Edna Turnblad: Tetje Mierendorf
Wilbur Turnblad: Léon van Leeuwenberg
Penny Pingleton: Jana Stelley
Corny Collins: Martin Schäffner (für Rob Fowler)
Link Larkin: Daniel Berini
Amber Von Tussle: Tineke Ogink
Velma Von Tussle: Nicòle Berendsen
Motormouth Maybelle: Deborah Woodson
Seaweed J. Stupps: Tedros Teclebrhan
Little Inez: Denise Obedekah
Mr. Spritzer/Mr. Pinky u.a.: Eric Minsk
Prudy Pingleton u.a.: Sarah Schütz
Damen:
Kristel van Grunsven (Shelley), Leila Vallio (Brenda), Ahou Nikazar (Louann), Leoni Oeffinger (Tammy), Julia Davine (Lorraine), Nyassa Alberta (Dynamite/Pearl), Samantha Klots (Dynamite/Peaches), Zodwa Selele (Dynamite/Cindy)
Herren:
Michael Heller (IQ), Michael Ernst (Sketch), Bart de Clercq (Fender, für Martin Schäffner), Christopher Bolam (Brad), Maickel Leijenhorst (Gilbert), Julius Williams (Duane), Christian Louis-James (Thad, für Devon McKenzie-Smith)
Bereits als bekannt wurde, dass „Hairspray“ das neue Stück im Musical Dome sein würde, war ich nicht sonderlich begeistert, da ich schon beide Verfilmungen nicht mochte. Trotzdem hat die Neugier dann doch gesiegt. Das ganze Drumherum gefiel mir aber schon nicht. Dass die Außenwerbung auf mich wie eine kitschige Jahrmarktreklame wirkt, hatte ich ja bereits erwähnt. Dass sie die Inneneinrichtung samt ehemaliger Champions’ Lounge im Stil einer amerikanischen Bar der 60er umgestaltet haben, passt natürlich zum Stück, ebenso die Musik im Foyer, das sagte mir aber auch nicht so zu. Und über allem thront – wie in der Geisterbahn - Tracys riesige, blaue Haarpracht, furchtbar!
Die Kölner Inszenierung ist wohl an das Original vom Broadway angelehnt und ähnelt damit wesentlich mehr der Verfilmung, als die St. Gallener Tryout-Version. Die deutschen Songtexte fand ich ganz okay, bin aber auch nicht so mit den englischen vertraut. Dass sie Tracys Bett bei „Good Morning Baltimore“ (die deutschen Songtitel habe ich nicht mehr im Kopf) in der ersten Szene senkrecht positioniert haben, wirkte auf mich etwas befremdlich. Hätte man sie nicht einfach auf der Kante sitzen lassen können? So steht sie ja quasi im Bett. „Mama, I’m a big girl now“, was für ein alberner Song mit Mickey-Mouse-Stimmchen! Der übliche Mutter-Tochter-Streit bei den Von Tussles, Pingletons und Turnblads. Amber, Penny und Tracy haben also im Grunde alle die gleichen Probleme. Welch’ eine Erkenntnis! „I can hear the Bells“, der nächste Dumpfbackensong. Tracy stößt im Fernsehstudio mit ihrem Schwarm Link zusammen und ist gleich so hin und weg, dass sie schon die Glocken läuten hört. Wie schwachsinnig! Und dass der gutaussehende Link sich später tatsächlich in die pummelige Tracy verliebt - schön wär’s, aber das ist doch wohl so weit von der Realität entfernt, wie sonst was! Bei „Welcome to the 60s“ gefiel mir ganz gut, dass die „Dynamites“ zunächst als bewegliche Puppen im Schaufenster standen. Wilburs „Har de Har“-Hütte mit ihrem ausgeklügelten Schließmechanismus fand ich auch sehr gelungen. Schade, dass die Kulisse nur so kurz auftaucht! Und die Stelle, an der Edna den Telefonhörer nach dem Gespräch mit Mr. Pinky einfach zur Seite wegfluppen lässt, war wohl die einzige, an der ich wirklich lachen musste. Textlich gab es einige eher lahme Anspielungen auf „We Will Rock You“, die ich recht überflüssig fand. „Timeless