Endlich war es soweit und die Sonne Nubiens sollte wieder aufgehen. Nach über 4 Jahren endlich wieder AIDA!!
„Zur Ehre der Götter, zum Wohle des Volkes, zur Wahrung der Ordnung. Hört nun das Urteil, das ich zu verkünden habe.“
Aida: Zodwa Selele
Ja, wie fange ich bei ihr an? Ich hab von Anfang an nicht erwartet, dass sie mich in der Rolle ganz überzeugen wird. Es ist kein Geheimnis, dass ich jemand anderen viel lieber in dieser Rolle gesehen hätte, trotzdem war Zodwa nicht schlecht. Schauspielerisch war sie echt klasse, gesanglich bin ich andere gewohnt, trotzdem war sie recht solide. Ihre Stimme ist nun mal nicht so kräftig und auch das dunkle Timbre, was ich mit der Rolle verbinde, fehlt ihr. Auch wurde sie von den anderen gesanglich meist übertönt. Vom Aussehen her gefiel sie mir gut und passte auch zur nubischen Prinzessin. Ihre Rastazöpfe waren so zusammengebunden, dass die Enden um ihren Kopf herum abstanden, was leicht den Eindruck einer Krone gemacht hat, was ich sehr schön fand. Mit dem Schwert konnte sie wirklich gut umgehen und auch sonst hat sie stets eine gute Figur auf der Bühne gemacht. Ihr Zusammenspiel mit Mereb, Amneris und vor allem Radames war toll. Interessant inszeniert war, dass Aida den von Zoser ausgegossenen Wein aus dem Becher des Pharao aufwischte und als sie daran schnupperte, bemerkte, dass etwas nicht stimmt. Schade nur, dass sie es ganz für sich behalten hat. Ihre unterstützenden Gesten bei „Von einem Traum entführt“ als es um die Bootstour geht, fand ich sehr gelungen. An einigen anderen Stellen habe ich eben solche Gesten etwas vermisst. Als sie so tat als würde sie weinen, musste ich sehr lachen, zu schön wie sie das gespielt hat. Allgemein hat sie mit ihrem Schauspiel neue Facetten der Rolle gezeigt und man nahm ihr ab, dass ihr die Worte gerade in dem Moment erst einfielen. Sie gab eine starke Anführerin ab. Nach dem Manteltanz, als sie herausgetragen wurde, saß sie (vielleicht etwas wackelig) auf der Schulter eines Nubiers. Das fand ich in Essen sicherer gelöst, als Aida von zwei Nubiern getragen wurde, auch wenn Nehebka und Mereb ihr in Teckli noch die Arme gereicht haben, hab ich doch gehofft, dass sie sicherer da oben sitzt als es aussieht. Die Sonne Nubiens war ganz okay von ihr, allerdings musste sie sich sichtlich anstrengen gehört zu werden. Schöne Version mit dem langen „uns“ hat sie gewählt. Allerdings musste sie beim letzten Ton mehrmals ansetzen, da ihr die Luft nicht reichte, um es so durchzuhalten, wie wir es kannten. Bei „Einen Schritt zu weit“ ist sie zwar nicht untergegangen, aber die anderen beiden konnte man deutlicher raushören. Ihr Spiel mit Amonasro war ebenfalls sehr schön, wobei ich allerdings nicht weiß, ob ich den beiden die Vater-Tochter Geschichte so ohne Weiteres abkaufen würde… „Sind die Sterne gegen uns“ zusammen mit Patrick hat mir gut gefallen. Schön gespielt von den beiden. Die Flucht hätte ich mir anders vorgestellt, aber okay. Aida wurde sehr von ihrem Vater abgeschlagen und hatte gar nicht die Möglichkeit unter Umständen noch mit ihm zu fahren, was in Essen immer der Fall gewesen war, aber nun ja. Ihr Durch das Dunkel der Welt war solide gesungen und der Schluss war schön von ihr gespielt. Im Museum hat man eindeutig gesehen, dass die beiden sich erkannt haben. Ihre Kostüme fand ich nicht durchgehend gut gewählt, da das weiße Kleid, das sie als Zofe trug doch für mich einen zu großen Kontrast zu ihrer dunklen Haut darstellte, eine etwas dunklere Farbe wäre vielleicht besser gewesen.
