Beitragvon Gaefa » 18.07.2007, 19:39:19
Les Miserables, Bad Hersfeld, 16.07.2007
Das war meine dritte Les Miserables Show und die dritte Inszenierung. Ich war sehr gespannt, wie Les Mis auf der Bühne wohl umgesetzt werden würde. Die Kulisse der Stiftsruine ist sehr imposant. Von unseren Plätzen in der 2. Reihe, die die erste ist, hatten wir einen guten Blick auf die Hauptbühne und auch die Seitenbühnen konnten wir ohne große Einschränkung sehen. Direkt vor uns war das Orchester. Der Dirigent stand zum Glück noch ein bisschen weiter rechts, weshalb er uns nicht sonderlich gestört hat. Es war zwischenzeitlich doch auch interessant zu schauen, was dieser gerade tat. Da es zu Beginn der Vorstellung sehr warm und keine Wolke am Himmel zu sehen war, war das Dach nicht über die Ruine gespannt, so dass wirklich alle unter freiem Himmel saßen. Das Geschehen spielte sich auf der großen Hauptbühne in der Mitte und den beiden Seitenbühnen ab, wobei alle drei recht oft bespielt wurden, so dass keine Seite einen Nachteil hatte. Die Seitenbühnen hatten dazu noch den Vorteil, dass Szenen stehen gelassen werden konnten oder ein anderer Bühnenteil umgebaut werden konnte, während sich das Geschehen auf einem anderen abspielte. Die Tatsache, dass die Bühne nach vorne so stark abfallend war und danach gleich der Orchestergraben kam, rief bei uns den Gedanken hervor, dass es bei Regen ziemlich rutschig und für das Orchester eventuell gefährlich werden konnte, aber da es die ganze Show über trocken blieb, mussten wir uns keine weiteren Gedanken darüber machen.
Zuerst möchte ich ein bisschen was zu den Rollen und deren Besetzung sagen:
Jean Valjean: Olegg Vynnyk
Eigentlich hatten wir uns auf Yngve gefreut, aber es stand ja nun schon eine ganze Zeit fest, dass er nicht spielen würde, sondern Olegg auf der Bühne stehen würde. Wir waren sehr skeptisch was ihn anbelangt, aber er hat mich doch positiv überrascht. Seine Frisur als Sträfling fand ich nicht wirklich sehr passend, dafür hat er sowohl passend gespielt als auch gesungen, schön tief und verbittert. Vom Bischof hat er dann größere und schönere Leuchter bekommen. Bei „Wer bin ich“ begannen dann schon die Textkürzungen. Am Anfang war ein kurzes Stück herausgenommen. Den letzten Ton dieses Liedes wollte Olegg dann irgendwie etwas ziehen, was aber die Folge hatte, dass dieser recht schief wurde. Als Bürgermeister kam er überzeugend rüber und sang auch ruhiger. Die Szene mit dem Wagen, war sehr schnell und ich glaube, wer nicht weiß, was dort vor sich geht, hat doch Mühe es mitzubekommen. Als Fantine das Kissen für Cosette hielt, zeigte er, dass er davon etwas irritiert war. Beim Doppelten Schwur waren Norbert und er stimmgewaltige, gleichwertige Partner. Während des Liedes tätschelte er Fantines Kopf, der unter der Decke war, nicht gerade sehr gefühlvoll. Ihm reichte ein kurzer Schlag und schon lag Javert am Boden und er konnte fliehen, um Cosette zu holen. Zusammen mit der kleinen und großen Cosette spielte er gut und man nahm ihm den laufenden Alterungsprozess ab. Bei „Morgen