Eine Premiere dieses Jahr ist, dass das Stück auf Hochdeutsch gespielt wird. In den Inseznierungen der letzte Jahre wurde immer auf Bayrisch gespielt und gesungen. Ja, das klappt, selbst bei Mozart und Molière.

Gestern Abend waren sie in Bayerbach vor'm Feuerwehrhaus, wo wegen des schlechen Wetters Planen zwischen Bühnen-Laster und Dach gespannt waren.
Gespielt wurde eine musikalisierte Version des Shakespeare-Stücks "Der Sturm". Hier mal der Inhalt.
Prospero, einst ein bedeutender, aber weltfremder Geschäftsmann, wurde aus seiner Mailänder Firma vertrieben. Mit seiner Tochter Miranda und seinen geliebten Büchern, aus denen er Zauberkraft schöpft, lebt er auf einem verlassenen Flughafen, auf dem er vor zwölf Jahren notgelandet war. Dort hat man ihn gerne vergessen. Nicht ganz unglücklich über sein unfreiwilliges Schicksal als „Aussteiger“ hält sich Prospero den Eingeborenen Caliban, den er Technik und Sprache lehrte, als Angestellten und beherrscht den Luftgeist Ariel dank seiner Autorität und Zauberkraft. Dieser Zauber entfacht einen Sturm und zwingt zwei Überflieger zu einer Notlandung: Antonio, Prosperos Bruder und intriganten Firmennachfolger, sowie dessen Geschäftspartner Alonso, den Boss einer viel mächtigeren neapolitanischen Firma, samt ihrem lebensfreudigen, aber dekadenten Gefolge. Was nun folgt, ist ein ausgeklügelter Plan Prosperos, der die vergangenen und gegenwärtigen Schicksale der Überlebenden des Flugzeugunglücks und der Inselbewohner verhandelt.
„Der Sturm“ gilt als das letzte Theaterstück Shakespeares. Das Zauberstück thematisiert den konfliktreichen Weg der Selbstfindung und das Entstehen zerbrechlicher Hoffnung. Kein Lebensalter, keine Gesellschaftsschicht wird ausgelassen. Die Figuren tanzen wild auf dem schmalen Grad zwischen Sehnsucht und Verantwortung, Selbstverwirklichung und funktionierendem Gesellschaftsgefüge.
Quelle: http://www.kulturmobil.de/
Das Stück wurde in die Moderne - also in einen stillgelegten Flughafen auf einer Insel - verfrachtet und mit diversen Liedern ausgebaut.
Meine Mutter und ich saßen in der zweiten Reihe, auf dem Platz neben uns klebte ein Reserviert-Schild, was uns etwas gewundert hat, weil keiner auftauchte. Die Sache klärte sich jedoch bald auf, als einer der Schauspieler neben uns Platz nahm und uns höflich einen guten Abend wünschte. Dann kam eine Stewardess mit einem Pfeil-Schild vor's Publikum und man hörte typische Anweisungen, die man sonst vor einem Flug hört. Allerdings etwas "ausgebaut". "Sollte es zu einem Notfall kommen, bitten wir Sie, bei der Stabilisierung des Flugzeugs mitzuhelfen. Wenn der Pfeil nach Rechts zeigt, beugen Sie sich bitte nach Rechts .... hallo, ich meine ALLE!... wenn der Pfeil nach links zeigt, beugen Sie sich bitte nach links. Und bei diesem Sonderzeichen ruckeln Sie bitte alle rhytmisch mit dem Flugzeug mit."
Darsteller:
Prospero: Barbara Lackermeier
Ariel, ein Luftgeist: Joachim Vollrath
Caliban, ein hinterhältiger Eingeborener: Josepha Sophia Sem
Antionia, Prosperos Bruder/ Trinculo: Marc Bernhard
Alsonso/ Stefano / Pilot: Georg Schießl
Ferdinand/ Miranda/ Stewardess: Zuza Erbyová
Gonzalo: Ralf Funk
Musiker: Ralf Funk, Martin Jungmayer, Thomas Anleitner, Gerwin Eisenhauer
Drei der Muiker und Jo Vollrath kenn ich schon seit meinem ersten Besuch beim Kulturmobil, die anderen waren alle letztes Jahr schon dabei. Nur Zuza Erbyová war neu. Jedoch waren durchweg alle Darsteller perfekt, sowohl schauspielerisch, als auch gesanglich, als auch tänzerisch.