Alles in Allem hat sich mich gesanglich nicht beeindrucken können, es fehlt ihr einfach an Kraft und Volumen in ihrer Stimme. Schauspielerisch hat sie mir echt gut gefallen und einiges passendes eingebracht. Mir bleibt nur noch zu sagen, dass ich sie als AIDA nicht schlecht fand, aber vor allem gesanglich meine Lieblingsaida doch sehr vermisst habe.
Radames: Patrick Stanke
Radames als *** und Mörder… Ich kann mich mit der Tourversion absolut nicht anfreunden, ich frag mich immer noch was das soll. Diese ganze Beziehung zwischen Radames und Zoser hat mir so nicht wirklich gefallen. Allein, dass er ihn nicht mehr mit „Vater“ anspricht, sondern ihn sehr distanziert einfach „Zoser“ nennt, fand ich schon unpassend. Auch die ganzen Unterhaltungen zwischen den beiden, in denen es um diese geänderte Geschichte ging, passten für mich nicht in die Show. Als Zosers Sohn hatte er noch viel mehr den Anspruch auf den Thron und die Prinzessin und so weiter, aber so? Auch die Unterhaltung vor „Wie Vater, so Sohn“, in der dann plötzlich herauskam, dass Radames ja doch sein Sohn ist, fand ich nicht sehr überzeugend und Radames hat irgendwie viel zu schnell den Begriff „Vater“ übernommen. Also diese Änderungen, die Radames betroffen haben, haben mir nicht gefallen, wofür Patrick wohl wenig kann.
Er hat mir nämlich in der Rolle ausgesprochen gut gefallen, was ich vorher nicht gedacht hätte. Gesanglich war echt große Klasse, sehr gefühlvoll und kräftig gesungen, echt schön. Aufgefallen ist mir vor allem, dass er sehr viel variiert sowie phrasiert hat und jedem Stück seine eigene Note gab. Besonders „Durch das Dunkel der Welt“ hat mir von ihm gefallen und auch sein „Brief“ war wunderschön. Bei „Einen Schritt zu weit“ war es sein Part, dem ich am besten folgen konnte, da er sich mühelos Gehör verschaffen konnte. Auf „Von einem Traum entführt“ war ich besonders gespannt. Er hat es zusammen mit Zodwa sehr schön gesungen und dann kam die interessanteste Stelle des Liedes, nämlich das letzte „Würde trennt“. Ich hatte gedacht, dass er es runter singen würde, aber nein, Patrick wechselte solide in die Kopfstimme und sang es nach oben, was ihm echt gut gelungen ist, ich war beeindruckt. In den Duetten mit Zodwa konnte man ihn immer heraushören, trotzdem haben die beiden stimmlich gut harmoniert. Auch bei „Wie Vater, so Sohn“ war er der stärkere Part und hat mit viel Kraft in der Stimme gegen Zoser protestiert.
Schauspielerisch war er durchweg genial. Das fing direkt auf seinem Schiff an. Sein Gesicht als er die Jacke auszog, war herausfordernd und er zog die Augenbraue noch so hoch, dass man sich das Grinsen echt nicht verkneifen konnte, herrlich. Vor „Ein fernes Land“ haben Aida und Radames dann richtig gekämpft und er hat deutlich eine Schramme davon getragen. Gut fand ich hier die Ketten von Aida, die er ihr nur über die Hand ziehen musste, so hatte er kein Problem damit diese zu zubekommen. Am Hafen begrüßte er Zoser dann recht erfreut und als Patrick berichtete keinen Kratzer abbekommen zu haben, strich er sich über die Wange und merkte sichtlich, dass er ja doch etwas abbekommen hatte. In den Gemächern des Pharao hat man ihm deutlich ansehen können, dass ihm diese Verlobung (wieder eine dieser blöden Änderungen…) nicht zusagte. Als er dann nach der Reprise von „Wer viel wagt, der gewinnt“ den Kelch wegschleuderte, flog dieser einmal quer über die Bühne und traf dann den Laternenmast oder was da am Rand der Bühne steht, woran der Kelch abprallte und lautstark über die Bühne rollte, wonach er dann die Treppen hinunterfiel, was die Aufmerksamkeit ein wenig vom Gespräch der beiden Protagonisten ablenkte. Als er in Amneris Zimmer auftauchte, schickte er sie sehr herausfordernd in ihre Bettkammer, wobei er auf ihren Einwand mit einem verschmitzt geflüsterten „na und?