolut quäkiger, komischer Stimme gesprochen und auch gesungen. Das fand ich schon sehr irritierend^^ Wenn sie das immer macht, dann ist das schon … merkwürdig. Ich fand es teilweise ein bisschen schwer, ihre doch gut gespielte Strenge und Würde abzukaufen, wenn dann plötzlich diese Quäkstimme dazukam^^ Wirkte eher ein bisschen wie eine überspitzte Persiflage auf einen Hausdrachen von einer Schwiegermutter, nicht aber wie eine ernsthafte Rolle …Da hat mir Susanna doch um einiges besser gefallen! Ebendiese war diesmal Ludovika und Frau Wolf, auch in diesen kleinen Rollen hat sie mir sehr gefallen, besonders ihr „Nur kein Genieren“ war toll

Und schließlich Stefan als Rudolf, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich ihn noch in dieser Rolle sehen würde. Wie er an diesem Tag gespielt hat, kam mir so ziemlich wie die Umkehrung von Thomas’ Darstellung in München vor: Während Thomas wirklich sehr starr und steif gespielt hat, war Stefan wesentlich … dynamischer^^ Hat sich auf jeden Fall mehr bewegt und wirkte bei „Die Schatten …“ nicht wie eine Art Puppe, die der Tod durch die Gegend manövriert, sondern mehr wie ein lebendiges Wesen, das auch noch einen Willen hat und sich zwar dem Tod nicht entziehen kann, aber doch noch Widerstand leistet. Passend dazu hat Carl ihn dann beim Mayerling-Walzer nicht durch die Gegend gewirbelt, sondern ihn am Genick gepackt.
„Wenn ich dein Spiegel wär“ hat er wirklich sehr verzweifelt gesungen, und sein „Mama, ich brauch dich!“ war wirklich zum Weinen

Der kleinere Rudolf Valentin hat seine Sache auch bewundernswert gemacht! Gleich bei den ersten Tönen seines Lieds brach ihm ein bisschen die Stimme weg, woraufhin er den nächsten Ton auch nicht traf, aber anstatt sich dadurch entmutigen zu lassen, sang er das Lied richtig schön weiter! Außerdem lispelte er ein bisschen, aber das kam (zumindest bei mir) echt süß rüber. Gespielt hat er sehr gut, die Gesten sahen herrlich natürlich aus!
Eine kleine Panne gab es beim Mayerling-Walzer, allerdings kann ich leider nicht genau sagen, was passiert ist, da ich ja den Bühnenboden nicht sehen konnte^^ Ich vermute aber, dass einer Todesengel die Pistole, die sie ja über den Boden schlittern lassen, verfehlt hat, auf jeden Fall blieb Stefan, der gerade im vollen Lauf zwischen zwei Todesengeln war, plötzlich abrupt stehen, taumelte dann etwas weiter nach vorne an den Bühnenrand und spielte den Orientierungslosen, bis einer der Todesengel wieder mit der Pistole vor seiner Nase rumwedelte

Abschließend muss ich noch sagen, dass es in dieser Vorstellung ein ganz wunderbares Publikum gab. Es waren überwiegend ältere Menschen da, die ich eher als kritisch und zurückhaltend eingeschätzt hätte, aber tatsächlich waren sie absolut begeistert und es gab tosenden Beifall. Am schönsten war es eigentlich nach dem 1. Akt, als viele um mich herum wirklich aus ihren Sitzen aufsprangen und beteuerten, wie wunderschön sie das Musical fänden