to me“, das Duett zwischen Wilbur und Edna, findet größtenteils vor dem Vorhang am Bühnenrand statt. Der anschließende Dialog ist einer der lustigeren in dem Stück, was aber sicher daran liegt, dass in der Szene textlich offenbar gern ein wenig improvisiert wird, aber ob man unbedingt einen Lachanfall spielen muss ... Dafür war der zweite dann echt, nachdem Edna auf Wilburs Ankündigung, seine Rute herauszuholen, meinte, dass sie dann wohl einen Routenplaner brauche. Na ja. Gut gefielen mir die Auftritte aus dem Publikum, von denen es wirklich einige gab: Die Polizisten bei der Verhaftung der Demonstranten am Ende des 1. Aktes z.B. und Seaweed brachte bei „Without Love“ sogar die Leiter, auf der er am Bühnenrand zu Pennys Schlafzimmer hinaufkletterte, selbst mit. Tracys kreisrunde Gefängniszelle in dieser Nummer, die nur mit einer Toilette möbliert war, fand ich auch recht gut gemacht. So häufig, wie in der Show mit Haarspray herumgesprüht wird, wundert es mich, dass es keine kollektiven Hustenanfälle gab, aber ich denke, da wird wohl etwas anderes in den Dosen gewesen sein. Höhepunkt, für mich eigentlich der einzige, ist die Finalnummer „You can’t stop the Beat“, wo Penny und ihre Anhänger die Fernsehshow stürmen, übrigens auch wieder aus dem Zuschauerraum. Leider merkte man gerade bei dieser Nummer, dass es sich noch um eine Preview handelte. Der Einstieg in den Song war das reinste Chaos und das Geschehen auf der Bühne wirkte zunächst eher wie ein planloses Gewusel. Was die Gesangseinsätze betraf, war man sich häufig auch nicht so recht einig und manches kam da doch eher etwas zaghaft heraus, gepaart mit unsicheren Blicken nach links und rechts. Nun ja, das ist noch ausbaufähig. Die letzten Minuten sind im Grunde ein einzige Party, das Publikum wird von Motormouth Maybelle zum Mitmachen animiert und die Tänzer auf der Bühne geben alles, sodass man gar nicht anders kann, als mit diesem Song im Ohr den Saal zu verlassen, der einem dann ja auch gleich wieder im Foyer vorgedudelt wird. Die Songs sagen mir zwar nicht so zu, aber die Umsetzung war klasse! Ein großes Lob an das Orchester, das wirklich mitreißend gespielt hat! Das Bühnenbild ist vergleichsweise doch eher schlicht gehalten mit wenigen verschiebbaren Elementen, wodurch die jeweiligen Aufenthaltsorte immer nur angedeutet werden: Tracys Schlafzimmer durch das Bett, der Klassenraum durch die Tafel, das Wohnzimmer der Turnblads durch Ednas Bügelbrett und den Fernseher etc. Bühnenbild im eigentlichen Sinne ist nur die Straßenkulisse vor Mr. Pinkys Laden. Am Besten gefiel mir der Retro-Hintergrund im Fernsehstudio mit den farblich abgestimmten Leuchtstreifen und, wenn auch nicht gerade neu, die Schattensilhouetten der Tänzer/innen auf dem Gerüst. Kostüme und Perücken sind ebenfalls im Stil der 60er, Fender z.B. erinnert mit seiner schwarzen Brille an Buddy Holly usw. Tracys Kostüme finde ich insgesamt sehr bieder und ihre Perücken einfach nur geschmacklos. Letzteres wird wohl so gewollt sein. Die Farbkombinationen, die Penny trägt, sind ein Graus und was mich außerdem stört, ist ihre rote Perücke. Optisch hat man sich bei den Charakteren wohl auch am amerikanischen Original orientiert. Mir gefiel sie besser mit blonden Zöpfen und Lolli, statt rothaarig und Kaugummi kauend.