“ antwortete, was wieder sehr lustig herüberkam. Als er nach Amneris Standpauke sich begann aus dem Staub zu machen, war seine Mimik zu komisch. Er machte ein Gesicht, das eine Mischung aus wie verschwinde ich am schnellsten und Unschuldsengel war, was sich allerdings nicht wirklich beschreiben lässt. Auf jeden Fall war sein Abgang nach dieser Szene so genial, dass er allein dafür einen Zwischenapplaus bekam. Die Szene nach „Durch das Dunkel der Welt“, als er wieder zurückkam, war ebenfalls toll und wieder listig gespielt. Sein Verhältnis zu Zoser gefiel mir, wie schon erwähnt, nicht wirklich. Irgendwie hat die geänderte Story für mich da ein wenig von der Schlüssigkeit der Geschichte zerstört. Ansonsten hat Patrick toll mit allen zusammengespielt und schön mit seinen Kollegen harmoniert. Zu erwähnen ist noch der Kampf am Hafenkai, bei dem er Amonasro zurief, dass dieser doch fliehen soll, während Patrick sich mit seinem Vater duelliert und es zu einem richtigen Kampf zwischen den beiden kommt, den Radames gewinnt. Sein Schwert schmiss er dann sehr lautstark weg, als Aida ihn rief. Die Gruftszene fand ich dann noch einmal besonders schön gespielt und gesungen von ihm.
Alles in allem bleibt zu sagen, dass er trotz der Änderungen, in die seine Rolle verwickelt worden ist, eine klasse Leistung gebracht hat und mich sowohl schauspielerisch als auch gesanglich überzeugen konnte und somit aufs Treppchen der tollen Radamesbesetzungen kommt. Echt eine klasse Leistung, die ich so nicht erwartet hätte.
Amneris: Willemijn Verkaik
Das verwöhnte Blondchen war in Tecklenburg gar nicht blond. Das war das, was mich am meisten an ihr gestört hat, denn sonst hat Willemijn echt eine tolle Amneris abgegeben. Im Museum musste ich mich noch an sie gewöhnen, sowohl äußerlich als auch gesanglich, da sie die Töne nicht so lang gehalten hat und es somit etwas abgehackt wirkte. Auch fehlte mir bei diesem Lied die Gestik, da sie ziemlich starr wirkte. Vor „Sinn für Stil“ wurde sie mit einer Gurkenmaske auf einer Liege hineingetragen, was ich sehr lustig fand. Sie hat dann auch sehr schön die zickige und verwöhnte Prinzessin gespielt, wobei sie urkomisch war. Als Aida anfing mit ihr zu reden, schrie sie auf und brachte dann zwischen zusammengepressten Lippen erst das „Impertinenz“ heraus. Sie sorgte allgemein für sehr viele Lacher im ersten Akt beim gesamten Publikum. Leider ist auch die ehemalige Bäderszene von den Änderungen betroffen gewesen und man hat Amneris ihren halben Text weggenommen. So gab es keine „kuhäugige Nut“ mehr und auch besuchte Radames nicht „jeden vertrottelten, alten Tattagreis im ganzen Land“ und sie bezeichnete sich selbst nicht mehr als „eine junge Prinzessin mit einer nahezu göttlichen Figur, mit Alabasterhaut und phänomenalem Haar“, was ich sehr schade fand. Ihr „Sinn für Stil“ war schön gesungen wie gespielt. Auch sie variiert sehr viel, was mir gut gefällt, da sie sich die Songs aneignet. Während des Liedes tanzte dann einmal eine ihrer Zofen vor ihr, da stoppte die Musik und Willemijn verscheuchte sie, bevor sie, dann wieder im Mittelpunkt stehend, weiter sang, witzig gemacht. Ihr Zusammenspiel mit Patrick war gut und es war zu schön zu sehen wie er ihr einen Bären aufband, um sie nicht zu einer Exkursion mitnehmen zu müssen und sie voll darauf einging. Sie meinte übrigens, dass es „ab jetzt schon“ die neuste Mode sei. Ihr Akzent viel allgemein auf. Schlecht zu verstehen war sie meist nur, wenn sie so schnell sprach oder ein Wort nicht richtig aussprechen konnte, so wie vor der Bettkammerszene. Sie erklärte Aida nämlich, dass sie „Hofärtschte“ vor einem Rätsel stünden. Wir mussten an dieser Stelle doch ein wenig grinsen. Die Erklärung von der Bronzestatue und den Tafelaufsätzen war leider nicht mehr so parallel gestellt wie in Essen und verlor dadurch ein klein wenig an Witz. Ihr Zusammenspiel mit Zodwa war sehr schön. Auf Radames „na und“ antwortete sie mit einem „ganz meine Meinung“, was unser geliebtes „Wo du recht hast, hast du recht“ ersetzt. Auch hier fehlte eindeutig „Wir sind seit über 9 Jahren verlobt“, was ja nicht mehr der Fall war, leider. Bevor sie allerdings wegstürmte, blieb sie noch an der Tür stehen und warf noch einen verführerischen Blick zu Radames, einfach herrlich. Als