Muslimische Feiertage in Deutschland gefordert

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Re: Muslimische Feiertage in Deutschland gefordert

Beitragvon duketgg » 04.04.2013, 18:18:28

Crischa hat geschrieben: Religiöse Feiertage dort, wo sie beheimatet sind und ihren Ursprung haben.
Dann hat Deutschland ab sofort keine religiöse Feiertage mehr, da sie alle von irgendwo bzw. irgendjemandem übernommen wurden, angefangen mit den Kelten.
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Re: Muslimische Feiertage in Deutschland gefordert

Beitragvon serena » 04.04.2013, 22:10:14

Sisi Silberträne hat geschrieben:Bei uns gilt das Konkordat, welches die strikte Trennung zwischen Kirche/Religion und Staat regelt. Gibt es so etwas in der Art bei euch nicht?

Doch, aber parallel dazu ist das Christentum die bevorzugte Religion in Deutschland.
(@ duketgg: Staatsreligion (auch offizielle Religion) ist eine von einem Staat gegenüber anderen Religionen bevorzugte Religion. Nicht mehr, nicht weniger. )
Und dass in Deutschland der Staat nicht völlig losgelöst ist von der Kirche sieht man zwei Punkten: Den offiziellen Feiertagen (sie sind vom Staat als offiziell anerkannt) und dem Einsammeln der Kirchensteuer.

Die Regelung, was am Karfreitag auf einer Bühne gezeigt wird und was nicht, beruht auf der alten Unterscheidung zwischen U(nterhaltungs)- und E(rnsthafter) Kunst. Wenn ich das übliche Fensehprogrammbetrachte, kann ich den Einwand der Bühnen durchaus verstehen...

duketgg hat geschrieben:
Crischa hat geschrieben: Religiöse Feiertage dort, wo sie beheimatet sind und ihren Ursprung haben.

Dann hat Deutschland ab sofort keine religiöse Feiertage mehr, da sie alle von irgendwo bzw. irgendjemandem übernommen wurden, angefangen mit den Kelten.

Aber alle alten Feste, die auf hiesigem Gebiet gepflegt wurden, könnten wir weiter feiern, da sie dann doch hier beheimatet waren. ;)

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Re: Muslimische Feiertage in Deutschland gefordert

Beitragvon duketgg » 05.04.2013, 09:00:17

serena hat geschrieben: Doch, aber parallel dazu ist das Christentum die bevorzugte Religion in Deutschland.
(@ duketgg: Staatsreligion (auch offizielle Religion) ist eine von einem Staat gegenüber anderen Religionen bevorzugte Religion. Nicht mehr, nicht weniger. )
Das ist eben das Problem: Wieso "bevorzugt" der Staat überhaupt eine Religion?
Wie gesagt: Wir ziehen gegen Staaten in den Krieg, die ganz offen und ehrlich eine Religion bevorzugen - und tun dann daheim aber genau dasselbe. Wo liegt dann da der Unterschied zwischen uns und den anderen? Was wollen wir ihnen beibringen?

Und wie wird hierzulande überhaupt entschieden, welche Religion zu bevorzugen ist?
Schaut man, wieviele Leute in welche religiöse Gebäude gehen, um sich dann für die Religion zu entscheiden, die mehr Anhänger hat? Wenn es so wäre, dann würden Christen unter Obhut des WWF, nicht des Staates, stehen.
Schaut man, was auf der Lohnsteuerkarte steht, um zu wissen, wieviele Leute Religion A, wieviele Religion B usw. angehören, um sich dann für die Religion zu entscheiden, der den meisten angehören? Wenn es so wäre, dann wären Atheisten in der Mehrzahl (ich gehe davon aus, dass jemand nicht gläubig ist, wenn auf "Konfession" das Zeichen "--" steht; 2010 machte es 34,6 % der Bevölkerung aus) und der Staat würde endlich so sein, wie es im Grundgesetz steht.

serena hat geschrieben: Und dass in Deutschland der Staat nicht völlig losgelöst ist von der Kirche sieht man zwei Punkten: Den offiziellen Feiertagen (sie sind vom Staat als offiziell anerkannt) und dem Einsammeln der Kirchensteuer.
Was Kirchensteuereintreibung geht, so wird es seit 1973 darüber gestritten. Kaum zu glauben, die FDP hat die Diskussion iniziiert und die Forderung nach der Ersetzung des staatlichen Kirchensteuereinzugs durch ein kircheneigenes Beitragssystem findet sich auch heute noch in ihrem Programm. :shock:
Die Kritik aus innerkirchlicher Perspektive wurde katholischerseits von einzelnen Theologen (Horst Herrmann, in neuerer Zeit Paul Zulehner) und von Gruppen wie dem "Bensberger Kreis", der "Initiative Kirche von unten" und der "Kirchenvolksbewegung" bzw. "Wir sind Kirche" vorgetragen.
Auf evangelischer Seite war es zum Beispiel der "Bund gegen Kirchensteuermissbrauch e. V. Bremen".
Der Dietrich Bonhoeffer-Verein hat in den letzten Jahren einen Reformvorschlag erarbeitet (Kultursteuer und Sozialsteuer statt staatlicher Kirchensteuereinzug), Karl Martin hat diesen Vorschlag in seiner Publikation Abschied von der Kirchensteuer vorgestellt.