schon“ hat man ihn, aufgrund seiner kräftigen Stimme, sehr gut herausgehört. Als er von Eponine den Brief bekommen und ihn daraufhin gelesen hatte, wiederholte er: „Marius“. Auf der Barrikade spielte er sehr überzeugend. Das Kostüm stand ihm, fand ich, von den ganzen, die er hatte, am besten. Sein „Bring ihn heim“ hat mir nicht gefallen. Ich mag seine Kopfstimme nicht und die lauten Töne bei dem Lied waren nicht sehr schön. Da hab ich eindeutig schon bessere Versionen gehört. Seine Bruststimme gefällt mir um einiges besser als. Dass er den verletzten Marius von der Bühne geschleppt hat, hab ich im Getümmel der Barrikaden gar nicht mitbekommen, er kam dann, sichtlich erschöpft, mit Marius während der „Kanalisation“ wieder herein. Vor der Hochzeit, als er seine Vergangenheit offenbarte, humpelte er schon ganz schön, sehr überzeugend gealtert. Er hat zum Schluss noch mal schön gespielt und gesungen. Alles in allem passte sein Schauspiel zu seinem Gesang und ich glaube nur sehen oder nur hören würde beides nicht überzeugen. Manchmal fehlte mir etwas sein Gefühl in der Stimme, dann hörte er sich so an, wie seine Augen aussahen, denn die sehen, für mich, eiskalt und irgendwie leer aus. Schwer zu beschreiben, aber ich mag sie nicht wirklich. Beim Schlussapplaus sah er auch richtig fertig aus, ist sicher heftig diese Rolle ohne Pause durchzuspielen!
Seine tiefen Töne waren sehr schön und er hat eine solide Leistung gebracht und war insgesamt gesehen recht gut.
Javert: Norbert Lamla
Er hat das Recht sehr gut verkörpert. Er war sehr strikt und ernst, wie es sein sollte. Gesanglich war er sehr stark und seine schöne, tiefe Stimme passte super zu der Rolle und verdeutlichte seine Stärke. Auch die kleine hohe Passage vor „Wer bin ich“ hat er gut gesungen. Beim doppelten Schwur konnte man erstmals beide Stimmen verfolgen, Javert ging auf keinen Fall unter, wie ich es zuvor immer nur kannte. Sein „Sterne“ war sehr gut gesungen und passend gespielt, allerdings fehlte mir irgendwie etwas Besonderes bei dem Lied, es war solide und alles stimmte, aber so ganz ist der Funke nicht übergesprungen. Am Himmel war leider noch kein Stern zu sehen. Bei „Morgen schon“ konnte er sich durch seine kräftige Stimme hervorheben und auch auf den Barrikaden war er sehr gut. Man sah ihm an, dass er nicht glaubte, dass Valjean ihn freilassen würde und ist ziemlich skeptisch hinausgegangen. Auch bei dem letzten Treffen mit Valjean nahmen die beiden sich nichts an Stimmkraft und man konnte wieder beide verstehen, was ich sehr gut fand. Allgemein war sein Zusammenspiel mit Olegg sehr gut und sie waren ebenwürdige Gegenspieler. Man nahm Norbert am Schluss seine Verzweiflung ab und er brachte seinen Selbstmord überzeugend rüber, spielte und sang es toll. Auch die Darstellung des Selbstmords, da er in die Bühne hinein sprang, fand ich sehr gut gelöst.
Abschließend lässt sich sagen, dass er die Rolle toll verkörpert hat. Schauspielerisch war er gut und gesanglich sehr überzeugend und stark. Alles in allem der beste Javert, den ich bisher gesehen habe.