Willemijn aus ihrer Bettkammer rief, kam das irgendwie über andere Laufsprecher, zumindest hörte es sich an, als käme es von überall her, gut gemacht. Ihre Standpauke war genial. Sie hat sich fast überschlagen und wir haben herzlich gelacht. Es gab natürlich tosenden Applaus für diese Darbietung. Ihre Artikulation sowie ihr Schauspiel passten einfach sehr gut zusammen und auch wenn sie die Amneris ein wenig überzogen angelegt hat, sie war einfach zum Lachen und das fand das ganze Publikum. Im Militärhauptquartier ist ihr Text mal wieder den Änderungen anheim gefallen. Ich fand nicht, dass es so sonderlich gut passte, als sie meinte, dass sie sich seit ihrer Verlobung nur noch wenig sahen, das passte früher auch besser. Am Ende von „Sind die Sterne gegen uns“ kam sie dann schon auf die Bühne, was klar werden ließ, dass sie das Gespräch mitgehört hatte. Ihre „Wahrheit“ fand ich sehr schön gesungen. Vor der Verurteilung kam sie dann auf die Bühne zu Radames gerannt, um ihn auch noch rechtzeitig zu erwischen, nagut. Als sie dann versucht hat ihren Vater von ihrer Bitte zu überzeugen, hat sie irgendwie zwischen der Anrede mit „Du“ und „Sie“ gewechselt, was ich nicht ganz so passend fand. Als sie vor dem Pharao auf die Knie gefallen ist, war das zwar ganz rührend, aber für mich hatte es ein bisschen etwas von gebrochener Stärke der Prinzessin, schließlich war das Volk noch vor Ort. Das Schlusslied hat sie dann noch einmal sehr schön gesungen und ich fand es toll wie hinter dem Bühnenbild ein Licht erstrahlte, das für mich eben dieses „unsichtbare Licht, das aus dem Sandgrab kam“ darstellte.
Insgesamt hat sie eine unglaublich lustige Amneris abgegeben, die eine sehr authentische Wandlung vollzogen hat, die Willemijn schön gespielt hat. Gesanglich hat sie mir ziemlich gut gefallen, gerade weil sie viel variiert hat und sich jeden Song angeeignet hat. Eine tolle, wenn auch dunkelhaarige Amneris.
Zoser: Marc Clear
Er hatte ein sehr schweres Erbe anzutreten. Nach seinem Peron am Vorabend, der mich nicht ganz überzeugen konnte, hoffte ich, dass er es als Zoser wieder schaffen würde. Leider ist es ihm nicht ganz geglückt. Rein äußerlich musste man sich etwas an ihn gewöhnen, aber gut, das war nicht weiter schlimm. Schauspielerisch war er ganz gut, aber nicht fies genug für den intriganten Zoser. Gesanglich gefällt er mir eigentlich immer gut und ich kann nicht sagen, dass er schlecht war, aber er hat in beiden Lieder immer wieder in die Kopfstimme gewechselt, wobei seine Stimme sich nicht so frei und kräftig anhörte, was ich schade und nicht ganz passend fand. Die tiefen Töne waren da deutlich besser. Durch die vielen Änderungen, die ja vor allem ihn betrafen, wurde mir die Rolle auch unsympathischer. Die Textänderungen bei „Eine Pyramide mehr“ haben mich schon gleich stutzig gemacht. „Muss mein Schützling auf den Thron“ hört sich nicht wirklich toll an. Auch die Tatsache, dass er am Hafen „Radames, Radames“ gerufen hat, hat mich nicht überzeugen können. So könnte ich jetzt weiter machen und vor allem die Erzählungen vom *** und Radames Mord oder ähnlichen Sachen erwähnen. Ich spar mir das allerdings und es bleibt mir zu bedauern, dass seine Rolle so unter der Tourversion gelitten hat. Marc hat dennoch einen recht überzeugenden Zoser abgegeben und gut mit seinen Schergen zusammengespielt. Was die ganzen Zuschauer bei „Wie Vater, so Sohn“ allerdings sollten, vor allem was die Frauen da zu suchen hatten, bleibt mir ein Rätsel. Sein Satz nach dem Lied, dass sie das „Sklavenmädchen Aida“ (mit Betonung auf den Namen) finden sollen, ergibt gar nicht mehr so viel Sinn, da Radames ihn nicht angeschrien hat, dass sie einen Namen habe. Schade, dass solche Zusammenhänge völlig zerstört wurden. Marc ist nicht wirklich der Tänzer vor dem Herrn, wie wir am Vorabend schon bemerkt haben, trotzdem hat er die Moves ganz ordentlich ausgeführt. Sein Kampf mit Patrick war überzeugend. Aufgefallen ist, dass er seinen Text sehr eigen auslegt und daran einiges variiert hat, wenn man mit Essen vergleicht.