serena hat geschrieben: Die Regelung, was am Karfreitag auf einer Bühne gezeigt wird und was nicht, beruht auf der alten Unterscheidung zwischen U(nterhaltungs)- und E(rnsthafter) Kunst. Wenn ich das übliche Fensehprogrammbetrachte, kann ich den Einwand der Bühnen durchaus verstehen.
Vor allem weil es damals um die Absage der Premiere von Puccinis Madama Butterfly (eine tragische Oper durch und durch; ernster als dort kann es ja nicht zugehen) im Aalto-Theater ging.

serena hat geschrieben: alle alten Feste, die auf hiesigem Gebiet gepflegt wurden, könnten wir weiter feiern, da sie dann doch hier beheimatet waren. ;)
Ich freue mich schon auf Hochzeiten nach Art der Druiden am Glauberg. :greetings-clappingyellow:
Ich hab eine solche Hochzeit letztes Jahr im Steinkreis von Brodgar (Orkney, Schottland) gesehen und fand es höchst interessant. Außerdem scheint die Zeremonie sehr günstig zu sein, noch günstiger als beim Standesamt.
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Re: Muslimische Feiertage in Deutschland gefordert

Beitragvon serena » 06.04.2013, 22:18:19

Da wäre es schön, wenn sich die Kritiker der Kirchensteuer endlich durchsetzen könnten! Gibt es neben Deutschland überhaupt noch Länder mit Kirchensteuer?

Von mir aus kann jeder Staat eine Religion bevorzugen. Das heißt ja nicht, dass man gegen andere Religionen in den Krieg ziehen muss. Aber das haben unzählige Generationen fast aller Glaubensrichtungen bis heute nicht verstanden. Und dass wir Krieg gegen andere Staaten führen, beruht offiziell nicht auf deren Religion, sondern auf Verstöße der Menschenrechte (als ob ein Krieg das nicht tut :roll: ) und dem Versuch, anderen Demokratie beizubrigen (wofür ein Krieg ja das "passende" Beispiel ist :roll: ).
Wie der Staat die bevorzugte Religion findet, ist meist doch historisch gewachsen. Vor den großen neuzeitlichen Einwanderungswellen spielte der Islam hier halt keine Rolle. Warum sollte man hier diese Religion also so intensiv berücksichtigen? In anderen Ländern sind halt Christen eine Randerscheinung. Dort sieht man die Sache bestimmt genau so, nur mit umgekehrter Einstufung der Religionen. Aber das ist so überall gleich entstanden, also leben wir alle unter den gleichen Bedingungen und keiner ist irgendwie besser.

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Re: Muslimische Feiertage in Deutschland gefordert

Beitragvon duketgg » 07.04.2013, 09:44:32

serena hat geschrieben:Gibt es neben Deutschland überhaupt noch Länder mit Kirchensteuer?
In Italien muss man jedes Jahr bei der Steuererklärung ein Formular ausfüllen, wem man 8‰ des Einkommens zukommen lassen möchte. Mögliche Optionen sind: Staat, katholische Kirche, Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Mormonen (die sich dann aber das Geld, das ihnen zusteht, nicht holen), Baptisten, Waldenser-Methodisten (in Italien haben sich die Waldenser und die Methodisten 1979 zu einer gemeinsamen Kirche zusammengeschlossen), Pfingstgemeinden, Evangelisch-lutherische Kirche, jüdische Gemeinden, Buddhisten, Hinduisten, Apostolische Kirche, griechisch-orthodoxe Kirche.
Alsbald der Vertrag mit ihnen ratifiziert wird, wird man sich auch für die Zeugen Jehovas entscheiden dürfen.

Dazu gibt es noch ein Formular, womit man entscheiden muss, wem man 5‰ des Einkommens zukommen lassen möchte. Mögliche Optionen sind Staat und kulturelle, soziale und wohltätige Einrichtungen und Verbände. Wenn deine Heimatstadt z.B. ein Tierheim hat, kannst du das Geld an das Tierheim geben.
In meiner Heimatstadt gibt es eine Einrichtung, die sich um Kinder und Erwachsene mit dem Down-Syndrom kümmert - in der Schule, im Job usw..
Meine Eltern geben jene Einrichtung das Geld.

Füllt man die Formulare nicht aus, nimmt den Staat das Geld und gibt es angeblich für kulturelle, soziale und wohltätige Initiativen aus.
Man hat aber festgestellt, dass der Staat bisher damit die Einsätze der italienischen Armee in Afghanistan usw. finanziert hat. :angry-banghead: :angry-banghead:
Zuletzt geändert von duketgg am 08.04.2013, 07:42:39, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Muslimische Feiertage in Deutschland gefordert

Beitragvon serena » 07.04.2013, 22:18:59

Also prinzipiell ist mir die Entscheidungsmöglichkeit für die Steuern lieber als die Zwangsabgabe für zwei Richtungen von Großinstitutionen. Kriege betrache ich allerdings nicht als kulturell, wohltätig oder sozial. :twisted:


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