Besetzung
Elphaba: Sabrina Weckerlin
Glinda: Jana Stelley
Fiyero: Mark Seibert
Madame Akaber: Barbara Raunegger
Der Zauberer von Oz: Carlo Lauber
Nessarose: Nicole Radeschnig
Dr. Dillamonth: Matthias Dressel
Moq: Stefan Stara
Damenensemble:
Heather Carino, Maria Graciano, Sam Hale, Kisha Howard, Emma Hunter, Valerie Link,
Barbara Schmid, Lanie Sumalinog, Maike Switzer
Herrenensemble:
Paul Boereboom, Ben Cox, Cosimo de Bartolomeo, Rhys George, Michael Kargus, Jimmy Laremore, Artur Molin, Stefan Poslovski, Rey Rodriguez
Dirigent: Boris Ritter
Gleich zu Anfang muss ich mal anmerken, dass ich es ziemlich unfair finde, dass weder Chistery (!) noch Elphabas Eltern in der Besetzungsliste namentlich erwähnt werden!

So nun aber mal zu meinem Bericht. Nachdem wir den Tag über bei strömendem Regen Stuttgart begutachtet hatten, brachen wir so gegen halb fünf von unserem Hotel in richtung SI-Centrum auf. Das Palladium Theater hatten wir auch schnell gefunden, wir wahren vor vielen Jahren schon einmal hier gewesen um uns die Schöne und das Biest anzusehen (Gott, ist das lange her!



Als wir den Saal betraten war mein erster Gedanke: „Ach je, das ist aber klein.“ Das soll jetzt nichts gegen das Theater an sich sein, nur als ich das Bühnenbild sah, hab ich automatisch den Vergleich mit London angestellt und dort ist die Bühne eben beinahe doppelt so groß. Nichts desto trotz war das Bühnenbild eins zu eins das Gleiche (nur eben in kleiner



Das Ensemble, wie wir später feststellten, war entsprechend der Bühne auch um einiges kleiner, das fiel aber nicht wirklich auf, weil sie eben hier die Bühne gut ausfüllten. Ansonsten war alles genau wie in London (und ich vermute mal auch überall sonst auf der Welt

Auch fiel mir auf, dass es doch ein Nachteil ist, dass die Geschichte „Der Zauberer von Oz“ in Deutschland eben nicht allgemein bekannt ist und so gingen manche Anspielungen darauf, besonders gegen Ende (z. B. wo Elphaba diese Klappe im Boden aufmacht und Dorothy anraunzt), einfach sang- und klanglos unter, wo es in London einige Lacher gegeben hatte. Gemerkt haben wir das auch an unseren Eltern, denen wir nach der Vorstellung erstmal einige Zusammenhänge erklären mussten.

So, da die Handlung ja doch allseits bekannt sein dürfte, geh ich jetzt auch nicht weiter auf die Szenen im Einzelnen ein, sondern schreibe lieber mal etwas zu den Darstellern des Abends (hier stell ich jetzt mal bewusst keine Vergleiche zum West End an, weil das wohl doch etwas gemein währe):
Sabrina Weckerlin als Elphaba: Ach ja, was soll ich da schreiben? Also sagen wir mal so: Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Sie hat sich stimmlich seit ihrer „Constanze“ (*pieps pieps*) bei 3M doch weiterentwickelt (und auch seit den ersten Aufnahmen von ihr als Elphie, die auf Youtube zu hören waren). Sie hat eine durchaus kräftige Stimme, zumindest in den Höhen. Bei den tiefen Tönen allerdings, wie z. B. bei „Ich bin es nicht“, ist sie kaum bis gar nicht mehr zu hören. Naja, zum Glück gibt es nicht ganz so viele tiefe Stellen für Elphie aber eigentlich bin ich der Ansicht, dass eine alternierende Besetzung einer so wichtigen Rolle (ja eigentlich der wichtigsten des Stückes) alle Töne sicher singen können sollte.

Nun, zumindest vom Gesang her fand ich sie wenigstens ganz nett, wenn sie auch sicher nicht an die anderen Besetzungen herankommt. Was mich nur nach wie vor wirklich nervt und was sich auch nicht geändert hat, ist ihre Aussprache: Man hat nach wie vor sowohl beim Gesang als auch bei den gesprochenen Passagen den Eindruck, dass sie einen ausländischen Akzent hat. Wäre ja an sich nicht so schlimm, wenn sie aus einem anderen Land käme, aber so…Wo kommt der her?! Oder hat sie sich den bloß zugelegt, weil es eben chic ist und so viele andere Musicaldarsteller (aus natürlichen Gründen) ja auch einen haben? Das nervt mich irgendwie schon länger bei ihr, aber naja. Was meine Schwester noch meinte: Sie singt irgendwie alle Lieder gleich und zwar so, als wären es Popsongs. Dabei bleibt aber leider die Interpretation, die ja bei Musicalsongs doch recht wichtig ist, etwas auf der Strecke. Als Popsängerin wäre sie vermutlich gar nicht schlecht. Schließlich hat sie ja laut Castheft auch schon mal in einer (oder sogar mehreren) Bands gesungen…Wäre sie mal dabei geblieben!
O.K. ich will jetzt auch nicht gemein sein. Ihre schauspielerische Darstellung der Elphaba war anfangs noch recht sympathisch, allerdings ihre rebellische Seite wirkte bei ihr eher etwas zickig. Mein allgemeiner Eindruck war der, dass bei ihr irgendwas fehlte. Und mit der Zeit wurde es immer deutlicher: Ihr fehlt einfach diese einnehmende Bühnenpräsenz, diese die gesamte Bühne beherrschende Ausstrahlung. Vielleicht ist es auch einfach weil sie eben doch noch verdammt jung ist. Zu jung vermutlich für eine solche Rolle. Ich habe sie an manchen Stellen einfach nicht für voll genommen. Auf der Wicked_bühne in London wäre sie einfach rettungslos untergegangen. Und: Die Liebe zu Fiyero, insbesondere diese knisternde gegenseitige Anziehung bei „Solang ich dich hab“ war für mich einfach nicht zu spüren. Das hab ich den beiden einfach nicht abgenommen. Wobei ich ihr jetzt nicht die alleinige Schuld daran geben will, da ich ihn ja nicht im Zusammenspiel mit anderen Elphies gesehen habe.