Die Rollen sind durchweg sehr treffend besetzt und an den Darsteller/innen gibt es insgesamt sehr wenig auszusetzen. Auch, wenn ich das Stück nicht mag: An der Umsetzung kann ich nicht viel bemängeln! Im Ensemble fiel mir bei den Herren als logischerweise bester Tänzer und aufgrund seine auffälligen Kostüms Bart de Clercq auf, bei den Damen Ahou Nikazar (wenn ich sie richtig zugeordnet habe), weil sie aufgrund ihrer Perücke viel älter als die anderen aus dem Ensemble wirkte. Insgesamt konnte man bei den Damen und Herren sehr viel Energie und Spielfreude ausmachen. Bleibt zu hoffen, dass sie dieses Niveau auch nach der Premiere noch aufrecht erhalten können! Nur die „Dynamites“ fand ich etwas enttäuschend. Da hätte ich mir „größere“ Stimmen gewünscht! Sarah Schütz gefiel mir am besten als verklemmte Trudy Pingleton. Aus den anderen Rollen hat sie zwar mehr gemacht, aber als Sportlehrerin und Gefängniswärterin fand ich sie nicht so lustig. Mein persönlicher Favorit war Eric Minsk in allen Rollen, vor allem aber als Schulleiter und als Mr. Spritzer! Was für ein kleiner Giftzwerg, ganz unglaublich! Genau so hab ich mir immer Rumpelstilzchen vorgestellt, hehe. Der einzige, über den ich wirklich herzhaft lachen konnte! Denise Obedekah als Little Inez: Eine ganz Süße mit einer überraschend kräftigen Stimme, wenn auch vielleicht etwas schrill. Sie und ihr „großer Bruder“ Tedros Teclebrhan als Seaweed sind ein tolles Team. Sehr sympathisch, die Beiden! Tedros könnte vielleicht schauspielerisch noch etwas aus der Rolle herausholen und sich mehr profilieren. Deborah Woodson als Motormouth Maybelle haut einen stimmlich wirklich um, nur versteht man sie streckenweise etwas schlecht. Ansonsten als „Big Mama“ ebenfalls ideal besetzt! Das gleiche gilt für Nicòle Berendsen als Velma: Großartig, schauspielerisch wie gesanglich! Natürlich geht einem ihr Song „Miss Baltimore Crabs“ mit der Zeit auf die Nerven, aber das ist wohl so gewollt. Herrlich selbstverliebt und intolerant, worin ihre „Tochter“ Tineke Ogink als Amber ihr in nichts nachsteht. Wie die Mutter, so die Tochter trifft es hier wirklich gut! Nur bei Tineke fehlte mir etwas. Ich weiß nicht genau was, aber so ganz hat sie mich nicht überzeugt. Irgendwie war sie mir zu glatt und zu rollenkonform. Daniel Berini hat als Link den großen Vorteil, dass er gut aussieht und damit perfekt ins Rollenprofil passt. Schauspielerisch war er okay, aber vielmehr auch nicht. Gesanglich ebenfalls eher Mittelmaß. Martin Schäffner als Corny Collins ging völlig unter! Dabei müsste gerade er als Moderator seiner eigenen Fernsehshow die Aufmerksamkeit des Publikums doch nur so an sich reißen! Auf mich wirkte es eher so, als ob er das Geschehen immer nur beiläufig aus dem Hintergrund kommentiert hat. An der Rolle muss er aber wirklich noch arbeiten! Jana Stelley ist als Penny so überzeugend, dass sie alle anderen Hauptfiguren samt Tracy in den Hintergrund spielt! Im Grunde achtet man in fast jeder Szene nur auf sie, weil sie so viele witzige Kleinigkeiten einbringt, dass man gar nicht anders kann, als zu ihr hinüberzuschauen. Ihre Penny ist sozusagen ein weiblicher Nerd: die Luna Lovegood von Hairspray, immer etwas verpeilt, aber absolut liebenswürdig. Léon van Leeuwenberg hat mir als Wilbur auch sehr gut gefallen, viel lustiger und überzeugender als in anderen Rollen, die er zuvor schon gespielt hat. Er und Tetje Mierendorf als Edna harmonieren schauspielerisch ganz wunderbar als Paar. Da stimmt einfach die Chemie! Bei ihrem Duett nimmt man Wilbur deshalb auch sofort ab, dass er nach all den Jahren immer noch in Edna verliebt ist. Tetje ist als Edna, wie zu erwarten, perfekt besetzt. Er spielt, als hätte er nie etwas anderes gemacht und sogar seine Muttergefühle für Tracy kommen so authentisch über, dass man fast glauben könnte, sie sind echt. Zuletzt Maite Kelly als Tracy: Auch hier kann man sich keine Bessere vorstellen! Mich hat sie jedenfalls sehr überzeugt, sowohl schauspielerisch und tänzerisch als auch stimmlich, was mich aber eigentlich auch nicht weiter verwundert hat, weil ich sie immer schon als Energiebündel und unkomplizierten Kumpeltyp eingeschätzt habe. Und das, obwohl mir die Rolle an sich im Grunde völlig unsympathisch ist und ich die Figur regelrecht hasse! Mit ihr haben sie wirklich einen guten Fang gemacht.
Insgesamt finde ich „Hairspray“ noch bei Weitem schrecklicher als „Wicked“ und kann dem Ganzen so gar nichts abgewinnen: eine mehr als unrealistische Story in hässlichen Bonbonfarben mit dummen Charakteren und seichten Popsongs. Trotzdem würde ich aber unbedingt gern noch den fantastischen Rob Fowler als Corny Collins und die wunderbare Amber Schoop als Motormouth Maybelle, Martin Berger in all seinen Coverrollen und Gordon Gesatzki als Corny Collins sowie natürlich Uwe Ochsenknecht als Edna sehen, weil ich mir die letzteren Beiden so gar nicht in diesen Rollen vorstellen kann. Dann muss ich also wohl doch noch mindestens zweimal in den sauren Apfel beißen.

P.S. Hier hat wohl jemand die gleiche Show gesehen:
http://www.musicalszene.de/hairspray-pr ... r-2009.htm