Fantine: Barbara Köhler
Sie hat mir sehr gut gefallen als Fantine. Schon unter den ganzen Fabrikmädchen, war sie recht schnell zu erkennen und es wurde dargestellt, wie sie den Vorarbeiter abweist. Ihr Spiel mit den anderen Arbeiterinnern war sehr gut und ihr „Ich hab geträumt vor langer Zeit“ war sehr schön gesungen und gespielt. Allerdings schien sie stimmlich nicht ganz fit zu sein, denn während des Liedes räusperte sie sich ein paar Mal leise, was außer uns ganz vorne wohl kaum einer gemerkt hat, aber dafür hat sie das echt toll gesungen. Als leichtes Mädel tat sie einem sehr leid und dort wurde sie von den Kürzungen getroffen und musste einen Satz weglassen, wobei dadurch irgendwie nur die Hälfte ihres Empfindens herüberkam. Ihr Zusammenspiel mit Olegg war passend und sie begann sehr schnell krank zu werden und hustete erst, als Valjean sie rettete. Ihren Tod spielte sie überzeugend und man nahm ihr tatsächlich ab, dass sie das Kissen für Cosette hielt, sehr gut gespielt von ihr. Ihr Tod war auch sehr schön gesungen von ihr. Nach ihrem Tod wurde sie dann mit der Decke komplett zugedeckt, was sicher nicht allzu angenehm war. Irgendwann während „Morgen schon“ dachte ich, ich seh nicht richtig, aber da stand Barbara zwischen den anderen des Ensembles, mit ner Fahne um und sang mit! Auch im weiteren Verlauf auf den Barrikaden hab ich sie zwischendurch immer mal wieder erkannt. Fand ich sehr komisch sie auf einmal dabei zu sehen. Ich bin der Meinung sie war es auch, die den sterbenden Gavroche in die Arme nahm. Nach dieser Verwirrung tauchte sie dann natürlich wieder ganz zum Schluss auf und sang hier auch wieder sehr schön.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sie eine tolle Fantine ist und sowohl schauspielerisch als auch gesanglich eine tolle Leistung gebracht hat und mir gut gefallen hat.
Thenardier: Heinz Kloss
Mme Thenardier: Sanni Luis
Die beiden fasse ich mal zusammen, gehören ja auch sehr dicht zusammen.
Thenardier hat mir nicht gefallen. Schauspielerisch war nichts Besonderes und gesanglich konnte er mich nicht überzeugen, weder bei „Herr im Haus“, noch bei der „Kanalisation“ oder „Bettler ans Buffet“. Auch sein Aussehen in der Rolle gefiel mir nicht wirklich, gegen alle Beschreibung des Buches. Er wirkte sehr blass und unscheinbar. Sein Kostüm bei der Hochzeit war nicht gut gewählt, nichts Buntes oder schrilles. Mit seiner Bande hat er ganz gut zusammengespielt, wobei er da teils nicht von den anderen zu unterscheiden war. In der Kanalisation hat der alles gut abgenommen und mit Sanni hat er recht gut zusammengespielt.
Sanni hat mir da doch besser gefallen. Stimmlich war sie sehr gut, fies, motzig, es passte sehr gut zur Mme Thenardier. Ihr Spiel mit den beiden Kindern war sehr gut und als sie meinte „bis eben war ich …… noch nett“ machte sie dazwischen eine lange Pause, als wüsste sie nicht so ganz was sie jetzt sagen sollte, sehr witzig. Beim Handel spielte sie die Trauer um Cosette sehr gut und pflichtete Heinz immer bei. Als Javert die beiden gefangen nehmen wollte und Thenardier begann sich rauszureden und fragte, ob er gehen könne, kam von Sanni ein „ich auch, ja?“, war schon lustig. Sanni schien mir an manchen Stellen etwas übertrieben fröhlich, was nicht unbedingt hätte sein müssen. Auch die Szene von „Herr im Haus“ allgemein fand ich etwas übertrieben dargestellt, aber dazu später etwas. Bei der Hochzeit fiel mir Sanni nicht großartig auf, nur bei Bettler ans Buffet, wo sie allerdings wieder etwas übertrieben war, was aber wohl an der Inszenierung lag. Mit Heinz hat sie durchaus gut zusammen gespielt und ihre Kostüme waren passender als die des Thenardiers.