Gut gefallen hat er mir am Anfang allerdings als Museumswärter, fand ich ne gute Idee, dass auch er dabei war.
Letztendlich bleibt nur zu sagen, dass er schauspielerisch und gesanglich eine solide Leistung erbracht hat, Zoser aber nicht seine Paraderolle ist.
Mereb: Thada Suanduanchai
Na er hats ja noch rechtzeitig zur Bühne geschafft. Am Vorabend noch im Ensemble durfte er jetzt sein Gesangstalent allein beweisen. Er passte gut in die Rolle von Radames Hausmeister und Kammerherr und hat gut mit ihm und Aida zusammengespielt. Letztere hat er eindeutig verehrt. Sein „Ich kenn dich“ war schön gesungen und er hat gut mit Zodwa harmoniert. Durch seinen Charme und Witz hatte er einige Lacher auf seiner Seite. Leider durfte er nicht mehr erzählen, dass Radames Amneris erst heiraten würde, wenn „sein Schiff untergeht und die Schiffsbauer sich weigern ihm ein Neues zu bauen“. Dennoch ist er ein sympathisches Kerlchen, der neuerdings Amneris nicht mehr mit viel „Klimbim“, sondern mit vielen „Kinkerlitzchen“ sieht, was auch für einen Lacher sorgte. Als er Aida beteuerte keinem von ihrer Ankunft erzählt zu haben, zählte er dann hinter ihrem Rücken an den Fingern ab wie vielen Nubiern er es wirklich erzählt hatte und seine Hände schienen für diese Anzahl kaum auszureichen. Aufgefallen ist mir im Verlauf des ganzen Stückes, dass er es ziemlich eilig hatte, da er oft sehr schnell gesprochen hat, was mir auf Dauer nicht so gut gefallen hat. Bei „Ich nicht“ konnte er sich gut Gehör verschaffen und keiner seiner Zwischenrufe ist im Gesang der drei Protagonisten untergegangen. Im Gefängnis hat er seine Sache gut gemacht und kam sichtlich in Erklärungsnot als er vom gestohlenen Gold berichten musste, was er schauspielerisch schön gelöst hat. Auch sein „Ich kann dich nicht verstehen“ war gesanglich gut, er hat eine schöne Stimme. Beim Kampf am Hafenkai hat er sich erstaunlich spät eingemischt und ist dann ziemlich an der Seite niedergegangen und direkt in Aidas Arme gefallen. Er wollte wie immer nach Hause. Neu war mir allerdings, dass Aida ihm auch verspricht, dass er nach Hause kommt. Schöne Idee, aber leider ein letztes Versprechen, was nicht gehalten werden kann…
Alles in allem hat er mir gut gefallen. Ein lustiges Kerlchen mit einer schönen Stimme, der gut zu Mereb passt, auch wenn er ab und an etwas langsamer hätte reden können.