Jana Stelley als Glinda: Sie hat für so manches entschädigt, was bei Elphaba fehlte! Stimmlich fand ich sie wirklich beeindruckend. Kräftig sowohl in den Höhen als auch in den tieferen Passagen! Und ihr Spiel… Ja, sie ist zwar ziemlich klein (was gerade neben dem doch recht großen Mark Seibert ziemlich auffiel


Ich bin froh, sie auf der Bühne gesehen zu haben!
Mark Seibert als Fiyero: Ja, an diesem Mann scheiden sich offenbar die Geister… Meine Schwester: „Mah, das ist aber auch ein toller Mann!“ ahem, naja, vielleicht bin ich ja nicht ganz normal, aber ich finde ihn nun so was von gar nicht attraktiv (auch damals bei Romeo und Julia schon nicht), ist eben nicht mein Typ… Aber über eins waren wir uns schon einig: Singen kann er!!!



Barbara Raunegger als Madame Akaber: Sie hat mich durch ihr Schauspiel von Anfang an beeindruckt! Ihre Gesangsparts fallen ja nicht weiter ins Gewicht, aber ich fand, sie hatte durchgehend eine enorme Präsenz und hat die erst ach so nette Unterstützerin von Elphie, die sich nachher als falsche Schlange entpuppt, großartig und rollenausfüllend dargestellt!
Carlo Lauber als der Zauberer von Oz: Tja, bei dieser Rolle ist es immer etwas schwierig, die Leistung zu bewerten, da sie ja nicht ganz so viel hergibt. Herr Lauber hat den freundlichen „Onkel“ sehr schön gespielt und seine Statur und seine Sprechstimme passten wirklich sehr gut zu der Rolle. Allerdings den bösen, intrigierenden Schuft hab ich ihm nicht abgenommen. Auch seine Bestürzung als er erkannte, dass Elphaba seine Tochter war, kam für mich nicht deutlich genug rüber. Seine „Wandlung“ zum am Ende gebrochenen alten Mann wurde nicht recht deutlich, weil er eigentlich irgendwie durchgehend ein „armes Würstchen“ war.
Dennoch habe ich ihn irgendwie gemocht, eben weil er so sympathisch war (vielleicht auch wegen seiner Stimme, die mich irgendwie an meine alten Hörspielkassetten erinnerte

Nicole Radeschnig als Nessarose: Also mir hat sie wirklich gefallen! Meine Schwester hat irgendwie an ihrem Gesang rumgemäkelt, aber ich fand, sie hat schön gesungen (naja, ich kenn mich da ja auch nicht so aus…


Matthias Dressel als Dr. Dillamonth: Er hat ja nur eine recht kleine Rolle, aber die hat er gesanglich sowie auch Schauspielerisch gut ausgefüllt! Die Szene in der er sich mit Elphie „das Pausenbrot teilt“ war wirklich niedlich! Joa, vielmehr kann ich zu ihm auch gar nicht sagen.
Stefan Stara als Moq: Neben Glinda mein heimlicher Liebling des Abends!




Das Ensemble soll natürlich auch nicht unerwähnt bleiben! Eine tolle Gesamtleistung von allen! Sie haben super getanzt, wunderbar gesungen und mir damit immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken gejagt! Wirklich, so wie man es sich von einem Ensemble wünscht! Auch wenn sie bei solchen Bewertungen eigentlich nie genügend gewürdigt werden, möchte ich doch wenigstens sagen, dass mich die Leistung aller, auch wenn sie keinen Rollennamen hatten, wieder einmal stark beeindruckt hat!
Genau wie übrigens die Leistung der Licht- und Tontechniker und wer da noch so alles hinter der Bühne kreucht und fleucht, die auch an diesem Abend wieder für einen reibungslosen Ablauf der Show gesorgt haben und ja (Ungerechterweise! Ich spreche aus Erfahrung!

Ja und mein Fazit: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt den langen Weg nach Stuttgart zu machen! Eine tolle Show, eine (weitestgehend) gute Besetzung… da kann man sich nicht beklagen. Wicked ist, auch in Deutschland (trotz der Übersetzung) eines der beeindruckendsten und mitreißensten Musicals, die ich bisher gesehen habe!