Es lässt sich sagen, dass Sanni mir ganz gut gefallen hat, Heinz hingegen weniger. Die Thenardiers gehören zusammen und wenn einer eine nicht überzeugende Leistung bringt, wirft das Schatten auf den anderen. Teilweise fand ich die beiden etwas übertrieben dargestellt und es waren die ersten Thenardiers, über die ich nicht sonderlich lachen konnte, nur ab und zu über Sanni.
Klein Cosette: Sophie Charlotte Elflein / Leah Lomb
Ich weiß nicht genau welche der beiden gespielt hat, auf jeden Fall war sie richtig gut. Sie hat toll und sehr schön gesungen. Sie hat eine klare Stimme und hat „In meinem Schloss“ absolut sauber gesungen, was mir richtig gut gefiel. Auch vom Schauspiel her war sie gut. Durch die Inszenierung war nicht sehr viel zu tun, da auch das Treffen mit Valjean gekürzt war. Beim Handel hat sie sich ganz fest an Olegg geklammert und man sah ihr an, dass sie schleunigst weit weg will von den Thenardiers. Sie hat echt schön gesungen und die Rolle toll gespielt. Finds immer wieder klasse wie die kleinen das hinbekommen, Hut ab!
Cosette: Eva Aasgaard
Der Übergang von der kleinen zur erwachsenen Cosette passte, denn beide hatten blonde Haare, was allerdings im ersten Moment bei der großen etwas gewöhnungsbedürftig war. Auch hatte sie, entgegen gesetzt anderer Inszenierungen, sehr helle, gar weiße, Sachen an. Ich war sehr gespannt auf ihre Stimme und die kam bei „Schon so lang“ zum ersten Mal zum Einsatz. Solang sie nicht arg so hoch sang, war ihre Stimme noch recht angenehm, doch die ganz hohen Töne, die ja nun mal zur Rolle gehören, waren sehr grell, was mir einfach nicht liegt. Dennoch hat sie eine sehr klare und, wenn sie nicht gerade ganz so hoch singt, schöne Stimme. Sie hat ihren Teil sehr gut gesungen und gespielt. Man sah ihr an wie durcheinander sie war, wegen des Treffens mit Marius, sie hielt sich ganz verträumt am Tor fest. Ihr Zusammenspiel mit Marius war gut und auch mit Valjean harmonierte sie. Bei „Morgen schon“ fand ich es ein bisschen schade, dass sie von Anfang an bei Valjean stand und sich Marius nur zuwandte. Vor „Jeden Tag“ rief sie erst mal „Marius, Marius“ bevor sie begann, den etwas abgeänderten Text des Liedes, zu singen. Dabei machte sie dann seine Vorstellung aus „Schon so lang“ nach, was mich wieder schmunzeln ließ. Beim Epilog spielte sie die Angst um Valjean sehr gut und es war noch mal ein schöner Abschluss.
Zusammenfassend war sie schauspielerisch toll, gesanglich wurde sie der Rolle gerecht, auch wenn ich mich damit nicht sonderlich anfreunden kann, sie hat gut gesungen und toll mit den anderen harmoniert, solide Leistung.
Klein Eponine: Marlin Martach / Marie Rosenfeld
Hier hab ich keine Ahnung welche der beiden gespielt hat. Auf jeden Fall war sie ganz niedlich und hat den kurzen Auftritt gut gespielt. Sie hatte ja nicht viel zu tun, außer einmal die Zunge rauszustrecken und auf Cosette zu zeigen. Dass sie von der Bühne gegangen ist, hab ich auch gar nicht mitbekommen. Die Entwicklung zur großen Eponine passte auch, beide hatten so ziemlich die gleichen rot braunen Haare.