Begonnen hat es wie gesagt mit der Einwesung des "Flugpersonals", dann kam Prospero auf die Bühne und wies den Lufteist Ariel, der die Uniform eines Flugbegleiters trug, an, einen Sturm zu beschwören, der das Flugzeug runter bringen sollte. Der Sturm wurde dann auch von Caliban in orangem Overall durch diverse Geräusche simuliert und hörte sich richtig echt an. Dann trat Ariel vor's Publikum und gab Anweisungen, wie man sich auf die Notlandung vorbereiten sollte, natürlich führte dies zu Empörung bei dem Herren neben uns - Antonio - und zwei weiteren Herren, die sich im Publikum verteilt hatten. Die drei und das "Flugpersonal" haben dann wirklich lustig und realistisch die Notlandung gespielt.
Auf dem Boden wurde dann der SohnAlonsos vorgestellt, Ferdinand, dargestellt von einer komplett schwarz verhüllten Darstellerin, die eine Krawatte mit dem Damen "Ferdinand" in der Hald hielt. Miranda wurde übrigens auch von ihr gespilet, nur hielt sie dann eine Plakstik-Orchidee hoch.
Prsopero hat das Flugzeug abstürzen lassen, weil er seiner Tochter einen Gefährten besorgen wollte. Die anderen Insassen haben aber auch dank Ariel überlebt.
Antonio, Alonso und Gonzalo treffen sich auch am Strand und meinen, auf einer einsamen Insel gestrandet zu sein. Sie planen schon, wie sie einen neuen Staat aufbauen wollen, erst soll jedoch mal Ferdinand gesucht werden. Auf der Suche werden die drei jedoch völlig wahnsinnig, was sie wirklich durch Mimik und Gestik so gut dargestellt haben, dass einem Angst und bange werden konnte ^^ Ich hab mich auch die ganze Vorstellung über, wie auch schon letztes Jahr, gefragt, woher ich den Antonio-Darsteller Marc Bernhard kenne, jetzt weiß ich inzwischen, dass er im Musical "Der kleine Lord" mitspielt, das seit letztem Jahr jeden Advent durch Deutschland tourt. Hab schon viele Berichte drüber gelesen und will es heuer auch in Lindau anschauen.
Im laufe des Stücks verbündet sich Caliban, der die Herrschaft über die Insel erlangen will, mit den beiden Suffköpfen Stefano und Trinculo, was aber scheitert. Caliban hat mich wirklich sehr an Gollum aus Herr der Ringe erinnert, Josepha Sem hat den kleinen bösen Giftzwerg wirklich hervorragend hinbekommen.
Sehr genial fand ich die Steppeinlage Joachim Vollraths. Bisher hab ich ihn immer nur in lustigen Rollen gesehen, aber so eine ernste Rolle (wenn man einmal davon absieht, dass er sich einmal als Nixe verkleiden muss und einmal als böser Geist mit roten Hig Heels über die Bühne stöckelt) hätte ich ihm echt nie zugetraut. Und vor allem, dass er Stepptanz kann, fand ich klasse!
Nach vielen Irrungen und Wirrungen gibt es natürlich ein Happy End. Miranda und Ferdinand kommen zusammen, Propero versöhnt sich mit seinem Bruder, Alono findet seinen Sohn wieder, Caliban muss sich wieder seinem Herrn beugen und Ariel wird nach vielen treuen Diensten freigelassen.
Da ich geplant hatte, am Samstag nochmal in eine Vorstellung des Kulturmobils zu gehen, kann ich euch bei Interesse dann auch Fotos liefern. Da darf man Knipsen und Filmen, jedenfalls haben das gestern viele gemacht.
Ansonsten könnt ihr vorerst hier welche anschauen.