Amonasro: Mario Mariano
Ihn kannte ich schon aus Essen, aber damals war er im Ensemble, wo ich ihn auch bevorzugen würde. Er hat zwar eine ganz gute Figur gemacht als Amonasro, aber so ganz überzeugt hat er mich nicht. Er schien mir einige Mühe gehabt zu haben den deutschen Text verständlich über die Lippen zu bekommen, was ich etwas schade fand. Ansonsten hab ich auch bei ihm das Problem, dass ich ihn mir nicht wirklich als König vorstellen kann… Des Weiteren war er überhaupt nicht furchteinflößend, als er mit Aida geschimpft hat, was auch ein wenig leiser ausgefallen ist, als ich es gewohnt war. Bei seiner Flucht hab ich zwei Mal hinschauen müssen, denn er war es, der das Schwert gegen die ersten Soldaten, die gekommen sind, geführt hat. Schade, dass ihn kein Schiff abgeholt hat, sondern er dann nach unten gelaufen ist, das hätte man vielleicht ein bisschen anders darstellen können, aber na gut.
Das erste Mal ist er mir auch schon im Museum aufgefallen, wo er sich unter die Besucher gemischt hatte.
Pharao: Radulf Beuleke
Den Pharao hatte ich dann auch im Museum gesucht, aber ich konnte ihn nirgendwo erkennen. Das lag wohl auch daran, dass ich nach Ansgar Schäfer, der eigentlich den Pharao spielt, Ausschau gehalten habe. Als der Pharao dann in seinen Gemächern (nicht mehr beim Bankett…) auftrat, musste ich zwei Mal hinschauen bis ich ihn als Radulf Beuleke, den Intendanten, identifizieren konnte. Von der Optik her passte er durchaus in die Rolle des alten und kranken Pharao. Stimmlich hab ich mich allerdings etwas schwer mit ihm getan. Er muss nur reden, aber trotzdem hatte er eine sehr eigene Art den Text zu betonen. Außerdem gefiel mir die Bankettszene besser als die Gemächer, in denen die Verlobung ziemlich plötzlich kam und so sehr viel kranker kam er auch nicht herüber, weshalb ich auch diese Änderung als schade empfinde. Zu erwähnen sei noch, dass statt der Bauchtänzerinnen von Essen drei der Schergen oder Ärzte oder was auch immer sie darstellen sollten mit Weihrauch herumliefen und ihn in die Gegend fächerten. Auch die Hochzeit war anders, vor allem durfte der Pharao nicht mehr „Zosers Sohn Radames“ sagen. Außerdem veränderte er auch immer wieder den Text, so dass z.B. das schöne Trikolon von „Zur Ehre der Götter, zum Wohle des Volkes, zur Wahrung der Ordnung“ durch zusätzliche Ausführungen des zweiten Teils etwas gebrochen wurde und nicht mehr so schön klang. Dafür kam sehr gut raus, dass er den Thron für seine Tochter räumt, da er symbolisch dafür seinen Hut abnahm und sich sogar vor Amneris leicht verbeugte.
Alles in allem stelle ich mir einen Pharao doch etwas anders vor, aber immerhin hatten wir einen Pharao. Schade fand ich nur, dass er beim Schlussapplaus nicht auf die Bühne kam und niemand angekündigt hat, dass es nicht Ansgar sein wird bzw. war, der den Pharao spielte…
Nehebka: Milica Jovanovic
Eine weiße Nehebka?? Das geht doch nicht! Das war das Erste, was mir bei ihr durch den Kopf ging. Sie war die Einzige der Sklavinnen, die keine Rastazöpfe als Perücke hatte, weshalb man sie von den anderen unterscheiden konnte, wenn man davon absieht, dass sie eine weiße Nubierin war. Toll fand ich wiederum, dass sie während „Ein fernes Land“, als sie an Aida vorbei ging, diese erkannte und ansprach. Immerhin waren sie ja zusammen am Fluss gewesen und da ist es nur logisch, dass sie sie kennt, fand ich schön. Beim Manteltanz hat sie ganz gut gesungen, allerdings hat mir ihr letzter Ton nicht gefallen. Stimmlich liegt sie mir allgemein nicht wirklich, ihre Stimme hat nicht sonderlich zu Nehebka gepasst, sie war zu hell. Ihr Part bei der Sonne Nubiens war okay, aber nicht besonders. Ihre helle Hautfarbe ist hier vor allem aufgefallen als sie Zodwa umarmt hat, was eben nicht gepasst hat. Es hat ziemlich lange gedauert bis sie sich für Aida, die nicht ganz so doll zurückgehalten werden musste wie in Essen, opferte. Kurz darauf hat man oben links gesehen wie einer der Schergen Nehebka umgebracht hat, was schon ziemlich heftig war.