Eponine: Janina Goy
Die Rolle der Eponine mag ich immer besonders gerne, leider bin ich von Janina als Eponine etwas enttäuscht wurden. Sie war nicht so frech, wie die Rolle sein sollte und das ist ein wichtiger Charakterzug Ponines, der leider nicht ausgefüllt wurde. Schauspielerisch wirkte sie auch sehr erwachsen, was nicht zur Rolle passt. Sie sah zwar jung aus, aber dies kam durch ihre Stimme und Schauspiel leider nicht so wirklich rüber. Ihr Zusammenspiel mit Marius war gut. Als sie über Cosette singt, war auch sie von den Kürzungen getroffen und der Anfang der Unterhaltung mit Marius war weg, sehr schade. Man konnte ihr ansehen, dass sie unter ihrer unerfüllten Liebe litt, aber sie war dabei nicht so keck, wie es hätte sein können. Bei „Schon so lang“ wie auch „Mein Herz ruft nach dir“ hat sie sich gesanglich gut hervorgehoben. Es war interessant inszeniert, dass sie vorne an dem Pfosten saß und die anderen beiden weiter hinten auf der Hauptbühne agierten, so war sie sehr distanziert. Der Anfang des Überfalls war wieder gestrichen und sie mischte sich in das ablaufende Geschehen ein. Sie stellte sich irgendwie bedrohlich vor das Tor, was etwas komisch aussah. Ihr Schrei war sehr hoch und durchdringend. Bei „Morgen schon“ konnte man sie oft heraushören, weil sie immer dann sang, wenn die anderen eine Pause hatten. Ihr „Nur für mich“ gefiel mir nicht sonderlich, da sie eher sauer statt verzweifelt wirkte und auch so sang. Schade fand ich auch, dass währenddessen hinter ihr alle noch auf den Barrikaden rumturnten, dadurch kam dieses Einsame des Liedes absolut nicht zur Geltung. „Der Regen“ war ganz schön und vor allem sacht gesungen, sie hat auch überzeugend gespielt. Als sie gestorben war, packten die Stundenten sie halb in ihren Mantel ein, bevor sie sie wegtrugen, sah nicht sehr bequem aus. Leider wurde die darauf folgende Unterhaltung der Studenten weggelassen, was ich sehr schade fand, es war immer so schön wie Ponine von denen geehrt wurde. Den Epilog sang sie noch mal ganz gut, wobei Barbara sie übertönte.
Alles in allem fand ich sie nicht wirklich überzeugend. An manchen Stellen war sie ganz gut, ihr Gesang war solide, aber nicht überzeugend, ihr Schauspiel, wie angesprochen, zu erwachsen.
Marius: Patrick Schenk
Er sah anders aus als auf den Fotos im Programmheft, da er keinen Bart mehr hatte. Bei seinem ersten Auftritt musste ich zwei Mal hingucken, um ihn zu erkennen, da er und Enjolras nicht sonderlich von den anderen Studenten zu unterscheiden waren. Er spielte gut mit Enjolras und Ponine zusammen. Gesanglich war er ganz gut, aber nicht herausragend. Die Verliebtheit in Cosette hat man ihm abgenommen und er hat allen schön vorgeschwärmt. Mit den Studenten hat er gut gespielt. Er ließ sich sehr von Enjolras und den anderen Studenten mit reißen und sang beim „Lied des Volkes“ mit, im Gegensatz dazu lief ein Marius in einer anderen Inszenierung bei dem Lied von der Bühne, solche Unterschiede finde ich sehr interessant zu sehen. Er hatte sichtlich nur Augen für Cosette und er harmonierte gut mit ihr. Seine Vorstellung war sehr witzig. Cosette und Marius stehen durch die Tür des Tores getrennt, er stellt sich vor und streckt seine Hand energisch durch die Stäbe, wobei er gleich darauf merkt, dass es etwas zu energisch war, hat mir gut gefallen. War auch witzig wie Eva ihn später nachmachte. Bei „Morgen schon“ stand er recht verlassen, was ich nicht ganz passend fand, man hätte ihn wenigstens zwischen Cosette und die Studenten positionieren können, dann wäre die Zerrissenheit noch herausgekommen. Auf den Barrikaden war es wieder sehr schwer ihn zu erkennen. Sein „Dunkles Schweigen an den Tischen“ war gut gesungen und passend dazu wandelte er durch die Tische des stehen gelassenen ABC-Cafes. Seine Krücke nahm ihm Cosette dann weg, dafür drückte Valjean ihm seinen Gehstock in die Hand, den Patrick dann auch nach der Unterhaltung mit hinausnahm. Der Schluss war gut gespielt von ihm.
Insgesamt eine gute, solide Leistung. Er hat die Rolle ausgefüllt, auch wenn sie in dieser Inszenierung nicht so viel Spielraum bot, das geht noch besser.
Enjolras: Ivar Helgason
Er hat mir sehr gut gefallen als Enjolras. Zwar war auch er nicht einfach zu erkennen zunächst, denn er war nicht anders gekleidet, als die anderen Studenten, was ich etwas schade fand, ihn hätte man mehr hervorheben müssen. Man hat ihm richtig angesehen wie viel Spaß er hatte und mit welcher Energie und Begeisterung er diese Rolle gespielt und ausgefüllt hat, einfach klasse! Als er mit den anderen Studenten sprach, funkelten seine Augen voller Tatendrang. Er harmonierte sehr gut mit den Studenten und auch mit Marius. Er war ein super Anführer und hatte sichtlich alles unter Kontrolle. Grantaires Verhalten gefiel ihm spürbar nicht, jedoch drückte er ihm am Schluss eine Flasche in die Hand, mit einem Gesichtsausdruck, der sagte: Da, dann bist du wenigstens still. Klasse gespielt von ihm! Auch gesanglich war er spitze, sehr schöne Stimme, die toll zu den Liedern passte. Alles sehr toll gesungen und auch in seiner Stimme spiegelte sich die Stärke des Anführers wider. Die Barrikadenszene hat er gut gespielt, sehr überzeugend, auch wenn sie irgendwie gekürzt war. Ich fand es etwas schade, dass er während der Kämpfe, zwar als letzter aber dennoch, angeschossen wurde und dann erst die Fahne schwenkte, wobei er erschossen wurde. Im Buch wird gesagt, dass er unverletzt erschossen wird, empfand ich deshalb ein bisschen als Entehrung des Enjolras durch diese Inszenierung, aber nichts desto trotz toll gespielt, echt super! Beim Schlussapplaus tanzte er auf der Bühne herum und hatte sichtlich noch seinen Spaß. Teilweise hatte ich allerdings etwas Angst er würde bald mal im Orchestergraben landen, aber dem war zum Glück nicht so.
Abschließend zu ihm lässt sich sagen, dass er mir super gefallen hat, er war ein toller und würdiger Anführer, dem man jedes Wort abgenommen hat. Gesanglich so wie schauspielerisch top, einer der besten des Abends!!
Gavroche: Antje Eckermann
Dass die Rolle fehl besetzt war, war uns von vornherein klar. Gavroche als Frau darzustellen, wobei er doch ein kleiner Junge ist, geht nicht. Dass dies so ist, wurde uns bei „Schaut her“ bewusst. Zwar sprach sie deutlicher als die kleinen Jungs, die ich bisher kannte, aber das stand nicht im Verhältnis. Trotzdem hat sie viel aus der Rolle herausgeholt. Zwar hat es nicht gepasst, dass sie „Gavroche weiß, was er tut“ gesungen hat, aber na gut. Als sie dann weglief und Ponine kam, hielt sie kurz inne und schaute in ihre Richtung, war toll gespielt, genau wie bei Ponines Tod, als Gavroche anfing zu weinen, aber wer das Buch nicht kennt, konnte da wohl keine Verbindung ziehen. Wenn die Rolle schon von einer Erwachsenen gespielt wird, dann hätte man auch mal deutlich machen können, dass sie eigentlich Eponines kleiner Bruder ist, wo die beiden schon so aufeinander eingegangen sind. Gesungen und gespielt hat sie gut, nur konnt ich mich einfach nicht mit der Wahl Gavroche als Hosenrolle darzustellen, anfreunden, was nicht an ihrer Darstellung liegt. Ihr Tod war recht komisch inszeniert, denn sie wurde einmal angeschossen, ging dann die Barrikade herunter, während sie „Wir kleinen“, was auch nicht so wirklich zu ihr passte, sang und lag dann letztlich auf der Barrikade.