Alles in allem ist sie für mich falsch besetzt worden, man hätte es bestimmt geschafft eine dunkle Nehebka zu bekommen. Auch sonst hat sie mir nicht sonderlich gefallen, ich kann aber auch nicht sagen, dass sie schlecht war, es war ganz okay.
Ensemble und Chor:
Das Ensemble muss natürlich auch erwähnt werden. Die Damen als Sklavinnen, Zofen und Nubierinnen waren alle gut nur nicht wirklich zu unterscheiden. Das war bei den Herren, die die Soldaten, Schergen, Nubier, Wächter und Ägypter mimten, schon einfacher. Neben Gordon Gesatzki und Sven Olaf Denkinger ist vor allem Markus Maria Düllman besonders aufgefallen. Er wurde gleich zu Beginn von Zodwa gefangen genommen, später war er es, der die Botschaft von der Gefangennahme des Königs überbrachte und ihn dann auch bewachte. Er tauchte also immer wieder auf und war allseits präsent. Das gesamte Ensemble hat seine Sache echt gut gemacht und die verschiedenen Rollen tolle verkörpert und kräftig die Ensemblenummern gesungen.
Natürlich sind in Tecklenburg die Massenszenen immer fantastisch und auch dieses Mal war die Bühne wieder mit dem Chor gefüllt, so wie bei der „Sonne Nubiens“. Wirklich tolle Leistung immer so viele begeisterte Leute auf die Bühne zu stellen.
Publikum:
Das war mal ein tolles Publikum! Es wurde geklatscht, gelacht, gepfiffen und gejubelt und das von Anfang an, Hut ab! Es war eine klasse Stimmung und es gab so viel Zwischenapplaus wie ich ihn bei AIDA noch nie erlebt hab. „Nicht ich“ bekam sogar einen Applaus, was mir völlig neu war, aber natürlich berechtigt. Es gab so viele Lacher, die alle mitrissen und nach jedem Stück wurde gejubelt. An einigen Stellen war das Publikum allerdings übereifrig und wollte schon klatschen als das Lied noch gar nicht zu Ende war. Auch der Schlussapplaus war ungebrochen. Schon als das Ensemble auf die Bühne trat, wurde aufgestanden, was man auch nicht immer erlebt, echt klasse. Also großartiges Publikum, das tolle Stimmung gemacht hat, was richtig Spaß gemacht hat.
Zu der Inszenierung an sich habe ich ja nun schon einige Worte verloren. Ich hab mir AIDA nach Tecklenburg gewünscht, seit ich das erste Mal dort war und nun kam es endlich dorthin. Natürlich hab ich mir einiges anders vorgestellt, aber es war durchaus toll umgesetzt. Die pyramidenartigen Treppenelemente passten sehr gut und wurden immer wieder integriert, was mir gut gefallen hat. Auch das Spiel mit dem Licht und die Tatsache, dass es immer dunkler wurde, haben gut zum Stück gepasst. Zum Glück hatten wir auch gutes Wetter. Es hatte den Tag über zwar geregnet, aber ein paar Stunden vor der Show kam die Sonne raus, was das Ganze noch schöner machte. Gut gefallen hat mir der Tecklenburger Nil, der sich überm Orchestergraben erstreckte und dort mit blauer Folie, die angestrahlt wurde, verdeutlicht wurde. Bei der Umsetzung kam es leider ab und an zu „schwarz Szenen“ wie z.B. nach dem Manteltanz, als sich die Nubierinnen erst umziehen mussten, alle anderen dann aber schon weg waren. So warteten wir kurz auf das, was da kommen mag. Der König wurde außerdem ins Gefängnis geworfen und danach wieder mit weggenommen, was ja nicht anders ging, aber theoretisch hätten die Wächter dann mitbekommen müssen, dass Aida seine Tochter ist… Wie dem auch sei. Die Umsetzung hat mir gut gefallen, auch wenn ich mich nicht mit der Tourversion anfreunden kann und es nie können werde.
Trotzdem war es ein schöner und unvergesslicher Abend und insgesamt eine echt schöne AIDA Show. Habe mich sehr gefreut mein Lieblingsmusical nach über 4 Jahren endlich wieder auf der Bühne zusehen, es hat sich gelohnt.
In diesem Sinne: „Die Tochter der Isis hat gesprochen!“