Insgesamt hat sie recht gut gespielt und gesungen, aber Gavroche muss einfach ein kleiner Junge sein, weshalb ich diese Lösung nicht toll fand.
Das Ensemble sei noch zu erwähnen. Alle haben toll gesungen und gespielt. Einige waren immer wieder zu erkennen, wie zum Beispiel das Fabrikmädchen, was auch eine sehr gute Stimme hatte. Bei den Studenten ließen sich einige auch gut auseinander halten. Gut fand ich auch, dass die Studenten und die Bande von Thenardier einzeln besetzt waren, also keiner war Student und Verbrecher zugleich. Interessant war auch, dass zwischendurch einige immer noch was gesagt haben, was man nur ganz vorne verstehen konnten. Auf der Barrikade kämpften auch die Frauen mit, die interessanter Weise dafür zuständig waren die Gewehre neu zu füllen, da frag ich mich doch, warum Ponine dann weg sollte… Das Mikro von dem Zuhälter war nicht an, weshalb nur wir ganz vorne ihn verstehen konnten, später ging sein Mikro allerdings. Alle haben einen guten Job gemacht und toll gespielt, so wie gesungen! Ob Chor oder Ensemble, alle waren klasse!
Zum Schluss noch etwas zur Inszenierung an sich. Wie ich zwischendurch schon einfließen lassen hab, gab es durchaus gut gelöste Szenen, wie auch weniger gut gelöste. Vor allem in Thenardiers Schenke und nachher bei der Hochzeit fand ich es einfach übertrieben dargestellt. Es war ein großes Durcheinander, das nicht wirklich Spaß gemacht hat mit anzuschauen. Zu übertrieben! Auch auf den Barrikaden war dies so. Manchmal ist weniger mehr, es wurde sehr viel mit Blut gespritzt, was einfach to much war und ich bezweifele, dass es weiter hinten noch zu erkennen war. Ich empfand es als störend. Durch die Seitenbühnen war das Geschehen verteilt, aber manchmal landeten wichtige Szenen an der Seite oder im Hintergrund war noch viel los. Das Bühnenbild war passend, wobei ich einmal nicht verstanden hab, was zwei Holzelemente darstellen sollten. Die Kürzungen hielten sich zwar in Grenzen, aber manches fehlte mir schon. Die Übergänge wurden manchmal ein wenig holprig, aber ich denke das wird nur Kennern aufgefallen sein. Genauso wie die Textänderungen die sich durch das Stück zogen. Die meisten waren passend, aber ich war immer wieder etwas irritiert, wenn etwas geändert oder gar gekürzt war. Interessant war, dass in den Flaschen und Gläsern wirklich was zu trinken war, oft spritze dann was raus, wenn die Flaschen wüst hingestellt wurden. Die Kostüme waren manchmal nicht so passend, aber durchaus sehr eigen.
Alles in allem lässt sich sagen, dass mir die Inszenierung, auch wenn es einige Kritikpunkte gibt, recht gut gefallen hat. Es war allgemein eine gute Leistung der Darsteller, zwar mir Schwächen und Stärken, aber insgesamt recht gut. Es war eine schöne Show und Les Mis lohnt sich immer wieder anzuschauen, wobei bei diesem Stück immer eine Pause angebracht wäre, die ich sehr vermisst habe.
~*Niemand nimmt mir meine Träume und schließt meine Sehnsucht ein, wo es Liebe gab und Freiheit wird mein Herz für immer sein*~